Die ersten Rohbaumaßnahmen für das umstrittene Terminal 3 am Frankfurter Flughafen werden im Januar 2019 starten. Den Start werde das Pier H machen, an dem 400 Meter langen Flugsteig sollen Flüge in den Schengen-Raum abgewickelt werden. Noch im ersten Halbjahr 2019 sollen weitere Bauschritte folgen, so die Rohbaus für die Flugsteige J und P, dazu der integrierte Vorfeldkontrollturm. Die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) kritisierte, mit dem neuen Terminal setze sich Fraport „ein Denkmal der Gleichgültigkeit gegenüber den vom Fluglärm betroffenen Menschen.“ Umstritten ist das Terminal auch, weil es bis Sommer 2021 auch einen eigenen Flugsteig G für Billigflieger bekommen soll. Die sorgen derweil weiter für erhebliche Verspätungslandungen in der Nacht – und die sogenannten Lärmpausen am Flughafen wirken auch nicht.

Internetseite der Fraport zum Bau des Terminals 3 im Süden des Frankfurter Flughafens. Das Startfoto zeigt die Lage und Ausrichtung des neuen Terminals. – Screenshot: gik

Für Fluglärm geplagte Anwohner des Frankfurter Flughafens sind das keine guten Nachrichten: Im Januar startet die Fraport den Bau des Terminals 3 im Süden des Frankfurter Flughafens. Das Terminal ist heftig umstritten, Fluglärm-Gegner argumentieren, es sei angesichts der stagnierenden Flugzahlen in Frankfurt vollkommen überflüssig. Noch im Landtagswahlkampf 2013 versprach der Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir, ein Terminal 3 werde es „mit mir nicht geben“ – wenige Monate später war Al-Wazir Wirtschaftsminister und damit auch für den Fluglärm zuständig.

Der Spatenstich für Terminal 3 erfolgte im Oktober 2015, Al-Wazir blieb dem Event fern. Die Fraport wollte eigentlich bis 2022 im Süden des Flughafens ein Terminal für bis zu 14 Millionen Passagiere bauen und argumentiert, das Terminal sei notwendig, um Standards bei der Passagierabfertigung zu halten, sowie Kapazitäten voll ausschöpfen zu können. Eigentlich sollte das Drei-Milliarden-Euro-Projekt also ein Terminal für anspruchsvolle Vielflieger werden – dann schwenkte die Fraport um: Angesichts des boomenden neuen Billigflieger-Geschäfts gab sie im April 2017 Planungen für einen eigenen Flugsteig G für Billigairlines am Terminal 3 bekannt, der im August 2018 genehmigt wurde. Baustart für den Flugsteig G könne bereits 2019 sein, der Flugsteig der erste Teil des Terminals 3 sein, der fertig werde, hieß es von Seiten der Fraport.

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So soll das Terminal 3 einmal von außen aussehen. – Grafik: Fraport

Davon ist in der neuesten Mitteilung nun keine Rede, der Flugsteig G wird mit keinem Wort erwähnt. Bekannt gab die Fraport hingegen, der Startschuss für den Rohbau am Terminal 3 werde mit der Errichtung von Pier H fallen. „Die Vergabeentscheidung zu Pier H ist der Startschuss für den Rohbau von Terminal 3“, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte. Ab Januar 2019 werde das neue Terminal nach umfangreichen Tiefbauarbeiten Schritt für Schritt in die Höhe wachsen. Vergeben wurden die Rohbauarbeiten an die Anton Schick GmbH & Ko. KG, die Vergabe umfasse den Rohbau des Pier-Stegs mit dem integrierten Vorfeldkontrollturm.

Der Flugsteig werde einmal 400 Meter lang und auf Reisen in den Schengen-Raum ausgerichtet sein, teilte die Fraport weiter mit. Zehn Gebäudepositionen sollen einmal für den direkten Zu- und Ausstieg zur Verfügung stehen. Teil des Flugsteigs sei auch der Vorfeldkontrollturm, der im Übergangsbereich zwischen Terminal-Hauptgebäude und Pier H errichtet wird. „Vom 69 Meter hohen Turm aus wird später die Rollverkehrsführung im südlichen Vorfeldbereich gelotst“, heißt es weiter. Die geplante Rohbauzeit betrage rund 24 Monate, daran schließen sich Fassadenarbeiten und die Technische Gebäudeausstattung an.

Und so sollen die neuen Flugsteigs am Terminal 3 mit ihren Brücken von außen aussehen. – Grafik: Fraport

Noch im ersten Halbjahr 2019 soll außerdem der Rohbau des Flugsteigs J erfolgen, die dazu notwendigen Vergaben liefen aber noch. Pier J werde auf Non-Schengen-Verkehre ausgerichtet und über 14 Gebäudepositionen verfügen – vier davon für Großraumflugzeuge wie dem A380. Die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts von Terminal 3 mit einer Kapazität von 14 Millionen Passagiere pro Jahr sei für 2023 geplant.

Mit dem Baubeginn für das Terminal 3 „begräbt Fraport die Region unter einer dicken Betondecke und damit unter einem noch dickeren Lärmteppich“, kritisierte Rößner hingegen: „Nach wie vor erschließt sich mir die Notwendigkeit dieser Flughafenerweiterung absolut nicht.“ Schon jetzt beschwerten sich zahlreiche Airlines über einen völlig überfüllten Luftraum, ein höheres Passagieraufkommen werde aber natürlich auch zu mehr Flugbewegungen führen. „Da stellt sich doch die Frage, wie all das zusammenpassen soll“, sagte Rößner. Damit werde die Lärmbelastung für die Menschen in der Region weiter zunehmen, und das einst als „Terminal für die Oberklasse“ geplante Gebäude am Ende „zu einem Hort der Billigairlines.“ Und genau die hätten in jüngster Vergangenheit gerade nicht durch Pünktlichkeit geglänzt, sondern seien „verantwortlich für eine Vielzahl verspäteter Landungen und Verletzungen des Nachtflugverbots.“

Innenansicht des geplanten Pier J am Terminal 3. – Grafik: Fraport

Das setzte sich auch im Oktober fort: Das Hessische Verkehrsministerium zählte in den Oktoberwochen  insgesamt 69 verspätete Landungen zwischen 23.00 Uhr und 24.00 Uhr  am Frankfurter Flughafen, dazu zehn verspätete Starts. In Frankfurt dürfen im Zuge des Nachtflugverbots Flieger nur in Ausnahmefällen nach 23.00 Uhr landen. Seit der Öffnung Frankfurts für Billigairlines explodierten die Verspätungslandungen geradezu, Höhepunkt waren 203 Verspätungslandungen in diesem Juni. Auch das Hessische Verkehrsministerium wirft verschiedenen Airlines vor, ihre Flugpläne so eng zu gestalten, dass Verspätungen einfach einkalkuliert werden und hat deswegen Dutzende von Verletzungsverfahren eingeleitet – Ergebnisse dazu gibt es noch immer keine.

Al-Wazir betonte nun, mit den Zahlen vom Oktober sinke die Zahl der Verspätungslandungen nun im fünften Monat im Folge – wir zählen indes nur vier Monate. Die 69 verspäteten Landungen lägen aber sogar noch unter den Werten vom Oktober 2017, als es zu 85 Verspätungslandungen kam. „Es geht weiter in die richtige Richtung, aber wir sind noch nicht zufrieden“, betonte Al-Wazir: „Wir werden nicht lockerlassen, bis ein akzeptables Niveau erreicht ist.“ Der Kontrolldruck bleibe weiter hoch. Al-Wazir erneuerte zudem seine Aufforderung an den Flughafenbetreiber Fraport, die nächtlichen Lärmentgelte noch stärker zu erhöhen: „Unpünktlichkeit darf sich nicht lohnen, erst recht nicht, wenn sie die Nachtruhe stört“, betonte er.

Spitzenreiter bei den Verspätungen war im Oktober erneut die irische Fluglinie Ryanair mit 14 Verspätungen, gefolgt von Condor mit zehn Verspätungslandungen, der Lufthansa mit acht und der Linie TUIfly mit sieben Verspätungen. Nach Angaben der Fraport zählte der Frankfurter Flughafen im Oktober fast 6,4 Millionen Passagiere und verzeichnete mit einem Plus von 5,2 Prozent ein moderates Wachstum. Kumuliert über die ersten zehn Monate des Jahres liege der Anstieg bei 8,0 Prozent, die Flugbewegungen legten den Angaben zufolge mit einem Plus von 6,3 Prozent leicht überproportional auf 46.551 Starts und Landungen zu.

So soll das Terminal 3 einmal aus der Luft aussehen. Dunkel unterlegt ist hier das Terminal H. – Grafik: Fraport

Nach einer Auswertung der Stabsstelle für Fluglärmschutz der Stadt Frankfurt geht das Plus des Flughafens zum Großteil auf die Billigairlines zurück: Auch im 6. Jahr nach der Eröffnung der neuen Nordwestlandebahn sei der reguläre Flugbetrieb ohne die Billigflieger lediglich um 1,4 Prozent im Vergleich zu 2012 gewachsen, rechnete die Stelle aus. Gleichzeitig waren vor allem Ryanair und Condor für die massiven Steigerungen der Verspätungslandungen verantwortlich: Ryanair allein für 324 in diesem Jahr, Condor für 204. Von Anfang Januar bis Ende September gab es demnach insgesamt 489 verspätete Starts und 1047 verspätete Landungen nach 23.00 Uhr – 2017 waren es „nur“ 643 Verspätungslandungen. Die Nachtruhe der Menschen werde durch die verspäteten Flüge erheblich gestört, betont die Stabsstelle weiter. Dazu erfolgten die verspäteten Landungen keineswegs nur um kurz nach 23.00 Uhr, sondern rückten bis weit an die Mitternacht heran.

Gleichzeitig zog die Stabsstelle für Fluglärmschutz der Stadt Frankfurt ein ernüchtertes Fazit in Sachen Lärmpausen: Die abendlichen Lärmpausen am Frankfurter Flughafen entlasteten den Frankfurter Süden keineswegs in dem Maße, wie vom Wirtschaftsministerium behauptet, kritisiert die Stabsstelle. Von Januar bis September sei die abendliche Lärmpause lediglich an 13 Tagen in vollem Umfang angewendet worden, das entspreche gerade einmal fünf Prozent der Tage. Das Ministerium spreche hingegen von 89 Tagen und 33 Prozent.

In der Realität werde das aber durch das sogenannte Swing-Over-Anflugverfahren untergraben, so die Auswertung Stabsstelle weiter: Dabei dürften die Piloten anstelle der Südbahn einfach die Centerbahn anfliegen, die aber eigentlich während der Lärmpause gesperrt sein solle. Das mache die angedachte Lärmentlastung für die Menschen im Frankfurter Süden wieder zunichte. Al-Wazir hatte die Lärmpausen im Mai 2016 dauerhaft installiert, mit der Methode soll eigentlich in den Abend- und in den Morgenstunden Fluglärm auf einer bestimmten Landebahn gebündelt werden. Das ergebe eine Stunde mehr Ruhe für die Anwohner und damit „eine Lärmentlastung für Zehntausende.“ Allerdings gaben in einer Umfrage ein Jahr nach ihrer Einführung 90 Prozent der Befragten an, von einer Entlastung nichts zu spüren. Für Menschen in Mainz und Rheinhessen bringen die Lärmpausen ohnehin nichts – sie gelten nur für Anflüge aus dem Osten des Flughafens.

Info& auf Mainz&: Die Fraport hat für den Baufortschritt des Terminals 3 eine eigene Internetseite eingerichtet, wer will, kann den Fortgang hier im Internet verfolgen. Die Stabsstelle für Fluglärm in Frankfurt wurde im Oktober 2016 eingerichtet, seit Juni 2016 gibt sie monatlich detaillierte Auswertungen des Flugbetriebs in Frankfurt heraus, die Ihr hier nachsehen könnt. Auf der Internetseite findet Ihr zunächst nur die Kurzform, mit einem Klick auf den Text kommt Ihr zur ausführlichen Langfassung MIT Zahlen, Daten und Tabellen – hier etwa der Bericht für Oktober zu Lärmpausen und Verspätungslandungen.

 

 

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