Sie sind einfach nicht zu schlagen: Zum zweiten Mal hatte der Gonsenheimer Carneval Verein (GCV) seinen SSC Song Contest ausgerichtet und den besten Song der Fastnachtsnachtkampagne gesucht – und zum zweiten Mal gab es denselben Sieger: Die Dobbelbock-Brüder Andreas und Matthias Bockius räumten erneut den Sieg ab, dieses Mal mit ihrem Hitsong „Du bist mein Schobbe.“ Und dabei zeigte der SSC einmal mehr: In Mainz vibriert eine lebendige und höchst kreative Fastnachts-Musik-Szene.

Gut gelaunt und nicht aus der Ruhe zubringen:; Moderatoren-Duo Thomas Becker und Christoph Seib. - Foto: gik
Gut gelaunt und nicht aus der Ruhe zubringen:; Moderatoren-Duo Thomas Becker und Christoph Seib. – Foto: gik

Eigentlich war es ja ein Format, das aus der Not geboren wurde: Weil 2022 zum zweiten Mal hintereinander die Stehung des Gonsenheimer Carneval-Vereins (GCV) wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, riefen die Gonsenheimer kurzerhand eine digitale Fastnachts-Musik-Party ins Leben: Der „SSC Stehung Vision Song Contest“ kam per Livestream in die Wohnzimmer – und wurde im Handumdrehen ein Erfolg.

In diesem Jahr fand der SSC Song Contest nun einfach vor vollen Stuhlreihen im Mainzer KUZ statt – und parallel dazu im Livestream. Wieder traten zwölf Bands an, wieder vertrat jede Gruppe einen Mainzer Stadtteil – wobei ein Stadtteil irgendwie einen unfairen Vorteil hatte: Für Mombach warfen gleich zwei Fastnachtsgruppen ihre Songs in den Ring. Der Grund: 2022 waren die Dobbelbock-Brüder Andreas und Matthias Bockius für Mombach angetreten – und hatten den SSC haushoch mit ihrer Corona-Hymne „Alles wieder gut“ gewonnen.

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Fetziger Rock, gefühlvolle Blues-Ode und Fastnachts-Schlager

Natürlich waren die Titelverteidiger in diesem Jahr wieder mit von der Partie, gleichzeitig hatten sich aber auch die „Maledos“ gemeldet – die traditionsreiche Gesangsgruppe der Mombacher Bohnebeitel, die natürlich für keinen anderen Stadtteil ins Rennen gehen konnten. Was tun? Die GCV-Macher unterteilten Mombach einfach in ein „Mombach unne“ und ein „Mombach obbe“ – und schon war das Problem gelöst…

Legten gleich mit einer tollen Rocknummer los: "Voll auf die 11" für Gonsenheim. - Foto: gik
Legten gleich mit einer tollen Rocknummer los: „Voll auf die 11“ für Gonsenheim. – Foto: gik

Doch es ist ja nicht so, als hätte die Mainzer Fastnachtsszene nicht noch deutlich mehr zu bieten: Der SSC mausert sich immer mehr zu einer Art Leistungsschau der fastnachtlichen Musikszene. Und was die alles zu bieten hatte, da konnte man nur staunen: Mit der Startnummer 1 legte die Gonsenheimer Stehungs-Band „voll auf die 11“ gleich eine rockig-fetzige Hymne auf die Meenzer Kneipenkultur auf die Bühne, während die „RheinMainzer“, die für die rechtsrheinischen Stadtteile AKK antraten, mit einer gefühlvollen, bluesigen Ode an das Meenzer Lebensgefühl an die Kölner Mundart-Band „Bläck Fööss“ erinnerte.

So ging es weiter – mit einer bunten Mischung aus Rock, Balladen und typisch Mainzer Fastnachts-Songs schunkelte und tanzte der SSC drei Stunden lang durch die erste große Fastnachtsnacht des Jahres. Die „Maledos“ besangen die Fastnachtsfarben, die Rot Rock Rapper hatten einen neuen Rap dabei – „da rappelt die Büchs“ -, und Laura Heinz setzte mit „diese Lieder“ auf Schlager pur. „Dirty Glamour“ hingegen, angetreten für den Layenhof, begeisterte mit einer schrägen Rock-Hommage auf die Meenzer Hofsänger, und die Fleischworschtahtlete versuchten, ihren Hitsong „Männer mit der Narrenkapp'“ auf „Meedscher mit der Narrenkapp“ umzudeuten.

Ausbleibende Künstler und tolle Rockballade aus Marienborn

Zwischendurch spielte immer wieder eine Neuerung auf: Der SSC wartete in diesem Jahr mit einer eigenen, zuweilen recht schrägen Showband mit dem Nahmen „Trinkgeld“ auf. Das zahlte sich aus: Weil die diesjährige Kampagne eine äußerst kurze ist, drängten sich bereits am ersten Wochenende die Termine der Vereine – und das hatte Folgen. „Die Künstler des Abends trudeln so langsam ein“, vermerkte Moderator Christoph Seib ironisch. Da war es bereits 20.50 Uhr, und die Startreihenfolge fröhlich durcheinander gewirbelt.

Überraschungserfolg: Die "Amigos del Sol" mit einer tollen Rockballade auf Mainz. - Foto: gik
Überraschungserfolg: Die „Amigos del Sol“ mit einer tollen Rockballade auf Mainz. – Foto: gik

Doch der GCV wäre nicht der GCV, wenn er sich dadurch stören lassen würde: Gut gelaunt und höchst souverän moderierten Seib und Ko-Moderator Thomas Becker durch den Abend, führten muntere und zuweilen skurrile Interviews mit den Künstlern vor deren Auftritt – und überbrückten so manche unfreiwillige Pause, wobei auch Julia und Maurice mit Interviews aus dem Backstage-Bereich halfen. Am Livestream zeigte sich zudem, wie professionell die Gonsenheimer inzwischen in Sachen Streams agieren: Professionelle Kameraführung, höchst stabiler Stream und tolle Bilder machten den Abend auch am Bildschirm zum Genuss.

Die Akteure des Abends kamen dann doch noch: Oliver Mager schneite vorbei und brachte seinen neuesten Spaßsong „Einhornpippi“ mit, überzeugte damit am Ende aber „nur“ 9,21 Prozent der Zuschauer: das war am Ende Platz fünf. Einen Überraschungserfolg landeten die „Amigos del Sol“, eine Rock-Crew aus Mainz-Marienborn, die mit ihrer tollen Rockballade „Kumm ooch bei mich“ barfuß über den Schillerplatz tanzten – und in Song und Text an Kölner Stars wie „Brings“ erinnerten. Mit 9,76 Prozent landeten die Marienborner Newcomer am Ende auf einem guten 4. Platz.

 

Ohrwurm von „Handkäs und sei Musigg“

Denn wie im Vorjahr auch, konnten die Zuschauer am Ende über ihre Favoriten abstimmen, ganz wie beim großen ESC Song Contest auch. Drei Stimmen für verschiedene Stadtteile durfte man online vergeben, auf Platz 3 wählten die Zuschauer mit 10,16 Prozent die wunderschöne Liebesballade der Humbas „100-prozentig Mainz“.

Landeten mit ihrem neuen Ohrwurm auf Platz 2: "Handkäs' und sei Musigg". - Foto: gik
Landeten mit ihrem neuen Ohrwurm auf Platz 2: „Handkäs‘ und sei Musigg“. – Foto: gik

Um die ersten beiden Plätzen aber gab es ein durchaus enges Rennen: „Endlich wieder mit Euch singen, gute Laune bringen – an Fassenacht“, schmetterten „Handkäs‘ und sei Musigg“ ins KUZ. Die junge Fastnachtscombo, die für Drais ins Rennen ging, hatte ihre karierten Anzüge gegen coole, vierfarbbunte Kapuzenpullis getauscht, und lieferte mit ihrem fetzigen neuen Song einen Hit mit Ohrwurmqualität ab. Das sahen offenbar auch die Zuschauer so – und wählten die Combo mit 14,92 Prozent auf Platz zwei.

Doch als die Startnummer 12 ins Rennen ging, stand der Sieger des Abends praktisch schon fest: Niemand in Mainz rockt einfach derzeit eine Bühne und einen Saal, wie die Gebrüder Bockius. Mit „Du bist mein Schobbe“ liefern Dobbelbock zudem schon wieder einen Meenzer Hit, der zwischen Liebes-Rock und Rap changiert, und dessen gut gelaunter Energie man sich einfach nicht entziehen kann – mit 17.38 Prozent ließen die Brüder keinem anderen eine Chance auf Platz 1.

Zweiter Siegerpokal für Dobbelbock – Brüder reagieren entgeistert

„Da ist das Ding – schon wieder“, sagte GCV-Präsident Martin Krawietz bei der feierlichen Übergabe des „gläsernen Stehers“ als Siegerpokal. „Ihr seid doch komplett bescheuert“, reagierte Andreas Bockius regelrecht fassungslos über den zweiten Sieg in Folge – beide Brüder lagen sich minutenlang und mit durchaus feuchten Augen in den Armen. Sie dürften „dieses schöne Element Fassenacht“ als Brüder gemeinsam feiern, dafür so belohnt zu werden, sei einfach das Größte, ließen die Bockius-Brothers wissen.

Zum zweiten Mal nahmen Matthias und Andreas Bockius die Trophäe für Platz 1 entgegen. - Foto: gik
Zum zweiten Mal nahmen Matthias und Andreas Bockius die Trophäe für Platz 1 entgegen. – Foto: gik

Während des Votings hatte eine „Jury“ ebenfalls ihre Stimmen abgegeben – in diesem Jahr waren das sechs der sieben Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl am 12. Februar. Und Christian Viering (Grüne), Manuela Matz (CDU), Martin Malcherek (Linke), Marc Engelmann (FDP) Mareike von Jungenfeld (SPD) und Nino Haase (parteilos) empfahlen gut gelaunt in kleinen Einspielfilmen jeweils Titel, die gar nicht angetreten waren – von den Peacemakern über Freiheitshymnen bis hin zu „Thank you for the Music“. Und gleich zweimal war „We build this city“ dabei – wer was empfahl, dürfte Ihr jetzt selbst raten 😉

Spendenkonto für die KG Rot Weiß Hönningen aus dem Ahrtal mit dem zweiten Vorsitzenden Daniel Hengsberg. - Foto: gik
Spendenkonto für die KG Rot Weiß Hönningen aus dem Ahrtal mit dem zweiten Vorsitzenden Daniel Hengsberg. – Foto: gik

Völlig außer Konkurrenz (warum eigentlich?) lieferten die Schnorreswackler das genialste Medley des Abends: Einen Parforce-Ritt durch die Fastnachtshymnen der vergangenen Jahrzehnte, das roch verdächtig nach Fernsehsitzung… Bleibt noch die gute Tat des Abends zu erwähnen: Der GCV setzt sein Engagement für die von der Flutkatastrophe gebeutelten Karnevalsvereine im Ahrtal fort. Zu Gast war in diesem Jahr der zweite Vorsitzende der KG Rot-Weiß Hönningen.

Dort hatte der GCV im April 2022 die 11.111 Euro schwere Spende übergeben, die beim SSC Song Contest 2022 gesammelt worden war. „Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit so etwas“, dankte Vereinsvize Daniel Hengsberg: „Das ist eine Riesenspende, so etwas baut einen verein auch moralisch wieder auf.“ Auch in diesem Jahr wurden erneut Spendengelder für die Ahr-Verein gesammelt, das Ergebnis steht noch aus. Dass es weiter nötig ist, machte Hengsberg derweil klar: Das Vereinsgelände sei weiter eine Brachfläche – und auch der Rosenmontagszug wird nur eingeschränkt stattfinden können: „Mit dem Zug“, sagte Hengsberg, „fahren wir dieses Jahr durch eine Baustelle…“

Info& auf Mainz&: Infos zu den Aktivitäten des GCV samt Spendenaktion und auch einer Aufzeichnung des SSC Song Contest von 2022 findet Ihr hier im Internet. Unseren Bericht vom SSC 2022 findet Ihr hier auf Mainz&. Mainz& hat den Abend übrigens am Livestream verbracht, alle Fotos entstanden deshalb als Screenshots aus dem Livestream. Und klar doch – hier kommt die Fotogalerie: