Gestern hatten wir ja über das Gerücht berichtet, die Stadt Wiesbaden habe eine weitere Untersuchung zur Lesselallee in Auftrag gegeben, und zwar zu dem Bakterium Pseudomonas syringae. „Es gab eine Untersuchung zu Pseudomonas“, bestätigte der persönliche Assistent von Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU), Thomas Kroppen, am Montagnachmittag auf Mainz&-Anfrage. Die Untersuchung sei wohl in den Sommerferien erfolgt. „Es hat dort keinen Befund gegeben“, sagte Kroppen weiter.

Lesselallee hinter Gittern - Foto: gik
Bleibt die Lesselallee hinter Gittern oder wird sie gefällt? – Foto: gik

Damit stellen sich nun die Fragen, warum diese Untersuchung in die Wege geleitet wurde, wer sie durchführte – und wieviel Geld dafür ausgegeben wurde. Beide Fragen haben wir natürlich auch Kroppen gestellt, eine Antwort dazu wurde uns zugesagt, wofür wir uns schon mal ganz ernst gemeint bedanken.

Warum noch eine Pseudomonas-Untersuchung?

Die Tatsache der Untersuchung aber wirft Fragen auf: Warum wurde völlig überraschend ein weiteres Gutachten für eine weitere Krankheit in Auftrag gegeben, von der bislang nie die Rede war? Die Stadt argumentiert ja bereits seit Monaten, die 74 Kastanien der Lesselallee seien vom Wurzelpilz Phytophthora so stark geschädigt, dass sie unbedingt gefällt werden müssten. Warum wird nun nach einer weiteren Krankheit gesucht, die sich offenbar nicht bestätigte? Wurde hier womöglich Geld für eine unnötige Untersuchung ausgegeben?

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Eingang zur Lesselallee mit Zaun und Demoaufruf - Foto Kirschstein
Wie riesig diese Bäume doch sind… – Foto: gik

Bemerkenswert dabei ist auch, dass uns am Wochenende Baumprofessor Ulrich Weihs ja noch gesagt hatte, nach seinem Eindruck werde “nach Krankheit um Krankheit gesucht”, um die Allee als krank und fällenswert hinzustellen. Auch die Bürgerinitative „Rettet die Kastanien“ hatte in einer Mitteilung von der Pseudomonas-Untersuchung gesprochen, was Ihr beides hier nachlesen könnt. Gut möglich, dass sich Dezernent Franz dazu in der heutigen Sitzung des Umweltausschusses einige Fragen wird anhören müssen.

Das Gutachten zum Thema Pseudomonas stand übrigens am Montagabend auch nicht auf der Internetseite der Stadt Wiesbaden zur Lesselallee, vielleicht war es ja noch zu neu. Kroppen jedenfalls bestätigte Mainz& noch, dass die Stämme von einem Teil der gefällten Kastanien tatsächlich auf die Kiesgrube Delkenheim kommen sollen – als Totholz für Insekten.

Der Umweltausschuss soll heute am frühen Abend über die Frage entscheiden, ob die 74 uralten Kastanien nun gefällt werden oder nicht. Die Fällgegner wollen das mit Anträgen noch verhindern: Es gibt einen Antrag, der sich mit dem Kompromissvorschlag des BUND zu einer dreijährigen Denkpause beschäftigt, ein weiterer fordert ein neues Gutachten zur Lesselallee in Auftrag zu geben.

Die gemeinsame Fraktion von Linken und Piraten fordert in einem Antrag, die Kastanienallee zu erhalten, durch Fällung entstandene Lücken mit Kastanien erneut zu bepflanzen, die Verkehrssicherheit der Allee umgehend zu prüfen, baumpflegerische Maßnahmen einzuleiten – und den Zaun abzubauen.

Lesselallee - Zaun mit Schild "Magistrat legt Bäume um" - Foto: gik
„Die Bäume trotzden dem Sturm, aber der Magsitrat legt sie um“ – so sehen es die Kostheimer Fällgegner – Foto: gik

Die Fraktion beruft sich dabei auch darauf, dass Weihs die Allee für vital und erhaltenswert hält, dass Dengler selbst öffentlicht am 31. Juli sagte, er habe niemals die Fällung der Allee vorgeschlagen, sondern den Kompromissvorschlag des BUND für eine dreijährige Denkpause befürworte.

70.000 Euro ausgegeben, 220.000 Euro sollen noch folgen

Und die Fraktion nennt Zahlen: So sei nach Auskunft des zuständigen Dezernats im September 2013 wurden in den Jahren 2008 bis 2013 insgesamt rund 70.000 Euro für die Lesselallee ausgegeben – ein „ganz erheblicher Teil hiervon für Gutachten.“ Zudem stünden jetzt im städtischen Haushalt für die „Erneuerung“ der Lesselallee jeweils 70.000 Euro pro Haushaltsjahr zur Verfügung, weitere 80.000 Euro wurden „außerplanmäßig vom Kämmerer zur Verfügung gestellt.“

Damit hätte die Lesselallee bereits jetzt 70.000 Euro gekostet, und würde mit Fällung und Erneuerung einen Betrag von 220.000 (!) Euro verbrauchen. Mainz& findet: Davon könnte man die Allee lange pflegen… Linke und Piraten haben übrigens am 31. Juli auch eine Anfrage gestellt, wofür genau die 220.000 Euro vorgesehen sind – nach Angaben der Fraktion gibt es dazu bis heute keine Antwort. Die Geschäftsordnung des Wiesbadener Magistrats sieht eigentlich eine Antwortfrist von vier Wochen vor.

Info& auf Mainz&: Am heutigen Dienstag, dem 16. September, beginnt um 17.00 Uhr die Sitzung des Umweltausschusses der Stadt Wiesbaden im Rathaus. Die Tagesordnungspunkte Nummer 8, 9 und 10 beschäftigen sich mit der Lesselallee auf der Maaraue. Es wird damit gerechnet, dass der Ausschuss mit der Mehrheit von CDU und SPD Ja zum Fällen der Allee sagt.

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