Heute startet auf dem Messegelände in Hechtsheim das Mainzer Oktoberfest, und wir sehen Euch schon verblüfft die Augen reiben und sagen: Wie bitte? Doch, Ihr habt richtig gelesen: Es gibt ein Oktoberfest in Mainz, und das schon zum zehnten Mal. Veranstalter ist das Proviant-Magazin, pro Jahr kommen rund 45.000 Gäste zu der Gaudi auf der Wies’n, pardon: dem Parkplatz 😉 Gefeiert wird in einem großen Bierzelt – und der Großteil der Gäste kommt in Dirndl und Lederhosen.

Oktoberfest-Manfred Wappel (l) und Thomas Meinlschmidt 08 Foto: Oktoberfest
Mainzer Oktoberfest mit Festwirt Manfred Wappel und Küchenwirt Thomas Meinlschmist – Foto: Oktoberfest

Man glaubt es ja kaum, aber Oktoberfeste liegen voll im Trend. Gensingen, Bingen, Wiesbaden – überall tauchen balu-weiße Fahnen auf, stehen, ganz normale Leute auf einmal in Dirndl und/oder Lederhose auf der Straße. „Den Leuten gefällt’s, weil’s ein schöner Abend ist, mit der Musi‘ und der Bierbank und so“, sagt Mirco Vettermann, und der muss es wissen: Seit neun Jahren verkauft der Regensburger Trachten und alles, was dazu gehört auf dem Mainzer Oktoberfest, und offenbar lohnt sich das ja.

Tracht gehört dazu

„80 Prozent der Gäste haben mittlerweile die Tracht an, das gehört einfach dazu“, sagt Vettermann. Und es gebe ja nicht nur Dirndls und Lederhosen, auch eine schöne Trachtenbluse mit Mieder oder ein kariertes Hemd gehe als Outfit, sagt der Trachtenexperte. Der Großteil der Gäste versorge sich aber schon vorher, etwa im Internet, oder auch im Urlaub in München.

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Bei Vettermann können die Gäste dann kaufen, was noch fehlt: Hüte und Socken, Ketten, Armband, Schuhe, Jacken. „Die Kunden sagen selbst: im Dirndl oder in der Lederhose, da macht’s feiern mehr Spaß“, betont Vettermann, und schließlich gehe man „zu Fasching ja auch im Kostüm hin.“

Oktoberfest-Trend: Fastnacht im Oktober

Voll im Trend: Gaudi mit Tracht, hier von Trachtenmode Fuchs - Foto: gik
Voll im Trend: Gaudi mit Tracht, hier von Trachtenmode Fuchs – Foto: gik

Fastnacht im Oktober also ist offenbar der heiße Trend. Ähnliches hat man ja auch schon zu Halloween, dem Gruselfest am Abend vor Allerheiligen. Das amerikanische Fest ist längst auch zu uns geschwappt, und so ziehen inzwischen auch in deutschen Orten Kinder als Vampir, Fledermaus oder Skelett verkleidet von Haus zu Haus und fordern „Trick or Treat“ – „Süßes, oder es gibt Streiche.“ Die Firma Haribo hat inzwischen ganze Treat-Sets herausgebracht: Eigens abgepackte Mini-Tüten mit dem entprechenden Süßen drin.

Auch die Oktoberfest-Industrie lässt die Kassen klingeln, in Mainz wird satte vierzehn Tage lang gefeiert. Das liegt allerdings auch an dem runden Jubiläum, dazu haben die Veranstalter nämlich ein langes Wochenende dran gehängt. „Die Leute wollen Spaß haben, wollen Party feiern“, sagt Pressechef Kristian Steinbrücker. Die Idee hatte der inzwischen verstorbene frühere Geschäftsführer Robert Graßl, er brachte die Kombi aus Volksmusik und Partyspaß nach Mainz.

Schweinshax’n und Kässpätzle – und die Maß für 9,60 Euro

Seither ist das 4.400 Quadratmeter große Zelt mindestens gut gefüllt, wenn nicht ausverkauft. 70.000 Gäste werden im Jubiläumsjahr erwartet. Für die richtige Wies’n Stimmung sorgen vor der Tür Autoscooter und Bratwurststand, zu Essen gibt’s natürlich Schweinshax’n und Käsespätzle, aber auch Winzersteak und Spundekäs.

Die Essenspreise sind mit 3,80 Euro bis 14,50 Euro für die Schweinshaxe moderat, beim Bier nähern sich die Mainzer aber den Münchnern an: 9,60 Euro kostet die Maß Bier, für Cola oder Wasser muss man 4,10 Euro für einen halben Liter hinlegen. Man habe schließlich hohe Kosten durch Zelt, Infrastruktur und Bands, verteidigt Steinbrücker die Bierpreise.

Feiern wie auf der Wies'n mit Maß Bier, serviert von Oberkellner Gerhard - Foto: Mainzer Oktoberfest
Feiern wie auf der Wies’n mit Maß Bier, serviert von Oberkellner Gerhard – Foto: Mainzer Oktoberfest

Partybands wie Partyteufel und Trenkwalder

Die Musik bewegt sich strikt im Partybereich: Dem Publikum heizen etwa die Münchner Zwietracht, die Bayrischen 7, die Isartaler Hexen oder die Partyteufel ein, letztere wurden 2013 zu Deutschlands bester Partyband gekürt. Aus Mainz kommt die Spaßband Echt Guat, am letzten Oktoberwochenende geben sich sogar die Trenkwalder, Stars der Volksmusikszene, die Ehre.

Und jedes Jahr wird als Aushängeschild ein „Mainzdirndl“ gewählt, das von zwei Mainzmädels unterstützt wird – die Weinköniginnen lassen grüßen. Jedes Jahr habe man dafür zwischen 20 und 40 Bewerber, sagt Steinbrücker. Das Schönste am Mainzer Fest seien aber die fröhlichen und vor allem friedlichen Menschen, betont er noch: In zehn Jahren habe es nicht ein einziges Mal eine Schlägerei gegeben.

Mit Bayern, sagt Vettermann noch, habe das Ganze übrigens gar nichts mehr zu tun, die Trachten seien völlig unabhängig von dem, was in Bayern wirklich getragen werde. „Es ist eben ein Trand“, sagt der Trachtenspzialist noch, „irgendwann wird das wieder vorbei sein.“

Info& auf Mainz&: 10. Mainzer Oktoberfest vom 9. bis 26. Oktober, immer ab 19.00 Uhr, Montags ist Ruhetag, Eintritt ist frei. Alles rund um Reservierung, Essen und Trinken findet Ihr auf www.oktoberfest-in-mainz.de. Die MVG bietet Sonderbusse zum Festgelände, Infos unter www.mvg-mainz.de. Trachten von Vettermann findet Ihr unter www.fuchs-trachtenmoden.de.

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