Ideen über die Zukunft von Mainz lieben wir ja bei Mainz& – umso mehr begeistert uns eine aktuelle Reihe von Staatstheater Mainz, Uni Mainz und Hochschule Mainz: „In Zukunft: Mainz“ geht auf Spurensuche nach dem Zukünftigen und erstellt Kartographien des Utopischen – und wir alle wissen ja, dass Utopien die Baupläne der Zukunft sind. Am Samstag, den 4. Juni, lädt „In Zukunft: Mainz“ erneut zu Perspektivwechseln: Workshop, Fahrradtour, Vortrag und Performance – auch über den Dächern von Mainz. Und am 18. und 19. Juni geht es bei der Mainz Map IV um das spannende Thema Zusammenleben. Vom 8. bis 10. Juli findet dann der Abschlusskongress zur Reihe statt – natürlich auch als Performance.

pad Proformance
Proformance im pad: Den Menschen durch eine digitale Version ersetzn… – Foto: pad

Die Technisierung und Digitalisierung unserer Welt schreitet voran. Im Sog des permanenten Erweiterns und Verbesserns unserer Möglichkeiten steigen die Ansprüche… Optimierung ist angesagt. Nur die darstellenden Künste arbeiten – wie anachronistisch – immer noch analog mit Darstellern aus Fleisch und Blut und können folglich im technologischem Wetteifer nicht mehr mithalten. Damit ist jetzt Schluss – wie die Macher des performance art depots (pad) in der Mainzer Neustadt schreiben: Sie erfinden den perfekten Darsteller.

Mit „Proformance“ stellt das Performance-Duo Schmitt & Schulz mal wieder unsere Wahrnehmung in Frage und unsere Weltsicht vor den Spiegel. Die beiden Künstler, die in dem unscheinbar in der Neustadt versteckten pad wirken, halten mit Vorliebe unserer modernen Mediengesellschaft den Spiegel vor, stellen kritische Fragen, holen uns aus unserer Smartphone-verliebten Selbstzufriedenheit. Genau, was Kunst tun soll….

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Bei „Proformance“ tauschen sie laut Eigentext „den für die high end Performance unzulänglichen und mit zu vielen Fehlern behafteten menschlichen Darsteller in einer wegweisenden wissenschaftlich-künstlerischen Versuchsreihe gegen verschiedene künstliche bis naturidentische Modelle aus.“ Und sie warnen: „In der teils dokumentarischen und experimentellen Demonstration lassen sich natürlich kleine Entwicklungsfehler oder technische Pannen nicht ganz vermeiden. Wir bitten daher schon jetzt die Zuschauer um Verständnis, wenn in der Präsentation noch nicht alle Störungsquellen beseitigt sein werden.“ Statt Schulz & Böhmermann könnt Ihr es ja mal mit Kultur und ironischer Distanz live versuchen. 😉

Info& auf Mainz&: „Proformance“, heute Abend, Freitag, 3. Juni, 20.00 Uhr, im pad in der Leibnizstraße 46, alle Infos unter www.pad-mainz.de. Und sorry für die späte Ankündigung….

In Zukunft: Mainz II – Technik – am Samstag, 4. Juni

Die Proformance ist Teil einer spannenden Zukunfts-Workshop-Reihe: Bei „In Zukunft: Mainz“ sollen an vier Wochenenden „Kartographien des Utopischen“ entstehen:  Wie stellen wir uns eine lebenswerte Zukunft vor? Was sind unsere Hoffnungen, unsere Träume und Ideen, welche Handlungen können Ohnmacht, Angst und Radikalisierung entgegenwirken? Und welche Gesellschaft wollen wir sein und wer überhaupt ist „wir“?

In Zukunft Mainz - Modell Garten Tritonplatz
In Zukunft: Mainz: Der entstehenden Garten auf dem Tritonplatz im mOdell – Foto: Staatstheater Mainz

Es wird höchste Zeit, dass diese Fragen endlich wieder gestellt und vor allem diskutiert werden. Uni Mainz, Staatstheater Mainz und Fachhochschule Mainz tun in Kooperation genau das – mit einer innovativen Veranstaltungsreihe. In Workshops, Vorträgen und mit Künster-Performances werden die Zukunft von Wert, Ressourcen, Technik und Zusammenleben ausgelotet. An den Vormittagen der ganztägigen Workshops arbeiten Künstler mit interessierten Bürgern in den MAINZLABs an praktischen Fragestellungen zwischen Kunst und Gesellschaft.

Danach geht’s aufs Rad: Bei der FUTOUR 2116 bietet eine thematische Fahrradtour an verschiedenen Stationen die Möglichkeit, Menschen mit Ideen und Geschichten und ganz neue Stationen in Mainz kennenzulernen. Bei OPEN YOUR MAINZ geben Wissenschaftler dann abends in einem Vortrag Auskunft über den Stand der Dinge und ihren Blick auf das Kommende. Danach heißt es: Bühne frei für die PERFOR’MZ – spielerische Zukunftsentwürfe von internationalen und lokalen Künstlern und Kollektiven.

Bereits seit Ende April ist als lebendiges Zeichen von „In Zukunft: Mainz“ auf dem Tritonplatz vor dem Kleinen Haus ein echter Garten entstanden. An diesem Samstag geht es bei „In Zukunft Mainz“ dann um das Thema Technik: Ab 11.00 Uhr geht es auf dem Tritonplatz beim Workshop „LET’S PARTY LIKE IT’S 1983“ um die NSA in der Unterwäscheschublade und die Frage, wie wir Big Brother entkommen können. „Bei Keksen, Musik und Bowle teilt das Züricher Performance Kollektiv „Neue Dringlichkeit“ praktische Tipps für digitale Alltäglichkeiten mit uns“, heißt es in der Ankündigung – Vorsicht, hier werden Kunst und Aktivismus miteinander verbunden.

Info& auf Mainz&: Workshop MAINZLAB Technik am Samstag, 3. Juni 2016 von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr, Treffpunkt ist der Tritonplatz, Teilnahme 5,- Euro.

Fotour III, Fahrradtour zum Thema Technik mit Picknick

Um 14.00 Uhr startet dann die Futour, die Fahrradtour zum Thema Technik. „Wir fahren los und lassen die Fortschrittspessimisten jetzt hinter uns. An fünf Stationen werden wir zu Interfaces für neue Kulturtechniken und Erfindungen Made in Mainz und können erahnen, was für Apparate, für Technologien und Prothesen uns selbst, unsere Infrastrukturen und das tägliche Zusammenleben bestimmen werden“, heißt es in der Ankündigung. In die Pedale treten müsst Ihr trotzdem noch selbst, dafür gibt’s im Anschluss ein Picknick „um die Ideen und Utopien verschiedenster Menschen, Initiativen und Unternehmen zu vertiefen.“

Info& auf Mainz&: Samstag, 4.6., 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr „FUTOUR 2116: Technik – die Fahrradtour mit anschließendem Picknick“, Treffpunkt Tritonplatz, Eintritt 9,50 Euro, Schüler und Studenten 4,75Euro.

In Zukunft Mainz - Blick aus einem der Bonifaziustürme kleiner - Foto Annika Wehrle
Geiler Ausblick aus den Bonifaziustürmen – bei „In Zukunft: Mainz“ – Foto: Annika Wehrle

Open Your Mainz zum Thema Politische Identität

Um 18.30 Uhr geht es dann direkt weiter – mit „Open Your Mainz“. Dabei spricht der Soziologe Ingolfur Blühdorn über Politische Identität und Artikulation im digitalen Zeitalter, mit anderen Worten: Es geht darum, ob und wie sich die Möglichkeiten politischer und gesellschaftlicher Mitbestimmung durch das Internet verändert haben. Mit Online-Petitionen, Bürgerentscheiden und Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken nehmen wir (scheinbar) Einfluss auf demokratische Entscheidungsprozesse. „Doch was bringt das? Haben wir nicht längst die postdemokratische Wende vollzogen? Was also braucht es, um die multiple Nachhaltigkeitskrise in den Griff zu bekommen?“ fragt die Ankündigung. Spannende Fragen, in der Tat. Und hochaktuell.

Spannend ist auch der Ort des Vortrags: Der 18. Stock in den Bonifaziustürmen erlaubt auch neue Perspektiven auf Mainz. Und oft hilft es ja auch beim Denken ganz enorm, sich mal über die Dinge zu erheben und Abstand zu gewinnen… Blühdorn jedenfalls will „einen neuen Zugriff auf politische Praxis vorschlagen“ – spannend! Direkt im Anschluss ist am selben luftigen Ort das Zürcher Kollektiv „Neue Dringlichkeit“ mit einer „Lecture Performance“ zu erleben: „Die opake Zone, Anonymität, Kunst und Aktivismus.“

Info& auf Mainz&: Samstag, 4.6., 18.30 Uhr im Bonifaziusturm B, 18. Stock, Rhabanusstraße 3 Vortrag von Ingolfur Blühdorn über Politische Identität bei „Open Your Mainz“, Eintritt frei. 20.00 Uhr „Die opake Zone“, Performance des Kollektivs Neue Dringlichkeit, Bonifaziusturm B, 18. Stock, Rhabanusstraße 3, Eintritt 9,50 Euro, Schüler und Studierende 4,75 Euro.

In Zukunft Mainz IV – Zusammenleben am 18. und 19. Juni

Gutenberg Museum Mainz von außen - Foto Kirschstein
Neues Mitmch-Zeitalter in der Baukultur und der Demokratie? Schön w#r’s ja… – Foto: gik

Und es geht weiter mit „In Zukunft: Mainz“: Am Samstag, den 18. Juni geht es um das Thema Zusammenleben. Im Mainzlab geht es am Morgen um die „magischen Buzz-Wörter“ wie Nachhaltigkeit, Partizipation, Demokratie oder Multitude und einen Autor und Architekten, Markus Miessen, der dazu einlädt, gemeinsam diese Worte zu attackieren und ihre unterschwelligen Motive zu entlarven. Au ja! Die Futour führt an jenem Tag „zu den Foren der Polis, durch Schlaglöcher der Rhein-Main-Prärie, hinein in die Oasen hinter der Norm, weiter durch das unsichtbare Mainz bis zur Stippvisite in der Zukunft.“

„Open Your Mainz“ führt dann ins Forum Baukultur – und Markus Miessen redet dabei über den „Albtraum Partizipation“… warum erinnert uns das jetzt ans Gutenberg-Museum? 😉 „Die Forderung nach basisdemokratischer Partizipation ist, so Miessen, zu allgegenwärtig, um sie nicht ernst zu nehmen und plädiert für ein neues Selbstverständnis im Mitmach-Zeitalter“, heißt es in der Ankündigung – das spricht uns aus der Seele. Im Anschluss redet Miessen dann auch noch mit Gerold Reker, dem Präsidenten der Architektenkammer Rheinland Pfalz, das ist ja wirklich hochaktuell.

Deck 3 mit Blick auf den Dom - Foto Staastheater Mainz
Welches Land, welche Stadt wollen wir sein? Das fragt „In Zukunft: Mainz“ – Foto: Staatstheater Mainz

Im Anschluss geht es um „Kollisionen“ und Widerstand in einer Produktion des tanzmainz club. Am Sonntag, den 19. Juni, schließen sich noch drei Veranstaltungen an: Beim Generationenclub Zeitraum geht es um Widerstand (17.00 Uhr), der Jugendclub Spieldrang kümmert sich um das „Verlassen der Komfortzone“ (18.45 Uhr). Und Open Your Mainz fragt ab 20.00 Uhr im Glashaus „Welches Land wollen wir sein?“

Performativer Abschlusskongress 8.-10. Juli

Zum Abschluss und Höhepunkt der „In Zukunft: Mainz“-Reise durch kommende Zeiten und Fiktionen der Gegenwart findet schließlich vom 8. bis 10. Juli 2016 auf dem Gutenberg-Campus ein fiktiver Kongress statt. Dabei wird sich „der Campus in ein Spielfeld der Zukunftsvisionen verwandeln“, werden „Räume des Denkens und Wissens, Labore, Gewächshäuser und Hörsäle zu utopischen Forschungsstationen“, verspricht die Ankündigung. Auf einem performativen Audio-Spaziergang erkunden die Besucherinnen den Campus und mögliche Zukunftswelten. Der Schlusskongress soll zugleich ein Startschuss für kommende Kooperationen und Initiativen in Mainz sein. Wow.

Info& auf Mainz: „In Zukunft: Mainz IV – Zusammenleben“ am Samstag, 18. Juni, und Sonntag, 19. Juni. „In Zukunft: Mainz – Der performative Kongress“ vom 8. bis 10. Juli 2016 auf dem Unicampus in Mainz. Alle Infos dazu auf den Seiten des Staatstheaters Mainz, genau hier.

 

1 KOMMENTAR

  1. Hallo liebe Leser,

    hier noch ein Hinweis auf die oben am Rande erwähnten Produktionen der drei Mainzer Clubs enthusiasmierter Theaterfans, die auch am 18. Juni im Kleinen Haus auf Bühne U17 zu sehen sind:
    „Widerstand“ vom Genarationenclub mit Akteuren von 9 bis 77 Jahren um 17 Uhr,
    „Raus aus der Komfortzone“ vom Jugendclub um 18:45 und „Kollisionen“ vom Tanzclub um 20:30.
    Was die beiden Clubs junger Leute auf die Bühne bringen ist einfach umwerfend.
    Aber keineswegs weniger sehenswert ist das ZUsammenspiel von mindestens 3 Generationen;
    insbesondere die kleinen Mädchen Irem und Gisem sind einfach herzig. Sollte man / frau nicht versäumen :-))
    Gibt nur noch wenige Karten.

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