Die Bürger in Hessen messen dem Frankfurter Flughafen eine enorme Bedeutung für Wirtschaft und Arbeitsplätze in Hessen zu, eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung steht hinter dem Bau der neuen Landebahn und befürwortet ebenso den Bau des Terminals 3. Das sagen nicht wir von Mainz&, sondern der Flughafen-Betreiber Fraport, und der stützt sich dabei auf eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa.

Startender Airbus Lufthansa am Frankfurter Flughafen - Foto: gik
Startender Airbus Lufthansa am Frankfurter Flughafen – Foto: gik

Für die Umfrage wurden zwischen dem 27. August und dem 3. September 1.000 mehr als 18 Jahre alte Menschen durch computergestützte Telefoninterviews befragt – und zwar ausschließlich in Hessen, was wir in Mainz natürlich überhaupt nicht gut finden 😉 Eigentlich wäre es ja höchste Zeit, anstatt in Bundesländer-Grenzen in Regions-Zusammengehörigkeit zu denken, aber wir schweifen ab…

89 Prozent sehen hohe Bedeutung des Flughafens für die Region

Nach den Zahlen der Forsa-Erhebung jedenfalls bescheinigen 89 Prozent der Hessen dem Frankfurter Flughafen eine sehr hohe oder hohe Bedeutung für die Anbindung an den Welthandel, 82 Prozent messen ihm auch für die Ansiedlung von Unternehmen und Betrieben im Rhein-Main-Gebiet eine sehr hohe oder hohe Bedeutung bei. Zudem bewerten mehr als 70 Prozent der Befragten seine Bedeutung für den Wohlstand Hessens, die Attraktivität der Rhein-Main-Region und das Ansehen Hessens in Deutschland ebenfalls als außerordentlich hoch.

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Das war jetzt wörtlich aus der Pressemitteilung der Fraport übernommen, und was sollen wir sagen: Es stimmt. Die Zahlen der Umfrage sehen tatsächlich genau so aus, und so kann Fraport-Chef Stefan Schulte mit Fug und Recht sagen: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung mit großer Mehrheit hinter dem Flughafen steht und ihn als Tor zur Welt wie als Motor in Hessen und Deutschland versteht.“

Man kann gegen Lärm sein, aber trotzdem für den Flughafen

Und damit sind wir bei dem Grundproblem von Akzeptanz und Protest: Seit der Eröffnung der neuen Nordwestlandebahn im Oktober 2011 wird in der Region massiv gegen die gestiegene Lärmbelastung protestiert – doch die Fluglärm-Gegner sind eben keine Flughafen-Gegner. Das haben sie immer wieder betont, doch man könnte den Eindruck gewinnen, dass dies nie gehört wird. Tatsache ist aber: Niemand spricht sich für die Schließung des Flughafens aus, natürlich wird auch die Nähe zum Flughafen geschätzt, und das mit dem „natürlich“ haben wir jetzt bewusst gesagt.

Umfrage Fraport Bedeutung des Frankfurter Flughafens - Foto: gik
Umfrage Fraport Bedeutung des Frankfurter Flughafens – Foto: gik

Dennoch gibt es auch zahlreiche Unternehmen in der Region – etwa in Mainz – die sich Sorgen über die stark gestiegene Belastung von oben machen, und die sogar genau deshalb über eine Verlagerung ihres Betriebs weg aus der Region nachdenken. Auch das gehört zur Wahrheit. Mainz& findet: Vielleicht sollte zumindest die Politik im Hinterkopf behalten, dass man gleichzeitig den Flughafen schätzen, aber eben auch gegen eine gnadenlose Verlärmung der Region sein kann, ohne Ausgleich wohlgemerkt.

45 Prozent sehen hohe Bedeutung des Flughafens für Lärmbelastung

In der Umfrage wurden nämlich erst einmal allgemeine Fragen zur Bedeutung des Flughafens gestellt, und da der Flughafen in der Region sehr geschätzt wird, fielen die auch positiv aus. So stimmten 89 Prozent der Befragten der Aussage zu, der Flughafen habe „eine hohe Bedeutung für die Anbindung an den Welthandel“, 82 Prozent sagten, der Flughafen habe „eine hohe Bedeutung für die Ansiedlung von Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet.“ 71 Prozent sagten, der Flughafen habe eine hohe Bedeutung „für den Wohlstands Hessens“, „für die Attraktivität der Rhein-Main-Region“ und „für das Ansehen Hessens in Deutschland.“

67 Prozent sahen eine hohe Bedeutung für die Arbeitsplätze und für die wirtschaftliche Entwicklung der Region, was eigentlich überraschende Werte sind, wird doch von der Politik immer wieder betont, wie groß die Bedeutung des Flughafens für diese beiden Aspekte sind. Angesichts dessen hätte man doch erwartet, dass diese Werte höher ausfallen. Nur 45 Prozent übrigens bejahten die Frage, der Flughafen habe eine hohe Bedeutung für die Lärm- und Umweltbelastung sowie den Auto- und Bahnverkehr.

Nur 29 Prozent sehen den Flughafen als „guten Nachbarn“

Besonders in Sachen Lärm heißt das: Fast die Hälfte aller Befragten sieht zwischen Flughafen und Lärm eine Verbindung, eine ganze Menge also. Bei der Umfrage wurden übrigens Teilnehmer aus ganz Hessen gefragt, und bei der Frage der Lärm- und Umweltbelastung differierten die Zahlen deutlich: 56 Prozent aus Südhessen, wozu der Flughafen gehört, sahen hier eine hohe Belastung durch Lärm, in Mittelhessen waren das nur 44 Prozent und in Nordhessen 36 Prozent.

Umfrage Fraport Meinung zum Flughafen - Foto: gik
Umfrage Fraport Meinung zum Flughafen – Foto: gik

Schon geringer fielen übrigens die Fragen dazu aus, ob der Flughafen ein guter Nachbar sei: Nur 43 Prozent meinten, der Flughafen „bereichert das gesellschaftliche Leben in der Region“ (was immer das heißen soll), ganze 32 Prozent sahen in dem Flughafen „eine interessante Ausflugsmöglichkeit.“ Dass der Flughafen „ein Nachbar ist, der seine Verantwortung für die Menschen in der Region ernst nimmt“, konnten gar nur 29 Prozent unterschreiben – dieser Wert sollte der Fraport zu denken geben.

44 Prozent wollen den Flughafen weder privat noch geschäftlich nutzen

Vor allem wenn man ihn mit dem Wert kombiniert, „der Flughafen kann auch persönlich für private und geschäftliche Reisen genutzt werden“ – dem stimmten nämlich nur 66 Prozent zu. Wieso nur? werdet Ihr jetzt vielleicht fragen, haben wir zuerst auch gedacht. Aber eigentlich sollte man doch meinen, dass einem solchen Satz jeder zustimmen kann, also 100 Prozent. Dass 44 Prozent der Hessen diesem Satz nicht zustimmen können, könnte auch als Zeichen gedeutet werden, dass sich hier etwas verändert – etwa weil die Fluglärm(!)gegner selbst mehr dazu übergehen, für Kurzstrecken Bahn zu fahren.

Mainz& kennt Aktivisten, die konsequent den Flugbetrieb in Frankfurt meiden, und das sollte der Fraport zu Denken geben. Denn die Autoindustrie merkt ja gerade, was es heißt, wenn Autofahren nicht mehr der Inbegriff von Freiheit und Abenteuer ist und das Auto als Statussymbol ausgedient hat – der jüngeren Generation ist das schlicht egal. Und wir orakeln jetzt mal: so etwas könnte auch für Flugreisen kommen, zumindest für Kurzstrecken…

33 Prozent sagen: Debatte über Flughafen hat zugenommen

Aber zurück zu den nackten Zahlen 😉 Im Grunde stellte die Untersuchung dieselbe Frage mehrfach, so folgte noch die Frage, ob der Frankfurter Flughafen auch für die Exportnation Deutschland wichtig sei (49 Prozent: von herausragender Bedeutung, 37 Prozent: von einiger Bedeutung), und ob die öffentliche Debatte um den Flughafen zugenommen habe – immerhin 33 Prozent bejahten das (10 Prozent: stark zugenommen, 23 Prozent: etwas zugenommen), was zeigt, dass die Debatte über den Frankfurter Flughafen längst kein regionales Thema mehr ist.

50 Prozent: Bau der neuen Landebahn war richtig

Umfrage Fraport - Ergebnis neue Landebahn - Foto: gik
Umfrage Fraport – Ergebnis neue Landebahn – Foto: gik

Richtig interessant wird es dann bei der Frage, ob der Bau der neuen Landebahn notwendig war: 20 Prozent sagten dazu klar Nein, 50 Prozent aber, dass es richtig gewesen sei, dass die Bahn nach jahrelanger Diskussion endlich gebaut wurde.  Und 58 Prozent nannten den Bau der Bahn „für die wirtschaftliche Entwicklung und die Jobs in der Region wichtig.“ Schade, dass die Frage, ob die Bahn die Region mehr gespalten und ob sie zu erheblichen Belastungen der Region geführt hat, nicht gestellt wurde…

Allerdings, liebe Fluglärmgegner, spiegelt das Ergebnis auch zweifelsfrei eines wieder: das Wahlergebnis in der Rhein-Main-Region bei der Landtagswahl in Hessen im September 2013. Da wählten die Anlieger rund um den Flughafen nicht etwa die Ausbaugegner Grüne oder Linkspartei, nein: Sie wählten mehrheitlich CDU, und das sogar in stark belasteten Kommunen wie Flörsheim, Raunheim oder Kelsterbach. Tja, liebe Hessen, da können wir nur mit dem Grünen-Flughafenexperten Frank Kaufmann sprechen: „Das hat die grüne Verhandlungsposition gegenüber der CDU in Sachen Flughafen nicht gestärkt.“

61 Prozent für Bau des Terminals 3

Umfrage Fraport - Ergebnis Terminal 3 - Foto: gik
Umfrage Fraport – Ergebnis Terminal 3 – Foto: gik

Zum Bau des Terminals 3 sagten übrigens in der Umfrage 61 Prozent, wenn der Flughafen ein neues Terminal benötige und Baurecht habe, solle er es auch bauen. Die Fraport reichte am Dienstag ihre Sicht der Dinge beim Hessischen Wirtschaftsministerium ein: Eine Einschätzung, warum das Terminal 3 nötig sei.

Eine solche Bedarfsprüfung war zwischen CDU und Grünen im Koalitionsvertrag vereinbart worden, nun legte die Fraport ihre Bedarfsprüfung vor, und Ihr dürft dreimal raten, wie sie ausfiel… Richtig! Die Fraport sieht einen Bedarf und will bauen! Wie habt Ihr das nur erraten 😉

Im Ernst: Eine Bedarfseinschätzung desjenigen, der unbedingt bauen will, fällt natürlich erwartbar aus, und wir hören schon die hessische Opposition rufen: Wer den Sumpf trocken legen will, darf nicht die Frösche fragen! Womit wir jetzt aber auf keinen Fall Fraport oder ihren Chef Schulte als Frösche bezeichnet haben, oder den Flughafe als Sumpf – das läge uns ferne! Was uns aber zu der Frage bringt, wie eine unabhängige Bedarfseinschätzung aussehen würde (was wir spannend fänden), und was Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) jetzt damit anfängt.

Tut Fraport genug für Lärmschutz? Nein, sagt die Mehrheit

54 Prozent der Umfrage meinten übrigens auch, ein Terminal 3 sei für die Stadt Frankfurt und die Region von großem Nutzen, aber wir erinnern mal daran, dass hier auch Mittel- und Nordhessen gefragt wurden. Lediglich 27 Prozent meinten indes, ein Terminal 3 sei nicht nötig.

Umfrage Fraport zum Lärmschutz - Foto: gik

Sehr viel unangenehmer fielen für die Fraport die Antworten auf die Frage aus, ob der Flughafen denn genug für Lärmschutz tue: 23 Prozent meinten, der Flughafen tue genug, um die Belastung der Region mit Fluglärm zu mindern, 34 Prozent meinten das nicht. „Aus den Daten lässt sich zudem ablesen, dass die Bürger für ein Mehr an Lärmschutz eintreten“, ließ Schulte denn auch mitteilen, gut erkannt 😉

Insgesamt aber könne die Fraport „eine eindeutige öffentliche Akzeptanz für den Bau der neuen Landebahn verzeichnen“, bilanzierte Schulte – die Zahlen bestätigen dies. Aber die Umfrage zeigt auch: Wichtig für das Ergebnis ist, welche Fragen gestellt werden…. Die Fraport will übrigens am heutigen Mittwoch neue Zahlen zu Passagieren und Flugaufkommen vorlegen. Da halten wir Euch natürlich auf dem Laufenden.

 

 

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