Es war der erwartete Höhepunkt einer Johannisnacht, die vermutlich Rekorde gebrochen hat: Mit einem großen Höhenfeuerwerk ist am Montagabend das große Mainzer Stadtfest zu Ende gegangen. Mit einer Minute „Verspätung“ begannen die Feuerwerker von der Rheinfähre vor der Kirmes am Rheinufer mit dem Startschuss für den bunten Farbenreigen, der allerdings weniger Ahs und Ohs als sonst hervorrief. Der Andrang war indes riesig, das hatte erhebliche Auswirklungen auf den Verkehr: Weil das Feuerwerk vor dem Schloss stattfand, zog es viele Schaulustige auf die Theodor-Heuss-Brücke – die lange dicht war. Die Polizei zog derweil eine zufriedene Bilanz – trotz eines arbeitsreichen Samstags.

Voller Genuss: Auf dem Büchermarkt wurde ausgiebig gestöbert und geschmökert. - Foto: gik
Voller Genuss: Auf dem Büchermarkt wurde ausgiebig gestöbert und geschmökert. – Foto: gik

Vier Tage lang hatte die Landeshauptstadt Mainz den Sommer, das Leben, Mainz und seinen berühmtesten Sohn gefeiert: Im Schatten des Doms floss der Wein in Strömen und wurde der neue Mainzer OB Nino Haase (parteilos) tief getunkt, vor den Bühnen auf den Plätzen abgefeiert, am Rhein gechillt und auf der Kirmes den Kitzel gesucht. Johannes Gensfleisch zu Gutenberg, der Erfinder der Druckkunst mit beweglichen Lettern, wurde in vielfältiger Form geehrt – mit Druckkunst und Events im Gutenberg-Museum, mit dem Preisquadräteln und mit viel wunderbaren Druckerzeugnissen.

Der antiquarische Büchermarkt war zurück auf dem Ballplatz und seinen Seitenstraßen, wenn auch die Zahl der Stände noch nicht wieder in alter Stärke zu erleben war. Die Mainzer stöberten und shoppten indes nach Herzenslust, bei vielen Büchern hieß es am Sonntag bereits: Ausverkauft, alles schon weg. Der Büchermarkt war am Samstag förmlich überrannt worden – wie wohl die gesamte Johannisnacht: Der Samstag war der vollste aller Festtage, und dürfte Rekorde an Besucherzahlen gebrochen haben.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Mainzer Johannisnacht: rappelvoll und womöglich mit Besucherrekord

Die Mainzer Polizei sprach von „sehr großen Besuchermengen“ – wie viele Menschen genau an den vier Tagen kamen, dazu machte sie keine Angaben. Erwartet worden waren im Vorfeld rund 500.000 Besucher, alle Tage zusammengerechnet, die dürften mit Sicherheit erreicht worden sein. Der schwächste Tag war vermutlich der Sonntag: Bereits am späten Nachmittag hatte sich die Stadt stark geleert, am Abend machten die Weinstände rund um den Dom bereits ab 22.30 Uhr Feierabend, weil kaum noch Besucher unterwegs waren.

Volles Haus: das Weindorf der Mainzer Winzer auf dem Markt war immer gut besucht. - Foto: gik
Volles Haus: das Weindorf der Mainzer Winzer auf dem Markt war immer gut besucht. – Foto: gik

Die Stimmung sei über die gesamten Tage ausgelassen und familiär gewesen, berichtete die Mainzer Polizei am Dienstag – mit einer Ausnahme: Am Samstag kam es zu mehreren Auseinandersetzungen: Am Abend kam es zeitgleich zu zwei Schlägereien an einem Fahrgeschäft sowie am entgegen gesetzten Ende, dem Malakoff-Ufer. Bei letzterem sollen auch Schlagstöcke zum Einsatz gekommen sein. Etwa gegen 22.00 Uhr gerieten zudem in der großen Langgasse drei Männer mit einer Frau in Streit, auch das endete in einer Körperverletzung.

Zuvor war der Polizei bereits ein räuberischer Diebstahl auf eine Jugendliche angezeigt worden, die Täter konnten im Rahmen der Fahndung vorläufig festgenommen werden. Zudem zeigten zwei Mädchen Männer an, die sie unsittlich am Gesäß berührt hatten, die Herren wurden bei der Kontrolle so aggressiv, dass sie die Nacht im polizeilichen Gewahrsam verbringen mussten. Auch in einem weiteren ähnlichen Fall konnte der Täter identifiziert und der Innenstadt verwiesen werden.

Viele Straftaten am Samstag, Schlägereien, sexuelle Belästigung

Insgesamt wurden in der Samstagnacht 15 Strafverfahren eingeleitet, wie die Polizei mitteilte, darunter drei Eigentumsdelikte, fünf Körperverletzungen, zwei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und einen gegen das Waffengesetz, weil ein Einhandmesser mitgeführt wurde, ferner zwei Beleidigungen und zwei sexuelle Belästigungen.

Die Kirmes am Mainzer Rheinufer von der Brücke aus gesehen. - Foto: gik
Die Kirmes am Mainzer Rheinufer von der Brücke aus gesehen. – Foto: gik

Der Freitag war hingegen weitgehend störungsfrei verlaufen, es sei lediglich vereinzelt zu Straftaten gekommen, hieß es weiter. So versprühte ein Unbekannter an einem Fahrgeschäft Pfefferspray und verletzte zwei Personen leicht. Zudem wurde an einem Fahrgeschäft eine gefälschte 10-Euro-Banknote abgegeben, einer Frau wurde ihre Handtasche in einem unbeobachteten Moment entwendet. Besonders ärgerlich: Im Bereich des Adenauer-Ufers wurden in der Nacht fünf Zelte beschädigt und Gegenstände daraus entwendet.

Insgesamt zog die Polizei aber eine positive Gesamtbilanz des festes: Mit nur 45 Straftaten an vier Veranstaltungstagen bei gleichzeitig sehr großen Besuchermengen, „kann von einem ausgesprochen friedlichen und vor allem familiären Fest gesprochen werden“, betonte die Polizei. Auch wenn der Samstag mit 15 Straftaten etwas herausrage, sei diese Zahl der Dauer des Festes und der Besuchermassen sehr niedrig. Am Freitag hatten die Beamten allerdings auch schon zwei Anzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, drei Anzeigen wegen Körperverletzungen, eine Beleidigung, sechs Eigentumsdelikte, fünf Sachbeschädigungen und ein Falschgelddelikt gezählt.

Menschenmengen zum großen Abschlussfeuerwerk

Der Höhepunkt des Festes am Montagabend wurde dann auch noch einmal ein Großeinsatz in jeder Hinsicht: Zum Feuerwerk waren noch einmal Menschenmengen in die Stadt geströmt, so viele, dass die Polizei berichtete, man habe schon weit vor dem Feuerwerk die Theodor-Heuss-Brücke für den Straßenverkehr sperren müssen. Zahlreiche Besucher seien bereits früh aus dem Festbereich in Richtung Rheinufer geströmt und sich vor allem auch auf der Brücke selbst postiert.

Christuskirche und Schloss statt Dom und Rathaus: Das Abschlussfeuerwerk der Mainzer Johannisnacht fand ganz am Ende der Festmeile statt. - Foto: gik
Christuskirche und Schloss statt Dom und Rathaus: Das Abschlussfeuerwerk der Mainzer Johannisnacht fand ganz am Ende der Festmeile statt. – Foto: gik

Der Grund: Zum zweiten Mal wurde das Feuerwerk nicht in Höhe des Rathauses, sondern vor dem Bereich der Kirmes am Rheinufer abgeschossen. Die Rheinfähre mit dem Feuerwerk postierte sich am Ende gar vor dem großen Riesenrad – und damit ganz am Ende der Festmeile. Für viele Besucher bedeutete das ausgesprochen weite Wege aus der Innenstadt heraus, zudem illuminierten die Raketen nun nicht mehr die Mainzer Stadtkulisse – ein echter optischer Verlust.

Viele Mainzer postierten sich deshalb auf der Theodor-Heuss-Brücke, das hatte auch Folgen nach dem Feuerwerk: Noch mehr als 30 Minuten nach Ende des Schauspiels blieb die Brücke abgesperrt, der normale Verkehr habe währenddessen weiträumig um die Innenstadt geleitet werden müssen, berichtete die Polizei. Erst gegen ein Uhr nachts habe sich die Verkehrssituation vollständig normalisiert, berichtete die Polizei – das war in den Zeiten, als das Feuerwerk vor dem Mainzer Rheingoldhalle stattfand, deutlich schneller gegangen.

Theodor-Heuss-Brücke lange für Verkehr voll gesperrt

Traumhafte Raketen zum Finale des Feuerwerks der Mainzer Johannisnacht. - Foto: gik
Traumhafte Raketen zum Finale des Feuerwerks der Mainzer Johannisnacht. – Foto: gik

Auch auf dem Rhein herrschte reges Gedränge: Die Wasserschutzpolizei musste rund 80 Sportbootführer in die richtigen Positionen einweisen, um das Feuerwerk gefahrlos genießen zu können. Tatsächlich erfreute sich zudem das Kasteler Rheinufer großer Beliebtheit bei den Zuschauern: Auf den Treppenstufen des neuen Sportparks um den alten Rheinkran herum, herrschte ausgelassene und zugleich gemütlich Feuerwerks-Picknick-Atmosphäre. Der einzige Weinstand an der Brücke war denn auch eher überfordert – und schloss früh.

Das Feuerwerk selbst war dann der erwartete Genuss: Erst verhalten, dann aber mit steigender Frequenz erhellten die Leuchtkörper den Nachthimmel und malten farbenfrohe Gebilde in den Himmel über Mainz. Gut zehn Minuten dauerte das Spektakel, begeisterte Aaahs und Ooohs kamen vor allem gegen Ende auf. Dann war sie vorbei, die 55. Mainzer Johannisnacht, die mit so vielen Bereichen glänzte, aber vor allem auch von einem profitierte: Von grandiosem Sommerwetter.

Info& auf Mainz&: Mehr zu Künstlermarkt und Kirmes, zum Festgeschehen insgesamt sowie zum großen Buchdruckergautschen mit OB Nino Haase könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen. Ein Video vom Finale des Feuerwerks könnt Ihr hier auf unserem Facebook-Account sehen. Und natürlich gibt es auch eine Fotogalerie: bitteschön.