Zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar wird es dieses Mal kein Public Viewing in den Landeshauptstädten am Rhein geben: Wiesbaden erteilte am Dienstag Public Viewing eine offizielle Absage. Winter, Energiekrise und die schwierige Menschenrechtslage passten nicht zusammen, sagte der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). Auch in Mainz sieht man keine Veranlassung für Public Viewing: Das sei „kein Thema“, heißt es auf Mainz&-Anfrage. Die Evangelische Kirche macht Katar gar zum Thema ihres Reformationstages am 31. Oktober in Mainz – mit einem Vortrag von ZDF-Moderatorin Claudia Neumann.

Public Viewing bei einer früheren WM im Biergarten "Planke Nord". - Foto: gik
Public Viewing bei einer früheren WM im Biergarten „Planke Nord“. – Foto: gik

Die Fußball-WM findet vom 20. November bis 18. Dezember im Golf-Land Katar statt, die Vergabe in das Scheichtum ist hoch umstritten – seit Jahren gibt es Vorwürfe über Korruption bei der Vergabe, aber auch über Ausbeutung und massive Menschenrechtsverletzungen in der Vorbereitungszeit. Die britische Zeitung Guardian sprach im Februar nach intensiven Recherchen gar von 6.500 Toten beim Bau von Stadien und anderen Einrichtungen in dem Land am Persischen Golf.

Nun erteilte die Stadt Wiesbaden genau aus diesen Gründen öffentlichem Public Viewing zur WM eine Absage. „Die WM ist hoch umstritten, über die zahlreichen Hinweise zur Menschenrechtslage und Ausbeutung von Arbeitern wollen und können wir nicht hinwegsehen“, betonte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) am Dienstag in Wiesbaden.

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Es ist indes nicht der einzige Punkt: „Public Viewing und kalte Jahreszeit passen nicht zusammen“, sagte Mende weiter – dazu komme noch die Gas- und Energiekrise. „Die öffentliche Hand kann nicht von den Bürgerinnen und Bürgern verlangen, ihren Energieverbrauch zu senken, und gleichzeitig im Winter ein Public Viewing mit warmen Plätzen, etwa in beheizten Zelten, anbieten“, betonte der OB.

Die Fußball-WM in Katar wird auch Thema beim Festakt zum Reformationstag in der Christuskirche. - Foto: EKHN
Die Fußball-WM in Katar wird auch Thema beim Festakt zum Reformationstag in der Christuskirche. – Foto: EKHN

Aus Mainz waren bislang solch klare Ansagen nicht zu hören, auf Nachfrage heißt es in der Pressestelle der Landeshauptstadt aber: „In Mainz ist Public Viewing derzeit kein Thema“, wie Stadtsprecherin Sara Heil auf Mainz&-Anfrage sagte. Eine solche Veranstaltung sei nie geplant gewesen, es gebe auch keine Anträge dafür.

Auch andere Städte hatten bereits Public Viewing großflächig Absagen erteilt, weder in Frankfurt noch in Berlin werde es Fanmeilen geben, berichtete etwa das Internetportal Sportbuzzer.de. Die Evangelische Kirche will das Thema WM in Katar gar zum zentralen Thema ihrer Reformationsfeier am 31. Oktober in Mainz machen. Der 31. Oktober 1517 gilt als Beginn der Reformation, weil damals der Mönch Martin Luther genau an diesem Tag seine 95 glaubenskritischen Thesen veröffentlichte – indem er sie an die Kirchentür in Wittenberg nagelte. Seine Thesen lösten in der Folge die Reformation aus.

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Festrede zum Thema Fußball-WM am Reformationstag

Beim zentralen Festakt der hessen-nassauischen Kirche zum Reformationstag 2022 soll in der Mainzer Christuskirche neben Kirchenpräsident Volker Jung und dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf ZDF-Sportmoderatorin Claudia Neumann den Festbeitrag halten – und dabei laut Ankündigung „die umstrittene Fußball-WM in Katar wenige Tage vor dem Anpfiff einem kritischen sportethischen Blick unterziehen.“ Neumann hatte sich zuvor schon in einer Arbeitshilfe der evangelischen Kirche zum Fußball geäußert und dabei geschrieben: „Diese WM wird aus journalistischer Sicht die politischste, die es je gegeben hat.“

Sportmoderatorin Claudia Neumann. - Foto: ZDF/ Torsten Silz
Sportmoderatorin Claudia Neumann. – Foto: ZDF/ Torsten Silz

Neumann schrieb Fernsehgeschichte, weil sie 2016 als erste Frau bei der Fußball-EM in Frankreich im deutschen Fernsehen Spiele der Männermannschaft kommentierte. Dies habe eine „nie dagewesene Welle an Beschimpfungen und in der Folge eine bundesweite Sexismus-Debatte ausgelöst“, teilte die Evangelische Kirche weiter mit. 2020 erschien zudem Neumanns Buch „Hat die überhaupt ’ne Erlaubnis, sich außerhalb der Küche aufzuhalten? –  Wie ich lernte, das Leben sportlich zu nehmen“, in dem Neumann die Hetze in sozialen Netzwerken und ihren eigenen Lebensweg als Sportjournalistin in einer Männerdomäne thematisiert.

Info& auf Mainz&: Der Festakt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau findet am 31. Oktober 2022 in der Christuskirche in Mainz statt, Beginn ist 18.00 Uhr, Besucher sind herzlich willkommen. An den Gottesdienst schiließt sich ein Empfang im Landesmuseum Mainz in der Großen Bleiche an. Der Titel der Festrede lautet: „Fußball: Zwischen Leid und Seligkeit“. Infos im Internet dazu gibt es hier.

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