Angesichts der drohenden Gasknappheit im kommenden Winter, greifen Verbraucher zunehmend zu Heizlüftern: Sie sollen dafür sorgen, dass die Menschen im Winter nicht im Kalten sitzen. Doch genau davor warnen nun die Stadtwerke Wiesbaden: Heizlüfter seien “eine Gefahr für das Wiesbadener Stromnetz”, würden sie im Winter massenhaft gleichzeitig eingesetzt, drohe eine Überlastung des Stromnetzes – und damit unkontrollierbare Stromausfälle. Steht Deutschland vor deutlich größeren Energieproblemen im Herbst als “nur” im Bereich Gas?

Klassischer Heizlüfter aus dem Baumarkt. - Foto: gik
Klassischer Heizlüfter aus dem Baumarkt. – Foto: gik

Die Lage am internationalen Gasmarkt wird immer unkalkulierbar, seit Russlands Präsident Wladimir Putin die Gaslieferungen nach Deutschland zur Waffe im Ukraine-Krieg gemacht hat. Russland reduziert seine Gaslieferungen entgegen bestehender Verträge immer weiter, die Konsequenz: Die Gasspeicher in Deutschland können nicht wie geplant aufgefüllt werden, und trotz aller Bemühungen von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) um Ersatz ist derzeit unklar, ob der Stand im Winter reicht. Habeck hatte deshalb Ende Juni die zweite Notfall-Warnstufe Gas ausgelöst.

Die Konsequenz: Die Menschen strömen derzeit massenhaft in die Baumärkte – um dort Heizlüfter zu kaufen. Das aber sieht man bei den Stadtwerken Wiesbaden mit großer Besorgnis: “Bloß nicht”, warnte nun Peter Lautz, Geschäftsführer der Stadtwerke Wiesbaden Netz GmbH (sw netz): “Beim übermäßigen Einsatz kann es zu Überlastungen unserer Stromnetze und damit zu unkontrollierbaren Stromausfällen kommen.”

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Zu den mobilen elektrischen Direktheizgeräten zählen etwa Heizlüfter, Heizstrahler, Wärmekonvektoren oder Radiatoren. Sie werden an die Haushaltssteckdose angeschlossen und haben üblicherweise eine Leistung zwischen 1000 und 3000 Watt. “Das Wiesbadener Stromnetz ist mit einer Gesamtlänge von 3230 Kilometern bestens ausgebaut und wird rund um die Uhr überwacht”, betonte Lautz. 130 Mitarbeiter sorgten für eine hohe Versorgungsqualität in der Stromversorgung, die deutlich über dem Bundesdurchschnitt liege.

Hält das deutsche Stromnetz die Belastungen im kommenden Winter aus? - Foto: gik
Hält das deutsche Stromnetz die Belastungen im kommenden Winter aus? – Foto: gik

Trotzdem handele es sich bei dem Stromnetz “um ein fein aufeinander abgestimmtes System, das auf den üblichen Verbrauch ausgelegt ist”, sagte Lautz weiter. Zwar bestehe eine Sicherheitsreserve, werde das Stromversorgungsnetz aber mit gleichzeitigen, plötzlichen und ungewöhnlich hohen Überlastungen konfrontiert, griffen sofort Schutzmaßnahmen. “Im Klartext heißt das: Betroffene Netzbereiche werden automatisch abgeschaltet, es fließt kein Strom mehr”, erklärte Lautz. Dann komme es für alle Kunden in diesen Bereichen zum Stromausfall.

Anders als beispielsweise Nachtspeicher-Heizungen oder Wärmepumpen könne die SW Netz nämlich die mobilen Heizgeräte nicht bei einer drohenden Überlastung abschalten. “Das bedeutet aber auch: Werden die Geräte während eines Stromausfalls nicht direkt von den Benutzern ausgeschaltet, hat der Betreiber kaum Möglichkeiten, die Netze wieder schnell und zuverlässig hochzufahren”, sagte Lautz weiter. Ein langer Stromausfall könne dann die Folge sein.

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Auch der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) rieten in aktuellen Pressemitteilungen von einem vermehrten Einsatz von Heizlüftern ab, betont man in Wiesbaden weiter. Denn neben lokalen Netzüberlastungen gebe es noch das Problem, dass die derzeitige Kraftwerkskapazität für diese zusätzlichen Lasten nicht ausreichten. Der Grund: Etwa 50 Prozent der rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland heizen derzeit mit Gas.

Warnt vor dem massenhaften Gebrauch von Heizlüftern im Winter: Peter Lautz, Geschäftsführer der Stadtwerke Wiesbaden Netz GmbH - Foto: SW Netz
Warnt vor dem massenhaften Gebrauch von Heizlüftern im Winter: Peter Lautz, Geschäftsführer der Stadtwerke Wiesbaden Netz GmbH – Foto: SW Netz

Gehe man nun von der Annahme aus, dass an einem sehr kalten Wintertag im Mittel in der Hälfte dieser Haushalte ein elektrisches Heizgerät mit einer typischen Leistung von 2000 Watt in Betrieb wäre, “kommt man überschlägig zu einem zusätzlichen elektrischen Verbrauch von rund 20 Gigawatt”, rechnet Lautz vor. Dies entspreche einer Steigerung der aktuellen Jahreshöchstlast in Deutschland um ein Viertel, das aber könnten weder die Stromnetze noch die vorhandenen Kraftwerke leisten – zumal Gaskraftwerke in einer Gasmangellage ebenfalls nicht verfügbar wären.

Die SW Netz weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass private Gaswärme-Kunden gesetzlich besonders geschützt sind: “Auch in einer Mangellage werden sie weiter versorgt”, betonte Lautz, und rät: “Wer sich effektiv vorbereiten möchte, sollte statt Heizlüfter zu kaufen bereits jetzt mit Energiesparmaßnahmen beginnen.” Wartungen an Gasheizungen führe man am besten vor dem Winter durch.

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