Die Linke in Mainz tritt mit Martin Malcherek zur OB-Wahl an – und das bereits zum zweiten Mal: Schon 2019 hatte der Rechtsanwalt und Linken-Stadtrat bei der OB-Wahl seinen Hut in den Kandidaten-Ring geworfen, nun kandidiert der heute 49-Jährige erneut. „Ich habe richtig Lust, ich möchte tatsächlich OB werden“, betonte Malcherek bei seiner Vorstellung am Dienstag: Er wolle mit linken Themen frischen Wind in die Stadtpolitik bringen, und sehe es als großen Vorteil, nicht in die Machtstrukturen der Ampel-Koalition eingebunden zu sein.

Steigt erneut in den OB-Wahlkampf ein: Martin Malcherek, Stadtrat der Linken. - Foto: gik
Steigt erneut in den OB-Wahlkampf ein: Martin Malcherek, Stadtrat der Linken. – Foto: gik

Malcherek ist in Mainz kein Unbekannter, er gehöre in Sachen Kommunalpolitik schon fast zu den „alten Hasen“, scherzte der Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Verwaltungsrecht am Dienstag bei seiner Vorstellung. Im Mainzer Stadtrat ist er zwar erst seit der Kommunalwahl im Mai 2019 ordentliches Mitglied, Malcherek mischt aber schon länger in der Kommunalpolitik mit: So kandidierte er schon 2017 für die Linken bei der Bundestagswahl als Mainzer Direktkandidat, 2019 dann trat er als OB-Kandidat an, unterlag aber bereits in der ersten Runde mit gerade einmal 2,8 Prozent der Stimmen.

Trotzdem will Malcherek es nun noch einmal wissen: Im Rennen um die überraschende OB-Wahl ist er nun Kandidat Nummer sieben. Von Seiten der Linken ist die Begründung praktisch dieselbe wie vor drei Jahren: „Wir haben uns das Kandidatenfeld sehr genau angeschaut“, sagte Nikos Mertens vom Kreisverband der Linken: „Keiner der Kandidaten vertritt originär linke Themen und verknüpft sie mit der Klimafrage“, deshalb habe man sich entschieden, selbst einen Kandidaten ins Rennen zu schicken.

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Malcherek wurde 1973 in München geboren und wuchs im rechtsrheinischen Mainz-Kostheim auf, der überzeugte Waldorfschüler studierte erst Philosophie, Geschichte und Literatur in Frankfurt/Main, Berlin und Dornach in der Schweiz, und dann Jura in Mainz.

Philosoph mit Buch:_ So posierte Malcherek im Bundestagswahlkampf 2017. - Foto: Linke
Philosoph mit Buch:_ So posierte Malcherek im Bundestagswahlkampf 2017. – Foto: Linke

Dass Malcherek erneut mit einer Kandidatur liebäugelte, war kein Geheimnis: „Die Lust war die ganze Zeit da, mir macht ein Wahlkampf sehr viel Spaß – aber es muss ja auch geerdet sein“, sagte Malcherek am Dienstag. Nun stehe die Partei der Linken sehr geschlossen hinter ihm. Alle Parteiebenen hätten sich für den Wahlkampf mit Malcherek ausgesprochen, betonte Mertens, die Partei habe Lust auf den Wahlkampf. „Es ist sehr relevant, dass man für seine eigene politische Richtung brennt, und Ideen in den Wahlkampf einbringt“, fügte er hinzu.

„Ich trete nicht an, weil ich erwarte, dass die Linke einen erdrutschartigen Sieg erringt“, sagte Malcherek selbst, und betonte zugleich: „Aber ich möchte tatsächlich OB werden, ich kann mir wirklich vorstellen, den Job zu machen.“ Er habe sich erst einmal die anderen Kandidaten ansehen wollen, sagte Malcherek weiter auf die Frage, warum er so spät kandidiere: „Als ich gesehen habe, dass die Leute da so zögerlich drangegangen sind, da habe ich gedacht: das hat Mainz nicht verdient – haben die alle keine Lust?“

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Malcherek spielte damit vor allem auf die lange Kandidatensuche bei SPD und Grünen an: Nach der überraschenden Berufung des bisherigen Oberbürgermeisters Michael Ebling (SPD) zum Innenminister von Rheinland-Pfalz am 13. Oktober, hatte als erstes die CDU am Montag darauf Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz als ihre Kandidatin benannt, einen Tag später folgte die Kandidatur von Nino Haase als parteilosem Kandidaten. Die SPD brauchte eine volle Woche, um Mareike von Jungenfeld zu nominieren, die Grünen präsentierten gar erst nach vollen zwei Wochen Christian Viering als ihren OB-Kandidaten.

Noch ist der Amtsessel im Mainzer Stadthaus leer - um den Thron bewerben sich nun inzwischen gleich sieben Kandidaten. - Foto: gik
Noch ist der Amtsessel im Mainzer Stadthaus leer – um den Thron bewerben sich nun inzwischen gleich sieben Kandidaten. – Foto: gik

Nach den Kandidaten der FDP sowie der Satirepartei „Die Partei“ ist Malcherek nun Kandidat Nummer sieben. Er sehe Chancen darin, dass es dieses Mal eben keinen Amtsinhaber gebe, und keinen Zweikampf mit einem Herausforderer wie Nino Haase wie 2019, sagte Malcherek weiter: „Mir ist wichtig zu sagen: Es ist noch nichts entschieden, das ist ein echter Wahlstreit der Ideen.“

Es gebe auch in Mainz Menschen, die sich gerne zu Wort melden und kommunalpolitisch einbringen würden, aber bisher die Politik als „abgeschottet und abgegrenzt“ erlebten. „Es gibt eine Ignoranz der Macht“, die wolle er aufbrechen, betonte Malcherek weiter: „Mir ist wichtig, dass zum Tragen kommt: man kann hier noch mitreden – und es ist nicht abgekartet, wer in die Stichwahl kommt.“ Er wolle Ideen und Initiativen vernetzen, und frischen Wind in die Stadtpolitik bringen.

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„Ich sehe bei mir den großen Vorteil, dass ich kommunalpolitisch verankert bin, dass wir aber nicht Teil der Ampel sind“, betonte der Linken-Stadtrat. In der Ampel führe „die gegenseitige Rücksichtnahme dazu, dass sich nichts tut“, das Nicht-Eingewobensein in Machstrukturen sehe er als Vorteil. „Wir haben klare linke Themen, die aber nicht durchgeknallt sind, sondern gut angebunden an die Stadtpolitik“, unterstriche Malcherek.

Themen: Wohnen, Klimaschutz, Mainzer Schlachthof

Martin Malcherek bei seiner Kandidatur für die OB-Wahl 2019: Auch damals war Wohnen eines seiner wichtigsten Themen. - Foto: gik
Martin Malcherek bei seiner Kandidatur für die OB-Wahl 2019: Auch damals war Wohnen eines seiner wichtigsten Themen. – Foto: gik

Inhaltlich wolle er seine Akzente vor allem bei vier Themen setzen, kündigte Malcherek an: Bezahlbares Wohnen, eine Stärkung des ÖPNV zur Verringerung des Individualverkehrs, Klimaschutz und Umwelt sowie das Thema eines „Mainzer Schlachthofs“ als Kulturzentrum für Nachwuchsbands. „Wir brauchen eine Bodenbevorratung zum Zweck des Wohnens“, forderte Malcherek: Neue Wohnungsbauten dürften nicht länger „entstehen, um aus Geld noch mehr Geld zu machen“, sondern müssten mit einer festen Preisbindung belegt werden, damit wirklich günstiger Wohnraum entstehe.

Zweitens müsse Mainz deutlich besser für die Folgen des Klimawandels gerüstet werden, dazu gehöre für ihn auch, dass ein Zubauen der Kaltluftschneisen wie an der Saarstraße nicht in Frage komme. „Wir müssen Alternativen zu den Flächen an der Saarstraße für Biotechnologie-Ansiedlungen suchen“, forderte Malcherek. Zudem brauche es eine Verkehrswende, und das heiße für ihn vor allem, den Öffentlichen Nahverkehr zu stärken.

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„Wir müssen den Individualverkehr zurückdrängen, aber nicht mit Verboten, sondern mit so attraktiven Angeboten, dass die Leute das Auto stehen lassen“, forderte er. Verkehr, der nicht notwendig sei, müsse von der Straße, es gebe aber eben auch Menschen, die seien auf das Auto angewiesen weil sie alt seien, krank oder eben im Schichtdienst arbeiteten. „Ich bin nicht autofahrerfeindlich“, betonte Malcherek, „wer das Auto braucht, muss es auch nutzen können – und nicht erst zwei Kilometer dafür laufen müssen.“

Attraktiver Nahverkehr Dank Mainzer 9-Euro-Ticket

Mit Marx und Rock: Martin Malcherek 2019 im OB-Wahlkampf in Mainz. - Foto: gik
Mit Marx und Rock: Martin Malcherek 2019 im OB-Wahlkampf in Mainz. – Foto: gik

Die Lösung sei ein attraktiver Nahverkehr – und ein Neun-Euro-Ticket: „Ich will das kommende 49-Euro-Ticket auf ein Mainzer Neun-Euro-Ticket herunterdampfen – mit städtischen Mitteln“, kündigte Malcherek an. In Ingelheim werde das bereits gemacht, es gebe keinen Grund, warum Mainz das nicht auch schaffen können solle. „Jedes Auto, das nicht fährt ist für alle ein Gewinn“, fügte er hinzu.

Ein weiteres Herzensthema sei für ihn die Schaffung eines kulturell-musikalischen Zentrums analog zum Wiesbadener Schachthof: „Was Wiesbaden da hat, ist ein immenser Gewinn, es ist ein Zentrum geschaffen worden mit Probenräumen, dem Kesselhaus, und weiteren Elementen ringsum, das die regional-lokale Szene stärkt“, schwärmte Malcherek, der selbst in einer Band tätig spielt: „Dort ist eine Szene entstanden, in der sich Jugendliche, aber auch Ältere wohlfühlen.“ So etwas brauche Mainz dringend auch, um die hiesige kreative Musikszene zu stärken – die wandere derzeit eher mangels Möglichkeiten ab: „Da ist eine Riesenlücke, das finde ich für eine Landeshauptstadt relativ arm“, betonte er.

Info& auf Mainz&: Mehr zu Martin Malcherek und seinen politischen Ideen könnt Ihr ausführlich hier im Mainz&-Interview von 2019 nachlesen. Alles zum aktuellen OB-Wahlkampf, zu allen Kandidaten und Hintergründen findet Ihr hier in unserem großen Mainz&-Dossier.

 

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