Er war fraglos eine prägende Figur in Mainz in den vergangenen Jahrzehnten: Rainer Laub, früherer Sitzungspräsident des Mainzer Carnevals-Verein (MCV) und von „Mainz bleibt Mainz“ und Geschäftsführer der Mainzer Wohnbau in Blütezeit und Krise. Rainer Laub prägte den MCV und die Mainzer Fastnacht, und er baute Mainz buchstäblich mit auf – bis er die Wohnbau auch durch seine Persönlichkeit und seine Verstrickungen tief in die Krise führte und selbst tief in die Krise geriet. Am Montag ist Rainer Laub mit nur 67 Jahren an einem Krebsleiden gestorben.

Porträtbild Rainer Laub - Foto Bistum Mainz
Rainer Laub auf einem Foto des Bistums Mainz

Das bestätigte nun der MCV, der um seinen langjährigen Sitzungs- und Ehrenpräsidenten trauert. Mit Laub verliere der MCV „eine Persönlichkeit, die maßgeblich an der Entwicklung und dem Erfolg des MCV und seinen Sitzungen beteiligt war“, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung. Laub, der am 1. Juli 1947 als Meenzer Bub geboren wurde, trat 1982 in den MCV ein, war Chef des Protokolls und von 1984 bis zur Kampagne 2006 dessen Sitzungspräsident. Damit einher ging in der Zeit der rotierenden Sitzungspräsidenten auch, dass Laub immer wieder auch die Präsidentenschelle bei der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ schwang und mit seinem typischen Meenzer Humor durch die Sitzung führte.

Laubs Premiere 1990 bei der Fernsehsitzung „als Nachfolger von Rolf Braun war auch mein erster Auftritt bei der TV-Fastnacht“, erinnerte sich nun der MCV-Redner Alexander Leber. Laub habe sich „immer als Aktiver unter den Aktiven verstanden“ und habe nie eine herausgehobene Position gewollt, nur weil er Sitzungspräsident war. „Er genoss bei allen Aktiven hinter der Bühne stets hohes Ansehen“, sagt Leber.

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Doch einem breiten Publikum wurde Laub 2009 bekannt, weil unter seiner Ägide als Geschäftsführer der Mainzer Wohnbau eben jenes Unternehmen erheblich in die Schieflage geriet. 800 Millionen Euro Verbindlichkeiten tauchten auf einmal auf – die Wohnbau war Pleite, der Abgrund tief. Der Grund: Die Wohnbau hatte jahrzehntelang gebaut, was das Zeug hielt: das Proviantamt mit Luxuswohnungen bestückt, die Glaskuppel aufs Theater gesetzt, am Südbahnhof das neue Geschäftszentrum gebaut – und die Markthäuser mit italienischem Stararchitekten.

Rainer Laub als Vorsitzender des Dombauvereins
Rainer Laub (l.) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Dombauvereins bei einer Aktion mit Kardinal Karl Lehmann – Foto: Bistum Mainz

Tatsache war aber auch: Laub erfüllte willig die Wünsche der Politik, insbesondere von Bürgermeister und Bauderzernent Norbert Schüler (CDU). Als Laub 2009 urplötzlich von seinem Posten zurücktrat, offenbarte sich ein wahrer Sumpf an Verflechtungen, Vergünstigungen und gegenseitigem Wohlwollen – der Begriff Handkäs-Mafia machte die Runde. Denn Laub hatte freigiebig eingeladen: Zu einer Reise nach Capri, an den Tegernsee, zu den Festspielen Bregenz. Der Eingeladene: meist Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD).

Wahlplakat Handkäs-Mafia
Plakat der Grünen im Kommunalwahlkampf zur Handkäs-Mafia – Foto: gik

Selbst die damalige CDU-Fraktionschefin Andrea Litzenburger sprach fassungslos von „Dingen, die unter der Oberfläche brodelten“ – zu dem System des Gebens und Nehmens kam auch noch ein ziemlich gründliches Missmanagement. Die Wohnbau hatte seit 2005 tiefrote Zahlen geschrieben. 2009 musste der Stadtrat einen Rettungsschirm von 300 Millionen Euro aufspannen, verkaufte rund 2.800 rechtsrheinische Wohnungen und zerschlug schließlich die Wohnbau.

Laub musste sich schließlich vor dem Koblenzer Landgericht wegen Untreue in neun Fällen verantworten – neben den Reisen war das auch ein Darlehen an den Fußballclub Mainz 05 für den Bau einer VIP-Tribüne, das nicht abgesichert war. Am Ende sprach das Gericht gerade auch deswegen Laub in vier Fällen der Untreue schuldig und verurteilte ihn zu einer Strafe von 24.000 Euro. Und der Richter las den Stadtverantwortlichen von Mainz die Leviten, sprach von „intransparenten Entscheidungsstrukturen“ und bedenklichem Handeln hart an der Grenze zur Schattenwirtschaft.

Laub selbst sagte bei der Urteilsverkündung, „wir machen’s, wir helfen – das war mal in Mainz ein Markenzeichen.“ Doch vor allem sei für ihn nicht nachvollziehbar, „dass ich ganz allein hier sitze.“ Politik und Medien, sie hätten ihn zum Sündenbock gemacht, wetterte Laub, denn: „Alle haben’s doch gewusst.“ Der Skandal um die Wohnbau, der medienwirksame Prozess – für Rainer Laub waren das Einschnitte, von denen er sich nie mehr richtig erholte.

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