Den amerikanische  Sheriffhut kennt man inzwischen ja, aber schon mal eine Polizeimütze aus Ruanda gesehen? Oder aus Katar, Australien, Italien? Genau das kann man derzeit im Mainzer Polizeipräsidium: Noch bis Mittwochnachmittag stehen besuchern die Türen offen für eine der wohl kuriosesten Sammlungen der Stadt. Das Mainzer Polizeipräsidium besitzt nämlich mit 519 Polizeimützen die weltweit größte Sammlung dieser Art. Dafür stehen die Mainzer vom 1. Februar an auch im Guinness Buch der Rekorde. Am Montag präsentierten sie stolz die Weltrekords-Sammlung.

Man muss nicht gleich Militärfan oder Polizeiexperte sein, um den Besuch bei den Polizeimützen zu genießen. Schon die schiere Masse der Mützen ist wirklich faszinierend. Die Stücke stammen von Polizistenköpfen in Rhodesien, England, und den USA, kommen aus afrikanischen Staaten wie Ruanda, aus dem nordafrikanischen Marokko oder sogar aus dem fernen Japan und Australien.

„Ein Stück Zeitgeschichte“ nannte denn auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) die eindrucksvolle Sammlung am Montag bei der Präsentation, und meinte gut gelaunt dann noch: So etwas könne wirklich auch nur in der Fastnachtshochburg Mainz vorkommen. Recht hat der Mann!

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Ihren Ursprung hat die Sammlung tatsächlich in der Fastnacht: Der Mainzer Orfied Müller suchte eine neue Fastnachtsverkleidung – und sah in einer Gaststätte in Straßburg ein französisches Militärkappi an der Garderobe hängen. Flugs machte Müller lange Finger, und das Fastnachtskostüm war gesichert. Der Fischzug sei heute verjährt, beeilte sich der heute 82 Jahre alte Müller zu versichern, und bekam dafür auch prompt die Absolution des Innenministers höchst persönlich.

In Müller war aber die Sammelleidenschaft geweckt: Die erste Polizeimütze danach ergatterte er ausgerechnet im benachbarten Wiesbaden. So froh war der Mainzer über das errungene Stück, dass er glatt zu Fuß von Wiesbaden auf den Mainzer Lerchenberg pilgerte – wie er zuvor für den Erfolgsfall geschworen hatte.

Danach war der Sammler nicht mehr zu halten: Müller schrieb Briefe ins In- und Ausland, stöberte Polizeimützen aller Art auf Flohmärkten und bei Sammlertreffen auf. Aus Russland bekam er Exemplare, weil ein Bekannter bei der Luftlinie Aeroflot arbeitete. Im marokkanischen Agadir schenkte ihm der Polizeichef persönlich seine Mütze samt Chefstern, Müller transportierte das gute Stück zerlegt in seine Einzelteile in verschiedenen Koffern.

Besonders abenteuerlich war eine Reise in die DDR: Müller brachte eine DDR-Polizeimütze mit und informierte zur Sicherheit darüber sogar den militärischen Abschirmdienst. Als dann der DDR-Spion Günter Guillaume enttarnt wurde, rieten die Geheimen Müller: „Fahren Sie bloß nie mehr rüber, sonst behalten die Sie noch!“

Müller sammelte weiter, die Regenbogenpresse schrieb über ihn, er trat in Talkshows auf. „Sie müssen sich einen Namen machen“, erzählt er. Nach den Fernsehauftritten kamen die Mützen sogar mit der Post. Der rumänische Diktator Nicolae Ceaucescu schickte Müller gar seine eigene Mütze, wenige Tage bevor er am 25. Dezember 1989 hingerichtet wurde.

Am Ende besaß Müller Polizeimützen aus allen fünf Kontinenten: 282 Polizeimützen aus ganz Europa, dazu 105 aus Nordamerika, 56 aus Asien, 38 aus Afrika, 21 aus Südamerika und 15 aus Australien. Darunter sind Polizeimützen, die wie Tirolerhüte aussehen, harte Helme und amerikanische Sheriffhüte. Müller aber beschloss, mit dem Sammeln aufzuhören, und seine 519 Polizeimützen der Mainzer Polizei zu schenken. Das war 2009, und seitdem sammeln sie im Mainzer Polizeipräsidium weiter.

Der Mainzer Polizeipräsident Karl-Heinz Weber kündigte an, weitere 20 Polizeimützen beizusteuern. Am Montag kam dann noch ein Fax der Botschaft der Republik Korea in Mainz an: Morgen, hieß es darin, bringen wir Euch eine koreanische Mütze!
Wer jetzt neugierig geworden ist und sich das Ganze mal ansehen will: Das Mainzer Polizeipräsidium lädt am Dienstag, den 21. Januar, und am Mittwoch, den 22. Januar, von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr zum Besichtigen ein.

1 KOMMENTAR

  1. Ist sehr Schön ,würde Gerne wissen wem die Sammlung Gehört.Um ihn Kennen zu Lernen.Wir haben in München auch eine Sammlung im Polizeipräsidium .

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