Die rheinhessischen Winzer treibt derzeit vor allem eine Sorge um: “Wir hoffen einfach auf eine Normalernte 2018”, sagt der Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen, Ingo Steitz. Rund 1,97 Millionen Hektoliter Wein ernteten die Winzer 2017, das waren gut 23 Prozent weniger als 2016 – eine Miniernte. Die kleine Ernte mache sich natürlich bemerkbar, “es fehlt schlicht die Menge”, seufzt Steitz. So kämpfen manche Betriebe gar ums Überleben, weil schlicht Umsatzmengen fehlen, andere können Kunden nicht mehr bedienen. Entschädigt werden die Winzer durch einen hervorragenden Jahrgang: 2017 brachte Weine voller Fülle und Vielfalt, die Preise sind gestiegen, der Export brummt.

Mit Feuer versuchten vor einem Jahr viele Winzer den Frost von den Reben fern zu halten, meist vergeblich. Hier “brennen” Weinberge von Kloster Eberbach. – Foto: Staatsweingüter

Es ist die Umkehrung der Klage aus den Vorjahren, als die Winzer damit kämpften, ihre Weinmengen an Käufer bringen zu können – 2017 war alles anders: die späten Fröste im April nach einem frühen Rebaustrieb vernichteten mancherorts ganze Weinberge. 30 Prozent, 40 Prozent, mancherorts sogar 50 Prozent weniger lauten die Berichte. Das setzt nun die Winzer unter einen ganz neuen Stress: Es fehlen die Mengen, um Kunden und Märkte bedienen zu können. So drohen Weine aus Handelshäusern wieder ausgelistet zu werden – die Rückkehr ins Sortiment muss meist hart erkämpft werden.

“Viele Betriebe reagieren mit hoher Kreativität”, berichtete Steitz vergangene Woche beim Treffen des Weinwirtschaftsrates in Guntersblum, so würden eben mehr Cuvees kreiert, wenn die Mengen für reine Sortenweine fehlten. “Winzer, die unter dem Frost litten, haben schon sehr zu kämpfen, das ist nicht auszugleichen”, sagte auch der Vorsitzende des Verbands der rheinhessischen Weinkellereien, Wolfgang Trautwein. Gerade bei begehrten Sorten wie Burgunder sei es eng, auch frühe Sorten wie Müller-Thurgau oder Bacchus seien von der Menge her eher bescheiden.

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Die Qualität hingegen kann sich auch beim Jahrgang 2017 sehen lassen, gerade präsentierten rund 80 rheinhessische Weingüter ihre Ortsweine bei der Ortswein-Preview am Vortag der VDP-Weinbörse vor. Der Jahrgang 2017 zeigte eine hohe Bandbreite: vom fruchtbetonten, fülligen Bukettwein bis hin zum eleganten, mineralischen Riesling war alles dabei – was in den Kellern ankam, der 2017er bringt Weinliebhaber zum Schwärmen.

Wie gut doch rheinhessische Weine zu allerlei Gaumenfreuden passen – hier der Rheinhessen Silvaner. – Foto: gik

 

“Wir merken eine Rückkehr zu den Bukettsorten”, sagte Trautwein, darunter verstehen die Experten Weinsorten mit mehr Fruchtnoten wie den Gewürztraminer, den Muskateller oder auch Bacchus und Scheurebe. So machte etwa die Anbaufläche des Sauvignon Blanc einen Sprung um 27 Prozent auf inzwischen 330 Hektar, der Gewürztraminer legte um 4,6 Prozent auf 182 Hektar Rebfläche zu. “Der Traminer wird seine Nische behalten”, sagte Trautwein, die “Riesen-Renaissance”, die mancher für die Rebsorte vorhersage, sehe er aber eher nicht.

Absatzprobleme jedenfalls haben die rheinhessischen Winzer derzeit keine, auch sind die Preise wegen der geringen Mengen gestiegen. Die geringen Mengen haben aber auch die Debatte um eine eigene Weinmarke fürs Ausland erst einmal in den Hintergrund treten lassen – vor einem Jahr hatten die Rheinhessen noch kräftig im Mainzer Weinbauministerium auf eine neue Auslandslinie gedrungen, Weinbauminister Volker Wissing (FDP) gar von einer Renaissance der Liebfrauenmilch geträumt. Das Thema Export habe wegen der geringen Ernte “an Drive verloren”, räumte Steitz ein: “Was soll man sich über Export unterhalten wenn du nix zu verkaufen hast.”

Rheinhessische Weinberge bei Mommenheim: 2017 wurden viele lagen durch späten Frost heimgesucht. – Foto: gik

Dabei boomt der Absatz rheinhessischer Weine im Ausland geradezu: “Wir sehen ein echtes Plus von 8,9 Prozent in der Menge und zehn Prozent im Wert”, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Weinkellereien, Albrecht Ehses. Die Nummer eins sind dabei weiter die USA, hier legten rheinhessische Weine um 12,3 Prozent in der Menge und um gut zehn Prozent im Wert zu. Nach China, Platz drei der Exportskala, gingen gar 28,2 Prozent mehr rheinhessische Weine, Israel legte um 63,8 Prozent zu – und Polen gleich um 19 Prozent. Allerdings werden ins östliche Nachbarland vorwiegend niedrigpreisige Produkte mit einem Durchschnittspreis von 1,83 Euro verkauft, nach Norwegen gehen dagegen Weine im Wert von 4,88 Euro im Schnitt, nach Hongkong gar von 5,32 Euro.

 

Leicht rückläufig sind dagegen die Exporte in die Niederlande (minus 5,7 Prozent) und nach Großbritannien (minus 6,3 Prozent) – der Brexit gehört denn auch zu den Entwicklungen, die die Winzer mit großer Sorge sehen: Rheinhessen exportierte 2017 noch immer rund 29.000 Hektoliter Weine nach Großbritannien im Wert von rund 4,6 Millionen Euro. “Wir müssen uns deutlich strategischer mit den Exportmärkten beschäftigen”, mahnte Ehses, so sei etwa der asiatische Markt “für unsere Produkte nicht zu unterschätzen.”

Die Hoffnung ruht denn auch auf dem Weinjahrgang 2018: “Die Vegetation steht zurzeit hervorragend da”, sagte Steitz, nach einem langen Winter gebe es nun plötzlich Sommer. Das habe den Rebwuchs vorangetrieben, auch seien die Aussichten für die kommenden Tage ordentlich. “Wir rechnen nicht mehr mit größerem Kälteeinbruch”, sagte Steitz erleichtert, “und wenn er noch kommt, wird er nicht mehr die Auswirkungen haben.” Was aber den Jahrgang 2017 angeht, sollten die Verbraucher vor allem eines tun: rechtzeitig kaufen. “Der ein oder andere Rebsortenwein”, sagte Steitz noch, “steht fürs Weihnachtsgeschäft womöglich nicht mehr zur Verfügung.”

Info& auf Mainz&: Mehr zum Thema Rheinhessen & Rheinhessenwein findet Ihr auf dieser Internetseite, wie gut rheinhessische Bukettrebsorten wie Sauvingon Blanc und Scheurebe zum Spargel schmecken, das könnt Ihr hier bei Mainz& entdecken.

 

 

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