Nicht nur Mainz ist Römerstadt, auch die hessische Nachbarstadt Wiesbaden hat eine lange Geschichte: Das antike Mattiacum war bei den Römern vor allem für seine Bäder berühmt. Am kommenden Sonntag lässt Wiesbaden seine römische Geschichte wieder lebendig werden: Mit einem Römertag am Stadtmuseum sam am Markt.

Wiesbaden feiert "Das Jahr des Wassers", hier der Kochbrunnen auf dem Platz vor der Hessischen Staatskanzlei. - Foto: gik
Wiesbaden feiert „Das Jahr des Wassers“, hier der Kochbrunnen auf dem Platz vor der Hessischen Staatskanzlei. – Foto: gik

Hintergrund des Römerfestes ist das „Wiesbadener Jahr des Wassers“, zu diesem Anlass beleuchtet das „sam“, das Stadtmuseum am Markt die Tradition des Wiesbadener Badewesens. Und die stammt schon aus der Antike: „Aquae Mattiacorum“ nannten die Römer den Militärstützpunkt auf der rechten Rheinseite, nördlich des großen Mainzer Legionslagers – Wiesbaden war damals quasi ein Vorort des großen Mainz.

Der Name „Mattiacorum“ stammte von den Mattiakern, einem keltischen Stamm auf der rechten Rheinseite, „Aquae“ kam natürlich von Wasser: Schon in der Zeit von Christi Geburt sprudelten heiße und kalte Quellen am Taunushang aus dem Boden, und bescherten den Römern ihre heiß geliebten Bäder. Bis ins Jahr 6 oder 15 nach Christus reichen die ältesten römischen Funde in Wiesbaden zurück, man fand Reste eines Militärischen Brückenkopfes und einer zivilen Siedlung mit großen Thermenanlagen.

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Im frühen 2. Jahrhundert entwickelte sich Wiesbaden der Forschung zufolge zu einer Art Verwaltungsmittelpunkt für ein größeres Gebiet, die heilkräftigen Thermalbäder wurden bis ins 4. Jahrhundert hinein benutzt – dann wurde das aufblühende Matiiacum von Alanden und Vandalen im Jahr 406 nach Christus zerstört. Erst 830 nach Christus wird die Siedlung am Taunushang wieder urkundlich erwähnt.

Am Sonntag wird in Wiesbaden die Römerzeit wieder lebendig. - Foto: Kurth/Klinkhammer
Am Sonntag wird in Wiesbaden die Römerzeit wieder lebendig. – Foto: Kurth/Klinkhammer

Am kommenden Sonntag nun wird die römische Welt auf dem Wiesbadener Markt wieder lebendig: Am „Römertag“ dreht sich alles um Handwerker und Verkaufsstände mit Utensilien und Kostbarkeiten aus der römischen Antike. Dazu reisen Handwerker und fahrende Händler aus ganz Deutschland an, die sich auf die Herstellung von römischen Waren und die Darstellung der Römerzeit spezialisiert haben – unter anderem auch Teilnehmer aus dem berühmten archäologischen Park zu Xanten.

Wie in der Antike sollen die Besucher zu den Themen Körperpflege und Wellness, Kult und Medizin sowie dem Alltag und der Freizeitgestaltung erleben können, was Römer und Römerinnen trugen, wie sie sich frisierten und was sie spielten. Verkaufsstände mit Duftölen, Kosmetika, Salben und Schmuck werden ebenso geboten wie Spannendes rund um das Thema der antiken Heilkunde, des Badewesens und Behandlungsmaßnahmen der römischen Medizin. Gezeigt wird etwa auch, wie man Badeschuhe für die Thermen produzierte.

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Mit der Herstellung römischer Öllampen und der Vorführung von Münzprägung und Töpferkunst wird auch das traditionelle römische Handwerk dargestellt. Daran knüpft die „Schola Romana“ mit einem speziellen Schreibkurs an. An einem weiteren Stand dreht sich alles um Schminken, Kleiden und Frisieren, andere Händler zeigen römische Spiele – und am „Tatort Antike“ kann man auf Spurensuche zur Erkundung von Glücksspiel, Falschspiel und Flüchen gehen.

Auch eine römische Schreibschule ist beim Römertag dabei. - Foto: Britta Hallmann-Preuss
Auch eine römische Schreibschule ist beim Römertag dabei. – Foto: Britta Hallmann-Preuss

Begleitend zum Trubel auf dem Marktplatz präsentiert ein Musikensemble römische Musik auf der Hydraulis – einer römischen Wasserorgel, die als originelles Musikinstrument in Kombination mit anderen antiken Instrumenten besonders hervorsticht. Im Stadtmuseum selbst kann man übrigens noch bis zum 29. Januar 2023 die aktuelle Sonderausstellung „Wasser Macht Identität“ sehen, in der die Anfänge von Wiesbaden als Thermalstadt bis zur Blütezeit als „Weltkurstadt“ um das Jahr 1900 nachgezeichnet wird.

Info& auf Mainz&: „Römertag“ auf dem Dernschen Gelände hinter dem Wiesbadener Rathaus am Sonntag, den 2. Oktober 2022, von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ins sam – Stadtmuseum am Markt ist an diesem Tag frei. Weitere Infos und einen Flyer zum Download gibt es hier im Internet.

Beteiligte:
Römische Hands on – Archäologischer Park Xanten
Schminken, Kleiden und Frisieren – Ars Replika
Antike Heilkunde und Badewesen – Familie Teske
Römische Spiele – Diltheyschule Wiesbaden
Tatort Antike: Glücksspiel – Falschspiel – Flüche – Katja Kurth, Xanten
Schreiben wie die Römer – Schola Romana
Römische Töpferkunst Töpferei XAN-TST – Repliken und Vorführungen
Herstellung römischer Öllampen – Bastilippo
Badeschuhe für Thermen – Meister Knieriem
Vorführung von Münzprägung – Markus Gruner
Römische Musik auf der Hydraulis – Römische Wasserorgel und andere antike Musikinstrumente – Justus Willberg & Team.

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