Lange war es ja ruhig geworden um die geplante ECE Shopping-Mall in der Ludwigstraße, doch am Rande des Stadtrats am Mittwoch erfuhr Mainz&: Der Investor ECE hat offenbar Probleme. Der sogenannte China-Pavillion wird nicht verkauft, und die Deutsche Bank hat sich für einige Jahre ebenfalls ihr Haus gesichert. “Das Projekt wackelt”, sagte SPD-Stadtrat Andreas Behringer am Mittwoch Mainz&.

China Pavillon Ludwigstraße Mainz - Foto: gik
Um diesen Pavillon, genannt China-Pavillon, geht es – Foto: gik

Die Bürgerinitiative Mainzer Ludwigstraße hatte schon Mitte Juli gemutmaßt, das Projekt Einkaufszentrum sei infrage gestellt, auch weil dafür benötigte Grundstücke nicht zur Verfügung stehen. Dazu gehört vor allem auch der vorgelagerte Pavillon, in dem sich jahrzehntelang ein China-Restaurant befand. Die Besitzer wollen offenbar in keinem Fall verkaufen – erst recht nicht an ECE.

Dazu sei, so erfuhr Mainz&, der Mietvertrag für die Deutsche Bank gerade erst verlängert worden, und zwar für einige Jahre. Die Deutsche Bank sitzt in dem für EC E sehr wichtigen Grundstück an der Ecke Ludwigstraße/Weißliliengasse, ohne das große Gebäude wäre ein großes Shopping Center nicht zu machen. Mehr noch: ECE hatte eine Kaufoption für das Gebäude, die aber lief im Sommer 2013 aus und wurde auch nicht verlängert.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Das ECE-Konzept stehe “vor dem Scheitern”, meint deshalb die BI Ludwigstraße und fordert “Die bisherigen Planungen und politischen Begründungen müssen auf den Prüfstand.” Nun eröffne sich die Chance umzusteuern, und die ursprünglichen Leitlinien für die Entstehung des Einkaufszentrums zu realisieren. Zu den im Oktober 2012 vom Stadtrat verabschiedeten 89 Leitlinien gehörten unter anderem eine Begrenzung der Verkaufsfläche und der Gastronomieangebote, integrierte Wohnungen in dem Komplex sowie eine kleinteilige Bebauung und eben nicht ein monolithischer Mega-Komplex, der sich unter Umständen auch noch von der Stadt abschottet.

Die BI beruft sich für ihre Einschätzung der Lage auf einen Artikel der Immobilien-Zeitung vom 10. Juli 2014, der unter der Überschrift stand: “ECE wechselt den Kurs.” Der Shoppingmall-Entwickler habe zunehmend Probleme, seine Megazentren zu verwirklichen, neue Center wie die Frankfurter Skyline Plaza kämen nicht mehr in Schwung – die Kunden blieben aus. Dazu reduziere der Online-Handel das Expansionsverhalten, und so sei die Zeit großer Einkaufszentren möglicherweise vorbei, heißt es in dem Artikel weiter.

Die Pavillons auf der Ludwigstraße mit Dom - Foto: gik
Die alten Einkaufs-Pavillons auf der Ludwigstraße sollen der ECE-Mall weichen – Foto: gik

Die BI folgerte daraus, ein erneuter Konsens zwischen Politik und Bürgerschaft zum Einkaufszentrum sei nötig, die Verhandlungen mit ECE müssten solange ausgesetzt werden. Die ECE-kritische ÖDP wollte nun von der Stadtverwaltung wissen, ob es tatsächlich Umplanung gebe, wie der Stand der Verhandlungen sei, und ob es eine neue Bürgerbeteiligung geben soll.

Die Antwort ist durchaus spannend: Ja, man verhandele aktuell mit dem Investor, und man spreche “über die Aspekte, die die öffentliche Bauaufgabe einer städtebaulichen Neuordnung an der Ludwigstraße betreffen.” Verklausuliert heißt das nichts anderes als: Ja, wir reden über Bauten und Bauen an der Ludwigstraße. Die Verhandlungen seien “zum aktuellen Zeitpunkt” noch nicht abgeschlossen, sobald dies der Fall sei, werde man städtische Gremien und Öffentlichkeit informieren.

Und dann folgt ein spannender Satz: “Die Stadt Mainz geht aufgrund der augenblicklichen Grundstückssituation von einer deutlichen Verringerung der Gesamtfläche aus”, heißt es da, und das heißt nichts anderes als: Die Shopping Mall wird kleiner! Dies, so die Stadt weiter, würde ja auch “den Forderungen aus dem Einzelhandel und aus den Reihen der Bürgerinitiative entgegenkommen.”Der Erwerb der für das Projekt erforderlichen Grundstücke sei im Übrigen Aufgabe des Investors, heißt es weiter – und das klingt ja ganz schön distanziert….

Für eine Neuauflage der Ludwigstraße-Foren, in denen ja die ursprünglichen Leitlinien entwickelt wurden, sieht die Stadt aber keine Notwendigkeit. Die Ludwigstraßen-Foren seien abgeschlossen, ein Abschlussbericht liege vor, heißt es dürftig. Es werde aber ohnehin im Rahmen der Erstellung des Bebauungsplans eine Bürgerbeteiligung geben.

Das Thema bleibt also spannend…

Werbung

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein