Die Landesgartenschau war eines der Themen des Mainzer Oberbürgermeister-Wahlkampfs, nun treibt Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) die Planungen voran: Mainz soll sich für die Austragung 2026 bewerben, eine Landesgartenschau könne „spürbare Anschubwirkung für die Stadtentwicklung auslösen“, betonte Ebling am Dienstag. Eine Machbarkeitsstudie ist bereits in Arbeit, Ende Januar fand ein Treffen mit rund 70 Vertretern der Gesellschaft statt – nun sind die Mainzer an der Reihe: Am heutigen Mittwoch startet die Bürgerbeteiligung, in Zeiten von Corona von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr als Online-Dialog. Die Opposition kritisiert derweil mangelnde Transparenz des Bewerbungsprozesses – die Linke schlägt gar ein Hochhaus samt senkrechtem Wald statt Tulpenbeeten am Rhein vor.

Das Römische Theater am Mainzer Südbahnhof im Juli 2017. - Foto: gik
Das Römische Theater am Mainzer Südbahnhof im Juli 2017. – Foto: gik

Es war im OB-Wahlkampf, als Ebling aus heiterem Himmel die Idee einer Landesgartenschau in Mainz in den Raum warf: Eine Landesgartenschau 2026 wäre „eine große Chance öffentliche Grün- und Naherholungsflächen in der Landeshauptstadt aufzuwerten, und dabei unser kulturelles Erbe stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken“, argumentierte Ebling. In den Fokus rückte Ebling dabei den Bereich von der Zitadelle über das Römische Theater am Südbahnhof bis hinunter an den Rhein und das dortige Rheinufer. Dort fänden sich viele Spuren aus der Römerzeit und dem Mittelalter, wenn es uns gelinge dieses historische Erbe mit attraktiven Grünflächen zu verbinden und weiterzuentwickeln, „dann wäre das ein großer Gewinn für unsere Stadt“, argumentierte er: Durch Mainz könne so „ein grünes Band der Kultur“ entstehen.

Die Skepsis war groß, die Grünen-OB-Kandidatin Tabea Rößner kritisierte, die Flächen gehörten ohnehin schon zum Grüngürtel der Stadt. Landesgartenschauen seien aber nicht dafür gedacht, bestehendes Grün aufzuhübschen, sondern Konversionsflächen in lebedinge Quartiere zu verwandeln – in Mainz etwa die GFZ-Kaserne. Den Mainzern drohe zudem eine zweijährige Umbauphase mit Sperrung des Rheinufers und anderer Grünanlagen, danach müssten sie Eintrittsgelder während der sechs Monate währenden Schau bezahlen, und das auf den wichtigsten und wenigen Naherholungsflächen der Innenstadt.

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Die Mainzer Zitadelle mit dem Prominentenweinberg zu Füßen - und durchaus grünem Umfeld. - Foto: gik
Die Mainzer Zitadelle mit dem Prominentenweinberg zu Füßen – und durchaus grünem Umfeld. – Foto: gik

Das Bewerbungsverfahren verzögerte sich zunächst wegen der Corona-Pandemie, im Juni 2020 verlängerte das Land die Bewerbungsfrist um ein Jahr, daraufhin gab Ebling die Vorbereitung der Bewerbungsunterlagen beim Mainzer Bauamt in Auftrag. Der Untersuchungsbereich umfasse das Rheinufer entlang der Innenstadt, dem Regierungsviertel sowie dem Rathaus-Umfeld, zudem den Bereich Winterhafen, den Grüngürtel einschließlich der Zitadelle und dem Römischen Theater. „Neben den ökologischen Belangen und der Schaffung einer attraktiven und lebenswerten Umwelt werden das kulturelle und historische Erbe der Landeshauptstadt im besonderen Fokus stehen“, sagte Ebling: „Die Austragung der Landesgartenschau wäre ein großer Gewinn für unsere Stadt.“

Im September 2020 beauftragte die Stadt dann das Planungsbüro HNW Landschaftsarchitekten (Homeister|Neumann|von Weymarn PartGmbB) aus Hildesheim mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie, um Chancen und Risiken zu untersuchen. Zudem plant die Stadt zwei Werkstattgespräche, von denen eines bereits Ende Januar stattfand: Rund 70 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Zivilgesellschaft und Verwaltung diskutierten dabei Ziele und Planungsräume einer Landesgartenschau sowie Handlungsfelder und Perspektiven der langfristigen Stadtentwicklung von Mainz, heißt es von Seiten der Stadt. Bis Ende Mai 2021 sind eine Bürgerinformation und ein weiteres Werkstattgespräch geplant.

Auch der Mainzer Winterhafen wird bei den Überlegungen für eine Landesgartenschau 2026 in Mainz geprüft. - Foto: gik
Auch der Mainzer Winterhafen wird bei den Überlegungen für eine Landesgartenschau 2026 in Mainz geprüft. – Foto: gik

An diesem Mittwoch nun lädt der OB die Mainzer Mainzer ein, sich bei den Planungen zu beteiligen: „Ausdrückliches Ziel des Bewerbungsverfahrens ist es, die Bewerbung für die Landesgartenschau von Beginn an durch einen breiten Stadtdialog begleiten zu lassen“, betonte Ebling in der Ankündigung, in einem Text auf der Homepage der Stadt Mainz betont Ebling zudem: „Nur wenn wir alle es wollen – und damit meine ich die politischen Entscheidungsträger ebenso wie die Bürger von Mainz –, reichen wir unsere Bewerbungsunterlagen fristgerecht bis zum 15. Oktober nächsten Jahres ein.“

Zu Beginn der Veranstaltung wird das Büro HNW Landschaftsarchitekten den aktuellen Planungsstand für die Austragung der Landesgartenschau in Mainz vorstellen, danach hätten alle Bürgern die Möglichkeit, sich zu äußern und zu diskutieren. Die Ideen und Meinungen der Bürger seien „von besonderer Bedeutung, damit die Landesgartenschau einen effektiven Beitrag zur Stadtentwicklung leistet und eine Veranstaltung der gesamten Bürgerschaft von Mainz wird“, betonte Ebling. Anregungen und Wünsche seien willkommen, ebenso Fragen zu stellen und seine Meinung zu äußern. „Alles ist offen, nichts festgelegt, jeder darf zu Wort kommen“, sagte Ebling.

Auch die Rheinpromenade vor dem Rathaus gehört zu den möglichen Flächen. - Foto: gik
Auch die Rheinpromenade vor dem Rathaus gehört zu den möglichen Flächen. – Foto: gik

Von Seiten der Opposition im Mainzer Stadtrat herrscht weiter große Skepsis, die ÖDP wollte bereits in der Stadtratssitzung am 12. Februar 2020 wissen, wann der Oberbürgermeister denn die städtischen Gremien zu informieren gedenke, wann ein Grundsatzbeschluss für oder gegen eine Landesgartenschau gefasst werden solle und wie hoch die Kosten der derzeitigen Bewerbungsvorbereitungen seien. Vor allem wollte die ÖDP aber auch wissen, ob die Stadt denn überhaupt auch andere Grünflächen ob ihrer Eignung geprüft habe, etwa die Grünflächen um das Kurfürstliche Schloss oder auch Flächen in den äußeren Stadtteilen – und wenn nein, warum nicht?

Die Antwort der Stadtverwaltung lautet bis heute: Man konzipiere derzeit das weitere Vorgehen, die Fragen könnten derzeit leider noch nicht beantwortet werden – die Kosten für das Bewerbungsverfahren wurden aber im Juli 2020 auf „unter 100.000 Euro“ beziffert. Die ÖDP, aber auch die CDU-Opposition kritisierten daraufhin den mangelhaften Informationsfluss und fehlende Transparenz. CDU-Fraktionschef Hannsgeorg Schönig betonte zugleich aber auch, er könne sich eine Landesgartenschau in Mainz gut vorstellen: „Wenn das Konzept schlüssig ist und die Kosten abgebildet werden können, könnte Mainz von einer Landesgartenschau profitieren“, sagte Schönig im Februar 2020, ein Konzept müsse sowohl die Zitadelle, als auch das römische Theater sowie weitere bedeutende Tourismusorte im Stadtgebiet einbeziehen.

Ein begrünter Wohnturm mit vertikalem Wald - so stellt sich die Mainzer Linke eine Bewerbung für die Landesgartenschau 2026 vor. - Foto: Linke Mainz
Ein begrünter Wohnturm mit vertikalem Wald – so stellt sich die Mainzer Linke eine Bewerbung für die Landesgartenschau 2026 vor. – Foto: Linke Mainz

Die Mainzer Linke machte hingegen nun ein völlig anderen Vorschlag: „Think big“, fordert Linken-Stadtrat und Ex-OB-Kandidat Martin Malcherek – die Stadt müsse „groß denken und Mittelmäßigkeit vermeiden, um Klimaschutz und der Verbesserung des Wohnumfeldes gerecht zu werden.“ Die Linke schlage deshalb den Bau eines begrünten Hochhauses nach Vorbild des „Bosco verticale“ in Mailand vor, ein solches Hochhaus könnte über der Anna-Seghers-Bücherei am Hauptbahnhof entstehen. „Eine Landesgartenschau am Puls der Zeit muss sich mit der Frage auseinandersetzen, wie Stadtbegrünung und Wohnungsbau verbunden werden können“, betonte Malcherek: „Die Zukunft für Mainz liegt im Himmel. Statt Wachstum in die Fläche und entsprechender Versiegelung sollte sich Mainz den Bau begrünter Hochhäuser überlegen.“

Die aktuell diskutierten Entwürfe sähen hingegen „die Aufwertung bereits begrünter Flächen vor, die sich noch dazu größtenteils in der Nachbarschaft privilegierter Wohnlagen befinden“, kritisiert die Linken-Stadtratsfraktion weiter. Neue Impulse würden so weder für Mensch noch Natur gesetzt, angesichts von Klimakatastrophe und Artensterben sei das „eine Bankrotterklärung“ der Stadt. „Großflächig angelegte Tulpenbeete wären – nicht nur aus umweltschützerischer Sicht – eine Horrorvision“, betonte Malcherek. Die Landesgartenschau dürfe zudem „nicht dazu führen, dass dringend benötigte Flächen der Naherholung gesperrt oder nur gegen Eintritt zugänglich sind“, betonte die umweltpolitische Sprecherin Carmen Mauerer. Vor allem die Lebensqualität von Menschen in beengten Wohnverhältnissen würde dies massiv beeinträchtigen.

Die Kaiserstraße untertunneln und zu einer grünen Oase machen? das schlägt die Mainzer Linke vor. - Foto: gik
Die Kaiserstraße untertunneln und zu einer grünen Oase machen? das schlägt die Mainzer Linke vor. – Foto: gik

Ein grüner Wohnturm mit einem senkrechten Wald auf seiner Fassade könne „auf einen Schlag bis zu 250.000 Quadratmeter nutzbare Fläche schaffen, ohne einen Quadratmeter neu zu versiegeln“, argumentierte Malcherek, das entspreche rund 1.666 Einfamilienhäusern. Die Begrünung helfe dem Mikroklima ebenso wie dem Artenschutz und der Bindung von Feinstaub. „Im Turm könnten während der LGS bahnhofsnah ein Besucherzentrum und Ausstellungsflächen eingerichtet, der Turm danach einer kulturellen und Wohnnutzung zugeführt werden“, argumentierte Malcherek weiter. Der Eingriff ins Stadtbild sei nur gering, weil die Skyline bereits von den Bonifaziustürmen in der Nachbarschaft geprägt werde. Ein solcher Turm „wäre ein Leuchtturmprojekt mit touristischer Strahlkraft“, fügte Malcherek hinzu.

Mauerer schlug zudem eine Untertunnelung der Kaiserstraße vor, um lärm- und schmutzreichen Verkehr so zu lenken, dass die Wohnqualität deutlich erhöht werde. „Während der Verkehr unter Tage fließt, kann die Kaiserstraße großflächig begrünt und ihrer ursprünglichen Bestimmung als Boulevard wieder zugeführt werden“, betonte Mauerer, so könnten auch neue Verbindungsachsen zwischen Alt- und Neustadt geschaffen, die bereits bestehenden Parkanlagen zu einem Großstadtdschungel verbunden werden, in dem natürlich auch Spielplätze, Ausstellungen und ein Weinstand nicht fehlen dürften. „Wieso nicht Visionen skizzieren und daran arbeiten, dass Utopien Wirklichkeiten werden?“, fügte Mauerer hinzu.

Info& auf Mainz&: Die Bürgerbeteiligung in Sachen Landesgartenschau 2026 in Mainz findet am Mittwochabend von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr statt, pandemiebedingt als Online-Veranstaltung über den Videodienst Zoom. Die Zugangsdaten und eine Kurzanleitung zur Benutzung sind ab 17.00 Uhr unter www.mainz.de/landesgartenschau2026 zu finden. Die ersten Ideen und Vorstellungen zur Landesgartenschau in Mainz haben wir hier auf Mainz& berichtet. Mehr zu den Vorstellungen der Linken lest Ihr hier im Netz.

2 KOMMENTARE

  1. Die historische Vergangenheit wurde in Mainz noch nie gepflegt. Jetzt ist ohnehin nichts mehr zu retten. Und den Zuschlag für eine Gartenschau wird Mainz mit keiner der angedachten Fragmentierungen gewinnen. Alles nicht mehr als Geldverschwendung für heiße Luft.
    Anregung: Das als Steinbruch missbrauchte römische Aquädukt rekonstruieren. Noch gibt es freie Randflächen, die bereits zur Bebauung freigegeben sind. Mit einer Stadtentwicklung nach Investorengunst beraubt sich Mainz des Restes seiner Würde.

  2. Sehr schön, aber …. kein Wort von Seiten der Verantwortlichen zu den Besucherströmen. Kommen die alle mit dem ÖPNV? Kein Konzept die Besuchermassen mit ihren Autos (siehe Bingen) in die richtigen Bahnen zu lenken. Kein P&R System, welches nicht nur dafür dringend notwendig wäre. Ist da Frau Eder eingebunden und zeigt sie dafür Akzeptenz? Noch besser – ist sie zu Änderungen bereit? Das wiederspräche ja all ihren Bemühungen ihrer Antiauto Ideologie. Sollte die Situation rund um den Verkehrsfluß und den Baustellen in und um Mainz so bleiben wie sie ist, dann gute Nacht Mainz. Ende der Bewerbung.

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