Das wird richtig spannend: Der im Juli angesetzte und dann wieder abgesagte Termin der Bürgerinitiative Ludwigsstraße mit dem neuen Investor Dirk Gemünden soll nun am Montagabend, den 29. August stattfinden. Gemünden will sich dann auf Einladung der BI zu der Frage äußern, wie denn nun die Planungen für das Einkaufszentrum an der Ludwigstraße in Mainz genau aussehen. Bislang seien die neuen Pläne den Mainzern „nur bruchstückhaft über die Presse bekannt geworden“, kritisiert die BI, viele Fragen seien offen, die Stadt habe aber ihre Zusage, die Bürger über die Planungen zu informieren, bis heute nicht eingelöst. Nun will die BI über den Entwicklungsstand berichten, Gemünden seine Planungen „in ihrem augenblicklichen Stand“ vorstellen – und anschließend den Bürgern Gelegenheit zu Fragen und Diskussion bieten.

Pavillons auf der Ludwigstraße
Die neue Einkaufsmall könnte an Stelle der Pavillons bis zur Ludwigsstraße vorrücken – Foto: gik

Damit erfüllt die BI wieder einmal den eigentlich an die Stadt zu stellenden Anspruch von Transparenz und Öffentlichkeit in der langen Geschichte des Einkaufszentrums an der Ludwigsstraße. 2015 hatte ja der Konzern ECE seine Pläne für eine Riesenmall an der LU für erledigt erklärt – dem auf Einkaufszentren spezialisierten Unternehmen war es nicht gelungen, zentrale Grundstücke und Gebäude für das Vorhaben zu kaufen. Das aber gelang Gemünden: Der Bauunternehmer, der in Ingelheim auch die „Neue Mitte“ realisierte, kaufte das Gebäude der Deutschen Bank – und schuf so die Voraussetzung für einen neuen Einkaufstempel an der Ludwigsstraße.

Doch wie genau es dort nun weiter geht, ist weiter ziemlich unklar. Der Stadtrat machte am 25. Mai quasi im Handstreich den Weg frei für die neuen Baupläne des Ingelheimer Investors Dirk Gemünden – ohne irgendwelche genauen Pläne überhaupt zu kennen. Die Bürgerinitiative Ludwigsstraße warnte Ende Mai, an der LU könne ein beinahe genau so schlimmer Klotz entstehen, wie ihn ECE geplant habe.

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Gemünden nämlich wolle das Einkaufszentrum fast bis an die Ludwigsstraße vorziehen, der jetzige Boulevard würde stark verengt – und die Frage bleibt, ob zwischen Weißliliengasse und Gutenbergplatz ein geschlossener Gebäudekomplex entstehen würde, nur unterbrochen durch die Fuststraße. „Gehen nun die großen öffentlichen Flächen verloren?“, fragt die BI, werde es Durchwege geben, was wird mit dem Gutenbergplatz und werden die neuen Investoren auch Wohnungen bauen?

Gemünden selbst sagte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Mainzer müssten sich schon entscheiden, „ob die Ludwigsstraße eine Ia-Einkaufsadresse oder ein Platz für Volksfeste wie die Fastnacht sein solle.“ Dem Artikel zufolge wäre der Hauptbau 18 Meter hoch, der Vorbau 12 Meter – und Gemünden berief sich auf die vom Stadtrat verabschiedeten Leitlinien zur Bebauung der LU, die in mühsamem Ringen zwischen Stadt und Bevölkerung ausgehandelt worden waren.

Rosenmontagszug am Schillerplatz mit Garden und Dom
Wie eng wird es künftig auf der LU? Und wird dder Dom noch vom Schillerplatz aus zu sehen sein? – Foto: gik

Doch die Leitlinien sind seit der Stadtratssitzung vom 25. Mai faktisch tot: Was die neuen Investoren vorhätten, sei „keine Umsetzung der Leitlinien aus dem Jahr 2013“, machte Altstadt-Ortsvorsteher Brian Huck (Grüne) im Stadrat klar. Eine urbane Mischnutzung werde jetzt gerade nicht entstehen, die Kleinteiligkeit sei dahin, eine städtebauliche Planung für die LU als Ganzes mit dem Beschluss aus der Hand gegeben.

Trotzdem beschloss der Rat nicht nur mit den Stimmen der Ampelkoalition von SPD, Grünen und FDP, sondern sogar mit den Stimmen der CDU-Opposition einen Antrag, der umfangreiche Kriterien für das neue Projekt festlegte – und auch den Verkauf der derzeit freien Plätze zwischen den Pavillons auf der LU. Mit den neuen Kriterien aber sind die alten Leitlinien entwertet und ersetzt – der Weg ist faktisch frei für das Bauprojekt von Gemünden und seinen Mitinvestoren.

Wie genau das funktionierte könnt Ihr in diesem Mainz&-Artikel nachlesen, die Stadtratssitzung und ihr Ergebnis in unserem Artikel Stadtrat kippt Leitlinien. Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sagte übrigens zu den Leitlinien im Stadtrat: „Das sind alles Debatten von gestern, denn es ist ein neues, ein verändertes Projekt.“

Genug Fragen also an Dirk Gemünden und sein „neues Projekt“. Nach den Sommerferien sei mit weiteren Schritten beim Planungsprozess zu rechnen, weiß die BI. Höchste Zeit also, (sich) zu informieren, was da auf Mainz zukommt.

Info& auf Mainz&: Montag, 29. August 2016, 19.00 Uhr, „Wie geht es weiter an der Ludwigsstraße?“ – Informationsabend der Bürgerinitiative Ludwigsstraße mit Gastreferent Dirk Gemünden, Haifa-Zimmer, Rathaus.

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