Am Dienstag ist es so weit: Jedes Jahr am 2. Januar zeichnet die Mainzer Ranzengarde auf ihrem Großen Musikalischen Generalappell eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens aus, die sich mit Humor und Lebensfreude als Botschafter der Mainzer Fastnacht verdient gemacht hat. Nun steht der Preisträger für 2024 fest: Es ist der Mainzer Kardiologe Thomas Münzel. Münzel war fast 20 Jahre lang als Kardiologe in Mainz tätig, er habe nicht nur die Herzen vieler Menschen gerettete, sondern sie auch erobert, teilte die Ranzengarde nun mit: „Er ist nah bei de‘ Leut‘, sein Herz schlägt meenzerisch.“

Die Mainzer Ranzengarde im Rosenmontagszug mit Dom. - Foto: gik
Die Mainzer Ranzengarde im Rosenmontagszug mit Dom. – Foto: gik

Die Mainzer Ranzengarde ist die älteste Mainzer Garde und somit eine Institution der Mainzer Fastnacht. Gegründet wurde sie bereits 1837, eigentlich als Parodie auf die „Langen Kerle“ des preußischen Königs Fritz. Ihr Gründer war der Mainzer Unternehmer und Politiker Johann Maria Kertell, und dessen Idee, eine Fastnachtsgarde zu gründen, war damals richtiggehend revolutionär – die Preußen verstanden bei Parodien wenig Spaß.

1837 war erstmals eine Art Narrenumzug, der „Krähwinkler Landsturm“ durch das Mainzer Narrentreiben marschiert, ein Jahr später ließ Kertell an Fastnachtssonntag 1838 zum ersten Mal die Mainzer Ranzengarde aufmarschieren: „Beeindruckende 37 Mann stark, überwiegend brave Handwerker, aber auch Geschäftsleute“, vermerkt die Chronik der Mainzer Ranzengarde: „Allen voran hoch zu Ross der schon kränkelnde 67-jährige Kertell als ‚General Edler von Seuffenkessel‘.“

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Ranzengardebrunnen, Narrenfreiheit, Oskar der Fastnacht

Die freche Parodie auf die „Langen Kerls“ von König Friedrich von Preußen zeigt sich bis heute in ihren Statuten: Aufnahmebedingung bei der Ranzengarde ist ein Mindestgewicht von zwei Zentnern und ein Leibesumfang von mindestens sechs Fuß – das sind rund 1,50 Meter Umfang. „Das konnte selbst im Gründungsjahr nicht jeder Gardist vorweisen, und half mit Kissen oder Stroh unter der Uniform nach“, vermerkt die Chronik der Garde. „Ranzen“ ist im Meenzerischen das Wort für eine dicke Wampe, und genau das ist bis heute das Markenzeichen der Ranzengarde.

Der Generalfeldmarschall der Mainzer Ranzengarde, Thomas Thelen, mit dem Ranzengardebrunnen vor dem Proviantamt. - Video:_ Ranzengarde, Screenshot: git
Der Generalfeldmarschall der Mainzer Ranzengarde, Thomas Thelen, mit dem Ranzengardebrunnen vor dem Proviantamt. – Video:_ Ranzengarde, Screenshot: git

Klar, dass die Ranzengarde auch ihr eigenes Denkmal in Mainz hat: den Ranzengardebrunnen. Die Figur eines dickbäuchigen, Wasser speienden Ranzengardisten wurde von der Künstlerin Liesel Metten gefertigt und steht seit 2004 vor dem Eingang des Proviantamtes. Ein Jahr später wurde das humorvolle Denkmal dann sogar selbst zum Preis: Seit 2005 verleiht die Mainzer Ranzengarde im Rahmen ihres Großen Musikalischen Generalappells den „Ranzengardisten“ – verliehen wird eine Mini-Bronze-Figur des Ranzengardebrunnens.

Diesen „Oskar der Mainzer Fastnacht“ haben schon so illustre Persönlichkeiten wie Kardinal Karl Lehmann, Ex-ZDF-Intendant Markus Schächter, natürlich auch Margit Sponheimer und 2023 Mainz 05-Manager Christian Heidel. „Sie alle stehen dafür, Lebensumstände kritisch zu beleuchten und klare Ziele zu formulieren“, erklärte Generalfeldmarschall Thomas Thelen einmal bei der Preisverleihung: „So entspricht es der Tradition unseres Mainzer Karnevals und der freien Meinungsäußerung.“

Kardiologe Thomas Münzel: Fluglärm-Fighter und Hüter der Herzen

Verliehen wird der Preis immer am 2. Januar, nun steht fest, wer ihn am 2. Januar 2024 entgegen nehmen darf: Der Mainzer Medizinprofessor und Kardiologe Thomas Münzel erhält den 13. Ranzengardebrunnen. Der gebürtige Badener Münzel kam 2004 als Professor an die Universitätsklinik in Mainz und wurde Ärztlicher Direktor der 2. Medizinischen Klinik und Poliklinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin. Im Herbst 2023 ging Münzel als Chef der Mainzer Kardiologie in den Ruhestand.

Der Mainzer Kardiologe Professor Thomas Münzel erhält den 13. Ranzengardisten-. - Foto: Unimedizin/Pulkowski
Der Mainzer Kardiologe Professor Thomas Münzel erhält den 13. Ranzengardisten. – Foto: Unimedizin/Pulkowski

In seinen zwei Jahrzehnten in Mainz habe Münzel „Meilensteine gesetzt“, begründet die Mainzer Ranzengarde nun die Ehrung: „Als Professor für Kardiologie und Angiologie war er unermüdlicher Antreiber in der medizinischen Praxis, Forschung und Lehre an der Mainzer Uniklinik.“ Münzel ist einer der Initiatoren der Gutenberg-Gesundheitsstudie, eine der weltweit größten ihrer Art, die in einem Langzeitprojekt den Gesundheitszustand der Bürger im Rhein-Main-Gebiet erforscht.

Nachdem die Nordwestlandebahn in Frankfurt gebaut wurde, und die landenden Flieger bei Ostwind nun unmittelbar über das Dach der Mainzer Uniklinik dröhnten – und ausgerechnet auch über die Kardiologie – rief Münzel einen völlig neuen Forschungsbereich ins Leben: die Lärmwirkungsforschung. In zahlreichen Studien konnten Münzel und sein Team nachweisen, dass Fluglärm und insbesondere nächtlicher Lärm den menschlichen Organismus erheblich schädigt, und dass gerade auch Fluglärm oxidativen Stress erzeugt, der Gefäße schädigt und sogar Genveränderungen zur Steuerung von Zellen auslöst.

Initiator von Gutenberg-Gesundheitsstudie und Herz-Stiftung

„Lärm ist nicht etwas, was uns nur nervt, sondern ein signifikanter Faktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, stellte Münzel klar, und wies bereits 2013 nach, dass nächtlicher Fluglärm auch bei gesunden Menschen erheblich erhöhte Pegel des Stresshormons Adrenalin auslöst und die Schlafqualität sinkt. Damit kämpfe Münzel für mehr Lebensqualität in Mainz und der Umgebung, lobte die Ranzengarde. Dazu ist Münzel Initiator der erfolgreichen „Stiftung Mainzer Herz“, die in den siebzehn Jahren ihres Bestehens Millionenbeträge für karitative und Forschungszwecke sammelte.

Thomas Münzel auf dem Dach der Mainzer Universitätsmedizin mit einer von ihm initiierten Fluglärm-Messstation. - Foto: gik
Thomas Münzel auf dem Dach der Mainzer Universitätsmedizin mit einer von ihm initiierten Fluglärm-Messstation. – Foto: gik

„Und nicht zu vergessen: Thomas Münzel hat vielen Menschen in schweren, teils lebensbedrohlichen Situationen als Arzt und Mensch geholfen“, lobt die Garde: „Tatkraft und Lebensfreude zeichnen ihn aus, er ist nah bei de‘ Leut‘, sein Herz schlägt meenzerisch.“

Münzel sei deshalb ein „verdienter Preisträger des Ranzengardisten in der Kampagne 2024.“ Die Ehrung erfolgt nun am 2. Januar 2024 im Rahemn des Generalappells durch den Generalfeldmarschall der Ranzengarde, Thomas Thelen, und Garde-Präsidenten Lothar Both. Die Laudatio auf den zu Ehrenden wird Christian Heidel, Sportvorstand von Mainz 05 und Preisträger des Vorjahres, halten.

Info& auf Mainz&: Ein Porträt der Mainzer Ranzengarde und ihrer vielfältigen, oft karitativen Aktivitäten findet Ihr hier bei Mainz&.