Die Mainzer können sich von den gelben Säcken im Stadtgebiet schon einmal langsam verabschieden: Ab 2021 wird es stattdessen eine gelbe Tonne geben. Der Mainzer Stadtrat beschloss am Mittwochabend eine Änderung im Vollzug des Verpackungsgesetzes. Demnach wird die Sammlung von Verpackungsabfällen – dem grünen Punkt – zum Jahr 2021 von den bisherigen Gelben Säcken auf ein Tonnensystem umgestellt. Das sogenannte Mülltonnenbox 3er System etabliert sich in der Stadt. Der Zeitpunkt ist günstig, musste die Entsorgung des Verpackungsmülls doch 2020 neu ausgeschrieben werden. Die Stadt sieht als Vorteile vor allem weniger herumfliegender Müll in den Straßen, eine bessere Erfassungsquote sowie erhebliche Arbeitsschutzverbesserungen für die Müllwerker.

Stapel gelber Säcke in der Mainzer Neustadt. - Foto: gik
Herumfliegend, aufreißend, stinkend – gelbe Säcke haben ab 2021 in Mainz ausgedient. – Foto: gik

Im Sommer 1991 wurde bundesweit die neue Verpackungsverordnung eingeführt, nach der Verpackungsabfälle getrennt erfasst und entsorgt werden – das System des Grünen Punktes. In Mainz wurden die Abfälle seither mit einem gelben Sack entsorgt, 2018 waren das immerhin 4.412 Tonnen. In den vergangenen Jahren wurden rund 4,5 Millionen gelbe Säcke an haushalte und Endverbraucher ausgegeben – und da begannen oft schon die Probleme. Die Qualität der gelben Säcke nahm gefühlt von Jahr zu Jahr ab, das immer dünner werdende Plastik führte dazu, dass Säcke vermehrt aufrissen und auch leicht von Tieren aufgerissen werden konnten.

Auch wurden die leichten Säcke gerne vom Winde verweht und bei Regen patschnass – im Stadtbild verteilte sich oft genug der Plastikmüll. Auch die Zweckentfremdung der Säcke war aus Sicht des Grünen Punktes ein anhaltendes Ärgernis: Die kostenlosen Säcke wurden gerne genutzt, um alle möglichen Utensilien zu transportieren. Alle diese Argumente sprachen aus Sicht der Verwaltung für eine Umstellung des Systems vom Sack auf die Tonne – vor allem aber einen Grund stellte die Stadt ganz nach vorne: den Arbeitsschutz.

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Das zig-Tausendfache Aufheben der gelben Säcke und das Werfen in die Müllfahrzeuge führe zu einer erheblichen körperlichen Belastung der Mitarbeiter, betonte der Personalrat im November in einer Stellungnahme, das häufige Bücken, die Rotationsbewegung bedeuteten eine starke Belastung für den Bewegungsapparat.  Dazu führten aufgerissene Säcke häufig dazu, dass der Müll einzeln eingesammelt werden musste, was noch mehr Bücken nach sich zieht. Und schließlich durchnässten die oft richtig nassen Säcke sehr schnell Arbeitskleidung und Handschuhe, das habe vermehrt zu Erkältungen der Mitarbeiter geführt.

Mülltonnen für Glasbehälter in Mainz. - Foto: gik
Zu den bisherigen Mülltonnen kommt 2021 nun noch eine gelbe Tonne hinzu. – Foto: gik

Eine Änderung des Verpackungsgesetzes 2017 erlaubt nun der Stadt Mainz, zwischen dem System Sack und dem System Tonne zu wählen – die politische Entscheidung des Stadtrats am Mittwoch war die Grundlage dafür. Dabei räumt die Stadt in ihrer Beschlussvorlage freimütig ein, dass es auch Nachteile des Tonnensystems gibt – allen voran das Thema Platz: In manchen Haushalten wird die Aufstellung einer weiteren Tonne zum Problem werden, in Mainz gibt es bereits neben der Restmülltonne eine grüne Tonne, eine Papiertonne und eine Glastonne. Die Säcke hingegen waren kleiner und individueller verstaubar, etwa im Keller. Auch wiesen Säcke eine geringe Fehlbefüllungsquote auf als eine Tonne, auch sei die Sammelleistung schneller und auch kostengünstiger.

Doch gleichzeitig rechnet die Stadt bei einer Tonne mit höheren Mengen Recyclingmaterials – das wiederum ist gut für die Umwelt. Und tatsächlich beugt eine Tonne auch dem Gestank der lagernden Plastiksäcke in Küche und Keller vor. Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile habe man sich deswegen entschlossen, die Sammlung stadtweit zum Jahr 2021 auf gelben Tonnen umzustellen, heißt es in der Vorlage der Stadt abschließend. Ein Mischsystem sei nämlich nicht möglich, das System des grünen Punkts sehe keine individuelle Wahl des einzelnen Haushalts vor.

Der Stadtrat stimmte dem mit breiter Mehrheit zu, und zumindest was die Kosten angeht, kommt auf die Mainzer keine Mehrbelastung zu: Die Kosten würden „unabhängig vom Sammelsystem von den dualen Systemen getragen und im Rahmen einer bundesweiten Ausschreibung ermittelt“, heißt es von Seiten der Stadt: „Der Abfallgebührenhaushalt ist nicht von den Kosten betroffen.“

Info& auf Mainz&: Die Anlaufstelle für das Thema Müll und Entsrogung in mainz ist der Entsorgungsbetrieb der Stadt, hier findet Ihr Abfallkalender zum Ausdrucken, alle Abfuhrtermine, Beratung in Sachen Mülltonnen und Entsorgung sowie Informationen zu Wertstoffhöfen und Recycling – alles hier auf dieser Internetseite.

2 KOMMENTARE

  1. Hoffentlich wird die gelbe Tonne nicht für Restmüll und sperrige Pappe der Online-Versender missbraucht. Selbst in den Papiertonnen ist oft genug Restmüll, Biomüll, Plastik und sogar Glas. Moderne Welt. Dekadenz pur.

  2. Nachtrag zu meinem Kommentar:
    So mancher Innenstadtbewohner hat keinen rechten Platz für den gelben Sack und sammelt deshalb nicht. Vielleicht führen die Tonnen zu einem besseren Trennen, hoffentlich nicht zu Fehlwürfen. Abwarten. Hinterher ist man klüger..

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