Der Flughafen-Betreiber Fraport wird nicht müde zu betonen, man brauche dringend mehr Platz für Kapazitäten am Frankfurter Flughafen – doch real gehen die Fluggastzahlen am Frankfurter Flughafen derzeit zurück: Im Juni nutzten 5,5 Millionen Passagiere den Flughafen Frankfurt, das war ein Rückgang von 4,1 Prozent zum Mai. Die Flugbewegungen gingen um 2,7 Prozent auf 41.153 zurück. Aus Sicht der Mainzer Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner (Grüne) ist das ein eindeutiger Beleg: „Es gibt keinen Bedarf für den Bau eines weiteren Terminals“, betont sie. Am Donnerstag übrigens berichtet der Mainzer Kardiologe über aktueller Studien aus dem Bereich der Lärmwirkungsforschung im Mainzer Rathaus.

Da startet wieder einer… – Foto: gik
Flugbewegungen und Passagierzahlen sinken am Frankfurter Flughafen – Foto: gik

Die Fraport veröffentlichte am Dienstag wieder einmal die neuesten Passagierzahlen und Zahlen für Flugbewegungen – und siehe da: Die Zahlen sinken. Nicht nur im Juni, im gesamten ersten Halbjahr 2016 verzeichnete der Flughafen einen Rückgang der Passagierzahlen um 0,9 Prozent auf rund 28,7 Millionen Fluggäste.  Die Flugbewegungen lagen nach sechs Monaten ebenfalls leicht um 1,0 Prozent im Minus, insgesamt gab es 227.187 Starts und Landungen.

Allein das Frachtaufkommen steigt weiter an: Im Juni wuchs es um 3,3 Prozent auf 179.808 Tonnen, insgesamt lag das Cargo-Volumen im ersten Halbjahr mit gut einer Million Tonnen mit 0,7 Prozent leicht über dem Vorjahresniveau, teilte die Fraport mit.

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Als Gründe für den Rückgang nennt die Fraport das schlechte Wetter sowie Streiks: Allein im Juni habe es rund 230 witterungs- und streikbedingte Annullierungen gegeben, wovon rund 24.000 Passagiere  betroffen waren. Das habe knapp ein halbes Prozentpunkt des Rückgangs ausgemacht, hieß es. Insgesamt habe es im ersten Halbjahr „unverhältnismäßig vielen Flugplanausdünnungen und witterungsbedingten Flugausfälle“ gegeben – gemeint sind Gewitter und andere Unwetter. Allerdings spricht die Fraport auch von einer „rückläufigen Buchungslage aufgrund der geopolitischen Lage.“

Rößner: Gutachten viel zu optimistisch, Bau des Terminals überflüssig

Für Bundestagsabgeordnete Rößner bedeutet das: Die Gutachten, die dem Ausbau für den Frankfurter Flughafen  und vor allem dem Bau von Terminal 3 zugrunde liegen, „sind zu optimistisch“ – das neue Terminal sei überflüssig. „Die Passagierzahlen bleiben weit hinter den Erwartungen des Unternehmens zurück“, sagte Rößner, und verwies auf die Fraport-eigenen Prognosen. Demnach rechneten die Gutachten für das Jahr 2020 mit 66,4 bis 71,1 Millionen Passagieren und bereits 2016 hätte die 60-Millionen-Marke überschritten werden sollen.

Terminal 3 Frankfurter Flughafen - Grafik Fraprot
So soll das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen aussehen – Grafik: Fraport

„Für das erste Halbjahr verzeichnet das Unternehmen jedoch nur 28,7 Millionen Fluggäste“, betonte Rößner. Die Grenze von 68 Millionen Passagieren, womit laut Fraport die Kapazitäten der zwei Abfertigungshallen überschritten seien, sei „in weiter Ferne.“ Und dabei gingen die Gutachten „weitestgehend von einer ungestörten, optimalen Entwicklung aus“ – die Rückgangsgründe wie sie nun vorkämen (Witterung, geopolitische Lage) seien da „in keiner Weise berücksichtigt.“

Rößners Fazit: „Das Terminal 3 ist überflüssig“, die Milliarden-Investition für das Unternehmen zudem „höchst risikoreich“ – es gebe keinerlei Begründung für den Bau. Die Menschen im Rhein-Main-Gebiet litten bereits jetzt stark unter den Auswirkungen des Fluglärms „‚Wachsen um des Wachsens willen‘ kann und darf nicht mehr die Maxime des 21. Jahrhunderts sein“, betonte Rößner.

Fraport baut bis 2022 Terminal für 14 Millionen Passagiere

Die Fraport will bis 2022 im Süden des Flughafens ein Terminal für bis zu 14 Millionen Passagiere bauen und argumentiert, das Terminal sei notwendig, um Standards bei der Passagierabfertigung zu halten, sowie Kapazitäten voll ausschöpfen zu können. Doch trotz massiver Proteste hatte der zuständige Frankfurter Dezernent Olaf Cunitz den Bau kurz vor der hessischen Landtagswahl im September 2013 schnell noch genehmigt – ausgerechnet ein Grüner. Im Oktober 2015 war Spatenstich für das Drei-Milliarden-Euro-Projekt.

Terminal 3 Abfertigungshalle - Grafik Fraport
Geplante Abfertigungshalle im Terminal 3 – Grafik Fraport

Die Fraport setze ihr „Credo des exzessiven Wachstums gegen verifizierbare Bedenken mit der Brechstange und um jeden Preis fort“, kritisierten damals der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und seine Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne), und sprachen von einer „Kampfansage“ für die Region. Viel geschehen ist seither nicht, die Rheinland-Pfälzer haben kaum eine Handhabe gegen den Ausbau in Hessen. Erst kürzlich kündigte der neue rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing – immerhin ein FDP-Mann! – an, stärker gegen den Fluglärm über Rheinhessen vorgehen zu wollen – die Belastung der Menschen sei nicht mehr hinnehmbar. Wir sind gespannt 😉

Münzel berichtet aus Lärmwirkungsforschung

Porträt Thomas Münzel auf Dach Uniklinik
Kardiologe und Streiter gegen Fluglärm: Der Mainzer Arzt und Professor Thjomas Münzel – Foto: gik

Welche Auswirkungen Lärm und insbesondere Fluglärm auf den Menschen und seine Gesundheit haben, darüber berichtete am Donnerstag wieder einmal der Mainzer Kardiologe und Fluglärmforscher Professor Thomas Münzel im Mainzer Rathaus. Der Experte wird die Ergebnisse aktueller Studien aus dem Bereich der Lärmwirkungsforschung an der Universitätsmedizin Mainz beleuchten.

Münzel zufolge belegen diese,  dass etwa Nachtfluglärm, aber auch Straßen- und Schienenlärm zu einem vermehrten Auftreten von Bluthochdruck und zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen führen – und dies unabhängig davon, ob man sich über den Lärm ärgert oder nicht. Transportlärm müsse „als ein neuer Herz-Kreislauf-Risikofaktor eingestuft werden“, fordert Münzel.

Münzel ist Direktor der Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie an der Universitätsmedizin Mainz und hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit den Folgen von Fluglärm beschäftigt. Unter anderem begründete er die Gutenberg-Gesundheitsstudie mit, die 15.000 Menschen in einer großen, prospektiven Kohorte auf Herz-Gefäß-Risikofaktoren untersucht.

Info& auf Mainz&: Donnerstag, 14. Juli 2016, 19.00 Uhr, „Lärm macht Herz und Seele krank!“ Abendvortrag und Diskussion mit Kardiologie-Professor Thomas Münzel, Mainzer Rathaus Valencia Zimmer, Eintritt frei. Im Anschluss an den Vortrag gibt es Diskussion und Umtrunk, es lädt ein die Mainzer Wissenschaftsallianz. Mehr zur Wissenschaftsallianz findet Ihr hier, die Gutenberg Gesundheitsstudie hier. Mainz& hat mehrfach über den Bau des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen und die Diskussion darüber berichtet, unter anderem über das Entsetzen über die Bauentscheidung und über den Spatenstich.

1 KOMMENTAR

  1. Es ist wie immer: jedes Ding hat zwei Seiten oder mit dem Pavlovschen Hund gesprochen: es kommt immer auf die Perspektive an , aus der man etwas sieht!
    Aber immerhin ist ja offenbar nicht nur der Fluglärm schuld, sondern ebenso der Straßen- und Schienenlärm, also generell der Verkehrslärm! Gratulation! Ich kann mich erinnern, daß man mal vor Jahren davon sprach, dass Lärm in jeder Form (laute Musik, lautes Verhalten etc.) eine Körperverletzung sei – scheint leider ganz aus den Köpfen verschwunden zu sein, wenn man sich mal den Lärm vor Augen führt, den WIR SELBST jeden Tag machen!!! Das fängt schon dabei an, dass man sich scheinbar nur noch anbrüllen kann, wenn man miteinander redet, man in den öffentlichen Verkehrsmitteln unbedingt allen Fahrgästen ALLES auch noch so banale oder private ohne Scham mitteilen muss!? oder trotz in-ear-Kopfhörern der Nachbar auch noch Meter weiter mithören kann, man unbedingt einen Laubbläser statt Besen braucht, man jede kleinste Gerade ausnutzen muss, um von null auf hundert zu kommen, etc, etc. Die Liste ist lang, und da wir in den Städten immer enger zusammenrücken müssen, aber auch nicht auf den Komfort ALLER Verkehrsmittel verzichten wollen, können und auch sollen, müssten wir vielleicht mal erst bei uns selbst anfangen mit der Lärmbeseitigung! Wo bleibt denn die Achtung vor dem Nächsten?
    Und zum Rückgang der Fluggast-Zahlen: schon mal daran gedacht, dass auch die Terrorgefahr insgesamt die Lust der Urlauber bremst und somit natürlich auch die Fluggäste weniger geworden sein könnten?
    Und ich glaube außerdem nicht, dass alle die Herrschaften, die sich so sehr ins Zeug gegen den Flughafen und seine Expansion legen, noch NIE geflogen sind! Und ich möchte mir auch nicht ausmalen, wie groß das Gejammer wäre, wenn dieser Flughafen a) nicht existieren würde, b) nicht expandieren würde (Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, Wirtschaftskraft etc.)
    Überall auf der Welt gibt es übrigens das gleiche, wenn nicht sogar noch größere Problem mit den Einflugschneißen, die den Menschen beeinträchtigen, z.B. Millionenstädte, die aufgrund ihrer Lage schwer anzufliegen sind oder Urlaubsgebiete/Strände, die in der Einflugschneiße von Flughäfen liegen. Hat das jemand schon mal live erlebt? Ist wirklich sehr Meinungsbildend!!!!
    Wie schon gesagt, wir werden enger zusammenrücken müssen und uns eher in technischer Hinsicht noch mehr einfallen lassen müssen, als immer nur einseitig Kritik zu üben ohne auch mal den Blickwinkel zu ändern. Dann erscheint nämlich manches in ganz anderem Licht!
    Ich wünsche uns allen mehr Verständnis, Respekt und Achtung!

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