Am Mittwoch nimmt die Mainzer Polizei die Verkehrssicherheit im Bereich Radverkehr ganz besonders in den Fokus. Anlass ist der bundesweite Aktionstag „sicher.mobil.leben“, bundesweit werden dieses Jahr rund 8.000 Polizisten die „Radfahrsicherheit im Blick“ haben, wie die Mainzer Polizei mitteilt. Auch in Mainz ist man mit dabei: Alleine im Bereich des Polizeipräsidiums Mainz werden rund 80 zusätzliche Einsatzkräfte im Dienst sein und Kontrollen durchführen. Ziel des Kontrolltags sei es, ein regelkonformes Verhalten aller Verkehrsteilnehmenden in Bezug auf den Radverkehr zu erreichen und die gegenseitige Rücksicht zu fördern, betont die Polizei – zuletzt hatte es mehrere schwere Unfälle mit Radfahrern gegeben.

Am Mittwoch, den 5. Mai , nimmt die Mainzer Polizei die Radfahrsicherheit in den Fokus - mit verstärkten Kontrollen. - Foto: Polizei Mainz
Am Mittwoch, den 5. Mai , nimmt die Mainzer Polizei die Radfahrsicherheit in den Fokus – mit verstärkten Kontrollen. – Foto: Polizei Mainz

Mainz entwickelte sich in den vergangenen Jahren immer mehr zur Radfahrerstadt, obwohl die Radwegeinfrastruktur weiter zu wünschen übrig lässt, wie der der jüngste ADFC-Radwegeklimaindex feststellte. In der Corona-Pandemie explodierte der Radverkehr geradezu, weil die Menschen Busse und Bahnen mieden. Stolze 27 Prozent betrug im Corona-Jahr 2020 der Radverkehrsanteil im Stadtgebiet Mainz, doch damit stieg auch gleichzeitig die Zahl der Unfälle unter Beteiligung von Radfahrenden deutlich – und zwar um 7,3 Prozent auf 301 Unfälle im Jahr.

2021 setze sich die Serie bisher leider fort, besonders dramatisch verlief ein Unfall am 20. April, als ein 45-jähriger Fahrradfahrer in Mainz-Bretzenheim Nähe der Universität von einer herannahenden Straßenbahn erfasst und unter der Bahn eingeklemmt wurde – der Radfahrer konnte nur noch tot geborgen werden. Die Ursache für den Unfall ist noch unklar, die Ermittlungen dauern an – es war der bislang schwerste Unfall mit Radfahrer-Beteiligung in diesem Jahr, aber beileibe nicht der einzige: Da stießen im Februar zwei Radfahrerinnen an einer Kreuzung zusammen, eine 33-Jöhrige wiederum wird von einem Auto erfasst, als sie verbotswidrig die Mombacher Stra0ße Richtung Uniklinik überquerte.

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Der Verkehrsaktionstag am 5. Mai will deshalb den sicheren Radverkehr in den Mittelpunkt stellen, an deutschlandweit rund 2.500 Kontrollstellen werde die Polizei ihre Maßnahmen an gängigen Problemfeldern ausrichten, hieß es bei der Ankündigung aus dem baden-württembergischen Innenministerium, das den diesjährigen Verkehrssicherheitstag koordiniert. So werde es beispielsweise um den technischen Zustand der Fahrräder und ihre Verkehrstüchtigkeit gehen, aber auch um das richtige Verhalten beim Überholen von Radfahrern oder beim Parken auf Rad- und Fußwegen. Der Radverkehr müsse dringend  sicherer werden, mahnten alle Organisatoren, das klappe aber nur, wenn sich alle Verkehrsteilnehmenden an die Verkehrsregeln hielten.

Den Klassiker erlebte so zuletzt am 29. April ein 50-Jähriger Radfahrer, der bei einem Unfall auf der Pariser Straße verletzt wurde, weil ihm ein 30-Jähriger Autofahrer beim Rechtsabbiegen die Vorfahrt nahm. Der Radfahrer musste zur Versorgung in die Uniklinik gebracht werden. Doch auch Radfahrer selbst halten sich allzuoft nicht an Regeln – Mitte April etwa prallte ein Radfahrer frontal gegen ein entgegenkommendes Auto, weil er durch beinen Blick auf die Navi-App seines Handys abgelenkt war. Der 29-Jöhrige arbeitete für einen Lieferdienst und war auf dem Weg zu seinem nächsten Ziel entgegen der Fahrtrichtung auf die Straße gefahren – und hatte dabei ein Auto übersehen.

Kontrolle der Mainzer Polizei zur Sicherheit im Fahrradverkehr. - Foto: Polizei Mainz
Kontrolle der Mainzer Polizei zur Sicherheit im Fahrradverkehr. – Foto: Polizei Mainz

Erst Mitte März hatte die Mainzer Polizei sich von einem engagierten Radfahrer zu einer gemeinsamen Radtour durch Mainz einladen lassen, um sich die Klagen des Radlers anzusehen – der Mann legte den Beamten eine ganze Liste von schlecht einsehbare Einmündungen, zugestellten Radwegen und typischem Fehlverhalten von Autofahrern vor. „Es zeigte sich, dass der Austausch für beide Seiten gewinnbringend war, neue aber auch bereits bekannte Gefahrenstellen für den Radverkehr im Straßenverkehr offenbarte, aber auch Wahrnehmungen, Zuständigkeiten und Handlungsspielräume klar kommuniziert werden konnten“, teilte die Mainzer Polizei danach mit. Schon während der gemeinsamen Tour hätten „unterschiedlichstes Fehlverhalten bei Fußgängern, Radfahrern und PKW-Fahrern erkannt und geahndet werden können.“

Die Mainzer Polizei erprobt seit Juni 2020 im Pilotbetrieb den Einsatz von Pedelecs bei ihren Fahrradstreifen, so soll der Einsatzradius von Fahrradstreifen erweitert und das Verkehrsverhalten noch besser überwacht werden. „Pedelecs sind nicht nur eine umweltfreundliche Alternative, sie ermöglichen auch Einsätze in schwierigem topografischem Gelände oder Einsatzräumen wie Radwegen oder Parks, die mit Streifenwagen kaum zu erreichen sind“, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPÜD) damals beim offiziellen Start des Pilotbetriebs.

Der Pilotbetrieb im Polizeipräsidium Mainz ist auf zwei Jahre angelegt und findet zunächst in den Städten Mainz und Worms statt, die dafür sechs Pedelecs im Wert von rund 18.000 Euro bekamen. Seither ist die Radstreife der Polizei Mainz täglich auf Pedelecs im Stadtgebiet unterwegs und legt ein besonderes Augenmerk auf die täglichen Gefahren im Straßenverkehr mit Bezug auf Radfahrer – am heutigen Mittwoch gilt das ganz besonders. Schwerpunkt der Kontrollen würden bekannte innerörtliche Gefahrenpunkte sein, kündigte die Mainzer Polizei an. Parallel dazu werde die Polizei Rheinland-Pfalz kleine Tipps und Informationen in Instagram veröffentlichen, auf den Twitterkanälen der Polizeipräsidien findet Ihr weitere Kernbotschaften.

Info& auf Mainz&: Den Twitterkanal des Polizeipräsidiums Mainz findet Ihr hier: @PolizeiMainz. Die ganze Ankündigung zum Verkehrsaktionsaktionstag am 5. Mai 2021 könnt Ihr hier im Internet nachlesen. Die Verkehrsunfallbilanz der Mainzer Polizei für das Jahr 2020 haben wir hier aufgeschrieben.

 

2 KOMMENTARE

  1. Es fiel mir schwer, aus der Neustadt ins Hinterland wegzuziehen. Aber das legt sich schnell…
    Wenn zusätzlich zu den sonstigen Irrungen nun auch noch die Polizei abdreht und sogar Fußgänger per Pedelec verfolgen will, bin ich immer mehr froh. Oder Radfahrer aus dem laufenden Verkehr raus ziehen wegen Fahrradkontrolle? Klar gibt’s olle Schüsseln, mit denen die Leute so unterwegs sind. Das kann aber nicht das eigentliche Problem sein, oder? Wenn Radfahren nicht mehr offen und niederschwellig mit quasi jeder alten Mühle und in fast jedem persönlichen Zustand möglich ist, wird es an Attraktivität verlieren. Bzw. haben die Spießer einen weiteren Lebensbereich erobert.

    Beim Radfahren muss der Fluss stimmen, man muss Hindernisse umkurven können, nicht überall anhalten, es ist kein KFZ. Nicht jede durch ein Fahrrad überfahrene Ampel wiegt so schwer wie bei einem Auto/LKW. Nicht jeden Radunfall kann man verhindern durch noch so tolle Kontrolle. Die Radfahrer selbst sind oft genug selbst die dummen Verursacher. Doch wollt Ihr jetzt überall (Video-)Überwachung? Wollt Ihr werden wie die Emirate oder Singapur? Das ist kein Leben wie wir es hier wollen, oder?

    Und wo gehen wir hin, wenn jetzt Radpolizisten jeden Winkel, jeden Park unsicher machen (ich meine tatsächlich: unsicher), und man sich nirgendwo mehr wohl fühlen kann? Wo sollen die jungen Leute dann hin? Das ist m.E. ein Fall von scheinbarer Fürsorge, in Wirklichkeit ein Ausgreifen eines sich selbst bestätigenden Kontrollmusters, welches immer mehr um sich greift. Meine Meinung: Ohne einigermaßen offene Räume und Situationen, auch z.B. rund ums Fahrradfahren, kann eine Gesellschaft sich nicht gesund entwickeln. Kontrollismus bei einer so unmittelbaren Angelegenheit ist Gift. beim Auto sieht es schon etwas anders aus.

    So wie’s aussieht, habe ich zukünftig dann im Auto mehr Sicherheit und Ruhe vor polizeilicher „Betreuung“ als auf dem Fahrrad? Wie ist das denn bitte?

    Hinweis: Bin jenseits der vierzig, gut gebildet, beruflich erfolgreich, kein Drogi, kein Antifa, etc. Doch, hey Polizei, glaubt bitte nicht, dass Ihr so was zu meinem Nutzen tut.

  2. Vor 30 Jahren bin ich von sendungsbewussten Jungpolizisten mit dem Schlagstock vom Rad geprügelt worden, weil ich an einem Zebrastreifen das Rad nicht vorschriftsmäßig geschoben habe sondern einfach gefahren bin ohne mich oder Andere zu gefährden.
    Ein anderer Fall von Polizeiwillkür ist unter meinem Namen bei Google zu finden.

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