Das wurde ja auch wirklich Zeit: Die Bahnhofstraße, die Verlängerung vom Hauptbahnhof Richtung Schillerplatz also, bekommt endlich ein neues Gesicht. Am Freitag wurde der Sieger des Ideenwettbewerbs vorgestellt, danach soll die Bahnhofstraße ein Boulevard von acht Metern breite zum Flanieren werden. Die Straßenbahn muss dafür eine Spur nach Rechts, also in Richtung Sparkasse rutschen. Entstehen soll ein Entree, das Mainzer und Besucher schneller und schöner Richtung Innenstadt leitet.

Perspektive Bahnhofstraße 1. Preis Bierbaum
Vision der neuen Bahnhofstraße nach Architekt Bierbaum

Er habe sich ja schon 1991 gewundert, als er seine erste Politikstelle in Mainz antrat, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Freitag bei der Prämierung: Da habe Mainz so tolle Bauten wie den Dom und die Altstadt, aber das Entree vom Hauptbahnhof Richtung Innenstadt lasse das nun wirklich nicht vermuten. Nachholbedarf, stellte Lewentz damals fest. Doch es dauerte noch weitere 24 Jahre bis Lewentz, inzwischen Innenminister von Rheinland-Pfalz, einen Scheck vom Land zur Umgestaltung der Bahnhofstraße überreichen konnte.

Rund 2,1 Millionen Euro hatte Lewentz im Gepäck, zusammen mit dem Anteil der Stadt Mainz stehen damit 2,4 Millionen Euro für den Umbau zur Verfügung. Das Geld stammt aus dem Programm „Lebendige Innenstädte“, insgesamt fließen daraus 8 Millionen Euro für Umbauprojekte, neben der Bahnhofstraße sind das auch die Mombacher Straße, die Feldbergstraße und der Bismarckplatz. Dazu fließen noch einmal 8 Millionen Euro aus dem Programm Soziale Stadt nach Mainz, diese Mittel werden unter anderem für die Umgestaltung der Feldbergstraße genutzt.

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Bahnhofstraße mit Bus
Viele Busse, hässliches Outfit: die Bahnhofstraße zurzeit – Foto: gik

Für die Bahnhofstraße hatte die Stadt einen Ideenwettbewerb ausgelobt, 16 Entwürfe gingen ein. Die meisten fanden wir, ehrlich gesagt, wenig kreativ, sie hübschten die vorhandene Situation einfach nur ein wenig auf. Anders der Entwurf von Architekt Klaus Bierbaum: Hier werden Bäume, Masten und Haltestellen neu geordnet, und vor allem in einer Linie angeordnet – der Slalomlauf entfällt künftig.

Die Straßenbahn wird um eine Spurbreite Richtung Sparkasse verschoben, so entsteht auf der Seite des Postgebäudes ein acht Meter breiter Gehweg, der von Bäumen beschattet wird. Auf der Eckspitze des Platzes soll ein Kiosk seinen Platz finden, unter einem großen Schutzdach für die Fahrgäste. Was denn einen Boulevard ausmache, wurde Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) gefragt. „Es ist der Gegenplan zu dem, was jetzt ist“, sagte sie salopp. Wie wahr: An einen Boulevard erinnert die Bahnhofstraße nun wirklich nicht. Künftig werde man unter den Bäumen flanieren können, vor allem aber wird der breite Fußweg vor allem den Pendlerströmen mehr Raum geben.

Bahnhofstraße mit Münsterplatz
Die Straßenbahn soll nach rechts rutschen, der Münsterplatz schöner werden – Foto: gik

Zur Straßenbahn- und Bustrasse soll es aber einen abgesetzten Bordstein geben, sagte Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) Mainz&, für eine ebenerdige Lösung gebe es einfach zu viel Verkehr. 1.640 Busse und Straßenbahnen passieren täglich den Münsterplatz, rund 17.000 Fahrgäste steigen hier pro Tag ein und aus, verriet uns Jochen Erlhof, Geschäftsführer der Mainzer Verkehrsbetriebe. Dazu bewegen sich pro Tag fast 50.000 Fahrgäste in Bussen und Bahnen über den Platz.

Gute Gründe also, den Münsterplatz endlich aufzuwerten. Die Straßenbahngleise übrigens, sagte Erlhof weiter, müssten dringend saniert werden, der Zustand der ÖPNV-Trasse sei „erbärmlich“ – vor allem durch die schweren Busse. Dezernentin Eder warnte zugleich, der Belag müsse die hohe Busfrequenz auch tragen können, nicht so wie damals in der Ludwigstraße… Damals hatte Bürgermeister Norbert Schüler (CDU) die LU mit einem sündhaft teuren Belag belegen lassen, der „so schön glitzerte“. Kaum war der Belag verlegt, stellte man fest: tja, für Busse ist der nicht geeignet… Ein echter Schildbürgerstreich! Und ein teurer dazu…

Architekt Bierbaum vor seinen Plänen
Architekt Klaus Bierbaum vor seinen Siegerentwürfen – Foto: gik

Für den Münsterplatz und die Bahnhofstraße hat sich Bierbaum eine Pflasterung ausgedacht, bei der bunte Einzelsteine eingestreut werden. Das werde dann einen Effekt wie Konfetti geben, die Fastnacht lasse grüßen, verriet der Architekt. Der Farbton soll erdig-braun sein, wahrscheinlich aber wird das Material schlichter Beton werden, aus Kostengründen.

Um einen „richtig guten Platzcharakter“ zu bekommen, müsste aber eigentlich noch das Eckgebäude weichen, wo derzeit die Apotheke sowie einige andere kleinere Läden drin sind, sagte Bierbaum weiter. Das hässliche Eckrund ist seit Jahren als Schandfleck in der Diskussion, doch das Areal gehört verschiedenen Besitzern gemeinsam, alle Anläufe, hier etwas zu verändern, scheiterten bisher an der Besitzerstruktur. Würde der flache vordere Teil abgerissen, könnte aus dem Münsterplatz ein echter Platz mit Cafés werden… so die Vision des Architekten.

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Bierbaums Plan für die Bahnhofstraße – Foto: gik

Stattdessen wir nun erst einmal der kleine Parkplatz vor dem gegenüberliegenden alten Telegrafenamtes weichen müssen. 25 Parkplätze sollen hier ersatzlos gestrichen, der Platz zu einem Platz mit Bäumen werden. Na, das wird den dort ansässigen T-Punkt freuen…. Was die Bäume in der Bahnhofstraße angeht: Die Robinien müssen weichen, ihre Lebensdauer betrag aber ohnehin nur noch rund fünf Jahre, sagte Eder. Stattdessen sollen kleinere Bäume, wahrscheinlich Ahorn, gepflanzt werden, die dann auch näher an den Passanten sind.

„Es ist ein Stück Stadtreparatur“, freute sich Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), das jetzt durch die Gelder vom Land möglich werde. Und dass das Land 90 Prozent zahle, die Stadt aber nur 10 Prozent, sei „ein fairer Deal.“ Da lachte der Innenminister und bekannte: „Es ist einfach schön, in dieser Fair-Deal-Stadt zu arbeiten.“ Und es kämen schließlich vom Bahnhof aus auch viele Bürgermeister über das Mainzer Entree zum Innenministerium, das ja am Schillerplatz liegt.

Der Spatenstich für den Umbau soll nun 2016 erfolgen, die MVG würde gerne schon in der Sommerpause 2016 die neuen Gleise verlegen, verriet Erholf Mainz&: „Die Planung muss jetzt schnell gehen“, mahnte er. Dann könnte die Bahnhofstraße schon 2017 in neuem Gewand erstrahlen.

Info& auf Mainz&: Die Entwürfe zur Umgestaltung der Bahnhofstraße könnt Ihr während der Öffnungszeiten in der Sparkasse am Münsterplatz begutachten. Hintergrundinformationen zum Wettbewerb gibt es hier.

5 KOMMENTARE

  1. Schon schön ….
    aber die Bahnhofstraße beginnt naturgemäß am Bahnhof,
    und – nicht daß ich moralinangesäuert wär –
    aber da gibt es doch rechterhand noch eine Institution,
    die die Ästhetik ein wenig stören dürfte.
    Da wäre es doch den Schweiß der Edlen wert, auch hierfür eine Lösung zu finden,
    die allen – wirklich allen – verständlichen Bedürfnissen gerecht wird.

  2. wurde bei den entwürfen auch an die radfahrer gedacht? ich konnte nix erkennen (aber das heißt nichts). und nötig wäre es – nicht nur wegen der post, sondern auch, um endlich eine vernünftige anfahrt zum bahnhof für radler zu bekommen …

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