Der Verein „Mombach hilft“ macht weiter – vorerst zumindest: Die Mitglieder hätten vergangene Woche gegen eine Vereinsauflösung gestimmt, die Vereinsgeschäfte ruhten aber vorerst, teilte „Mombach hilft“ schriftlich mit. Man wolle „alle Kraft in die Aufarbeitung der Straftat investieren.“ Anfang April waren massive Vorwürfe wegen der Veruntreuung von Geldern gegen die 1. Vorsitzende und Gründerin des Vereins, Daniela Gönner, bekannt geworden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen auch gegen ein weitere Person.

Die 1. Vorsitzende von "Mombach hilft", Daniela Gönner, im Dezember 2023 in einem Film der SWR Landesschau über eine Weihnachtskartenaktion. - Screenshot: gik
Die 1. Vorsitzende von „Mombach hilft“, Daniela Gönner, im Dezember 2023 in einem Film der SWR Landesschau über eine Weihnachtskartenaktion. – Screenshot: gik

Gleich zu Beginn der Corona-Pandemie hatte die Mainzerin Daniela Gönner den Verein  „Mombach hilft gegründet“, zunächst vor allem als Nachbarschaftshilfe in Lockdown-Zeiten. Schnell wurde daraus eine Art Hilfsorganisation, die Spendenaktionen für das Ahrtal und die Ukraine organisierte, Spendenbasare, Flohmärkte und Weihnachtsaktionen veranstaltete – „Mombach hilft“ war Mainz-weit bekannt und mischte überall dort mit, wo Hilfe benötigt wurde.

Doch Anfang April wurden Vorwürfe bekannt, nach denen die 1. Vorsitzende Daniela Gönner Gelder veruntreut haben soll, womöglich im fünf- oder sogar sechsstelligen Bereich. Die Mainzer SPD hatte die Vorwürfe im Kern bestätigt, Gönner sollte eigentlich auf Platz 17 der SPD-Stadtratsliste bei der Kommunalwahl antreten. Gönner zog ihre Kandidatur kurzfristig zurück, auch eine Kündigung ihres Jobs beim Mainzer SPD-Bundestagsabgeordneten Daniel Baldy wurde in dem Rahmen bekannt.

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Staatsanwaltschaft Mainz ermittelt gegen Gönner und weitere Person

Die Staatsanwaltschaft Mainz bestätigte die Ermittlungen gegen Gönner: Ein Vorstandsmitglied des Vereins habe wegen Veruntreuung von Geldern bei der Polizei Strafanzeige erstattet, teilte die Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller gegenüber Mainz& mit. „In diesem Kontext fand am 17. März 2024 eine ausführliche polizeiliche Vernehmung der Anzeigeerstatterin statt“, teilte Keller weiter mit.

Daniela Gönner (Mitte) bei einem Bürgerempfang der Stadt Mainz als Vertreterin von „Mombach hilft“. – Foto: Gönner
Daniela Gönner (Mitte) bei einem Bürgerempfang der Stadt Mainz als Vertreterin von „Mombach hilft“. – Foto: Gönner

Der Anzeige vorausgegangen seien wohl vereinsinterne Prüfungen, nachdem „Unregelmäßigkeiten“ festgestellt worden seien. Die Ermittlungen befänden sich aber „noch in einem frühen Stadium“, es seien noch Zeugen zu vernehmen und Unterlagen auszuwerten, so Keller weiter. Zu möglichen Schadenshöhen und Tatmodalitäten könnten noch keine weiteren Angaben gemacht werden.

Erst auf erneute Nachfrage teilte Keller dann weiter mit, es würden inzwischen auch Ermittlungen gegen eine weitere Person geführt – nach Mainz&-Informationen handelt es sich dabei um die Schatzmeisterin des Vereins. Dort will man sich zu den Vorwürfen im Detail nicht äußern: Wir, der derzeit bestehende Vorstand, sind zutiefst bestürzt über die Umstände und distanzieren uns klar davon“, teilte ein Vorstandsmitglied auf Mainz&-Anfrage mit: Höchste Priorität habe nun in enger Absprache mit Polizei und Staatsanwaltschaft „die schnelle und lückenlose Aufklärung des Falls.“

Verein „Mombach hilft“ löst sich vorerst nicht auf, Geschäfte ruhen

Inzwischen hat am 24. April eine Mitgliederversammlung von „Mombach hilft“ stattgefunden. Auf dieser habe der Vorstand „seine Mitglieder darüber informiert, dass der Verein Opfer einer Straftat geworden ist, und die Geschehnisse der vergangenen Wochen offen gelegt“, teilte der Verein im Anschluss mit. Alle anwesenden Mitglieder hätten Fragen stellen können, man sei „in einen Austausch darüber gegangen“, wie es mit dem Verein weitergehen solle.

Die Mitglieder von Mombach hilft e.V. hätten dann aber gegen eine Vereinsauflösung gestimmt, so die Mitteilung weiter: „Der Verein ist sich aber einig, dass die Vereinsgeschäfte erst einmal ruhen und alle Kraft in die Aufarbeitung der Straftat investiert wird.“ Ehemalige Vorstandsmitglieder würden den Verein nun kommissarisch leiten, und in enger Zusammenarbeit mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft die Geschehnisse aufarbeiten.

Logo des Vereins "Mombach hilft" auf seiner Facebookseite.
Logo des Vereins „Mombach hilft“ auf seiner Facebookseite.

Über eine entstandene Schadenshöhe könne man weiter keine Angaben machen, da die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft andauerten, betont der Verein weiter: „Auch können wir uns leider nicht zu den Spenden äußern, da auch diese Teile der Ermittlungen sind.“ Alle Spender hätten aber jederzeit die Möglichkeit, den verein über die Email-Adresse info(at)hilfe-mombach.de zu kontaktieren und Fragen zu getätigten Spenden zu stellen.

„Die Mitglieder von Mombach hilft e.V. glauben nach wie vor an die Idee – an den nachbarschaftlichen Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung im Stadtteil.“, betont der Verein zudem. Ob und inwiefern diese Idee weiterhin durch den Verein umgesetzt werden könne, sei aber fraglich. „Dies möchten die Mitglieder nach Beendigung der Ermittlungen entscheiden“, fügte der Verein hinzu.

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