So früh war wohl selten eine Weinlese in Deutschland beendet: Es ist gerade einmal der 12. Oktober, und die meisten Winzer haben ihre Trauben schon gelesen und im Tank. Die Winzer haben in den vergangenen zwei Wochen geradezu eine Turbolese hingelegt, der Grund dafür: Die Kirschessigfliege. Der kleine Schädling ist aus Asien eingewandert, und bereitete den Winzern bei uns in diesem Herbst massive Probleme. Die Folgen: deutliche Mengenverluste. Die Qualität dessen, was im Keller landete, ist aber gut.

Weinlese Hände mit Traube - Foto DWI
Viel Handarbeit, viel Aussortieren: Weinlese 2014 – Foto: DWI

Ein Glück, dass die Rebblüte so früh war: Nach einem „extrem frühen Austrieb und früher Blüte“ seien die Reben „mit einem deutlichen Entwicklungs­vorsprung in die Vegetation gestartet“, sagt das Deutsche Weininstitut (DWI), die Marketingorganisation der deutschen Winzer. Beim DWI haben sie den Überblick über alle 13 deutschen Weinanbaugebiete und können daher Aussagen treffen wie: Die Reife der geernteten Trauben sei trotzdem gut gewesen, das Qualitätsniveau der Ernte gut.

Die Erntemenge werde wohl etwas über dem langjährigen Durchschnitt von bundesweit 9,2 Millionen Hektolitern liegen. Damit hätten die Winzer die Chance, nach der relativ kleinen 2013er Ernte „die knappen Bestände wieder aufzufüllen.“ Das gilt nach Mainz&-Informationen für unser Gebiet hier aber nur bedingt: Die Winzer hatten teilweise heftige Einbußen von bis zu 40 Prozent in einem Weinberg. In Ingelheim etwa gab es in manchen Weingütern einen Totalausfall beim Frühburgunder, andernorts traf es den Dornfelder.

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Der Grund heißt Kirschessigfliege und ist entgegen seines Namens ein asiatischer Einwanderer. Durch den milden Winter 2013 konnte sich das Tierchen stark vermehren, seine Beute: Obst – und danach die Weintrauben. Im Gegensatz zu ihren heimischen Artverwandten hat die asiatische Fliege einen Sägeapparat und bohrt damit die Trauben an, die sind dann offen für Krankheiten und Pilze. Und nachdem die Obstbäume abgeerntet waren, wanderte die Fliege in die Weinberge, wo sie zuerst von der roten Farbe angezogen wurde.

Rotweintrauben - Foto DWI
Leckere rote Trauben – für die Kirschessigfliege – Foto: DWI

Teilweise rochen die Winzer schon am Fuße des Weinbergs starke Essignoten, dann half nur noch eins: ganz schnell ernten. Dabei musste dann auch noch viel ausgesiebt werden, so kamen zum Teil starke Verluste zustande. Dazu kam der viele Regen im August, der für Fäulnis an den Trauben sorgte – nein, es war keine einfache Weinlese in diesem Jahr, Und weil es auch im September nicht zu regenen aufhörte, handelten die Winzer entschlossen – und ernteten, was die Maschinen und Menschen hergaben.

Beim DWI heißt das dann diplomatisch „teilweise sehr herausfordernde Rahmenbedingungen in diesem Herbst, die einen hohen Grad an Selektions- und Handarbeit im Weinberg erforderten.“ Genau 😉 Und so ist Mitte Oktober die Weinlese schon zu Ende, die normalerweise bis Ende Oktober reicht, gerade in Riesling-Gebieten wie dem Rheingau.

Alles nur Ausnahme meint Ihr? Leider nein, denn wie meint das DWI so treffend: „Der Klimawandel mit den einhergehenden Wetterextremen macht immer öfter schnelle Reaktionen nötig.“ Hoffen wir also, dass unsere Winzer trotz der widrigen Umstände wunderbare Weine in den Kellern zaubern. Wir sagen Euch dann Bescheid, wenn wir probiert haben 😉

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