Die Brücke über die Saarstraße in Höhe der Universität bekommt Verstärkung in Form von zwei Aufzügen. Das war das Ergebnis eines Infotermins vergangene Woche der Stadt Mainz auf dem Unicampus. Da stellte die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) die Pläne vor, und die wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten. Vier Lösungsoptionen präsentierte die Stadtverwaltung für die Frage: Wie bloß komme ich über die Saarstraße?

Fußgängerbrücke Saarstraße klein
Die derzeitige Fußgängerbrücke über die Saarstraße – Foto: Stadt Mainz

Das Problem ist ja nun wirklich altbekannt: Die Brücke mit ihren wirklich steilen Treppen ist für alle Menschen, die was mit Rädern dabei haben, ein schier unüberbrückbares Hindernis. Fahrradfahrer können ja noch ihre Drahtesel die steilen Rinnen hochschieben – aber mal im Ernst: Da ist man schneller den Umweg gefahren. Menschen mit Kinderwägen sahen da schon sehr alt aus, und für Behinderte mit Rollstuhl hieß es gleich: Hier geht’s nicht weiter.

Das kann so nicht weiter gehen, befand man im Rathaus – endlich! – und so gab Eder eine Neuplanung in Auftrag. Nötig wurde die auch – vielleicht sogar erst er-möglicht? – durch den Bau der neuen „Mainzelbahn“ – das ist eine neue Straßenbahntrasse von der Innenstadt über Uni und Bretzenheim bis hinauf auf den Lerchenberg. Die „Mainzelbahn“ ist definitiv ein Thema für sich, das Mainz& demnächst auch mal genauer beleuchten wird.

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Wichtig fürs erste ist: Die Mainzerbahn soll die Saarstraße hinauffahren und entlang der Saarstraße stadtauswärts auf der rechten Seite verlaufen – also genau da, wo jetzt die Haltestelle Friedrich-von-Pfeiffer-Weg liegt. Und die Fußgängerbrücke, die von der Haltestelle über die Saarstraße aufs Unicampus führt. Ein Neubau der Brücke ist also sowieso notwendig, also wurde auch gleich ein Plan entworfen, die Brücke endlich barrierefrei zu machen.

Und dafür präsentierte die Stadtverwaltung nun vier Lösungsvarianten:

Fußgängerbrücke Saarstraße Grafik Variante 1
Variante 1: Brücke mit Rampen – Grafik: Stadt Mainz

1. Eine neue Brücke mit Treppen und auf beiden Seiten großen Rampen. Das barg gleich mehrere Schwierigkeiten: Die Rampen bräuchten enorm viel Platz, für die aber nicht nur das Baurecht fehlt, sondern auch noch Grunderwerb nötig wäre – die Stadt müsste also Grund und Boden von Anliegern kaufen. Das ist erstens erfahrungsgemäß schwierig, und zweitens meist teuer. Und dann schätzt die Stadtverwaltung die Baukosten auf satte 3,3 Millionen Euro, kein Pappenstil also.

 

Fußgängerbrücke Saarstraße Grafik Variante 2: Unterführung mit Rampen
Variante 2: Unterführung mit Rampen – Grafik: Stadt Mainz

2. Eine Unterführung mit Treppen und Rampen. Diese Variante würde weitgehend auf dieselben Probleme stoßen, wie oberirdische Rampen auf eine Brücke hinaus: Viel Grund und Boden wäre notwendig, der Platzverbrauch enorm – und Platz gibt es gerade an dieser Stelle eigentlich sowieso nicht. Dazu kommt, dass aus Sicht der meisten Stadtplaner heutzutage Unterführungen total „out“ sind: Sie gelten als „Angstzonen“, weil sie schlecht einzusehen sind und nachts meist auch noch dunkel und unheimlich wirken. Dazu wäre diese Variante die mit Abstand teuerste: 6,2 Millionen Euro schätzen die städtischen Vorrechner.

Fußgängerbrücke Saarstraße Grafik Variante 3: Neue Brücke mit Aufzügen:
Variante 3: Neue Brücke mit Aufzügen – Grafik: Stadt Mainz

3. Eine neue Brücke mit Treppen und zwei Aufzügen. Aus Sicht der Stadt löst diese Variante im Prinzip alle Probleme: Eine neue Brücke muss ohnehin her, die Barrierefreiheit wird durch zwei Aufzüge an jedem Ende hergestellt. Und – oh Wunder! – diese Variante ist auch noch die günstigste: 900.000 Euro werden für den Neubau veranschlagt, dazu kommen dann noch Unterhaltskosten von rund 28.000 Euro pro Jahr. Das ist in der Tat mehr als bei den anderen Lösungen – aber auch die verursachen Unterhaltskosten. Die Rampenvariante 9.000 Euro pro Jahr, die Unterführung 10.000 Euro pro Jahr.

Fußgängerbrücke Saarstraße Grafik Variante 4: Ampelanlage
Variante 4: Ein Ampelanlage mitten über die Saarstraße – Grafik: Stadt Mainz

4. Eine Ampel. Bleibt noch die Variante, die Brücke kommt weg, und die Saarstraße erhält eine völlig neue Ampelanlage an dieser Stelle. Dafür aber müsste nicht nur diese Stelle, sondern gleich die ganze Saarstraße an dieser Stelle umgebaut werden: mit Verkehrsinseln in der Mitte, Ampel-Anlage für die Straßenbahn, Ampel-Anlage für die Autos. Auch hierfür müsste Grund und Boden erworben und Baurecht geschaffen werden. Auf mindestens 1,1 Millionen Euro schätzt die Stadt ein solches Bauunterfangen – glaub‘ bloß keiner, dass Ampeln günstig sind. Auch hierbei fallen dann Unterhaltskosten von rund 3.000 Euro im Jahr an, aber das dürfte zu vernachlässigen sein.

Viel Entscheidender aber ist für die Stadt ein anderes Argument: der Rückstau. Die Saarstraße ist nun einmal DAS Haupteinfalltor nach Mainz und natürlich auch Ausfalltor in die andere Richtung. Schnellstraßen in Städten sind zwar ein Kind der 1970er Jahre und ihrer Leitlinie von der „Autogerechten Stadt“ – wer nachlesen will bei Wikipedia hier entlang -, aber wo die Schnellstraße doch nun einmal da ist…

Tatsache ist: die Saarstraße bewältigt einen enormen Teil des alltäglichen Berufsverkehrs in Mainz. Morgens und abends drängen sich pro Stunde rund 3.300 Autos hier entlang, pro 24 Stunden sind es im Schnitt rund 36.000 Autos, Busse und Lkws. Eine Simulation der Stadt für eine Ampel mitten drin ergab einen maximalen Rückstau von bis zu 800 Metern – bei ein Mal rot wohlgemerkt! In der Morgenspitze würden damit die Autos zusätzlich rund 16.000 Mal stoppen, und das sind 16.000 Mal bremsen, anfahren, Gas geben, sprich: Emissionen. Die Mainz nun wirklich nicht zusätzlich braucht.

Wer die Zahlen bezweifelt, mag bedenken, dass in Spitzenzeiten pro Stunde 771 Fußgänger und Radfahrer über die Ampel wollen würden – so viele queren derzeit die Brücke. Und das ergäbe sehr viele Rotphasen für die Autofahrer… Alles zusammengenommen stellt man fest: die optimale Lösung gibt es nicht, dafür herrscht auf der Saarstraße einfach zu viel Verkehr. Die Stadt Mainz favorisiert jedenfalls mit großem Abstand die Aufzugs-Variante, der Stadtrat soll sie schon am Mittwoch beschließen. Schaun mer mal 😉

Mainz& will’s wissen: Uns interessiert: Was haltet Ihr von den Planungen? Welche Variante fändet Ihr am besten – und warum? Schreibt uns Eure Meinung!

 

1 KOMMENTAR

  1. Also – Aufzüge wären am besten, die müssten allerdings regelmäßig gewartet werden, damit sie nicht dauernd außer Betrieb sind! Ampeln kann ich mir nicht vorstellen!

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