Das war mal ein deutliches Zeichen: Mehrere Tausend Menschen sind am Montagabend in Wiesbaden gegen Rassismus und Hass auf die Straße gegangen. „Nein“ zu den Anti-Islam-Aktivisten von Pegida, „Ja“ zu Toleranz, Offenheit und einer bunten Gesellschaft, das war die Botschaft von Wiesbaden. Damit beeilte sich die hessische Landeshauptstadt, es der rheinland-pfälzischen gleich zu tun – die Mainzer hatten vor genau einer Woche gegen Pegida und Rassismus demonstriert.

No Pegida Wiesbaden - Menge am Hauptbahnhof
Der Demonstrationszug am Wiesbadener Hauptbahnhof: Der Vorplatz war voll – Foto: gik

Wie viele in Wiesbaden auf die Straße gingen? Das ist umstritten, sozusagen 😉 Die Polizei sprach von 8.000 Teilnehmern, aber sorry, liebe Wiesbadener – das waren eher um die 5.000. Mehr als 5.000 sagten auch die Organisatoren, und wir sagen mal so: Wenn das in Wiesbaden 8.000 waren, dann sind vor einer Woche in Mainz 4.000 unterwegs gewesen 😉

Deutschland steht auf gegen Rassismus – als einzige in Europa

No Pegida Wiesbaden Plakat gegen Ausgrenzung und Fremdenhass
Das war die Botschaft von No Pegida in Wiesbaden! – Foto: gik

„Ich finde es toll, dass in Deutschland so viele Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen“, sagte Lex Hoogstad Mainz&. Hoogstad war Initiator der Aktion, der gebürtige Holländer hatte die Anregung auf Facebook „Wann gibt es das auch in Wiesbaden“ aufgenommen, und einfach die Facebook-Seite No Pegida Wiesbaden ins Leben gerufen.

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„Dann geriet das etwas aus dem Ruder“, sagte Hoogstad bescheiden – will sagen: Die Lawine begann zu rollen, die Resonanz wuchs und wuchs. „Es ist wunderbar, ich kann es kaum glauben“, sagte der Sozialwissenschaftler am Montagabend strahlend, angesichts der Menge. Und er machte den deutschen ein Kompliment: Nirgends in Europa gebe es so etwas, das Menschen in Massen gegen Rassismus auf die Straße gehen. Ist uns eben richtig wichtig 🙂

Professionelle Organisation in Wiesbaden

No Pegida Wiesbaden - Viele Fahnen am Hauptbahnhof
Viele (Gewerkschafts)fahnen am Wiesbadener Hauptbahnhof – Foto: gik

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Wiesbaden übernahm schließlich die Organisation, was dazu führte, dass die Wiesbadener Demo deutlich „professioneller“ verlief: Neun Redner, Rednerpult am Hauptbahnhof, ein Wagen bei der zweiten Kundgebung, viele Gewerkschaftsfahnen und ein Medienverteiler – Wiesbaden war größer, Mainz charmanter 😉

Und so gab es auch deutlich mehr professionelle Transparente – wie das mit der Aufschrift „Wir sind Obst!“ Das unter der Schirmherrschaft des Wiesbadener Oberbürgermeisters Sven Gerich (SPD) stand. Obst??? „Obst ist bunt“, erklärte eine ältere Dame. Ach so…

Die zentrale Aussage aber war in beiden Städten natürlich dieselbe, und darauf kommt es ja auch an: „Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Hass, das hat mit dem Christentum nichts zu tun“, betonte Hoogstad. So etwas im Namen einer Religion zu verbreiten, wie die Pegida-Organisatoren in Dresden, das gehe gar nicht.

„Wir sind das Volk“ – aufs Schärfste missbraucht

No Pegida Wiesbaden - Plakat Wir sind Obst
Wir sind Obst??? Stand da tatsächlich. Erklärung der Dame: „Obst ist bunt.“ Ach so – Foto: gik

Der Slogan „Wir sind das Volk“, von Pegida vereinnahmt, werde von den Anti-Islam-Gegnern „auf das Schärfste missbraucht“, sagte ein Redner, und wir glauben es war Philipp Jacks, Wiesbadener Kreisschef des DGB. Leider gehen gerade unsere Notizen durcheinander, die klugen Worte können also auch von Ricardo Lenzi Laubinger, Vorsitzender der Sinti-Union Hessen, stammen – wir entschuldigen uns ausdrücklich für die Verwirrung. Aber wichtig ist: Sie wurden gesagt!

Denn der Ursprung von „Wir sind das Volk“ lag in der früheren DDR im Jahre 1989, dort skandierten ihn die Montagsdemonstranten in Leipzig und anderswo – es war der Ruf nach Freiheit. Den nun für Engstirnigkeit, Hass und Intoleranz zu gebrauchen – Leute, das ist eine bodenlose Frechheit! Und ja, das war jetzt ein Kommentar von uns. Von Herzen. 😉

„Stolz auf die Bürger, die für Freiheit stehen“

No Pegida Wiesbaden - Menge auf der Bahnhostraße
Kundgebung bei No Pegida Wiesbaden auf der Bahnhofstraße – Foto: gik

„Wir sind stolz auf die Bürger, die für Freiheit stehen“, rief Attila Karabörklü, stellvertretender Vorsitzender der türkischen Gemeinde in Hessen, der Menge zu. Und betonte, die weit überwiegende Mehrheit der Muslime teile die westlichen Werte von Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Akzeptanz und Toleranz.

„Wir sind ein Bestandteil dieser Gesellschaft“, betonte Karabörklü, und es muss gesagt werden: da klatschten nur einige Wenige…. Es gehe aber doch nicht an, dass „unsere Kinder sich in der Schule rechtfertigen müssen“, sagte der Moslem Karabörklü, und das sehen wir genauso. Doch im Angesicht der Menge auf der Bahnhofstraße rief er: „IHR seid die Antwort!“

Bisher hat es übrigens weder in Mainz noch in Wiesbaden Versuche gegeben, eine Anti-Islam-Demonstration nach Vorbild der Dresdener Pegida ins Leben zu rufen. Sollte es doch dazu kommen, sagte Gewerkschafter Jacks, „gehen wir wieder auf die Straße.“

 

2 KOMMENTARE

  1. Der Slogan “Wir sind das Volk”, von Pegida vereinnahmt, werde von den Anti-Islam-Gegnern “auf das Schärfste missbraucht”, sagte ein Redner,
    Hallo Frau Kirschstein, der Redner sagte war ich, Ricardo Lenzi Laubinger Vors. der Sinti-Union Hessen e.V.

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