Endlich wieder im Rhein bei Mainz baden können – das ist ein lange gehegter Wunsch vieler Mainzer. Und seit der Mainzer Zollhafen vom Industriehafen zum Wohngebiet wurde, lockt die Idee, aus einem der Hafenbecken ein Schwimmbad zu machen- Projektbetreiber Alex Kiefer entwickelte daraus die Idee der „Heiligen Makrele“. Nun aber erhebt Kiefer schwere Vorwürfe gegen die Stadt Mainz, Vorwürfe des Manipulationsverdachtes: Die versuche, das geplante Hafenbad-Projekt „Heilige Makrele!“ politisch auszubremsen. Die Stadt weist das zurück – und veröffentlichte eilig Informationen zur Vorstudie „Baden im Rhein“. Die soll bereits am Mittwoch im Hauptausschuss beraten, und am 9. April im Stadtrat beschlossen werden.

Wie kann den Mainzern endlich wieder ein Zugang zum Baden im Rhein verschafft werden? Die Frage gibt es seit langem, in der Corona-Pandemie stellte sie sich angesichts geschlossener Schwimmbäder mit ganz neuer Dringlichkeit. Diskutiert wurde über einen Badesee im Steinbruch, über ein Strandbad in Mombach oder ein Badeschiff am Rheinufer – und über den Mainzer Zollhafen. „Papa, kann man hier schwimmen?“ fragte damals, im April 2020, die Tochter von Axel Kiefer ihren Vater – so erzählt er es auf seiner Projekt-Homepage. Die beiden standen am Hafenbecken des Mainzer Zollhafens, das seit der Umwandlung des Areals in ein Wohngebiet einen Yachthafen hat – und ein großes, zweites, ungenutztes Hafenbecken.
Kiefers Planungsbüro für Wasserbau und Renaturierung hatte bereits im Jahr 2015 die Marina im Zollhafen geplant, wie seine Homepage zu berichten weiß, wieso sollte es also nicht auch ein Naturschwimmbad inmitten von Mainz planen können? Es entstand – die „Heilige Makrele“, ein umfangreiches Konzept für ein Naturschwimmbad im Zollhafen. 10.000 Quadratmeter Wasserfläche mit Inselpontons und Holzdecks, mit Begrünung und Schwimmbahnen für Vereine und Schulsport. Und mit speziell entwickelten Filtersystemen für klares Wasser und die Erfüllung der Badegewässerrichtlinie, so die Projektseite.
Planer der „Heiligen Makrele“ werfen Stadt Mainz „Manipulation“ vor
Doch das Projekt kam nicht recht voran, gleichzeitig kündigte der neue Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) – eigentlich ein Fan der „Heiligen Makrele“ – eine städtische Machbarkeitsstudie zum Thema „Baden im Rhein“ oder am Rhein ein. Als 2024 die Stadt ein neues, gigantisches Haushaltsloch „entdeckte“, wurden die Mittel für die Machbarkeitsstudie gestrichen, Haase gab indes eine verwaltungsinterne Prüfung in Auftrag, die das Thema „Baden am Rhein“, „Baden im Rhein“, „Blaue (Infrastruktur in Rheinnähe“ und „Badeseen“ mit Eigenmitteln der Verwaltung untersuchen sollte.

Und um diese Voruntersuchung gibt es nun mächtig Ärger: Kiefer spricht von „gravierendem Manipulationsverdacht“ und wirft der Stadt vor, sein Projekt aus politischen Gründen verhindern zu wollen. „Es besteht aus unserer Sicht ein gravierender Verdacht, dass durch manipulative Bewertungsmuster versucht wird, das geplante Hafenbad-Projekt „Heilige Makrele!“ gezielt negativ darzustellen und politisch auszubremsen“, klagt Kiefer in einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung.
„Unsere detaillierte Analyse der Untersuchung zeigt zahlreiche fachliche Widersprüche und
Bewertungsansätze, die aus unserer Sicht sachlich nicht nachvollziehbar sind und den Eindruck einer gezielten Verzerrung erwecken“, kritisiert Kiefer weiter. Dazu zählten unter anderem eine negative Bewertung der Wasserqualität, eine angeblich mangelhafte Wirtschaftlichkeit und die Absprache einer sozialen Funktion des Projektes. Dabei belegten unabhängige Laboranalysen, „dass die Badegewässer-Kriterien im Nordbecken vollständig
erfüllt werden“, betont Kiefer. Die eigene Machbarkeitsstudie wiederum prognostiziere einen jährlichen Überschuss von mehr als 100.000 Euro.
Kiefer: Nachweise ignoriert, gezielte Verzerrung, Fakenews
Dazu kämen falsche Behauptungen, wie im Hafenbad dürften „nur zwei Kinder“ gleichzeitig ins Wasser, was in keinem Konzept stehe, der Punkt Lärm werde trotz eines umfassenden Schallgutachtens als Ausschlusskriterium gewertet, und eine ökologische Aufwertung des Hafenareals werde sogar „negiert, obwohl unser Konzept die Pflanzung von Dutzenden Bäumen, Sträuchern und Stauden sowie eine naturnahe Gestaltung des Hafenbeckens vorsieht“, zählte Kiefer weiter auf. Zahlreiche belastbare und fachlich fundierte Nachweise seien „aus unserer Sicht nicht berücksichtigt worden.“

„Wir fordern daher eine faire, transparente und fachlich ausgewogene Neubewertung der Standortfrage – im Interesse der Mainzerinnen und Mainzer, die sich eine ökologische, soziale und öffentliche Bademöglichkeit im Mainzer Zollhafen wünscht“, heißt es in der Pressemitteilung weiter, die Ihr in Gänze hier im Internet herunterladen könnt. Das Team habe „eine umfangreiche Beweisführung zusammengestellt, die aus unserer Sicht
zahlreiche Hinweise auf systematische Bewertungsfehler, sachlich nicht nachvollziehbare
Aussagen und den gravierenden Verdacht manipulativer Methoden enthält.“ Man behalte sich vor, die Dienstaufsicht ADD einzuschalten und den Vorgang einer rechtlichen Bewertung zu unterziehen.
Kiefers Ärger entzündet sich auch daran, dass die Voruntersuchung „Baden im Rhein“ überraschend am Mittwoch im Haupt- und Personalausschuss der Stadt vorgestellt werden soll – ohne, dass sie zuvor öffentlich vorgestellt und mit den Bürgern diskutiert wurde. In der Verwaltungsvorlage heißt es, verwaltungsintern seien 16 Standorte entlang des gesamten Mainzer Rheinufers untersucht, aber nur einer „mit eingeschränktem Potential“ identifiziert worden – für diesen empfehle man, „eine tiefergehende, externe Machbarkeitsstudie“ in Auftrag zu geben. Der einzige Standort: ein Badeschiff im Bereich nördlich der Urbanen Aue und südlich der Kaiserbrücke.
Stadt Mainz: 16 Standorte untersucht, nur einer mit Potenzial?
Alle anderen Standorte, so die Vorlage weiter, sollen „nicht weiter berücksichtigt werden“, so die Stadtverwaltung weiter – der Stadtrat soll diese Vorlage am 9. April beschließen, eine Debatte dazu ist nicht vorgesehen. Das rief am Dienstag die Linke auf den Plan: „Auf dem kurzen Dienstweg soll die ‚Heilige Makrele‘ erledigt werden, und das möglichst schnell, geräuschlos und ohne Öffentlichkeit“, kritisierte Linken-Stadtrat Martin Malcherek: Gerade erst, am 27.3.2025 habe Haase die entsprechende Beschlussvorlage unterzeichnet, bereits am 2. April solle sie im Ausschuss beraten werden – und im Stadtrat dann nur noch als Verwaltungsvorlage abgestimmt werden.

„Das ist eine Ohrfeige für kreative Ideen in Mainz, für bürgerschaftliches Engagement und vor allem ein tiefer Griff in die Trickkiste: Mit einem schnellen Verfahren sollen Fakten geschaffen werden“, schimpfte Malcherek – die „Heilige Makrele“ komme auf den Grill. Denn Zeit zur Prüfung „der methodisch fragwürdigen Untersuchung“ gebe es nicht, welches ehrenamtliche Stadtratsmitglied könne das denn in weniger als zwei Wochen leisten? „Die Makrele hat eine Machbarkeitsstudie verdient“, betonte der Politiker weiter, die Gegenargumente überzeugten nicht. Der Schallschutz sei laut den von Kiefer vorgelegten Gutachten nachgewiesen, die Wasserqualität auch – weitere Gegenargumente fielen im Faktencheck ebenfalls durch.
„Damit ist ein extrem hoher Grad an Vorbereitung geleistet, diese einfach so zur Seite zu schieben wäre ein Fehler“, kritisierte Malcherek: „Schon allein um den entstandenen Eindruck zu beseitigen, die Stadt handele hier einseitig nach den Interessen der Eigentümergesellschaft und der Marina-Betreiber und nicht im Interesse aller Mainzer.“ Die ‚Heilige Makrele‘ wäre „ein Hingucker“, zu dem sich andere Städte beglückwünschen würden. „Mainz verspielt diese Chance und muss sich dabei vorwerfen lassen, intransparent vorzugehen und sich vor den Karren der Bootseigner-Schickeria spannen zu lassen“, ärgerte sich Malcherek. Und erinnerte daran, dass die Neustadt zwar einen Yachtclub habe, aber keinen Fußballverein – was es nicht brauche, sei „ein Privatressort für die Reichen!“
Haase: Vorwürfe der Manipulation entbehren „jeder Grundlage“
Am Dienstagnachmittag verschickte die städtische Pressestelle dann eilig eine Pressemitteilung, darin wies Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) die Vorwürfe zurück: „Die Idee der ‚Heiligen Makrele‘ ist zwar charmant, hält in ihrer vorgelegten Form jedoch der fachlichen Prüfung nicht stand“, betonte Haase: „Unsere zuständigen Ämter haben zahlreiche Kriterien sorgfältig bewertet und in ihre Beurteilung einfließen lassen. Pauschale Vorwürfe der Manipulation entbehren jeder Grundlage und gehören nicht in eine konstruktive Debatte.“

Dabei gebe es zwei Hauptprobleme, so Haase weiter: Seitens der Grundstückseigentümer bestehe nämlich „bis heute kein Interesse an diesem Vorhaben“, die Rückübertragung des Areals an die Stadt werde aber erst in den 2030er Jahren erfolgen. „Selbstverständlich sollte dennoch auf lange Sicht eine bessere Zugänglichkeit der Freizeitbereiche für die Öffentlichkeit avisiert werden“, so der OB weiter.
Dazu aber seien die Besucherzahlen „im Laufe der Projektentwicklung stetig nach unten angepasst“ worden, so Haase weiter: „Aus den Unterlagen von Herrn Kiefer geht zuletzt hervor, dass aus Gründen der Erhaltung der Wasserqualität täglich maximal 300 Personen, und aus Gründen zur Einhaltung des Lärmschutzes gleichzeitig nur 160 Personen (inklusive fünf Kindern) das Bad nutzen sollen.“ Ein wirtschaftlich und sozial tragfähiger Badebetrieb sei unter diesen Bedingungen nur schwer vorstellbar – für ein Bad mit einer Gesamtfläche von 11.750 Quadratmetern sei eine Besucherzahl von etwa 1.300 Personen üblich.
Haase: „Gewichtige Kriterien sprechen gegen ein Schwimmbad“
„Wir alle sind uns einig, dass wir die Chancen, die dieses Wasserareal mitten in einem Wohngebiet hat, nutzen möchten“, betonte Haase weiter. Dazu gehöre „selbstverständlich“ auch eine öffentliche Zugänglichkeit. „Da gewichtige Kriterien gegen ein Schwimmbad sprechen, müssen wir uns neuen Ideen öffnen, daher habe ich Herrn Kiefer bereits am 24. März bei einem Telefonat eingeladen, gemeinsam alternative Ansätze zu prüfen – dieses Angebot hat er leider abgelehnt.“
Haase lobte zudem „die vorbildliche, intensive und ergebnisoffene Zusammenarbeit in der Stadtverwaltung“ im Rahmen der Voruntersuchung, die unter der Führung der Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) und Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) und federführend vom Amt für Stadtforschung und nachhaltige Stadtentwicklung konzipiert wurde. Die Linke kündigte an, sie werde im Hauptausschuss sowie im Stadtrat auf eine Vertagung der Beschlussfassung drängen.
Info& auf Mainz&: Ein ausführlicher Artikel zu der Voruntersuchung der Stadtverwaltung zum Thema „Baden in Mainz“ folgt – die Studie findet Ihr hier im Internet.