Die Fassade des Mainzer Rathauses muss im Eiltempo demontiert werden: Man habe einer Spezialfirma den Auftrag zur Abnahme der Natursteinverkleidung erteilt, teilte die Stadt Mainz am Mittwoch überraschend mit – der Grund: Die Marmorsteine drohen von der Fassade zu fallen. Erneut hatte sich eine Marmorplatte von der Fassade gelöst, ein eilends erstelltes Gutachten ergab daraufhin: Die Fassade muss sofort demontiert werden.

Die Marmorplatten der Rathausfassade fallen nun endgültig. - Foto: gik
Die Marmorplatten der Rathausfassade fallen nun endgültig. – Foto: gik

Die Naturstein-Fassade aus hellgrauem Porsgrunn-Marmor war eigens von Architekt Arne Jacobsen für den Bau des Mainzer Rathauses kreiert worden, doch die dünnen grauen Marmorplatten erwiesen sich als wenig haltbar: Schon seit Jahren bröckelt die Fassade, Platten brechen und drohen herabzustürzen – die komplette Rathausfassade ist marode und bereits seit Jahren durch Schutzzäune abgesperrt. “Der alte Naturstein hätte damals, 1974, niemals an das Gebäude gedurft”, sagte im Mai dieses Jahres der Projektleiter für die Rathaussanierung, Andreas Grund.

Nun ist offenbar wieder eine Platte vom Rathaus gestürzt, im Rathaus spricht man vom “Abgang einer Platte”, der ein weiteres Gutachten ausgelöst habe. Das Gutachten habe “die sofortige Demontage als unmittelbare Schadensabwehr festgesetzt”, teilte die Pressestelle nun mit: Jede Platte wiege rund 30 Kilogramm und sei 50 mal 80 Zentimeter groß bei einer Dicke von 2 bis 3,5 Zentimetern. Kurz: Es ist akut Gefahr im Verzug. Das Mainzer Rathaus steht bereits seit Ende 2019 leer und wartet auf seine Sanierung, im Mai wurde das Verfahren zur Sanierung der Rathausfassade vorgestellt: Die alten Marmorplatten sollen dabei durch neue Keramikplatten mit Spezialbeschichtung ersetzt werden.

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Das Mainzer Rathaus steht bereits seit zwei Jahren leer und wartet auf seine Sanierung - nun fällt die Fassade. - Foto: gik
Das Mainzer Rathaus steht bereits seit zwei Jahren leer und wartet auf seine Sanierung – nun fällt die Fassade. – Foto: gik

Derweil aber bröckelt die alte Fassade weiter: Die Stadt Mainz gab nun in einem Eilverfahren einer spezialisierten Demontagefirma den Auftrag zur Abnahme der Natursteinverkleidung, teilte die Stadt mit, das sei mit dem Innenministerium abgestimmt. Rund 10.000 Quadratmeter Fläche würden nun eingerüstet und mit Durchfallschutz und bedrucktem Wandbehang als Staubschutz verhängt – das Rathaus wird komplett eingerüstet. Vor der Abnahme der Fassadenplatten würden “denkmalschutzrechtliche Maßnahmen” wie etwa die fotografische Erfassung zur späteren Reproduktion vorgenommen, hieß es weiter. Weiterhin würden alle Platten auf ihre Schadensgröße geprüft, das sei aber erst nach der Demontage erkennbar.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Thema Sanierung der Rathausfassade lest Ihr hier bei Mainz&. Offizielle Informationen zur Rathaussanierung findet Ihr hier bei der Stadt Mainz.

2 KOMMENTARE

  1. Vorschlag: Schnellsamierung nach dem Muster Salzbachtalbrücke. Durch Armierungsrost fault das Rathaus von unten her ab. Die sogen. Weiße Wanne ist nicht sanierungsfähig. Was sagen Bausachverständige zu dem morschen Fundament? Oben hui und unten pfui kann keine Lösung sein.

  2. Jedesmal wieder zeigt sich: Arne Jacobsen war handwerklich ein Stümper. Nicht nur, dass das Haus zum Arbeiten unpraktisch ist, es geht auch an allen Ecken und Enden kaputt und ist eine Gefahr für die Menschen die dort arbeiten bzw. gearbeitet haben und die Menschen, die sich in der Nähe aufhalten.

    Ich stimme dem Vorschlag zu, die Sanierung der Salzbachtalbrücke zum Vorbild zu nehmen. Den Livestream der Sprengung würde ich mit Freuden betrachten.

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