— Artikel vom 10. Juli 2025 — Der Rasen auf der Nordmole im Mainzer Zollhafen präsentiert sich seit gut zwei Wochen nur noch braun und vertrocknet, ein Gartenbauexperte hatte den Zustand im Mainz&-Interview als „Totalschaden“ bezeichnet. Nun widerspricht die zuständige Zollhafen Mainz GmbH: Der auf dem „Grünufer“ verlegte Rollrasen sei auch nach der Eröffnung Mitte Juni zwei Mal pro Woche gewässert worden, man gehe davon aus, dass er wieder Grün werde. Ein funktionierendes Bewässerungssystem gibt es derzeit aber offenbar nicht.

Mitte Juni war das lang ersehnte „Grünufer“ auf der Mainzer Nordmole eingeweiht worden, die Politik hatte bei der Vorstellung geschwärmt, hier sei „eine grüne Oase“ für die Mainzer Neustadt entstanden, eine „Abkühlungsmöglichkeit für heiße Tage und Sommernächte“, ein Schritt hin zu einer „lebendigeren und lebenswerteren Neustadt“. Rund 8,3 Millionen Euro hatte die Gestaltung der neuen Nordmole in ihrem ersten Abschnitt gekostet, das Areal präsentierte sich als vorwiegend Rasengrüne Fläche, die mit Bäumen, Bänken und Sportgeräten bestückt ist.
Doch nur rund zwei Wochen später präsentierte sich die Rasenfläche ganz anders: braun, stoppelig und ausgedörrt. Mainz& hatte daraufhin einen ausgewiesenen Experten für Gartenbau nach seiner Einschätzung gefragt, Gartenbauer Wilhelm Hartmann verlegt seit vielen Jahren selbst Rollrasen und sorgt auch für die Pflege. Seine Ferndiagnose fiel eindeutig aus: „Der Rasen erholt sich nicht mehr, das muss erneuert werden – das ist ein wirtschaftlicher Totalschaden“, sagte Hartmann im Interview mit Mainz&.
Rasen wird derzeit „händisch mit Wasserfass“ gegossen
Rund 3.400 Quadratmeter Rollrasen wurde auf dem Gelände verlegt, der habe gerade beim Anwachsen „einen ganz großen Wasserbedarf, da muss mehrmals täglich gegossen werden“, hatte Hartmann betont 10 Liter pro Quadratmeter Fläche müsse man da schon rechnen, und zwar pro Tag. Pikant dabei auch: Bis zur Eröffnung am 12. Juni strahlte der neue Rasen wochenlang in fast schon unirdischem Grün – danach wandelte sich die Farbe rapide zu Braun.

Mainz& hat deshalb bei der Stadt Mainz nachgefragt, wie oft denn dort gegossen würde, wer für die Pflege zuständig sei – und was eigentlich mit dem Bewässerungssystem sei, das es dort angeblich geben solle? Die Antworten kamen von der Zollhafen Mainz GmbH, übermittelt von der Stadt, die betonte: Zuständig sei dafür weiter die Zollhafen-Gesellschaft, und nicht die Stadt Mainz oder ihr Grünamt.
Danach wurde der Rollrasen bereits im November 2024 ausgelegt, „und ist bis zur Eröffnung am 13. Juni auch angewachsen“, wie man betont. Mit der Fertigstellungspflege sei durch den Auftraggeber Zollhafen Mainz GmbH eine externe Firma beauftragt worden, damit liege die Zuständigkeit für mindestens drei Jahre für Rasenfläche und Bäume bei der Firma. Der Rollrasen sei seit der Eröffnung 2 mal wöchentlich gewässert worden, teilte die Zollhafen GmbH weiter mit – das geschehe derzeit „händisch mit Wasserfass.“ Zukünftig seien aber „Entnahmestellen in den Rasenflächen geplant.“
Bewässerung: Bisher keine Entnahmestellen in den Rasenflächen
Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) hatte bei der Eröffnung der Nordmole betont, man eine ressourcenschonende Lösung für die Bewässerung mit Rheinwasser gefunden, dafür gebe es eigens eine neue Pumpanlage in der Höhe des früheren Imbiss „Zum Schorsch“. Das Areal befindet sich allerdings noch im Bau, ob die Pumpanlage bereits fertig und in Benutzung ist, bleibt weiter unklar. Auch waren auf dem neu eingeweihten Areal keinerlei Sprinkler oder andere Bewässerungsanlagen zu sehen, weder eingebaut noch – nach Angaben von Anwohnern – bisher in Nutzung – das bestätigte sich nun.

Ob der Rasen nun irreparabel beschädigt ist, oder sich erholen kann, bleibt offenbar abzuwarten: „Im Moment wird davon ausgegangen, dass der Rasen bei der entsprechenden Witterung auch wieder grün wird“, hieß es dazu lediglich. Die Kosten für einen hochwertigen Rollrasen samt Verlegen liegen laut Fachhandel zwischen 10 und 20 Euro, bei 3.400 Quadratmetern kommt da eine ordentliche vierstellige Summe zusammen.
Beim Naturschutzbund NABU hält man zudem von Rollrasen gar nichts: „Rollrasen ist eine Biodiversitätswüste und hat damit weder für die Natur, noch für uns Menschen einen Nutzen“, schimpfte 2022 etwa der NABU Niedersachsen: Anbau, Transport und Verlegen seien „problematisch für unsere Böden sind und verbrauchen enorme Mengen Wasser.“ Eine deutlich umweltfreundlichere Alternative seien Blühwiesen, anstatt „auf die langweilige Monokultur Rasen zu setzen, sollten lieber bunte Blumenwiesen angelegt werden“, rät der NABU. Diese bräuchten wenig bis gar keine Bewässerung und seien deutlich besser für den Zustand der Böden, für Insekten und die Artenvielfalt.
Info& auf Mainz&: Das ganze Interview mit Gartenbauexperten Wilhelm Hartmann zum Rollrasen auf der Nordmole lest Ihr hier bei Mainz&.