Die Heizsaison hat begonnen, der Herbst ist da – da schmeißen viele Menschen nun auch wieder ihre Holzöfen aus. Kaminöfen boomen, das Problem dabei: Mit den Öfen sind auch Ruß, Feinstaub und Gestank in die Städte zurückgekehrt. Die Öfen stoßen vielfach gefährlichen Feinstaub aus und oft sogar giftige Beistoffe, dabei gibt es wirksame Filter dagegen – nur werden die oft nicht eingebaut. Die Deutsche Umwelthilfe geht nun dagegen vor – und hat vergangene Woche in über 100 Städten bundesweit eine Filterpflicht für Holzöfen beantragt, darunter auch in Mainz und Wiesbaden.

Moderner Kaminofen. - Foto: Losch via Wikipedia
Moderner Kaminofen. – Foto: Losch via Wikipedia

Experten warnen bereits seit Jahren, dass mit den beliebten Holzöfen inzwischen wieder eine deutliche Feinstaubbelastung in Städte und Gemeinden zurückgekehrt ist. Die winzigen Rußpartikel sind hochgradig schädlich für Lunge, Herz und Gefäßsystem des Menschen, der Feinstaub aus Kaminöfen sei ähnlich schädlich wie Dieselruß, warnte das Umweltbundesamt schon 2019. Das Heizen mit Holz verursache deutlich größere luftverschmutzende Emissionen als andere Energieträger wie Heizöl oder Erdgas, heißt es bei der Umweltbehörde: Selbst im besten Falle stoße ein moderner Kaminofen in der Stunde etwa 500 Milligramm Staub aus – so viel wie rund 100 Kilometer Autofahren.

Kürzlich erst veröffentlichte nun die Weltgesundheitsorganisation WHO eine neue globale Leitlinie gegen Luftverschmutzung – und warnte dabei explizit vor den Gesundheitsgefahren durch Feinstaub: Die durch PM2,5 als auch PM10 ausgelösten Gesundheitsrisiken seien „für die öffentliche Gesundheit von besonderer Bedeutung“, warnt die WHO. Feinstaub entsteht aber in erster Linie durch Verbrennungsprozesse von Brennstoffen, darunter im Verkehr, in der Luftfahrt, der Energiewirtschaft, der Industrie, der Landwirtschaft, aber eben auch in Privathaushalten – und zwar durch Öfen. Die WHO kann sich dabei auf Grundlagenforschung unter anderem auch von Mainzer Wissenschaftlern stützen: Auch in Deutschland sei Feinstaub für mehr als 120.000 frühzeitige Todesfälle verantwortlich, ergab eine Studie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie Anfang 2019, die Quellen: vor allem die Landwirtschaft, aber auch Kaminöfen.

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Feinstaub in der Luft ist hochgradig gesundheitsschädlich - hier entstanden durch Silvesterfeuerwerk. - Foto: gik
Feinstaub in der Luft ist hochgradig gesundheitsschädlich – hier entstanden durch Silvesterfeuerwerk. – Foto: gik

„Luftschadstoffe aus Holzöfen sorgen für immense gesundheitliche Schäden und schränken die Lebensqualität vieler Bürger massiv ein“, sagte nun DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch, das zeigten mehrere hundert Zuschriften von Bürgern an die DUH. „Die neuen WHO-Empfehlungen offenbaren mehr als deutlich, dass die Feinstaubbelastung in deutschen Städten viel zu hoch ist“, betonte Resch weiter, und dazu trügen Holzöfen wesentlich bei. „Es kann nicht sein, dass Holzöfen im Jahr 2021 noch immer ohne wirksame Abgasreinigung betrieben werden dürfen“, kritisierte Resch: Städte und Gemeinden handelten daher „grob fahrlässig, wenn sie sich weiter hinter den laschen EU-Grenzwerten für Feinstaub verstecken und untätig bleiben.“

Die Deutsche Umwelthilfe beantragte deshalb vergangene Woche in mehr als 100 Städten bundesweit eine Filterpflicht für Holzöfen. Darunter seien alle deutschen Städte, in denen die Feinstaubbelastung laut Daten der Europäischen Umweltagentur die neuen Grenzwertempfehlungen der WHO überschritten, sowie Kommunen, die den Klimanotstand ausgerufen haben, teilte die DUH weiter mit. Zu letzteren gehören auch Mainz und Wiesbaden. Der EU-Feinstaubgrenzwert für PM 2,5 werde in Deutschland zwar überall eingehalten, allerdings sei er mit einem Jahresmittelwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter fünfmal so hoch wie die jüngste Empfehlung der WHO, die lediglich 5 Mikrogramm empfiehlt, argumentierte die DUH weiter – und die neue WHO-Zielvorgabe erreiche keine deutsche Kommune.

Offizielle Messstation für Stickoxide und Feinstaub in Mainz - direkt auf der Parcusstraße. - Foto: gik
Offizielle Messstation für Stickoxide und Feinstaub in Mainz – direkt auf der Parcusstraße und mit Fokus auf Verkehr. – Foto: gik

Dazu kommt: „Feinstaub-Messstellen stehen überwiegend an verkehrsreichen Straßen und in größeren Städten“, betonte Resch weiter, Holzöfen würden hingegen meist in Wohngebieten und kleineren Gemeinden betrieben, mit der Folge, dass die Belastung teils nicht vom offiziellen Messnetz erfasst werde. Die DUH startetet deshalb zusätzlich die Mitmach-Aktion „Kein Ofen ohne Filter“ Dabei sollen Bürger mittels individualisierter Musterschreiben beim Oberhaupt ihrer Kommune eine Filterpflicht für Holzöfen beantragen und auf besonders durch Holzrauch belastete Gebiete aufmerksam machen. Mit der Kampagne wolle man den Druck auf Städte und Gemeinden erhöhen, endlich wirksame Maßnahmen für saubere Luft in Wohngebieten umzusetzen.

Städte hätten bereits jetzt rechtliche Möglichkeiten, strengere Vorgaben für Holzöfen zu erlassen, argumentiert die DUH weiter – das zeige ein Gutachten der Berliner Kanzlei Geulen & Klinger, das die Umwelthilfe in Auftrag gegeben hatte. So können Städte und Gemeinden in Bebauungsplänen oder auf Grundlage von Landesimmissionsschutzgesetzen verschärfte Anforderungen einführen, die über den gesetzlichen Mindeststandard hinausgehen, heißt es weiter.

Feinstaub entsteht bei Brennvorgängen - hier ein Brand auf der Ingelheimer Aue in Mainz. - Foto: Feuerwehr Mainz
Feinstaub entsteht bei Brennvorgängen – hier ein Brand auf der Ingelheimer Aue in Mainz. – Foto: Feuerwehr Mainz

„Die im Feinstaub enthaltenen Rußpartikel heizen unseren Planeten auf und müssen deshalb zwingend in Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels adressiert werden“, betonte Axel Friedrich, internationaler Experte für Luftreinhaltung und Berater der DUH zudem. Gegen Feinstaub und Ruß aus Holzöfen gebe es bereits technische Lösungen, die jedoch bislang kaum zum Einsatz kämen: „Wirksame Filter oder Staubabscheider mindern die Partikel um 90 Prozent“, betonte Friedrich. Bei Kaminöfen mit dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ seien solche Filter bereits ab Werk mitgeliefert, allerdings seien Blaue-Engel-Öfen bislang kaum verbreitet. „Und auch in den über 11 Millionen bestehenden Öfen in Deutschland kommen Filter praktisch nicht zum Einsatz – das muss sich ändern“, betonte Friedrich.

Dabei müssen Kamine laut Bundesimmissionsschutzverordnung (BimschVGO) seit dem 31. Dezember 2014 strenge Grenzwerte von Feinstaub einhalten – theoretisch. Experten kritisieren hingegen, die Kaminhersteller tricksten bei der Zulassung ähnlich wie die Autobranche, indem erst dann gemessen werde, wenn der Kamin schon richtig schön durchgewärmt sei und deutlich weniger Feinstaub ausstoße als gerade in der Anfeuerphase. Spätestens bis 2025 müssen zudem auch alte Kaminöfen neue, strengere Grenzwerte einhalten und deshalb unter Umständen mit Filtern nachgerüstet werden – nur: Kontrolliert wird das nur alle paar Jahre. Eine Filterpflicht könnte daher die Belastung mit Feinstaubpartikeln deutlich senken – und Menschenleben retten, argumentiert die DUH.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Thema Problem beim Heizen mit Holt findet findet Ihr beim Umweltbundesamt hier im Internet. Die DUH-Kampagne „Kein Ofen ohne Filter“ samt aller Informationen und weiterführender Links findet Ihr hier im Internet. Die neuen Richtlinien der WHO könnt Ihr hier nachlesen.

 

1 KOMMENTAR

  1. Noch katastrophalere Dreckschleudern als Holzöfen sind offene Kamine, die nichts Anderes sind als Lagerfeuer mit einem Wirkungsgrad an Strahlungswärme von allenfalls 10%. Fast die gesamte Wärme geht zum Schornstein raus. Nicht ganz so schlimm sind geschlossene Kaminöfen, aber schlimm genug. Leider halten sich die Zündeler für Umweltschützer, weil sie nachwachsendes Holz aus Namibia, Brasilien und Rumänien verfeuern. Diese Rechnung geht aber erst in 100 Jahren auf, bis die Biomasse nachgewachsen ist. Mehr zum Thema unter http://www.lerchenberg-info.de/tipps/holz.htm

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