Das nennen wir mal eine geniale Reaktion, wie wir sie uns von Künstlern vorstellen, die sich mit dem Leben um sie herum auseinander setzen: „Wir sind das Volk“ heißt eine Performance-Lesung, die das Mainzer Staatstheater ganz neu und ganz kurzfristig in sein Programm gehievt hat. Denn Staatstheater-Hausregisseur K.D. Schmidt fühlt sich überfordert. Überfordert von einer Debatte, in der ein jeder für sich reklamiert, zu wissen, was die anderen eigentlich brauchen und wollen: die einfachen Wähler, die kleinen Leute, die Menschen da draußen. Und so liest K.D. Schmidt am 6. März um 16.00 Uhr auf der Bühne des Großen Hauses gegen den Zustand unseres Abendlandes an.

Gegendemonstranten blockieren Zugang zum Gutenbergplatz
Wer genau ist jetzt hier das Volk? AfD-Demo in Mainz mit riesiger Gegendemo vor dem Mainzer Staatstheater – Foto: gik

Flüchtlingsströme, Grenzschließung, Willkommenskultur, Pegida-Demos, Internet-Hetze – was als rauschendes Willkommensfest im Sommer 2015 begann, ist längst im Katzenjammer gelandet. Zumindest, wenn man der öffentlichen Debatte glauben darf. Denn die wird immer hektischer, aufgeheizter, ja: irrationaler. Und die öffentlichen Debatten machen sich längst Hetzer und Spalter zunutze, aber auch die Politiker – bis zum Hals im Wahlkampf-Modus – nutzen die öffentliche Ratlosigkeit, um ihr eigenes Süppchen zu kochen. Wer am lautesten schreit, hat Recht, könnte man meinen. Derweil sich in den sozialen Netzwerken eine Hasswelle nach der anderen ergießt. Und verblendete Rechte im Osten gröhlen, „Wir sind das Volk…“

Wer leiht hier wem seine Stimme? Wer kann für wen sprechen? Und wem gehört welche Bühne?, fragt dazu das Mainzer Staatstheater. „Über Forderung“ nennt Hausregisseur Schmidt seine brandneue Lese-Performance, welch unglaublich treffender Name. Und deshalb setzt sich Schmidt auf eine große Bühne – und einem Experiment aus: Als Einzelner auf einem drehbaren Bürostuhl zwischen anonymisierten Textstapeln.

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Dort liest Schmidt „ihm unbekannte und kaum begreifliche Texte zur Lage der Nation“, heißt es in der Ankündigung: „Ob O-Ton oder reine Fiktion, Transkription oder Parodie; ob wir der AfD oder der CSU lauschen, einem Rapper oder der Bundeszentrale für politische Bildung: Hier wird ununterscheidbar, was sich nicht mehr unterscheiden lassen will: Vox populi oder vox Rindvieh? Pöbel oder Plebs? Pack oder Volk?“

Blick von der Großen Bühne in Zuschauerraum
Blick von der Großen Bühne ins Große Haus des Mainzer Staatstheaters – Foto: gik

Das dürfte für manche Gänsehaut sorgen, denn ohne Absender versehen, sind viele Parolen austauschbar und zum Verwechseln ähnlich… Verwechseln aber sollte gerade der Wähler an der Urne in zwei Wochen lieber nichts: Augen auf bei der Stimmabgabe. Seht hin, wen Ihr da mit Eurer Stimme stärkt. Und überlegt gut, ob Ihr die Konsequenzen auch wirklich wollt.

Protest ist ja gut und schön – aber soll wirklich eine rechtspopulistische Partei wie die Alternative für Deutschland (AfD) fünf Jahre lang im Parlament des Landes ihre Parolen verbreiten dürfen? In aktuellen Umfragen liegt die Partei noch immer bei 8,5 Prozent.

Höchste Zeit also, kritisch über Parolen und Parolengeber nachzudenken. Und der Überforderung unserer Zeit ein paar kluge Denkanstöße und neue Einsichten entgegen zu stellen. Gelegenheit habt Ihr dazu am Sonntag um 16.00 Uhr, der Eintritt ist übrigens frei.

Info& auf Mainz&: Sonntag, 6. März um 16.00 Uhr, „WIR SIND DAS VOLK – Eine Über Forderung“, Performance & Lesung, eingerichtet von K.D. Schmidt, Jana Vetten und Jonas Zipf auf der Bühne des Großen Hauses. Die Performance ist so neu, dass sie noch nicht im gedruckten Monatsheft steht und auch auf der Internetseite des Staatstheaters noch nicht beschrieben ist. Der Eintritt ist frei, Ihr braucht aber Einlasskarten, die an der Theaterkasse erhältlich sind – hier entlang bitte.

1 KOMMENTAR

  1. Ob‘ s hilft ?

    Kein einziger AFDler wird sich überzeugen lassen.
    Eher sagen die „jetzt erst RECHTS !!!“

    Aber ein Appell an alle Menschen guten Willens könnte von dieser Veranstaltung ausgehen:

    Bürger, geht am 13. März wählen.
    Wir werden zwar diesmal nicht verhindern können,
    daß Petrys Jüngerinnen und Jünger in den Mainzer Landtag einziehen.
    Aber wir sollten suchen, deren Anzahl zu minimieren.

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