Die Mainzer Straßenbahn kämpft weiter mit Problemen: Nach den Startschwierigkeiten mit der neuen Mainzelbahnstrecke, hängt es nun auch an anderen Stellen. Am Montag blieben gleich drei defekte Straßenbahnen in Mainz-Hechtsheim liegen und blockierten die Wendeschleife am Bürgerhaus, die Mainzer Verkehrsgesellschaft musste gar einen Schienenersatzverkehr einrichten. Und auch die Wendeschleife am Schinnergraben im Hechtsheimer Ortskern ist seit Wochen defekt: Die MVG musste die maroden Gleise still legen, die Fahrgäste sind derzeit gezwungen, mitten im Nichts auszusteigen. Wann die Wendeschleife repariert wird und ob überhaupt, kann die MVG derzeit nicht sagen.

Die Straßenbahnen in Mainz leiden weiter unter Pannen. – Foto: gik

Es sind wirklich keine guten Wochen für die Straßenbahnen und den ÖPNV in Mainz. Am 1. März hat der Umbau der Bahnhofstraße begonnen, und der wirbelt den gerade erst sich einspielenden neuen Mainzelbahn-Fahrplan schon wieder gehörig durcheinander. Für die Straßenbahnen ist die Sperrung der Bahnhofstraße ein besonderes Problem, denn sie teilt das Mainzer Straßenbahnsystem in zwei Teile. Welche Folgen das haben kann, sah man am Montag: In Hechtsheim strandeten gleich drei defekte Straßenbahnen, weil diese nicht durch die Bahnhofstraße zurück in die Depots gebracht werden konnten.

„Zwei Bahnen hatten einen Elektronikschaden, eine Straßenbahn ist beim Überfahren einer Weiche beschädigt worden“, sagte MVG-Sprecher Michael Theurer am Mittwoch auf Anfrage von Mainz&. „Wir haben nur bestimmte Zeitfenster, wann wir die Bahnen durch die Bahnhofstraße ins Depot zurückbringen können“, erläuterte er weiter, deshalb hätten die Bahnen am Montag in Hechtsheim geparkt werden müssen. In der Nacht zum Dienstag seien die Bahnen dann zurückgebracht und ausgetauscht worden. Wegen des noch bis Oktober andauernden Umbaus der Bahnhofstraße könne das auch in den kommenden Wochen immer mal wieder der Fall sein, wenn eine Bahn ein Problem habe oder zur Wartung müsse, sagte Theurer weiter: „Es kann sein, dass wir dann Straßenbahnen dort für ein, zwei Nächte parken müssen.“

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Bagger statt Bahnen: In der Bahnhofstraße geht seit 12. März nichts mehr – mit gravierenden Auswirkungen auf Busse und Bahnen. – Foto: cibo

Damit setzt sich inzwischen eine wahre Pannenserie fort: Erst im Februar war eine Straßenbahn auf der neuen Mainzelbahnstrecke aus den Gleisen gesprungen, im Januar entgleiste eine neue Mainzelbahn bei Schneefall in Bretzenheim. Ebenfalls im Januar blieb eine Straßenbahn zwischen Hauptbahnhof und Schillerplatz liegen und musste abgeschleppt werden – eine solche Häufung von Ausfällen waren die Mainzer in den vergangenen Jahren nicht gewöhnt. „Wir können Straßenbahn“, sagte Erlhof noch vor Kurzem gegenüber Mainz&.

Doch auch anderer Stelle hängt es derzeit im Straßenbahnnetz: Die Wendeschleife am Schinnergraben ist bereits seit Ende 2016 still gelegt. „Wir wussten, dass die Wendeschleife sanierungsbedürftig ist, wir dachten aber, das hält noch bis 2017“, sagte MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof am Rande der Stadtratssitzung im Februar Mainz&. Im Herbst 2016 habe die MVG aber festgestellt, dass die Gleise so weit abgefahren seien, dass die Wendeschleife sofort habe still gelegt werden müssen. Man habe deshalb dort eine „provisorische Ausstiegshaltestelle“ eingerichtet.

Die allerdings ist wirklich höchst provisorisch: Die Fahrgäste fallen im Prinzip von der Bahn mitten ins Grüne, ein Bahnsteig ist weit weg, und zur Straße muss man sich quer über die Gleise hangeln. „Es ist uns bewusst, dass diese Ersatzhaltestelle keine richtige ist“, sagte Theurer dazu. Es müsse erst einmal eine Entscheidung getroffen werden, was mit der Wendeschleife passieren solle – und ob diese überhaupt erneuert und ertüchtigt werde. „Eine andere Option ist, man verzichtet auf die Wendeschleife und macht eine Steuerung über eine Weiche“, sagte Theurer, das sei aber alles noch gar nicht entschieden. Wann das geschehen werde, könne er nicht sagen. Erst einmal stünden verschiedene andere Arbeiten an. „Wir müssen erst einmal die Nacharbeiten an der Mainzelbahnstrecke machen“, sagte Erlhof Mainz&.

Die Schottergleise auf der neuen Mainzelbahnstrecke werden derzeit gestopft und mit Rasengleisen versehen. – Foto: gik

Die sind inzwischen nach Angaben der MVG angelaufen: Die Stopfvorgänge an den Schottergleisen werden derzeit absolviert, an der Saarstraße sei auch bereits das Rasensubstrat eingebracht worden, sagte Theurer. Auch mit der Ausbesserung der rund 400 defekten Schweißnähte sei begonnen worden. Mit den Anwohnern in Bretzenheim sei die MVG weiter in gutem Kontakt – hier hatte es nach Inbetriebnahme der Mainzelbahn massive Beschwerden wegen wackelnder Häuserböden und Erschütterungen gegeben. Die Erschütterungen hätten sich in den vergangenen Wochen noch einmal verstärkt, berichten die Anwohner inzwischen, eine Abhilfe sei bisher weiter nicht in Sicht.

Es sei zudem zu befürchten, dass allein die Nachbesserung der Schweißnähte nicht ausreichend Abhilfe schaffen werde, heißt es von Seiten der Anwohner weiter. Auch werde die Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h im Ortskern weiter nicht durchgehend eingehalten: Von Mitfahrern seien in den Bahnen wiederholt Geschwindigkeiten von 41 km/h und 48 km/h gemessen worden. Man richte deshalb „die eindringliche Bitte an die MVG, alle Maßnahmen nochmals auf den Prüfstand zu stellen und bürgernah tätig zu werden.“

 

 

5 KOMMENTARE

  1. Was berechtigt einen Herrn Erlhoff zu der Aussage: „Wir können Straßenbahn“. Hat denn der Mann überhaupt noch einen Realitätsbezug?
    Mein Vorschlag für einen neuen MVG-Slogan wäre: „Wir können Erlhoff nicht !!“

    • Hallo Herbert, na, ob man da gleich den guten Herrn Erlhof abschießen muss, das finden wir ja ein bisschen sehr heftig. Weil: Viele Jahre lang stimmte das ja… Unser Verdacht: Die Mainzelbahn hat so viele Ressourcen gekostet, dass jetzt nichts mehr übrig ist. Das wäre dann aber mitnichten eine alleinige Verantwortung von Herrn Erlhof…

  2. Vor diesem Hintergrund frage ich mich, ob die MVG die Citybahn nach Wiesbaden jemals in Angriff nehmen wird…

  3. Also jetzt sind doch mal ein paar Streicheleinheiten für Herrn für Herrn Erhoff angesagt:

    Früher mußte ich zu ungünstigen Zeiten bis zu 30 Minuten auf den nächsten Bus warten.
    Diese Zeiten sind vorbei. Ich guck garnicht mehr in das schöne Fahrplanbuch der MVB, sondern geh einfach zur Haltestelle und wenige Minuten später kommt schon die nächste Tram;-))

    Aber besonderen Dank gebührt ihm, daß er uns die Linie 71 geschenkt hat.
    Die braucht vom Lerschebersch bis zum Höfche nur ganze 25 Minuten. Unschlagbar !!!

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