Es ist eine der wichtigsten Kulturinstitutionen in Mainz, und wie das in Mainz offenbar so üblich ist, wird seit Jahren darum gestritten. Die Rede ist vom Kulturzentrum am Fort Malakoff, besser bekannt als das KUZ. Was hier über Jahrzehnte hinweg stattfand, hat die Stadt Mainz und eine ganze Generation geprägt: Buena Vista Social Club, BAP, Badesalz, die Jugendsendung „Doppelpunkt“, und natürlich die legendären KUZ-Parties von Dark Awakening bis zu Ü30 – vor allem Letzteres schien das KUZ erfunden zu haben. Doch eines schmälerte die Freude am KUZ: seine Zukunft war ungewiss. Nun scheinen Stadt Mainz und KUZ-Betreiber eine Vereinbarung gefunden zu haben: das KUZ 2.0.

Logo des KUZSeit 1996 schon laufen Verhandlungen für den Verkauf des KUZ von der Stadt an die Betreiber – das sind satte 18 Jahre. 1981 wurde das Kulturzentrum Mainz e.V. von einer Gruppe frei schaffender Künstler gegründet, die alte Industriehalle am Winterhafen wurde von der Stadt Mainz gemietet. Es folgte das für Mainz übliche Hin und Her, das KUZ pendelte zwischen Schließung und Standortbekenntnissen. Für die KUZ-Betreiber, drei Geschäftsführer, schien es einfach unmöglich zu sein, mit der Stadt eine Übereinkunft zu erzielen.

Sanierungsstau, Brandschutz, Lärmproblem

Die zwei großen Probleme des KUZ heißen nämlich: Sanierungsstau und Brandschutz. Wobei sich der Sanierungsbedarf vor allem aus den Anforderungen an Brandschutz und Lärmauflagen der Stadt fest macht – man fragt sich ja, wie das KUZ die vergangenen 33 Jahre überleben konnte…. Also ehrlich! Industriedenkmäler sind nun einmal große, alte Hallen, und andere Städte schaffen es ja auch, solche Einrichtungen zu bewahren. Anders gesagt: mit den Argumenten Lärmemissionen und Brandschutz kann man jede kulturelle Einrichtung klein kriegen…

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1990er Jahre: die Konkurrenz kommt

In den 1990er Jahren kam dann noch ein weitere Faktor hinzu: die Konkurrenz. 1991 wurde der Frankfurter Hof wiedereröffnet, und dieser „durch städtische Programmzuschüsse begünstigt“, wie es in einem Diskussionspapier zum Thema KUZ heißt, das von der Stadt nun ebenfalls veröffentlicht wurde. So kam es zu „ersten Überschneidungen“ im Programm, der Frankfurter Hof zog „mehr und mehr die spektakulären Veranstaltungen mit hohen Künstlergagen“ an sich. Anders gesagt: der Frankfurter Hof grub dem KUZ das Wasser ab…

Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit: weitere Programmstätten in Mainz fassten Fuß, so etwa die Mainzer Kammerspiele, das Unterhaus bekam neuen Schwung – und es kamen die großen Veranstaltungshallen wie die Lokhalle und vor allem die Phönixhalle hinzu. Zur Wahrheit gehört auch, dass der Schwung der KUZ-Macher zunehmend erlahmte. Und die Mainzer Szene zog es offenbar zunehmend seltener zu Großparties à la KUZ.

Bedrohung durch Luxusbebauung Winterhafen

Mit der Bebauung des Winterhafens mit Luxuswohnungen stellte sich für das KUZ eine neue und sehr akute Bedrohung. Im März 2006 gründete sich deshalb der Verein der Freunde und Förderer des KUZ, der erreichte, dass der Stadtrat am 26. September 2007 einen hoch offiziellen Beschluss fasste, das KUZ unbedingt zu erhalten. Puh.

Danach dümpelte das Thema KUZ im Vergessenen herum, 2011 versprach ein SPD-Politiker, der Oberbürgermeister werden wollte, er werde das Problem KUZ binnen seiner ersten 100 Tage zu lösen. Der Mann heißt Michael Ebling, ist seit März 2011 Oberbürgermeister von Mainz – und hat es nach zwei Jahren offenbar doch geschafft, dem KUZ eine neue Zukunft zu eröffnen.

Die neue Vereinbarung: KUZ bleibt städtisch

Und so sieht die Vereinbarung aus: Das Eigentum am KUZ soll im Laufe des Jahres von der Stadt Mainz auf die ZBM, die Zentrale Beteiligungsgesellschaft der Stadt Mainz, oder auf eine ihrer Beteiligungsgesellschaften übertragen werden. Der Mietvertrag fürs KUZ wird bis zum 30.06.2014 mit Wirkung zum 31.12.2014 gekündigt. Während einer Übergangszeit soll eine KUZ GmbH das Gebäude unter Auflagen für das Jahr 2015 anmieten und betreiben können.

Zu den Auflagen gehören die Erstellung eines Betriebs- und Belegungskonzepts, die konstruktive Begleitung der Sanierungsmaßnahmen, „sowie eine einvernehmliche Aufhebung des Kooperationsvertrages zwischen KUZ e.V. und KUZ GmbH“, heißt es im Positionspapier.

Ideenpapier KUZ 2.0

Ziel der Umstrukturierung ist neuer Glanz fürs KUZ als Haus, und neuer Schwung für das alte Kulturzentrum. KUZ 2.0 heißt ein Ideenpapier, das selbstkritisch davon spricht, dass das KUZ „am Repertoire feilen“ müsse. „Evergreens“ wie die KUZ-Parties sollen wieder aufgelegt, neue Veranstaltungen aufgelegt werden. Das KUZ solle in Zukunft „weitere lokale Kulturinitiativen einbinden, die sich ehrenamtlich engagieren, über keine großen finanziellen Mittel verfügen, aber mit ihrem Angebot die Vielfalt des kulturellen Lebens in Mainz bereichern“, heißt es in dem Ideenpapier. Ein KUZ-Kulturbeirat könne in Zukunft über die Aufnahme der Initiativen in den Kreis der sogenannten „local heroes“ entscheiden.

Weiter heißt es in dem Ideenpapier:

  • Einbindung von „local heroes“
  • regelmäßige Kulturveranstaltungen mit renommierten Besetzungen (Soul, Jazz & Funk, elektronische Musik, Rock, Kleinkunst usw.) und Tanzveranstaltungen (bspw. Salsa-Abende) in Kooperation mit lokalen Tanzschulen
  • Wöchentlicher Erzeugermarkt mit musikalischer Begleitung
  • Familienfestivals ( aufbauend auf dem bestehenden Konzept „Kids im Kuz“)
  • Kulturelle Bildungsangebote für Jugendliche ( z.B. Jugendkulturtage)
  • „Back to the roots“-Veranstaltungen – Revival alter KUZ-Klassiker
  • Open-Air-Programmkino in Absprache mit CineMayence
  • Konzerte und Parties
  • Best-Ager-Veranstaltungen

Ferner könnten die KUZ-Räume ganztägig an Kulturinitiativen, Kreativschaffende oder Vereine vermietet werden, zu Messeräumen, Ausstellungsräumen oder „Offenen Wohnzimmern“ für Kreative werden. Zudem könnte es ein Gastronomieangebot mit täglicher Küche und Biergarten geben, mit Fokus auf regionalen, frischen und erschwinglichen Speisen.

Ihr seht schon: da ist eine Menge im Fluss, aber auch noch eine Menge zu tun… „Die Neuausrichtung des KUZ soll sukzessive und nachsichtig erfolgen“, heißt es im Positionspapier zur Neuausrichtung des KUZ. Den bisherigen Geschäftsführern wird ausdrücklich „Respekt für ihre jahrzehntelange Arbeit“ ausgesprochen – das ist ja auch das Mindeste! Die bisherigen Geschäftsführer erhalten zudem die Option, als Programmverantwortliche künftig im KUZ weiter zu arbeiten – allerdings „im Rahmen einer selbständigen Tätigkeit“ mit befristeten Dienstleistungsverträgen.

Mainz& findet: das KUZ als Institution muss unbedingt erhalten bleiben! Eine Neubelebung wäre super, neuer Schwung täte dem alten Gemäuer richtig gut. Aber wehe, das Ganze führt zum schleichenden Tod des KUZ! Ich glaube, dann würden wir auch eine Pro-KUZ-Demo auf die Straße bringen 😉 Wir bleiben wachsam!

 

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