Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) lehnt eine Bürgerbeteiligung beim Erweiterungsbau des Gutenberg-Museums ab. „Das geht hier in diesem Verfahren nicht“, sagte Grosse auf Mainz&-Anfrage, „eine direkte Bürgerbeteiligung würde das Verfahren sprengen. Jetzt bringen wir das auch zuende.“ Eine kürzlich gegründete Bürgerinitiative fordert die Beteiligung der Bürger und übt massive Kritik an den Ergebnissen des Architektenwettbewerbs. Doch stimmen Grosses Aussagen? In Frankfurt zumindest gab es beim Bau der neuen Altstadt umfangreiche Wettbewerbe, Ausschreibungen – und eine Bürgerbeteiligung.

Technisches Rathaus Frankfurt kleiner - Foto von I. Dontworry, Wikimedia Commons
Das Technische Rathaus in Frankfurt, Bausünde der 1970er Jahre – Foto: I. Dontworry, Wikimedia Commons

Auch in Frankfurt drehte es sich um nichts weniger als das Herzstück der Stadt: Den Neubau der Altstadt direkt am Römer. Nach dem Krieg war hier Anfang der 1970er Jahre das Technische Rathaus errichtet wurden, ein klotziger Sichtbetonbau im Stil des sogenannten Brutalismus. Abgeleitet ist das Wort vom französischen Wort „béton brut“, was so viel wie roher Beton heißt, sein wichtigster Vertreter war der französische Designer und Architekt Le Corbusier, der mit radikalen Neuerungen Stadt neu denken wollte – unter anderem durch Verbannung von Fußgängern, Auflösung von Einkaufsstraßen und den Bau riesiger Wohnklötze à la Plattenbau.

Frankfurt: Aus modernem Bauprojekt wurde historische Altstadt

2004 begann man in Frankfurt mit den Plänen zunächst für einen Umbau des Technischen Rathauses – der Prozess endete in einem Totalabriss und einer weitgehenden Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses samt Rekonstruktion von neun historischen Gebäuden – Frankfurt baut seine Altstadt wieder als Altstadt. In dem Prozess wimmelte es nur so von Architektenwettbwerben und Ausschreibungsverfahren, wirklich umgesetzt wurden die wenigsten der ausgezeichneten Entwürfe.

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Neue Bebauung Dom Römer Projekt Frankfurt - DomRömer GmbH
Visualisierung neue Bebauung Dom-Römer-Projekt Frankfurt – Foto: DomRömer GmbH

So wurde ein im September 2005 gekürter Siegerentwurf sehr schnell völlig verworfen – der Entwurf sah neuerliche Großbauten an der Stelle des Technischen Rathauses vor und ignorierte alte Wegführungen und gewachsene städtische Strukturen. Es war danach, dass sich massive Kritik in der Stadtverordnetenversammlung an den Plänen entzündete, die SPD schlug schließlich einen Bürgerentscheid vor – die Stimmung kippte zugunsten einer Rekonstruktion der alten historischen Bebauung.

Im Herbst 2006 dann führte die Stadt eine Planungswerkstatt durch, um die Bürger zu beteiligen, die Ergebnisse der Arbeitsgruppen flossen in die daraufhin beschlossenen Eckpunkte für die Bebauung ein – ähnlich wie beim ECE-Center auf der Ludwigsstraße. Die komplette Baugeschichte des Frankfurter Dom-Römer-Areals könnt Ihr übrigens in diesem, sehr gut von Quellen belegten Wikipedia-Artikel nachlesen.

Grosse: Bürgerbeteiligung in dem Verfahren nicht vorgesehen

Trotzdem behauptete Grosse nun im Gespräch mit Mainz& in Sachen Neubau Gutenberg-Museum, „eine Bürgerbeteiligung würde das Verfahren sprengen.“ Es gebe eben „bestimmte Prozesse, da ist eine Bürgerbeteiligung nicht vorgesehen“, dieses europaweite Verfahren sei so eines. Zudem „haben wir die repräsentativen Mandatsträger“ des Stadtrats, betonte Grosse, die seien befugt die Entscheidung für die Bürger zu treffen, „das ist der Sinn unserer repräsentativen Demokratie.“

Auch sei die Auswahl des richtigen Bauentwurfes „so komplex und schwierig“, dass dieser bei der Fachjury gut aufgehoben sei, sagte die Dezernentin weiter: „Ich glaube nicht, dass eine Bürgerbeteiligung funktionieren kann.“

Visualisierung Bücherturm Gutenberg Museum Foto gik
Der geplante Bücherturm in Mainz als Erweiterungsbau des Gutenberg-Museums

Ampel-Koalition: „Vertrauen in Fachjury“

Übrigens lehnen auch SPD, Grüne und FDP – also die Ampel-Koalition im Stadtrat – eine Bürgerbeteiligung ab: „Die baulichen Maßnahmen am Gutenberg-Museum werden einen sichtbaren Impuls in der Stadt setzen“, hieß es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Die städtischen Gremien seien „im engen Verfahrensrahmen an den Planungen beteiligt“, die Mitglieder aller Fraktionen hätten „die Möglichkeit der hochinformativen Führung zu den Entwürfen genutzt.“

Die Planungen am Gutenberg-Museum seien „auf einem guten Weg“, es sei wichtig, dass sich ein Weltmuseum der Druckkunst „auch in einem würdigen Gebäude präsentieren kann“, heißt es weiter. „Wir haben Vertrauen, dass die Fachjury zu einer guten Lösung für das Museum und die Stadt Mainz kommen wird“, teilten die Fraktionschefs Eckart Lensch (SPD), Sylvia Köbler-Gross (Grüne) und Walter Koppius (FDP)mit. So viel zu der Unabhängigkeit der Bürgervertreter – und das war jetzt ein deutlich kommentierender Einwurf unsererseits.

Die Architekten argumentieren ganz ähnlich: „Sie können so einen Prozess nicht demokratisch per Mehrheitsbeschluss entscheiden“, sagte der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Architekten in Rheinland-Pfalz, Heinrich Lessing, Mainz&. In den Jurys werde „hochkarätig argumentiert und gearbeitet“, ein Jurymitglied habe sich bis zu vier Tage lang mit der Aufgabenstellung und den Entwürfen auseinander gesetzt. „Die Entscheidung wurde sehr sorgfältig und von einer guten Jury gefällt“, betonte Lessing.

Mainz&-Leser: „krampfhaft auf Moderne getrimmte Geschmacklosigkeiten“

Visualisierung Querbau Gutenberg Museum Platz 3 Foto gik
Visualisierung eines neuen Querbaus fürs Gutenberg-Museum, Platz 3 des Architektenwettbewerbs

Also alles klar im Staate Gutenbergs? Mitnichten. Denn die von der Mainz-Kostheimer Architektin Claudia Bau geäußerte Kritik an der harten, kalten, menschen- und lebensfeindlichen Architektur der modernen Entwürfe bewegt weiter die Mainzer. „Der geplante Bücherturm reiht sich lückenlos in die Geschmacklosigkeit der krampfhaft auf Modern getrimmten Bauvorhaben der Stadt in den letzten Jahren ein“, kommentiert etwa eine Mainz&-Leserin die Entwürfe: „Wie kann man es nur fertigbringen den Charme unserer Stadt so zu verspielen?“

Und Leserin Elisabeth Neumann bedankt sich ausdrücklich für unsere Darstellung der Kritik an den Entwürfen, der Bericht treffe „genau das Gefühl, das sich einem vom ersten Augenblick an zu diesem (unsäglichen) Bauvorhaben und seiner anschließenden Diskussion ausbreitete: 1. die erschlagende bauliche Enge gepaart mit der Vernichtung eines sich bisher aus allen Perspektiven darstellenden wunderschönen Platzes, 2. die arroganten, selbstherrlichen und beleidigenden Entgegnungen aus dem Kreise derer (Architekten), die sich offenbar zu Höherem berufen fühlen. Und das ist fast noch schlimmer als die Entwürfe selbst!“

Architekt: Man kann Architektur nicht mit „hart“, „kalt“ diskutieren

Nein, die Kritik Baus könne er nicht nachvollziehen, sagt hingegen Lessing: „Man kann Architektur doch nicht auf diese Begriffe „kalt“, „hart“, „warm“, „weich“ reduzieren, diese Begriffe verwenden wir in der Architektur nicht, weil sie schwammig sind“, sagt der Architekt. Man müsse sich doch anschauen, wie das Material tatsächlich wirke. Moderne Architektur sei „Ausdruck der Kultur, Ergebnis eines Auseinandersetzungsprozesses innerhalb einer Gesellschaft“, betont Lessing.

Dom Römer Projekt Frankfurt Neues Stadthaus - DomRömer GmbH
Neues Stadthaus beim Dom-Römer-Projekt in Frankfurt – Foto: DomRömer GmbH

Nur: Wie wird denn diese Auseinandersetzung geführt? Architektenkammer und auch Lessing lehnen es ab, mit Begriffen über moderne Architektur zu diskutieren, die normalen Menschen etwas sagen. Dialog über Architektur müsse „qualifiziert“ geführt werden, sagen sie – was das heißt, sagen sie nicht. Dabei ist die Kritik an moderner Architektur längst in der Literatur und den Medien angekommen, nur in Mainz offenbar noch nicht.

„Vorherrschaft einer Architektenkaste bescherte Hässlichkeiten“

So spricht Rainer Haubrich, Kulturredakteur der Tageszeitung „Die Welt“ offen von „menschenfeindlichen Visionen“ jener Architekten der Moderne wie Le Corbusier, den er „einen der großen Zerstörer all dessen, was über Jahrhunderte die Lebendigkeit und Schönheit traditioneller Städte ausmachte“ nennt. Stattdessen sei „die Architektur früherer Epochen“ begehrter denn je, erblühten in allen Städten „jene historischen Viertel, in denen die Moderne keinen Schaden anrichten konnte.“ Und in eben jenen Altbauten säßen gerade jene Architekten, die „von der Großartigkeit moderner Architektur schwärmen“, merkt Haubrich süffisant an.

Es sei nämlich „keineswegs der „allgemeine Zeitgeist““ gewesen, „der uns die ganzen menschenfeindlichen Hässlichkeiten der Nachkriegsmoderne bescherte, sondern die Vorherrschaft einer Architekten- und Planerkaste, die stolz darauf war, alles beständig neu zu denken“, schreibt Haubrich in seinem Artikel „Der wahre Grund für die Misere der modernen Architektur“. Und Haubrich zitiert Klassizisten und Bauhistoriker, die sich über „das Kunstgeschwätz“ in der Architektur lustig machen, oder über „das theoretische Abrakadabra in der Architekturpublizistik.“

Habermas: hoffnungslose Unterschätzung der Vielfalt von Lebenswelten

Visualisierung Glasbau Setzkasten Gutenberg Museum Foto gik
Platz zwei des Mainzer Architektenwettbewerbs zum Gutenberg-Museum: der Setzkasten – Foto: gik

Schon der Philosoph Jürgen Habermas übrigens warf Le Corbusier und Konsorten vor, „seelenlose Behälter und menschenfeindliche Satellitenstädte“ zu erzeugen, denen es „an Urbanität ebenso wie an Umweltbezug fehlt“, und die nicht einmal funktional seien – so schreibt es Jochen Koch in seinem Buch „Organisation und Differenz: Kritik des organisationstheoretischen Diskurses“, was Ihr hier nachlesen könnt. Und Koch schreibt auch, wie Habermas dieses Versagen der modernen Architektur einer „hoffnungslosen Unterschätzung der Vielfalt, Komplexität und Variation von Lebenswelten einhergeht.“

Kurz: die Architekten haben das Leben vergessen – oder es ignoriert.

Lessing fordert Partizipationsprozess von der Stadt

„Das ist eine Kritik, die so nicht mehr stimmt“, meint dazu Architekt Lessing. Seit den Fehlern der Nachkriegsarchitektur habe sich viel getan. „Es ist ja nicht so, dass sich der Architekt im Keller einschließt und etwas ausdenkt, und alle müssen damit leben“, betont Lessing. Doch genau dieses Gefühl haben viele Menschen angesichts der blicklosen Bauten – und genau dieses Gefühl haben die Mainzer offenbar jetzt wieder.

Auch Lessing plädiert nun für Dialog und Aufklärung, dafür, nicht Entscheidungen zu treffen und die Bürger außen vor zu lassen. „Es wird ein Partizipationsprozess brauchen, in dem man die Qualitäten der Entwürfe erklärt“, sagt Lessing. Man könne etwa ein Stück Originalmaterial zur Verfügung stellen und die Fassade bemustern. Dieser Dialogprozess, sagte Lessing noch, „ist nun Aufgabe der Stadt zusammen mit den Architekten des 1. Preises.“

Info& auf Mainz&: Mehr zur Kritik der Bürgerinitiative und ihren Forderungen an die Stadt sowie die Kritik der Architektin Claudia Bau samt Reaktion der Architektenkammer könnt Ihr in dem Mainz&-Artikel „Fragt die Mainzer!“ nachlesen. Die spannenden Welt-Artikel von Rainer Haubrich zur modernen Architektur gibt es hier: Der wahre Grund für die Misere und hier: Was von Le Corbusier bleibt ist monumentales Scheitern. Die Baugeschichte zum Dom-Römer-Projekt der Frankfurter Altstadt gibt es hier bei Wikipedia.

10 KOMMENTARE

  1. Was hat nun LeCorbusier mit den Mainzer Entwürfen zu tun? LeCorbusier baute gegen die seinerzeit tatsächlich lebensfeindlichen, Behausungen an (dunklen, verbaut, ohne Licht und Luft, ohne sanitäre Anlagen und brandgefährdet), wie sie vor den Flächenzerstörungen des zweiten Weltkriegs in vielen mitteleuropäischen Orten anzutreffen waren. Das ist fast 100 Jahre her. Heutige Architektur hat mit LeCorbusier wenig gemein. Die Entwürfe für die Erweiterung des Gutenbergmuseums schon gar nicht.
    Und was soll an den Entwürfen dafür „menschenfeindlich“, gar “ „lebensfeindlich““ sein, was „kalt“ und „hat“?
    Mag sein, dass die Entwürfe nicht jedermann gefallen – Geschmackssache. Die Gestalt eines Gebäudes hängt aber nicht von einem demokratisch hat nicht erreichbaren Geschmack ab, sondern in erster Linie von vielen anderen Faktoren: von Nutzung, von Baurecht und Bauvorgaben (Frau Grüße hat mit ihrem Hinweis aufs Bauverfahrensrecht nicht unrecht, man lese sich mal das GWB und dir VOB/A durch, da ist wirklich nur wenig Platz für Bürgerbeteiligung, und diese ist nur schwer zu erreichen und häufig nicht sehr erfolgreich in Bezug auf die Bauaufgabe), von technischen Notwendigkeiten ab. Es ist heutzutage gesetzlich gar nicht möglich, so zu bauen wie vor hundert Jahren oder früher, da dem Sicherheits- und Umweltgesetze entgegenstehen (z.B. moderne Brandschutzauflagen, Behindertengerechte Erschließung, Wärmedämmung auf der Außenhaut, Schallschutz usw.), da sich Materialien und Bautechnik entwickelt haben (Materialien sind günstiger geworden und wurden weiterentwickelt, gleichzeitig sind die Löhne und Personalkosten stark gestiegen: Es ist heute nahezu unbezahlbar, z.B. Steinmetzarbeiten in Größenordnungen durchzuführen, die in der Vergangenheit üblich waren). Und zuletzt die Gestaltung und Organisation von Räumen hat sich verändert, wir leben, wohnen arbeiten anders als früher, man will das WC in der Wohnung oder der Nähe des Aufenthalts haben und nicht raus auf den Hof gehen müssen, man will nicht in kalten dunklen Räumen hausen sondern Zentralheizung ohne Kohleschleppen und helles Licht ohne ständige Brandgefahr, man will saubere Oberflächen und keinen Schimmel im Keller und keine gefrorenen Fensterscheiben im Haus.
    All solchen Aspekten ist das Erscheinungsbild der gegenwärtigen Architektur geschuldet, nicht einem gerne, aber falsch den Architekten unterstelle arrogant-abgehobene Gestaltungswut. So viel macht Können Architekten hat nicht haben, müssen sie sich doch ihren Bauherren, den wirtschaftlichen, technischen und gesetzlichen Bedingungen sowie dem Bedarf der Nutzer unterwerfen.
    Architektur ist immer Spiegel ihrer Zeit, ihrer technischen Möglichkeiten, ihren gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen und ihrer technischen Möglichkeiten:
    So wurde im Hochmittelalter romanisch gebaut, weil die statischen Kenntnisse für große Fenster und weite Gewõlbe fehlten; mit den technischen Fortschritt andere sich das Bauen hin zu Formen, die weit heute Gotisch nennen. Mit neuen Techniken war die Umwälzung zu Renaissance und Barock möglich und der dann rasche technische und gesellschaftliche Fortschritt erlaubte die weiteren Stile und Gestaltungsrichtungen der folgenden Zeiten.
    Und jetzt baut man eben nicht wie vor hundert Jahren, sondern ergänzt die Städte um zeitgenössische Aussagen. Das haben seit 2000 Jahren alle Mainzer Generationen so gehandhabt und diese Vielfalt macht den Reiz dieser schönen Stadt aus. Da passt auch ein zeitgenössischer Neubau des Gutenbergmuseum rein.

    • Hallo, vielen Dank für Ihren spannenden Kommentar, der die Diskussion auf Mainz& bereichert! Nur: Was bitte ist an Gründerzeithäusern dunkel, kalt und ohne Licht? Nach Ihrer Definition müssten wir ja alle Altbauten abreißen. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade die Häuser von vor 100 Jahren sind heute die begehrtesten Immobilien mit dem höchsten Wohnwert – und WCs haben die meines Wissens auch in den Wohnungen 😉 Dass man heute nicht mehr so bauen könnte, ist doch – gelidne gesagt – Unsinn. Es sei denn, die Architekten können es nicht mehr 😉 Und: nur wenig Platz für Bürgerbefragung ist nicht gar kein Platz! Also warum die Bürger an einer so sensiblen Stelle von Mainz nicht beteiligen? Weil sie „zu dumm sind“, das alles zu begreifen?

  2. Als Mitglied des Stadtrates freue ich mich über die ausgewogene Berichterstattung.
    Auch an Beispiel „Gutenberg Museum“ zeigt sich die Arroganz der Macht – in diesem Fall der Mainzer Ampelfraktionen. Die haben eine knappe Mehrheit im Stadtrat und stimmen geschlossen ab. Fraktionsdisziplin geht über gesunden Menschenverstand. Das Interesse der Mainzer interessiert nur am Rande.

  3. Architektur kann sehr wohl über die verwendeten Materialien als beispielsweise hart und kalt bezeichnet werden, wenn man Wahrnehmungspsychologie und Phänomenologie zulässt, die darüber Auskunft geben, wie wir das Gebäude wahrnehmen und wie es auf uns wirkt. Der Mensch reagiert mit allen Sinnen auf seine Umwelt, der Mensch empfindet Architektur, der moderne Architekt denkt Architektur. Er befriedigt also nur einen kleinen künstlerisch- oder formal-ästhetischen Teil der sinnlichen Wahrnehmung mit seiner Arbeit. Und das ist das tatsächliche Problem der Moderne. Das Menschliche, das dem Menschen gemäße ist verlorengegangen, daher spalten sich die Lager. Dabei muss Architektur, die sich auf den Menschen bezieht, nicht bieder sein, genauso wie Architektur, die sich in das Stadtgefüge einbindet, nicht aussehen muss wie von Gestern. Begründungen für ihre „modernen“ Entwürfe können die Architekten keine liefern, stattdessen kaschieren sie ihre Fremdkörper mit ein paar netten Metaphern um davon abzulenken, dass es wahrscheinlich nur darum geht sich selbst und der eigenen Arbeit ein Denkmal zu setzen. Wäre dem nicht so, ginge es Ihnen um die Menschen und ihren Lebensraum, würden sie sich nicht gegen die Reaktion der Kritiker abschotten, oder versuchen sie immer neu zu belehren, sondern zuhören und refelektieren. Und wie modern ist eigentlich die Moderne?

    Claudia Bau

  4. Ich kann jedem, der sich für den Anbau des Gutenberg-Museums interessiert, nur raten, sich die Ausstellung im Gutenber-Museum anzusehen und sich möglichst eine fachkundigen Erklärung anzuhören. Man bekommt dann ein ganz anderes Bild, als man sich allein aus den veröffentlichten Darstellungen macht. Ich selber habe zum Beispiel den mit dem dritten Preis ausgezeichneten Entwurf zunächst total abgelehnt. Nach einer genaueren Betrachtung der Modelle zusammen mit fachkundigen und historischen Erläuterungen halte ich diesen Entwurf jetzt zumindest für bedenkenswert. Der Liebfrauenplatz würde vielleicht sogar aufgewertet,
    Ehe man zu schnellen Urteilen kommt, sollte man sich mindestens mal 2 Stunden mit den vorliegenden Entwürfen und den Begründungen der Jury beschäftigt haben.

    • Warum, warum, warum wird immer unterstellt, die Kritiker hätten die Entwürfe nicht gesehen? Warum wird immer mit Unterstellungen gearbeitet? Warum haben Sie das nötig, wenn die Entwürfe doch so toll sind und Achtung!, sie „vielleicht den Liebfrauenplatz aufwerten“?

  5. Die zentrale Frage ist hier ja:

    Was kann der Laie und was kann er nicht ?

    Ich sag’s mal so:

    Er ist nicht in der Lage ein wirklich fundiertes Urteil abzugeben
    welcher Entwurf etwa in einem Architekturwettbewerb der beste oder besser gesagt der angemessenste ist.

    ABER ER KANN DURCHAUS UNSÄGLICHKEITEN ENTLARVEN !

  6. Potthässlich. Alle 3 Entwürfe verschandeln das Stadtbild gleichermaßen. Da hätte man den „Römischen Kaiser“ abreißen können.

    Passt in keinster Weise. Leider wurden die Petitionen gegen diese Entwürfe nicht richtig verbreitet.

    So dumm ist man auch nur in Mainz. Unesco Welterbe-Titel für den Dom bedacht? Nein.Verschandelung und Verschwendung. Mehr braucht man nicht dazu sagen.

    Recht die Busbrücke noch immer nicht als Krönung?

  7. Stimmt! Die Brücke sagt alles aus über die Kompetenz der Stadtoberen. Danke Grosse. Solch Kompetenz sucht ihresgleichen wohl vergebens.

    Eine Schande. Blamabel. Hässlich. Kostenintensiv. Unnütz.

    Es gibt sehr wohl Optionen. Ein Bau in die Tiefe – kostet mehr. Ein anderes bestehendes Gebäude im alten Stil verschönern und nutzen oder eine Nutzung der Räume des Römischen Kaiser. Optionen. Wenn man will…

    So läuft es immer in Mainz. Die Stadt verliert ihren Charme. Das zeigt auch, wie viel alter Bausubstanz, die den Krieg überdauerte, abgerissen worden ist.

    Kein Respekt. Siehe Römerkastel ggü. Der Uniklinik. Dessen Fundamente werden nicht wieder zugeschüttet. Nein. Sie werden mit einem Bagger zerstört. Kann jeder selbst sehen. Die Baugrube wird immer tiefer.

  8. Gut wenn Herr Lessing für Dialog und Aufklärung plädiert. Unser gemeinsamer Mentor, der alte Professor Otto Spengler, würde wohl trefflich lästern über den ersten Preisträger. Ich persönlich würde für den 2. Preis plädieren, sollen die Mainzer entscheiden. Schade dass ich
    als in der Vilzbach aufgewachsener Wahlwiesbadener nicht mit abstimmen kann, Gruss an die Aktiven in der Mainzer Stadtgestaltung.

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