Über Jahrzehnte war es ein markantes Wahrzeichen der Mainzer Universität, nun sind seine Tage endgültig gezählt: Vergangene Woche hat der Rückbau des alten Studiwohnheims Inter I begonnen. Zwei Mini-Bagger bauen derzeit das 15 Stockwerke hohe Bauwerk buchstäblich von oben ab, die beiden 5-Tonner wurden mit einem Autokran an ihren Einsatzort gehoben. Vom 12. Stockwerk an übernehmen Bagger vom Boden aus den Abbau – im Sommer soll der 45 Meter hohe Bau bereits komplett verschwunden sein.

Das markante Hochhaus des alten Studierendenwohnheims Inter I wird abgerissen. - Foto: gik
Das markante Hochhaus des alten Studierendenwohnheims Inter I wird abgerissen. – Foto: gik

Das alte Studentenwohnheim Inter I stammt aus den 1960er Jahren, ursprünglich wollte die Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität (JGU) das Hochhaus zu einem Medienhaus umbauen, doch der Beton des Altbaus erwies sich als zu marode: Umfangreiche Untersuchungen hätten ergeben, dass eine kompakte Neubaulösung deutliche wirtschaftliche Vorteile böten, sagte der rheinland-pfälzische Finanz-Staatssekretär Stephan Weinberg im Januar 2019, eine Sanierung sei nicht wirtschaftlich.

Er freue sich über den Abriss eines weiteren, seit Jahren leerstehenden Gebäudes, und das sehr, sagte Uni-Präsident Georg Krausch nun: „Auch wenn das Hochhaus zu den markanten Gebäuden gehörte, und als ehemaliges Studierendenwohnheim das studentische Leben in Mainz prägte, so trägt der unvermeidbare Rückbau doch wesentlich zur Verschönerung unseres Universitätscampus bei und eröffnet neue Möglichkeiten der Gestaltung.“

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Die JGU arbeitet an einer „Neuen Mitte“ für ihren großen Campus, im Herzen des Geländes soll ein komplett neues Studienzentrum mit Zentralbibliothek, Servicecenter, Auditorium und Cafeteria entstehen – und neben dem Philosophicum ein modernes Medienhaus – mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&. Das alte Inter I muss deshalb fallen, seit Ende Februar ist es nun so weit: Das 45 Meter hohe Gebilde wird abgerissen.

Bagger auf Hochhausdach: Der Rückbau des Inter I-Hochhauses wird von Mini-Baggern von oben begonnen. - Foto: Stefan Sämmer/ LBB
Bagger auf Hochhausdach: Der Rückbau des Inter I-Hochhauses wird von Mini-Baggern von oben begonnen. – Foto: Stefan Sämmer/ LBB

Das Hochhaus wurde bereits auf seinen Rohbau reduziert, nun platzierte das vom Landesbetrieb LBB beauftragte Spezial-Unternehmen zwei Mini-Bagger oben auf den Bau. Die beiden 5-Tonner wurden mit einem Autokran an ihren Einsatzort gehoben und sollen die drei obersten Stockwerke von oben her abbauen. Das Abbruchmaterial werde im Inneren des Gebäudes durch die freigeräumten Aufzugschächte nach unten transportiert, teilte der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) nun mit. Zerkleinert und nach Materialien sortiert, werde es einem Bereich des Geländes zwischengelagert und größtenteils zur Verfüllung der Baugrube verwendet.

Die verbleibenden Materialien sollen dann zur Aufbereitung oder Deponierung abtransportiert werden. Zum Schutz der Umgebung werde das Material bei allen staubintensiven Arbeitsgängen ständig mit Spritzwasser berieselt, versichert der LBB. Die gesamte Baustellenandienung laufe nicht etwa über die viel befahrene Saarstraße, sondern werde über die Zufahrt in der Koblenzer Straße abgewickelt. Vom 12. Stockwerk an sollen dann sogenannte Longfront-Bagger vom Boden aus den weiteren Abbruch übernehmen.

Baggern mit Aussicht: Die Mini-Bagger knabbern das Inter I-Hochhaus von oben ab., - Foto: Stefan Sämmer/LBB
Baggern mit Aussicht: Die Mini-Bagger knabbern das Inter I-Hochhaus von oben ab., – Foto: Stefan Sämmer/LBB

Das Gerüst am Inter I werde voraussichtlich während des Einsatzes der Longfront-Bagger sukzessive abgebaut, berichtet der LBB weiter. Zur Reduzierung der Staub- und Lärmbelastung für die benachbarten Gebäude und zum Schutz der Feuerwehrzufahrt werde eine spezielle Schutzwand aufgehängt – eine etwa 35 Meter lange Gummimatte, die im Bereich der Baustellenzufahrt von einem Autokran bis über die jeweilige Arbeitshöhe hochgezogen und oben gehalten wird. Das untere Ende der Matte wird am Boden mit darauf abgestellten Containern und mehreren zwei Meter hohen Beton-Elementen (sogenannten Lego-Steinen) beschwert.

Bereits im Sommer soll der 45 Meter hohe Bau verschwunden sein, die gesamte Maßnahme werde sich nach bisherigem Verlauf der Arbeiten voraussichtlich auf rund 1,5 Millionen Euro belaufen. Bereits im Herbst 2020 wurden das benachbarte ehemalige Studierendengemeinschaftshaus, seine Verbindungsbrücke zum Inter I und ein Nebengebäude niedergelegt. Alles in allem werden am Ende rund 17.000 Tonnen Stahlbeton und Mauerwerk sowie 100 Tonnen Holz beseitigt sein. Die freigewordene Fläche soll nun erst einmal geschottert werden.

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Plänen für eine „Neue Mitte“ auf dem Campus der Mainzer Universität lest Ihr hier bei Mainz&. Im April 2019 wurde ein weiterer Baustein zur Schaffung der „Neuen Mitte“ begonnen: der Abriss der alten Kernchemie in der Campusmitte, mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

 

1 KOMMENTAR

  1. Das gleiche Problem mit der Bausubstanz (Armierungsrost) hat auch das ungeliebte Mainzer Rathaus. Vor allem fault das Rauhaus von unten her, gerade so wie bei den maroden Stahlbetonbrücken.

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