Seit 2015 steht der Abriss der Mombacher Hochstraße im Raum, nun wird es langsam ernst: Voraussichtlich ab Mai will die Stadt Mainz die marode Hochbrücke komplett für den Verkehr sperren. Das Bauwerk sei nicht mehr standsicher, sagte Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) am Montag in Mainz – inzwischen  drohen offenbar auch Betonplatten von der Hochbrücke zu fallen. Derzeit baut die Stadt noch einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt an der Rheinallee, Ecke Zwerchallee um, nach der Fertigstellung im Mai soll der verkehr dann ganz von der Hochbrücke wegverlegt werden. Man erwarte keine Verkehrsprobleme, sagte Eder.

Die Mombacher Hochstraße im Jahr 2015 von unten - das Bauwerk aus den 1960er Jahren ist marode und wird verschwinden. - Foto: gik
Die Mombacher Hochstraße im Jahr 2015 von unten – das Bauwerk aus den 1960er Jahren ist marode und wird verschwinden. – Foto: gik

Die gut 1,3 Kilometer lange Mombacher Hochbrücke wurde 1969 fertiggestellt und bildet eine direkte, querungsfreie Tangente über das Gewerbegebiet rund um die Zwerchallee. Erbaut wurde sie in einer Zeit, als die Stadtplaner von Stadtautobahnen und der autogerechten Stadt träumten, doch längst ist das Bauwerk aus Spannbeton und Stahl zum Problembau geworden: Seit 2012 fährt die Brücke nur noch völlig ungenügende Bewertungen bei den Sicherheitschecks ein. Auf einer Skala von 1 für sehr gut bis 4 für ungenügend, kommt die Mombacher Hochbrücke seit 2012 nur noch auf eine Bewertung von 3,5, seit Ende 2015 ist klar: Ein Abriss ist die einzig sinnvolle Variante.

Seit 2016 laufen die Überlegungen und Planungen dazu, die Stadt entwickelte ein Verkehrskonzept, den Verkehr von der Hochstraße auf die Straßen unterhalb der Brücke zu verlagern. Die Mombacher Straße entlang der Alten Lokhalle wurde dafür von einer Einbahnstraße zu einer Durchfahrtstraße für beide Richtungen, die Kreuzung zur Zwerchallee umgebaut. Für Lkw ist die marode Brücke bereits seit 2015 gesperrt, 2016 nutzten noch 11.040 Autos pro Tag die Hochtangente, im Jahre 2019 waren es noch 9.560.

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Die Y-Träger der Hochbrücke sind marode, in vielen Löchern nisten Tauben, Wasser dringt ein: Bauzustand ungenügend. - Foto: gik
Die Y-Träger der Hochbrücke sind marode, in vielen Löchern nisten Tauben, Wasser dringt ein: Bauzustand ungenügend. – Foto: gik

Der Zustand der Hochbrücke verschlechterte sich seither weiter, inzwischen drohen offenbar sogar einzelne Betonstücke herunterzufallen: Bei einer jüngsten Inspektion Ende 2020 stellten die Prüfer zunehmende Betonabplatzungen vor allem im Bereich der Dehnfugen fest, auch weil der völlig rissige Fahrbahnbelag weitere Schäden am darunterliegenden Bauwerk verursacht hatte. Die Auswirkungen auf tragende Überbaukonstruktionsteile seien derzeit nicht abschätzbar, heißt es in den Unterlagen der Stadt.

Man habe deshalb 2020 eine Vereinbarung mit einer Spezialfirma über eine 24-Stunden-Einsatzbereitschaft im Fall von Betonabplatzungen im Verkehrsbereich unter der Brücke getroffen, sagte Ulf Gerth, seit dem 1. Januar Abteilungsleiter für den Straßenbetrieb bei der Stadtverwaltung. Gegen herabfallende Teile würden schon seit 2018 fortlaufend Schutznetze zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit angebracht, betonte Gerth zudem, das Bauwerk werde fortlaufend kontrolliert. Die Stadt bereite zudem Flächenakquirierungen in der Nähe der Hochstraße vor, die man für den Rückbau benötigen könne.

Verlauf der Mombacher Hochbrücke von oben gesehen. - Grafik: Stadt Mainz
Verlauf der Mombacher Hochbrücke von oben gesehen. – Grafik: Stadt Mainz

Damit der Rückbau starten kann, braucht die Stadt aber mehr Personal: Derzeit seien zwei neue Stellen ausgeschrieben, die neuen Kollegen sollen dann das Projekt Rückbau begleiten, sagte der Leiter des Stadtplanungsamtes, Axel Strobach. „Die zwei neuen Mitarbeiter sollen ein Büro suchen, das die Abrissplanung macht“, ergänzte Dezernentin Eder, „das wird eine Herausforderung, so ein Brückenbauwerk niederzulegen.“ Rund 25 Millionen Euro könnte der Abriss kosten, so eine Schätzung aus früheren Jahren, die Kosten könnten allerdings erheblich steigen, falls die Ingenieure auch noch Schadstoffe wie etwa Asbest finden sollten – in Bauwerken aus den 1960er Jahren nichts ungewöhnliches.

Wann genau der Abriss der Hochstraße beginnen könnte, da wollte sich Eder aber nicht festlegen: „Wir machen Dampf beim Abriss“, sagte sie am Montag, eines sei klar: „In zehn Jahren steht die Brücke nicht mehr.“ Bleibt die Frage: Droht auf den verbleibenden Straßen Dauerstau, wenn die rund 10.000 Fahrzeuge pro Tag von der Brücke auf die ebenerdigen Straßen verlegt werden? Schon jetzt gibt es gerade an der Kreuzung Mombacher Straße/Zwerchallee lange Staus, vor allem an Tagen mit großen Veranstaltungen in der Halle 45.

Was geplant sei, sei „leistungsfähig genug für den Verkehr, das ist nachgewiesen“, sagte Strobach, die Verkehrsströme würden sich in Zukunft verändern: „Menschen, die in die Stadt fahren, werden sich anders organisieren“, fügte Strobach hinzu. „Die Simulationen haben nachgewiesen, dass das funktioniert“, sagte auch Eder, „und die Simulationen hatten bisher meistens Recht.“

Info& auf Mainz&: Mehr zur maroden Mombacher Hochstraße und dem geplanten Abriss könnt Ihr hier auch noch mal aus dem Jahr 2015 nachlesen. Die Mainzer CDU hatte 2015 angesichts des Aus für die Hochbrücke vorgeschlagen, eine Umgehungstangenten für die Mainzer Innenstadt zu entwickeln, auf der Pendler in Richtung Wiesbaden die Innenstadt elegant umfahren könnten – eine Tangente, die in einer neuen Rheinbrücke nach Wiesbaden münden würde – mehr dazu lest Ihr hier: Eine Brooklyn Bridge für Mainz.

 

1 KOMMENTAR

  1. Um die nur als Torso mit Stümpfen ins Nichts gebaute Hochstraße ist es nicht schade. Die Nutzung der Unvollendeten ist im Gegensatz zu den Ludwigshafener Problembrücken sehr überschaubar. Die gleiche Krankheit hat das ungeliebte Rathaus. Armierungsrost !!! Während die abfaulenden Brücken flächendeckend abgerissen und neu gebaut werden, weil eine Sanierung oft unmöglich ist, hält man verbissen an der Neueinkleidung des Fuchsbaus fest, obwohl der Rhein regelmäßig durch die Betonrisse die Untergeschosse flutet und heimlich am Zerfall des Moinstrums arbeitet. In Mainz gilt oben hui und unten pfui.

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