Der Führerschein ist in Sicht, doch Fahrstunden sind teuer – einfach so mit dem Auto der Eltern auf einem Parkplatz üben, in Deutschland ist das verboten. Nun gibt es dafür eine neue Möglichkeit: Am kommenden Sonntag öffnet auf dem Parkplatz am Gutenberg-Center in Mainz-Bretzenheim ein Verkehrsübungsplatz. „Fahren ohne Führerschein“ heißt die Initiative des 17 Jahre alten Schülers Elias Reinemann, und der verspricht: Jeden Sonntag kann man bei ihm ganz legal ohne Führerschein Auto- und Motorradfahren üben – Slalom, Einparken und Anfahren am Berg inklusive.

Ampel, Slalomfahren, Einparken - der temporäre Verkehrsübungsplatz am real in Mainz-Bretzenheim will all das bieten. - Screenshot: gik
Ampel, Slalomfahren, Einparken – der temporäre Verkehrsübungsplatz am real in Mainz-Bretzenheim will all das bieten. – Screenshot: gik

Eigentlich wollte Reinemann schon im April mit seinem „Fahren ohne Führerschein“ starten, doch die Corona-Inzidenzen machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Nun ist es endlich soweit: Ab dem 16. Mai darf Reinemann auf dem großen Parkplatz vor dem real im Mainzer Gutenberg-Center einen temporären Verkehrsübungsplatz anbieten. Auf dem abgesperrten Areal mit über 25.000 Quadratmetern würden eine Ampelkreuzung installiert sowie Verkehrsschilder und Pylonen aufgestellt, „sodass die Grundsituationen des täglichen Autofahrens geübt werden können“, sagt Reinemann.

Ein Mindestalter für die Besucher gibt es nicht, allerdings sollten die Fahrer von der Körpergröße und den kognitiven Fähigkeiten in der Lage sein, die Fahrzeuge auch bedienen zu können, sagt Reinemann weiter. Das Besondere an dem Verkehrsübungsplatz: Hier kann auch üben, wer noch keinen Führerschein hat, genau das ist ansonsten nämlich illegal. „Die Polizei erwischt dort vermehrt Schwarzfahrer“, berichtet Reinemann auf Mainz&-Anfrage, wer erwischt werde, müsse aber schwere Konsequenzen fürchten: „Wenn man erwischt wird, kann man erst mal seinen Führerschein nicht machen“, berichtet der 17-Jährige, der selbst erst seit Kurzem seinen Führerschein in der Tasche hat.

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Plätze, wo man einfach mal Autofahren üben kann, gibt es bislang in der Region nicht, Reinemann brachte die Idee aus dem Urlaub mit. Sein Vorbild ist ein Verkehrsübungsplatz in Flensburg, mit dem er auch im Internet kooperiert, den Platz im Norden gebe es schon seit 16 Jahren, berichtet er. Bedarf für so eine Anlage sieht er durchaus: „Viele in meiner Schule müssen den Führerschein selbst zahlen, da kostet die Stunde 45 Euro“, berichtet er, „bei uns ist es deutlich günstiger.“ 10,- Euro kostete die Stunde bei Reinemann, 30 Minuten bekommt man schon für 5,- Euro, für 25,- Euro kann man den ganzen Tag kurven und üben.

Der Parkplatz vor dem Mainzer Gutenberg-Center bietet viel Platz und vor allem am Wochenende praktisch keine Anwohner. - Screenshot: gik
Der Parkplatz vor dem Mainzer Gutenberg-Center bietet viel Platz und vor allem am Wochenende praktisch keine Anwohner. – Screenshot: gik

Der Platz sei aber nicht nur für junge Menschen vor dem Führerschein zum Üben geeignet, auch ältere Menschen, die lange nicht mehr gefahren seien, gehörten zur Zielgruppe. „Meine Oma ist seit 50 Jahren nicht mehr gefahren“, nennt Reinemann ein Beispiel, solche entwöhnten Fahrer könnte sich auf dem gesicherten Gelände langsam wieder ans Fahren gewöhnen. „Parkbuchten, Anfahren an einer Steigung, Slalomstrecke, enge Durchfahrt, Beschleunigungsstrecke und Ampeln lassen keine Langeweile aufkommen“, verspricht Reinemann. Die Beschleunigungsstrecke erlaubt zwar nur Tempo 50, und auch die Strecken zum Anfahren sind eher leichte Wellen, aber dennoch: Auf dem abgesperrten Gelände kann man in geschützter Atmosphäre Abmessungen und Fahrverhalten erproben. Autorowdies sind -poser sind unerwünscht und werden der Polizei gemeldet.

Unfälle würden über die KFZ-Haftpflicht des Fahrzeughalters abgewickelt, sagt Reinemann, und betont: „Da es sich um ein abgesperrtes Privatgelände handelt, ist es auch mit der Autoversicherung kein Problem. Die Versicherungsgesellschaften, die ich angefragt habe,
sehen keine Bedenken, sollte es doch einmal zu einem Schaden kommen.“ Wer sicher gehen wolle, solle sich bei seiner eigenen Versicherung rückversichern. Ansonsten gelte: „Einfach mit dem eigenen Auto vorbeikommen, auf dem Parkplatz ein kurzer Fahrerwechsel, und schon kann es losgehen“, sagt Reinemann. Die gute Nachricht am Freitag lautete dann zudem: Ein Coronatest ist nicht mehr nötig, auch die Pflicht zur Anmeldung entfällt.

Info& auf Mainz&: Alle Infos zum „Fahren ohne Führerschein“ mit detaillierten Nutzungsbedingungen und allen Kosten sowie Tipps zur Anfahrt findet Ihr hier im Internet. Dort findet Ihr auch einen kleinen Film, der einen Überblick über Gelände und Möglichkeiten gibt. Der temporäre Verkehrsübungsplatz auf dem real-Parkplatz in Mainz-Bretzenheim ist ab dem 16. Mai vorerst jeden Sonntag zwischen 10.00 Uhr und 17.00 Uhr geöffnet.

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