Die Mainzer Radwege gehören nicht zu den besten, gerade erst setzte der ADAC bei einem Radwegetest die Mainzer Anlagen bundesweit auf den letzten Platz  – der Automobilclub ist nicht der einzige: Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC bescheinigte Mainz im April 2019 eine mangelhafte Radwegestruktur. Der ADAC rügte bei seinem Test insbesondere auch den Zustand der Oberflächen sowie Engstellen und Hindernisse etwa auch durch Bäume, wucherndes Grün und nicht zurückgeschnittene Büsche. Genau hier setzt nun ein Forschungsprojekt der (Fach)Hochschule Mainz an: Das Projekt AllRad soll erforschen, wie durch eine bessere Unterhaltung des Radwegenetzes eine Steigerung der Fahrradnutzung im Alltag erzielt werden kann.

Ein Traum: mit dem Rennrad auf einem glatten Straßenbelag dahinflitzen - das Foto für diesen Radweg entstand in Seattle, USA. - Foto: Roman Pohorecki, Seattle
Ein Traum: mit dem Rennrad auf einem glatten Straßenbelag dahinflitzen – das Foto für diesen Radweg entstand in Seattle, USA. – Foto: Roman Pohorecki, Seattle

Schlaglöcher und Ruckelpisten, Kopfsteinpflaster oder wuchernde Bäume – wer in Mainz mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann von diesen Hindernissen ein Lied singen. Im Winter klagen Radfahrer zudem mit schöner Regelmäßigkeit über komplett ungeräumte Radwege bei Schnee und Eis, auch die Beseitigung von Glas oder anderen Mängeln lässt häufig sehr lange auf sich warten. „Verschmutzung, Bewuchs und schlechte Witterung sind neben baulichen Mängeln sowie Gefahrenstellen im Radwegenetz ausschlaggebend dafür, dass das Fahrrad öfter stehen gelassen wird“, konstatiert nun der Fachbereich Technik und Gestaltung der Hochschule Mainz.

Der Fachbereich hat deshalb im Juni ein neues Forschungsprojekt auf den Weg gebracht, für den Ende September das Bundesverkehrsministerium umfangreiche Mittel genehmigte. „AllRad“ heißt das Forschungsprojekt, sein Ziel sei es zu erforschen, wie die Radwegeunterhaltung durch Winterdienst, Reinigung und Grünpflege sowie durch eine optimierte Koordination der auszuführenden Gewerke verbessert werden könne, sagte Projektleiter Rainer Hess, Professor für Straßen- und Verkehrswesen an der Hochschule Mainz. So lasse sich nicht nur der Komfort, sondern auch die Sicherheit der Fahrradnutzung steigern und damit mehr Menschen bewegen, das Fahrrad im Alltag zu nutzen.

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Radwege in Mainz sehen meist leider eher so aus: Eng, zugewuchert, uneben. - Foto: gik
Radwege in Mainz sehen meist leider eher so aus: Eng, zugewuchert, uneben. – Foto: gik

Das Forschungsprojekt setzt sich aus mehreren Phasen zusammen, heißt es weiter: Zuerst sollen im Dialog mit den Bürgern sowie mit den für die Radwegeunterhaltung zuständigen Betriebshöfen Situation und Bedarf erfasst werden. Radwege wiesen nämlich in der Regel einen geringeren Querschnitt auf, seien also schmaler, erhielten meist aber auch eine dünnere Befestigung mit geringerer Tragfähigkeit, heißt es im Studienkonzept weiter – beides habe direkte Konsequenzen für die einsetzbaren Fahrzeuge und Geräte.

Die Hochschule Mainz will dann ein Konzept erarbeiten, wie Radwege besser und gezielter gepflegt werden können, dieses Konzept soll dann für zwölf Monate in drei Pilotstädten angewendet werden, nämlich in Mainz, München und Münster. „Im Rahmen einer zwölfmonatigen Pilotanwendung werden ausgewählte Maßnahmen umgesetzt, und die Wirkung sowohl begleitend untersucht als auch im Anschluss durch Befragungen verifiziert“, heißt es im Konzept weiter. Durch die einjährige Laufzeit ließen sich saisonale Schwankungen identifizieren und berücksichtigen. Die Ergebnisse sollen in einen Leitfaden für Kommunen münden, der möglichst bundesweit anwendbar sein soll.

Radweg in Wiesbaden am Mittleren Ring, auch dieser eher ungepflegt... - Foto: Stadt Wiesbaden
Radweg in Wiesbaden am Mittleren Ring, auch dieser eher ungepflegt… – Foto: Stadt Wiesbaden

Die drei Pilotstädte bildeten einen guten Querschnitt über den Grad an Fahrradnutzung, die Topografie des Geländes und die verschiedenen Witterungsausprägungen, so dass daraus übertragbare Empfehlungen abgeleitet werden könnten, heißt es weiter. Zudem solle über bestehende Webseiten und Social Media Accounts mit großer Reichweite über das Projekt informiert und mit der Bevölkerung interagiert werden. „Mit AllRad wird eine Lücke im Konzept der klimafreundlichen Mobilität geschlossen“, betonen die Macher der Studie weiter. Denn bisher seien die Zusammenhänge zwischen Betriebsdienstleistungen und Fahrradnutzung ebenso wenig erforscht, wie die organisatorischen und technischen Konsequenzen für einen Straßenbaulastträger.

Die Gesamtkosten des Vorhabens liegen bei 109.810 Euro, davon fördert das Bundesverkehrsministerium 80 Prozent, mithin also 87.848 Euro, den Rest trägt die Hochschule Mainz aus eigenen Mitteln. Kleiner Wermutstropfen für alle, die nun begierig auf die Ergebnisse sind: Ihr müsst noch eine ganze Weile warten. Das Projekt werde voraussichtlich im März 2023 abgeschlossen, teilte die Hochschule mit.

Info& auf Mainz&: Mehr zum ADAC-Radwegetest mit Details zu den getesteten Routen und der Kritik an den Mainzer Radwegen lest Ihr hier bei Mainz&. Das Konzept für die „AllRad“-Studie für bessere Radwege könnt Ihr hier im Internet nachlesen.

 

2 KOMMENTARE

  1. Vielen Dank an die Autorin für diesen lebendigen Artikel eines unglaublich wichtigen Themas in unserer Zeit angesichts des Klimawandels und der überholten krankmachenden Mobilität der Verbrenner. Der ADAC (Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V., ) ist wieder Name schon sagt ein Verein, der sich für Autofahrer einsetzt. da wundert es einen nicht, dass dieser alle Radfahrer partout auf Radwege schicken will, damit die Autos Platz haben. Ich glaube, viele Städte sind da schon einen Schritt weiter, denn die Straße soll Radfahren und Autos gehören, weswegen ich es gut finde, dass Teile der Stadt allen Verkehrsteilnehmern nur noch mit 30 km/h erlaubt sind.

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