Sie sind ja beileibe keine Seltenheit mehr: Die Störche haben sich in den vergangenen Jahren in unserer Region erheblich vermehrt, Dank jahrelanger Hilfe von Naturschützern. Gut 400 Weißstorchpaare brüten in diesem Jahr allein im nördlichen Ried, der Mainspitze und rund um Mainz und Wiesbaden – zwei davon könnt Ihr nun unmittelbar beim Brüten und der Aufzucht ihrer Jungtiere zusehen. Die Mainzer Netze haben erstmals eine Live-Webcam auf einem Strommast bei Mainz-Laubenheim installiert, nun könnt Ihr den beiden Paaren rund um die Uhr über die Schulter schauen.

Störche brüten auf einem Strommast bei Mainz im Jahr 2015. - Foto: AK Umwelt
Störche brüten auf einem Strommast bei Mainz im Jahr 2015. – Foto: AK Umwelt

30 bis 40 Storchenpaare zählte der Mainzer AK Umwelt vor sechs Jahren noch rund um Mainz, Wiesbaden-Schierstein und Laubenheim – das hat sich rasant geändert: Vergangenes Jahr seien 46 Nester allein auf den Freileitungsmasten der Mainzer Netze und der Überlandwerke Groß-Gerau rund um Mainz gezählt, zu finden von Ingelheim bis Biebesheim und mit den Schwerpunkten Laubenheim, Bodenheimer Ried und Hessisches Ried. „Allein im nördlichen Ried, der Mainspitze und rund um Mainz und Wiesbaden brüten dieses Jahr gut 400 Weißstorchpaare“, teilten die Mainzer Netze nun mit: „Es ist eine der am dichtesten besiedelten Storchenregionen in Europa.“

Das liegt vor allem auch daran, dass sich die Storchenpopulation in den vergangenen Jahren „glücklicherweise deutlich erholt hat“, sagt der Betreiber der Stromnetze – doch das bringt durchaus auch Probleme mit sich: Störche nisten nämlich bevorzugt auf Strommasten, weil sie gerne den höchsten Punkt der Umgebung beziehen, um einen guten Überblick zu haben. Das Nisten der Störche auf den Stromleitungsmasten sei aber „in der Tat im wahrsten Sinne des Wortes ein gewisses Spannungsfeld“, sagt Ioannis Kombouris, Fachbereichsleiter Instandhaltung Stromanlagen bei den Mainzer Netzen.

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Denn Störche und ihre Nester in der Nähe der Stromleitungen stellen durchaus eine gewisse Gefahr dar – für die Stromleitungen, aber auch für die Tiere. Durch herabhängende Zweige des Nestes könne es nämlich „zu einem Überschlag zwischen den spannungsführenden Leiterseilen und der geerdeten Mast-Traverse kommen, auf der sich das Nest befindet“, erklärt Kombouris. Die mögliche Folge seien Spannungseinbrüche im Netz und Produktionsstörungen in Kundenanlagen. Auch den Ausfall von Leitungen und von ganzen Umspannwerken hätten Mainzer Netze GmbH und die ÜWG schon erleben müssen.

Eine Live-Webcam der Mainzer netze erlaubt nun einen direkten Blick ins Storchennest. - Foto: Mainzer Netze GmbH
Eine Live-Webcam der Mainzer netze erlaubt nun einen direkten Blick ins Storchennest. – Foto: Mainzer Netze GmbH

Um solche Zwischenfälle zu vermeiden, gebe es eigentlich nur eine Lösung, erklärt Kombouris: „So lange noch keine Eier gelegt sind, müssen Mitarbeiter auf die Masten steigen und die herabhängenden Zweige abschneiden.“ Ein weiteres Problem: Durch den Nestbau können die Betriebsmittel beschädigt werden, also Isolatoren oder die Stahlkonstruktion der Masten. „Ein Nest kann im Laufe der Zeit mehrere hundert Kilo schwer werden“, wissen die Experten.

Und auch die Störche selbst können durchaus in Gefahr geraten: Erwachsene Störche könnten sich zwar „in der Regel rechtzeitig vor Überschlägen in Sicherheit bringen, aber natürlich besteht auch für sie eine gewisse Gefahr“, sagt Kombouris. Durch den Funkenschlag können aber die Nester in Brand geraten, dann drohen Eier oder gar die Jungstörche gegrillt zu werden. „In Abstimmung mit dem NABU und den zuständigen Behörden versuchen wir seit etwa zwei Jahren, durch den Einbau von Kleinwindrädern an besonders kritischen Stellen im Mast den Nestbau an diesen Stellen zu verhindern“, erklärt Kombouris.

Storchennest 2015 bei Mainz-Mombach. - Foto: Jürgen Weidemann
Storchennest 2015 bei Mainz-Mombach. – Foto: Jürgen Weidemann

Überhaupt versuchten die Netzbetreiber in Zusammenarbeit mit dem NABU, Weißstorchexperten sowie Behörden „sowohl dem Thema Versorgungssicherheit wie auch dem Storchenschutz gerecht zu werden“, betonte das Unternehmen weiter. 2018 habe man wegen der zunehmenden Brutaktivitäten und den daraus resultierenden Störungen im Stromnetz einen runden Tisch mit den Naturschutzverbänden, dem Landesvogelwart Rheinland-Pfalz/Hessen und den Naturschutzbehörden initiiert. „Wir freuen uns, dass sich der Storchenbestand in unserer Region so gut erholt hat“, sagt Michael Worch, Geschäftsführer der Mainzer Netze GmbH. Ziel für die kommenden Jahre sei deshalb, „die Interessen unserer Kunden hinsichtlich einer sicheren Stromversorgung zu wahren.“

Eine weitere Maßnahme der Netzbetreiber ist, den Vögeln an weniger kritischen Stellen auf den Strommasten alternative Nistmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Mitunter würden auch in der Nachbarschaft alternative gefahrlose Nistmöglichkeiten errichtet, etwa am Umspannwerk im hessischen Berkach – dort wurde ein Holzmast errichtet und von den Störchen auch angenommen. Im Übrigen unterstützten beide Tochterunternehmen der Mainzer Stadtwerke seit Jahren in der wärmeren Jahreszeit die Beringung der Jungstörche in Zusammenarbeit mit dem NABU.

Funktioniert rund um die Uhr: Die Live-Webcam erlaubt einen direkten Blick in zwei Storchennester bei Mainz-Laubenheim. - Foto: gik
Funktioniert rund um die Uhr: Die Live-Webcam erlaubt einen direkten Blick in zwei Storchennester bei Mainz-Laubenheim. – Foto: gik

„Dass heute wieder so viele Störche bei uns klappern und am Himmel kreisen, ist auch dem jahrzehntelangen Einsatz der Netzbetreiber zu verdanken“, sagt Bernd Petri, Ornithologe und Weißstorchexperte des NABU Hessen, und freut sich ganz besonders über die neueste Aktion: „Den Mainzer Störchen jetzt bei der Aufzucht der Jungen zuschauen zu können, ist wunderbar.“ Denn tatsächlich könnt Ihr genau das: Auf einem Strommast bei Mainz-Laubenheim nisten derzeit zwei Störche, die Webcam ist so montiert, dass ihr direkt in die beiden Nester hineinschauen könnt – eine fantastische Aussicht ins Umland inklusive. Da die Brutzeit normalerweise 30 bis 32 Tage dauere, sei mit Nachwuchs vermutlich zwischen dem 23. und 26. April zu rechnen, heißt es weiter.

Info& auf Mainz&: Die Live-Webcam ins Storchennest findet Ihr hier auf der Seite der Mainzer Stadtwerke, dort könnt Ihr die Livecam direkt starten – oder hier auf Youtube im Kanal der Mainzer Stadtwerke. Weitere Infos zum Storchenschutz in der Region gibt es vom NABU im Internet und zwar genau hier bei der LAG Weißstorchschutz, weitere Kontaktmöglichkeiten zur Arbeitsgruppe Weißstorch findet Ihr hier im Netz. Einen Bericht über die Weißstörche rund um Mainz aus dem Jahr 2015 findet Ihr hier bei Mainz&.

 

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