Der Mainzer Messeveranstalter RAM Regio hat Insolvenz angemeldet: Das Insolvenzverfahren sei am 25.11.2020 eröffnet worden, heißt es in den Insolvenzmeldungen beim Amtsgericht Mainz, eine Gläubigerversammlung wurde für den 25. Januar 2021 angesetzt. Zuerst hatte darüber das Internetportal Boostyourcity berichtet. Damit dürfte der Messeveranstalter das erste große Opfer der Corona-Krise in Mainz geworden sein: Die RAM Regio hatte 48 Jahre lang die Rheinland-Pfalz-Ausstellung veranstaltet und dazu in jüngster Zeit noch die Craft Beer Messe ins Leben gerufen. Sämtliche Messen hatten wegen der Coronakrise nicht stattfinden können. RAM Regio-Chef Sebastian Kreuser sagte am Freitagabend gegenüber Mainz&, es sei eine vorsorgliche Insolvenz, er gebe Gespräche über einen Schuldenschnitt.

Die Rheinland-Pfalz-Ausstellung gilt als größte Verbraucherausstellung des Landes. - Foto: gik
Die Rheinland-Pfalz-Ausstellung gilt als größte Verbraucherausstellung des Landes. – Foto: gik

„Wir haben vorsorgliche Insolvenz angemeldet“, sagte Kreuser im Gespräch mit Mainz&. Es sei der März gewesen, der ihnen finanziell das Rückgrat gebrochen habe, damals hätten die Zelte schon gestanden, wären die Plakate für die 49. Rheinland-Pfalz-Ausstellung schon gedruckt gewesen, als dann der Lockdown kam. „Wir hatten fast volle Ausgaben bei null Einnahmen“, sagte Kreuser, das sei wirtschaftlich nicht zu stemmen gewesen.

Die Rheinland-Pfalz-Ausstellung hatte 2019 ihre 48. Ausgabe gefeiert, die Ausstellung mit den Kernthemen Bauen, Wohnen und Sanieren nannte sich stolz die größte Verbrauchermesse des Landes Rheinland-Pfalz und hatte ihr Themenspektrum in den vergangenen Jahren stetig um Bereiche wie Reisen, Gesundheit und nachhaltiges Leben mit der Spezialmesse „Faire Welten“ erweitert. 2015 kam mit der Regio Wein ein spannender neuer Ansatz für eine regionale Weinmesse dazu, die allerdings von den Besuchern nicht so Recht angenommen wurde, zu unterschiedlich waren die Zielgruppen der Rheinland-Pfalz-Ausstellung und der Weinmesse.

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Craft Beer Messe in der Halle 45. - Foto: RAM Regio
Craft Beer Messe in der Halle 45. – Foto: RAM Regio

2015 rief RAM Regio-Chef dazu noch die Craft Beer Messe ins Leben, das große Branchentreffen der handgemachten Biere traf genau den Trend bei den Kunden und erfreute sich großen Zuspruchs. Als aber im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie zuschlug, wurde es hart für die Messbranche: Sämtliche Messen und Veranstaltungen mussten abgesagt werden, die Rheinland-Pfalz-Ausstellung sollte zunächst in den September verlegt werden, doch auch das scheiterte. Mainz verliert damit gleich mehrere Messe-Großevents, die RAM Regio ist zudem das bislang prominenteste Opfer der Corona-Pandemie.

Die Entscheidung, Insolvenz anzumelden, sei auch deshalb gefallen, weil im Jahr 2021 bislang keine Besserung in Sicht sei, sagte Kreuser weiter. Bei der Craft Beer Messe, die traditionell im November stattfindet, „könnte vielleicht 2021 wieder etwas funktionieren“, sagte Kreuser vorsichtig – für die Rheinland-Pfalz-Ausstellung im März sei das aber ausgeschlossen. „Und man muss klar sagen, dass die Staatshilfen bei uns in der Branche nicht ankommen“, betonte Kreuser.

RAM Regio-Chef Sebastian Kreuser an einer Aromastation auf der Regio Wein. - Foto: gik
RAM Regio-Chef Sebastian Kreuser an einer Aromastation auf der Regio Wein. – Foto: gik

Wie es nun weiter gehe, sei derzeit in der Überlegung, „es geht darum, Lösungen zu finden“, unterstrich er: „Wir sind in Gesprächen über einen Schuldenschnitt.“ Acht Mitarbeiter hatte die RAM Region Gesellschaft vor Corona, zuletzt sei es noch einer gewesen, sagte Kreuser. Für den 25. Januar 2021 ist ein Termin vor dem Mainzer Amtsgericht sowie eine Gläubigerversammlung anberaumt, Gläubiger sind aufgerufen, bis zum 28. Dezember 2020 ihre Forderungen einzureichen, der Mainzer Anwalt Robert Schiebe wurde als Insolvenzverwalter benannt.

Die Hoffnung aufgeben wolle er aber noch nicht, betonte Kreuser, auch was die Rheinland-Pfalz-Ausstellung angehe. „Wir haben die Hoffnung, das 2022 wieder in Angriff nehmen zu können“, sagte er, vielleicht dann in anderer oder kleinerer Form. „Es wäre doch schade, wenn die Rheinland-Pfalz-Ausstellung an so etwas wie Corona sterben würde“, fügte er hinzu.

Info& auf Mainz&: Die gesamte Insolvenzbekanntmachung beim Amtsgericht Mainz könnt Ihr im Detail unter insolventbekanntmachungen.de finden.

 

 

 

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