Ein Brand auf dem Mainzer Universitäts-Campus hat am Mittwochabend die Feuerwehr auf den Plan gerufen: An einem Zwischengebäude hatte sich im Dachbereich ein Dehnungsfugenbrand entwickelt, betroffen war ausgerechnet das Institut für Kernchemie. Der betroffene Gebäudeteil grenzt genau an den Baukomplex des Forschungsreaktors TRIGA Mark II. Der Reaktor wurde vorsorglich abgeschaltet, die Feuerwehr hielt in der Nacht eine Brandwache zur Sicherheit ab.

Feuerwehreinsatz am Gebäude der Kernchemie auf dem Campus der Uni Mainz. - Foto: BYC Katja Dachs
Feuerwehreinsatz am Gebäude der Kernchemie auf dem Campus der Uni Mainz. – Foto: BYC Katja Dachs

Gegen 16.30 Uhr wurde die Mainzer Polizei auf das Gelände der Johannes-Gutenberg-Universität zu einem Brand gerufen, es entpuppte sich als kein ganz normaler Einsatz: Vermutlich aufgrund von Bauarbeiten hatte sich ein Dehnungsfugenbrand auf dem Dach eines Übergangs zwischen zwei Gebäudeteilen entwickelt – und zwar ausgerechnet zwischen zwei Gebäuden der Kernchemie.

Im Nachbargebäude befand sich nun aber ausgerechnet der Forschungsreaktors TRIGA Mark II: Der Reaktor existiert seit 1965 und wurde auf Initiative von Fritz Straßmann, dem damaligen Direktor des Instituts für Anorganische Chemie und Kernchemie der Universität Mainz, eingerichtet, wie das Internetlexikon Wikipedia weiß. Niemand Geringeres als der Pionier-Chemiker Otto Hahn weihte ihn ein.

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Blick in die Reaktorhalle am Institut für Kernchemie - Foto Uni Mainz
Blick in die Reaktorhalle am Institut für Kernchemie – Foto Uni Mainz

Dass in Mainz ein echter Kernreaktor steht, wissen heute nur noch wenige, bis heute ist der Reaktor aber an etwa 200 Tagen pro Jahr in Betrieb. Geforscht wird hier unter anderem an Experimenten mit ultrakalten Neutronen (UCN), wie es auf der Homepage der Kernchemie der Uni Mainz heißt, dazu findet hier Ausbildung von Wissenschaftlern statt. Der Forschungsreaktor TRIGA Mainz verwende ausschließlich Uran mit einem Anreicherungsgrad unter 20 Prozent, und damit sogenanntes nicht-waffenfähiges Uran, heißt es bei der Uni weiter. 70 Brennelemente seien im Einsatz, berichtet Wikipedia, der Reaktor befinde sich über der Erde, umgeben von einer Abschirm-Konstruktion aus Beton.

Beim Institut für Kernchemie betont man, der Reaktor sei in Folge des Atomkraftgaus von Fukushima in Japan ebenfalls – wie alle anderen Atomreaktoren in Deutschland auch – einer Sicherheitsanalyse unterzogen worden. Ein Gutachten des TÜV habe dabei gezeigt, „dass selbst beim abdeckenden Störfall-Szenario (Flugzeugabsturzes mit Kerosinbrand bei gleichzeitiger kompletter Zerstörung des Reaktorkerns) die möglichen Auswirkungen auf die Umgebung des Reaktors aufgrund des niedrigen nuklearen Inventars so gering sind, dass nach aktuellen Strahlenschutzrichtlinien keine Evakuierungsmaßnahmen oder Katastrophenschutzmaßnahmen zu erwarten sind.“

Feuerwehreinsatz am Institut für Kernchemie: Dachfugenbrand. - Foto: BYC Katja Dachs
Feuerwehreinsatz am Institut für Kernchemie: Dachfugenbrand. – Foto: BYC Katja Dachs

Bei Ankunft der Feuerwehr am Mittwoch habe sich der Reaktor bereits im Ruhezustand befunden, heißt es im Feuerwehrbericht weiter. Ein Einsatzleiter sagte der Internetzeitung Boost Your City, das Institut habe den Reaktor vorsorglich selbst heruntergefahren. Bei Eintreffen der Feuerwehr sei das Gebäude zudem bereits geräumt gewesen, rund 30 Menschen hätten vor der Tür gewartet. Parallel zur Erkundung des Dachbereichs und der Innenräume habe man einen Löschangriff über die Drehleiter auf das Dach des Gebäudes vorbereitet.

Die Feuerwehr setzte Wasser mit einem Löschmittelzusatz ein, um das Feuer in der Dehnungsfüge zu löschen. Durch Einsatz mehrerer Wärmebildkameras sei die Brandstelle abschließend kontrolliert worden, nach Hause ging die Feuerwehr indes nicht: Aufgrund des besonderen Gebäudes werde die Brandstelle weiter durch eine Brandwache kontrolliert. Der Reaktor sei weder mit dem Feuer noch mit dem Löschwasser in Kontakt gekommen, so dass zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden habe. Verletzt wurde niemand.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Forschungsreaktor findet Ihr hier auf der Homepage der Kernchemie im Internet.

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