Jedes Jahr misst eine Studie das Glücksgefühl der Deutschen, 2022 zeigt sich da: Das Land erholt sich langsam von dem Corona-Tief in 2021. Doch der Aufwärtstrend gilt nicht für alle: In Rheinland-Pfalz liege die Lebenszufriedenheit „erstaunlich niedrig“ konstatieren die Studienmacher, und sprechen von einer „neuen Sorgenregion“ im Westen. Rheinland-Pfalz, einst das siebtglücklichste Land, stürzt beim Glücksgefühl ab auf Platz elf. Die Lebenszufriedenheit erhole sich nach der Corona-Pandemie kaum, heißt es beim SKL Glücksatlas 2022.

Titelbild des SKL Glücksatlas 2022. - Grafik: Glücksatlas
Titelbild des SKL Glücksatlas 2022. – Grafik: Glücksatlas

Wie glücklich ist Deutschland, und in welcher Region leben die glücklichsten Deutschen? Jedes Jahr macht sich eine Studie auf, den Zufriedenheitszustand des Landes zu messen – „Glücksatlas“ heißt die Studie, die eigentlich eher das Ausmaß an Zufriedenheit im Landes misst. Die Datenbasis wird in repräsentativen Umfragen und Untersuchungen erhoben, dabei geht es um die Zufriedenheit mit Arbeit, Einkommen und Gesundheit, mit der Situation in der Familie und der Freizeitgestaltung.

Im Jahr 2022 wurden dafür bundesweit 11 Befragungen von Januar bis Oktober 2022 mit insgesamt 11.450 repräsentativ Befragten ab 16 Jahren in Form von mündlich-persönlichen Interviews durch das Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt, berichten die Studienmacher auf der Homepage des Glücksatlasses. Dazu wurden vom IfD Allensbach speziell zu den Bereichen Arbeit, Einkommen, Familie und Gesundheit von Mai bis Juli 2022 insgesamt 3.170 Bürger ab 16 Jahren repräsentativ in Form von mündlich-persönlichen Interviews befragt. Zusätzlich gab es eine Umfrage unter 2.000 Deutschen zwischen 18 und 65 Jahren zum Einfluss von Inflation und Ukraine-Krieg auf die Lebenszufriedenheit.

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Bei den Anfang November vorgestellten Ergebnissen zeigte sich: Deutschlands Glücksniveau erholt sich nach der tiefen Corona-Delle 2021 langsam wieder – aber eben nur langsam. So betrage die Lebenszufriedenheit in Deutschland aktuell 6,86 Punkte und habe damit 0,28 Punkte seit dem Tiefstand von 2021 aufgeholt, als der Wert bei 6,58 Punkten lag. Damit sei die Zufriedenheit aber noch 0,28 Punkte vom Vor-Corona-Niveau von 2019 entfernt, als die Republik bei 7,14 Punkten lag. „Die Hälfte des Weges liegt also noch vor uns“, konstatieren die Studienmacher um den renommierten Freiburger Sozialforscher Bernd Raffelhüschen.

Wo leben die glücklichsten Deutschen? Das zeigt der SKL Glücksatlas 2022 - je dunkler das Land, desto glücklicher. - Grafik: SKL Glücksatlas
Wo leben die glücklichsten Deutschen? Das zeigt der SKL Glücksatlas 2022 – je dunkler das Land, desto glücklicher. – Grafik: SKL Glücksatlas

In der Corona-Pandemie habe sich die Zahl der unzufriedenen Menschen in Deutschland auf rund 9,7 Millionen verdoppelt, berichtet die Forscher. Gründe seien §pandemiebedingte Brüche in der Biografie (zum Beispiel Jobverlust, Pleiten, Einkommenseinbußen), Krankheiten (zum Beispiel Vereinsamung, depressive Verstimmungen) oder der Verlust eines geliebten Menschen durch das Corona-Virus.“

Inzwischen erhole sich die Republik wieder, heißt es weiter: „Viele Bevölkerungsgruppen, die besonders stark unter den Corona-Maßnahmen gelitten hatten, konnten ihre Lebenszufriedenheit 2022 wieder verbessern.“ Dazu gehören vor allem berufstätige Mütter, die während der Pandemie besonders stark unter Homeschooling und Homeoffice gelitten hätten, aber auch Studentinnen, die besonders unter den Kontakt-Einschränkungen gelitten hätten.

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Familien hätten 2022 ihre Zufriedenheit mit dem Familienleben wieder deutlich gesteigert, und zwar auf 7,42 Punkte, nachdem sie 2021 auf 7,17 Punkte gesunken war. Bis zum Vor-Corona-Wert von 8,0 „ist aber noch viel zu tun“, heißt es weiter. Positiv entwickele sich auch die Zufriedenheit mit der Freizeit: Sie habe sich von 5,0 im Corona-Jahr 2021 auf aktuell 6,51 verbessert – 2019 lag sie allerdings noch bei 7,21 Punkten. „Obwohl es nahezu keine Einschränkungen mehr gibt und Fitnessklubs wieder geöffnet und Freizeitveranstaltungen möglich sind, ist das alte Niveau noch nicht erreicht“, konstatiert die Studie.

Rheinland-Pfalz bleibt auch nach Corona im Glückstief

Die allgemeine Lebenszufriedenheit hat sich in Rheinland-Pfalz auch nach Corona kaum erholt. - Grafik: SKL Glücksatlas 2022
Die allgemeine Lebenszufriedenheit hat sich in Rheinland-Pfalz auch nach Corona kaum erholt. – Grafik: SKL Glücksatlas 2022

Groß sind auch die Unterschiede in Deutschland: Demnach leben die glücklichsten Menschen weiter in Schleswig-Holstein (Platz 1, 7,14 Punkte), gefolgt von Bayern auf Platz zwei mit 7,06 Punkten, auf Platz drei schiebt sich inzwischen Nordrhein-Westfalen (6,98 Punkte) – und das Nachbarland Hessen liegt auf Platz sechs (6,82 Punkte). Rheinland-Pfalz hingegen stürzt mit nur noch 6,65 Punkten auf Platz elf ab – 2018 hatte das Bundesland noch mit einer durchschnittlichen Lebenszufriedenheit von 7,23 Punkten auf Platz sieben gelegen.

„Seit 2018 schwächelt die Lebenszufriedenheit der Rheinland-Pfälzer, 2022 liegt sie erstaunlich niedrig“, konstatiert der Glücksatlas: Das Land könne in vielen Bereichen wie Einkommen oder Gesundheit nur unterdurchschnittliche Werte vorweisen. Die Studienmacher erstaunt das nicht wenig: Im Gegensatz zum Rest der Republik habe sich das Glücksgefühl der Rheinland-Pfälzer in 2022 „so gut wie nicht erholt“, das sei „für ein westdeutsches Bundesland enttäuschend“, bilanzieren die Forscher, und fragen: „Neue Sorgenregion im Westen?“

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Zufriedenheit mit Einkommen in RLP „im freien Fall“

Als Ursachen stellen die Forscher besonders hohe Glücksverluste der Rheinland-Pfälzer bei Einkommenszufriedenheit sowie mit Arbeit und Umfeld fest. „Die Zufriedenheit mit der finanziellen Situation war bis 2019 überdurchschnittlich, und fällt seither besonders stark“, heißt es da. Mit 6,18 Punkten ist die Einkommenszufriedenheit in Rheinland-Pfalz besonders gering, ja, sie sei sogar „im freien Fall“ nach unten – offenbar reagiere die Einkommenslage hier „besonders sensibel auf die hohen Inflationsraten.“

Glück beim Konzert: In Rheinland-Pfalz hinkt das Glücksgefühl hinterher. - Foto: gik
Glück beim Konzert: In Rheinland-Pfalz hinkt das Glücksgefühl hinterher. – Foto: gik

Womöglich spielt dabei aber auch das Agieren der Politik in der Corona-Pandemiezeit eine Rolle: Selbstständige seien normalerweise einer der Garanten für hohes Glück, heißt es in der Studie – zusammen mit einer besonders jungen Bevölkerung und jungen Familien. Doch gerade die Selbstständigen und Künstler fühlten sich in der Pandemie in Rheinland-Pfalz besonders stark im Stich gelassen – denn in Rheinland-Pfalz gab es keine eigenen Stützungsprogramme des Landes. Bis heute leiden viele Künstler und gerade kleinere Selbstständige unter den Einkommensverlusten während der Coronazeit, die Einkommen bewegen sich oft noch nicht wieder auf dem Niveau der Zeit davor.

Arbeitszufriedenheit besonders schwach

Auch bei der Arbeitszufriedenheit biete sich dasselbe Bild: „Bis 2019 war sie leicht überdurchschnittlich, doch mit Corona fiel sie stark ab und erholt sich nicht“, so die Studie weiter. Während Deutschland sich im Bereich Arbeitszufriedenheit auf 7,09 Punkte erhole, „fallen die Rheinland-Pfälzer weiter ab – auf schwache 6,64 Punkte“, klare Erklärungsmuster für den Abfall „konnten wir noch keine finden.“

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Rheinland-Pfalz habe eigentlich jobtechnisch mit Pharmaunternehmen, Industrie wie dem Mainzer Glashersteller Schott, mit Landwirtschaft und Weinbau „einiges zu bieten“, berichten die Studienmacher etwas ratlos – was sie nicht erwähnen ist, ob bei der Erhebung der Daten die Situation nach der Flutkatastrophe im Ahrtal einbezogen wurde. Hier zählen immerhin rund 40.000 Menschen zu den Geschädigten, dazu leidet die Region seither unter dem schleppenden Wiederaufbau, was auch Tourismus und Wirtschaft lahmen lässt.

Familienleben in RLP: „So unglücklich wie nie zuvor“

Glückszwerge beim Kindermaskenzug in Mainz - das war zuletzt 2019 der Fall. - Foto: gik
Glückszwerge beim Kindermaskenzug in Mainz – das war zuletzt 2019 der Fall. – Foto: gik

Mit 6,99 Punkten seien die Rheinland-Pfälzer zudem „mit ihrem Familienleben so unglücklich wie nie zuvor“, stellen die Forscher weiter fest: Noch 2019 habe die durchschnittliche Familienzufriedenheit bei 8,03 Punkten gelegen. „Das ist ein herber Rückschlag“, heißt es weiter, besonders weil die Rheinland-Pfälzer vor Corona immer etwas zufriedener gewesen seien als der Durchschnitt in Deutschland. „Das hat sich durch Corona gedreht – in Rheinland-Pfalz ist im Familienleben eine Krise ausgebrochen“, stellen die Forscher fest.

Die genauen Gründe dafür seien noch unklar, „aber erste Hinweise finden wir in unseren Daten“: Demnach gäben jetzt besonders viele Befragte aus Einpersonenhaushalten aus Regionen wie Kaiserslautern, Pirmasens oder Birkenfeld besonders niedrige Zufriedenheitswerte an. „Gibt es in den mittelgroßen Städten von Rheinland-Pfalz womöglich eine ungewöhnlich starke Tendenz zur Vereinsamung?“, fragt die Studie.

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Tatsache ist aber auch: In der Corona-Zeit war die Unzufriedenheit gerade mit der Schulpolitik sowie mit dem Umgang der Politik mit den Kitas und ihren Erzieherinnen besonders groß in Rheinland-Pfalz – erholt hat sich diese Stimmung bisher nur wenig. Gerade Erzieherinnen berichten weiter von großer Resignation und Frust in den Kitas, wie der Kita-Fachkräfteverband regelmäßig deutlich macht, auch in den Schulen fühlen sich viele Lehrkräfte weiter allein gelassen. Womöglich wirken auch solche Faktoren in die Studie hinein.

Erhebliche Glücksdelle bei den Jungen

Protest gegen die Kita-Politik der rheinland-pfälzischen Landesregierung in der Coronazeit. - Foto: gik
Protest gegen die Kita-Politik der rheinland-pfälzischen Landesregierung in der Coronazeit. – Foto: gik

Dazu passt auch, dass die Studienmacher weiter eine erhebliche Glücksdelle bei den Jungen ausmachen: Am wenigsten erholt habe sich die Lebenszufriedenheit in der „Generation Z“, also den zwischen 1995 und 2010 Geborenen. Diese Gruppe verlor während der Corona-Pandemie 1,0 Punkte an Lebenszufriedenheit, das kehre nur langsam zurück: „Um auf das alte Glücksniveau zurückzukehren, muss sie noch 0,52 Punkte gutmachen.“

Erholt habe sich hingegen das Freizeitgefühl der Rheinland-Pfälzer: Während Corona sei die Zufriedenheit hier mit 4,95 Punkten besonders gering gewesen, berichten die Forscher: „Zum Glück kann sie sich 2022 wieder auf 6,61 Punkte erholen, und verläuft so entlang des gesamtdeutschen Trends.“ Das alte Niveau von vor der Pandemie sei aber auch in Rheinland-Pfalz noch nicht erreicht.

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Hessen fällt beim Glücksindex auf den Durchschnitt

Rheinland-Pfalz ist nicht das einzige Land, das sich mit der Erholung nach der Corona-Pandemie schwer tut: Auch Hessen habe sich „von den Tiefschlägen der Pandemie nur leicht erholt“, heißt es beim Glücksatlas weiter: „Waren sie vor Corona noch unter den glücklichsten Bundesländern, so liegen sie 2022 unter dem Durchschnitt.“ Die Glücksdifferenz zwischen Nord- und Südhessen sei „erstaunlich hoch“ – zumal inzwischen Nordhessen deutlich glücklicher ist als der Süden.

Auch in Hessen ist die Zufriedenheit gesunken,. aber weniger stark als in Rheinland-Pfalz. - Foto: gik
Auch in Hessen ist die Zufriedenheit gesunken,. aber weniger stark als in Rheinland-Pfalz. – Foto: gik

„Die Lebenszufriedenheit der Hessen ist durch die Corona-Pandemie überdurchschnittlich stark unter die Räder gekommen“, konstatieren die Forscher: Vor Corona waren die Hessen demnach noch deutlich glücklicher als der Bundesschnitt, nun liegen sie mit 6,82 Punkten knapp unter dem gesamtdeutschen Wert von 6,86 Punkten. Damit aber halten sich die Hessen wenigstens im Durchschnittsbereich – im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz sind die Hessen noch immer mit ihrer Einkommenszufriedenheit überdurchschnittlich zufrieden. Und die Zufriedenheit mit der Arbeit erreicht gar mit 7,5 Punkten ein Rekordhoch.

Neue Krisen, Krieg und Inflation dämpfen Glücksgefühl

Gebremst wird die Lebenszufriedenheit zudem nun wieder durch neue Krisen, vor allem durch Inflation, Energiekrise und Ukraine-Krieg – all das schüre neue Ängste. „Im September durchbrach die Inflation die 10-Prozent Marke“, rechnet die Studie vor: „Sollte sie bis Dezember 2022 über 10 Prozent bleiben, dürfte sich der Gesamtverlust an Lebensglück durch die diesjährige Inflation auf 0,46 Punkte belaufen – das ist viel.“ Auch auf die Einkommenszufriedenheit wirke sich die Inflation wegen der Kaufkraftverluste negativ aus – sie sei schon jetzt in 2022 auf nur noch 6,49 Punkte gesunken. 2019 lag sie noch bei 7,18 Punkten.

Der Glücksatlas ist eigenen Angaben zufolge die aktuellste regelmäßige Studie zur Lebenszufriedenheit der Deutschen. Seit Anfang 2022 ist die SKL (Süddeutsche Klassenlotterie) Partner des Glücksatlas, bis Ende 2021 wurde er von der Deutschen Post herausgegeben.

Info& auf Mainz&: Informationen und Grafiken zum SKL Glücksatlas 2022 findet Ihr hier im Internet, auch die Einzelauswertungen zu den einzelnen Bundesländern. Der SKL Glücksatlas 2022 ist zudem als Buch beim Penguin Verlag erschienen.

 

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