UPDATE — Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci sollen nun Ehrenbürger der Landeshauptstadt Mainz werden, das teilte die Stadt Mainz am Mittwoch mit. Die Stadt will  damit die enorme wissenschaftliche Leistung und die Weitsicht, die Kenntnisse und das Entdeckertum bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffes Cominarty würdigen. Dazu will die Stadt Mainz aber noch eine dritte Person mit der Ehrenbürgerwürde auszeichnen: Der Krebsforscher Christoph Huber, der entscheidenden Anteil an dem Erfolg der Biontech-Gründer hatte. Der Mainzer Stadtrat beschloss die hohe Auszeichnung am Mittwoch in seiner Sitzung.

Die Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci sollen Ehrenbürger von Mainz werden. - Fotos: Biontech
Die Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci sollen Ehrenbürger von Mainz werden. – Fotos: Biontech

Bislang tragen nur drei Personen die Ehrenbürgerwürde von Mainz: Die Fastnachterin Margit Sponheimer, der Vater der Chagall-Fenster, Monsignore Klaus Mayer, sowie der Theologe Hermann Reifenberg – nun sollen drei weitere Persönlichkeiten mit der höchsten Auszeichnung der Stadt Mainz geehrt werden. Er habe den Stadtratsfraktionen vorgeschlagen, die Wissenschaftler und Krebsforscher Professor Christoph Huber, Professorin Özlem Türeci und Professor Uğur Şahin zu Ehrengbürgern von Mainz zu ernennen, teilte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Mittwoch in Mainz mit.

Die Ehrung ist mehr als überfällig: Die beiden Biontech-Gründer Sahin und Türeci hatten Anfang 2020 im Eilverfahren und unter hohem Risiko den weltweit ersten Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV2-2 entwickelt, und zwar auf der Basis des neuartigen mRNA-Verfahrens. Das Projekt “Lightspeed” sei eine enorme wissenschaftliche Leistung gewesen, die für das weltweite Renommee des Unternehmens und damit auch der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt gesorgt habe, betonte Ebling: Von
Mainz gehe nun auch die Hoffnung aus, “mit der mRNA-Technologie künftig völlig neue Therapien gegen andere Geißeln der Menschheit, wie etwa Krebs, in den Händen zu halten.”

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Der Firmensitz von Biontech in der Mainzer Oberstadt in der Straße "An der Goldgrube". - Foto: gik
Der Firmensitz von Biontech in der Mainzer Oberstadt in der Straße “An der Goldgrube”. – Foto: gik

Tatsächlich würdigt Mainz mit der hohen Ehre drei Wissenschaftler, deren Ursprünge in der Krebsforschung liegen: Der am 19. September 1965 in der Türkei geborene Ugur Sahin und seine Frau Özlem Türeci, geboren am 6. März 1967 als Tochter türkischer Einwanderer in Lastrup in Nordrhein-Westfalen, lernten sich am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg kennen und kamen gemeinsam im Jahr 2000 nach Mainz, wo sie die Forschung innovativer Krebsimmuntherapien maßgeblich mit begründeten.

2008 gründete das Ehepaar gemeinsam Biontech als Ausgründung aus der Mainzer Universitätsmedizin, im Fokus dabei: die Entwicklung von Immuntherapien für einen patientenspezifischen Behandlungsansatz von Krebs sowie anderen schwere Erkrankungen. Biontech erforschte und entwickelte dabei von Anfang an Therapien auf der Basis der neuartigen mRNA-Technik – genau diese jahrelange Grundlagenforschung setzte das Gründer-Ehepaar auch 2020 in die Lage, binnen weniger Monate einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 zu entwickeln.

Der Corona-Impfstoff Comirnaty wurde zum großen Erfolg von Biontech. - Foto: Biontech
Der Corona-Impfstoff Comirnaty wurde zum großen Erfolg von Biontech. – Foto: Biontech

Biontechs Comirnaty-Impfstoff war der weltweit erste von hochrangigen Medizinern geprüfte und offiziell zugelassene Impfstoff gegen das Coronavirus, seine Technik, modifizierte Boten-RNA einzusetzen, um den Zellen des menschlichen Körpers einen Bauplan für Abwehrstoffe gegen das Virus zu übermitteln, gilt als revolutionäre und geniale Neuerung. Die rasante Entwicklung des Impfstoffs gilt als herausragende wissenschaftliche und unternehmerische Leistung, die auf einer klaren Einschätzung der sich damals erst am Horizont abzeichnenden weltweiten Pandemie sowie einer mutigen Bereitschaft, das gesamte Unternehmen von Biontech radikal auf die Entwicklung des Impfstoffs zu fokussieren – Sahin und Türeci sind damit auch Anwärter auf den Nobelpreis.

Der Impfstoff katapultierte Biontech, das seit 2019 an der Börse ist, binnen eines Jahres von einem Unternehmen mit Millionen-Defizit zu einer Firma mit Milliarden-Umsätzen – gerade erst gab Biontech die Prognose ab, man rechne in diesem Jahr nun mit 7,126 Milliarden Euro Nettogewinn. Die Stadt Mainz darf deshalb nun 20921 mit erheblichen Gewerbesteuereinnahmen rechnen, die der Stadt wohl ein Plus von 1,09 Milliarden Euro bescheren und die Landeshauptstadt schlagartig schuldenfrei machen.

Geehrt wird mit Sahin und Türeci nun aber auch der Mann, der als Vater des Erfolges überhaupt gilt: Christoph Huber, gebürtiger Österreicher und herausragender Erforscher von Krebs unud anderen Immunerkrankungen. Huber gilt als einer der Pioniere und Visionäre der immunologischen Krebsforschung, seinem Einsatz sei es zu verdanken, dass zahlreiche Forschungsergebnisse aus dem Labor in die klinische Anwendung übertragen wurde, hieß es 2015 bei der Auszeichnung Hubers mit dem Bundesverdienstkreuz. Hubers “visionäre Ideen bildeten das Fundament dafür, dass sich der Wissenschaftsstandort Mainz und das Rhein-Main-Gebiet zu einem international beachteten Biotechnologiestandort entwickeln konnten”, würdiget die damalige Bildungsministerin Vera Reiß den damals 71-Jährigen bei der Ehrung.

Der renommierte Krebsforscher Christoph Huber soll Ehrenbürger von Mainz werden. - Foto: Biontech
Der renommierte Krebsforscher Christoph Huber soll Ehrenbürger von Mainz werden. – Foto: Biontech

Huber – geboren am 14. Februar 1944 in Wien – lebt und forscht seit 1990 in Mainz und machte die III. Medizinische Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz zu einer international führenden Einrichtung zur Behandlung bösartiger Blut- und Tumorerkrankungen sowie zu einem Zentrum für Stammzelltransplantation und Palliativmedizin – und er stellte maßgeblich die Weichen für zahlreiche Ausgründungen aus der Mainzer Unimedizin. Huber war so auch an der Gründung von Biontech beteiligt und gilt als maßgeblicher Wegbereiter des Erfolges.

Es sei diesen drei Persönlichkeiten – Sahin, Türeci und Huber – zu verdanken, “dass sich der Wissenschaftsstandort Mainz zu einem international beachteten Biotechnologiestandort für Immuntherapien und Impfstoffe entwickelt hat”, betonte Ebling am Mittwoch in Mainz. Es seien vor allem diese drei gewesen, “die dank ihrer Weitsicht, ihrer Kenntnis und ihres Entdeckertums wussten, welche Bedeutung ihre jahrzehntelange internationale Forschungsarbeit in der Krebstherapie für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid 19 haben könnte” – dazu habe “auch ihr dynamisches Unternehmertum” gehört, damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit der Entwicklung eines Medikaments zu den Menschen kommen konnten. “Diese enorme wissenschaftliche Leistung ‘made in Mainz’ hat für das weltweite Renommee des Unternehmens und damit
auch der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt gesorgt”, freute sich Ebling.

Nun arbeiteten die Forscher mit Hochdruck an neuen Therapien und Impfstoffen, um diese von Mainz aus in die Welt zu tragen: BioNTech plane unter anderem mehrere Krebsmedikamente zur Zulassungsreife zu entwickeln sowie einen Impfstoff gegen Malaria, eine Krankheit, an der jährlich Hunderttausende von Menschen, vor allem junge Menschen in Afrika, sterben. “Sie geben damit erkrankten Menschen mit ihrer Arbeit Hoffnung und Zukunft”, betonte Ebling.

Dass Mainz bislang die Impfstoff-Erfinder mit keiner Ehrung bedacht hatte, während ihnen in anderen Städten Ehrungen wie Ehrendoktorwürden oder Einträge ins Goldene Buch wie in Köln zuteil wurden, hatte bereits für Kritik gesorgt. Nun soll der Stadtrat am 25. November über die Ehrenbürgerwürden entscheiden – die Stadtratsfraktionen haben bereits ihre Unterstützung signalisiert. UPDATE: Der Stadtrat beschloss am Mittwoch die hiohe Ehrung – die Verleihung der Ehrenbürgerwürden soll dann im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des Mainzer Stadtrates im März 2022 in der Rheingoldhalle stattfinden.

Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci in einer Videokonferenz mit Christoph Huber und Forscherin Katalin Kariko. - Film: ZDF, Screenshot: gik
Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci in einer Videokonferenz mit Christoph Huber und Forscherin Katalin Kariko. – Film: ZDF, Screenshot: gik

UPDATE&: Uğur Şahin, Özlem Türeci, Christoph Huber und die Biontech-Forscherin Katalin Karikó wurden am Mittwochabend zudem für ihre Entwicklung des mRNA-Impfstoffs gegen das Coronavirus mit dem 25. Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet, dem Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation. Das Team habe den Impfstoff entwickelt, und zugleich Produktionsstätten und Lieferkapazitäten aufgebaut, so hätten Millionen Menschen in kürzester Zeit Impfungen angeboten werden können, hieß es am Abend in Berlin. Der erfolgreiche Einsatz der mRNA-Technologie ermögliche zudem weitere Entwicklungen etwa gegen Krebs, Autoimmunerkrankungen und in der regenerativen Medizin.

Professor Katalin Karikó forschte bereits seit Ende der 1980er Jahre in den USA an mRNA und seit 2013 für BioNTech – es war ihre Entwicklung einer modifizierten mRNA, die maßgeblich zum Erfolg des Biontech-Impfstoffs beitrug. Kariko ist seit 2019 Senior Vice President des Mainzer Unternehmens.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Vita von Christoph Huber findet Ihr hier bei der Universität Mainz, mehr zu Biontech und dem Corona-Impfstoff lest Ihr hier bei Mainz&. Eine tolle Reportage über den Wettlauf um den Impfstoff und die Erfinder-Story von Biontech und die Parallelgeschichte von Curevac könnt Ihr hier beim ZDF ansehen: “Alles auf eine Karte” ist ein echter Krimi – klare Empfehlung!

 

1 KOMMENTAR

  1. Es ist mehr als peinlich, wie schläfrig die Stadt ist. Helau und Tooooor ist wichtiger. Es Maggittsche wurde schneller in den Olymp gehoben. Warum nur übergeht man die gleichermaßen verdiente Pionierin Katalin Karikó? Hieronymus würde das mit Weinen, weinen… kommentieren.

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