In diesem Wintersemester 2022/2023 widmet sich eine ganze Vortragsreihe an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität dem Thema Religion in der Mainzer Geschichte: Die Reihe „Beten in Mainz. Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt“ wirft in 13 Vorträgen Schlaglichter auf die religiösen Praktiken der vergangenen 2000 Jahre in der Stadt am Rhein. Am 09. November 2022 geht es um die römische Geschichte unter dem Titel „Beten für den Höchsten – Iuppiter, Nero und zwei Bewohner des römischen Mainz“ – – es folgen Vorträge zu Isis, Mithras und die „Venus“ von Mainz.

Der antike Isis Tempel im Keller der Mainzer Römerpassage. - Foto: gik
Der antike Isis Tempel im Keller der Mainzer Römerpassage. – Foto: gik

Im Laufe von rund 2.000 Jahren Stadtgeschichte war Mainz durch eine große Zahl unterschiedlicher Religionen mit individuellen Praktiken geprägt: Die römischen Truppen brachten im vorletzten Jahrhundert vor Christus ihre Gottheiten mit, ab dem 3. Jahrhundert hielt das Christentum Einzug. Unter dem christlichen Bischof Bonifazius wandelte sich Mainz im 8. Jahrhundert zu einem der christlichen Zentren des römisch-deutschen Reichs.

Parallel entstand eine der ältesten jüdischen Gemeinden in Deutschland, die heute als Teil der SchUM-Stätten UNESCO-Weltkulturerbe ist. Spätestens mit muslimischen Soldaten der französischen Besatzungsarmee nach dem Ersten Weltkrieg erreichte dann auch im 20. Jahrhundert der Islam die Stadt, der bis heute den Alltag in Teilen der Altstadt und der Neustadt prägt. Diesen und weiteren Entwicklungen und ihren Herausforderungen für die Mainzer Bevölkerung ist die Ringvorlesung „Beten in Mainz“ im Wintersemester 2022/2023 gewidmet.

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Beten für Jupiter, Nero und zwei Bewohner des römischen Mainz

Der zweite Vortrag der Reihe am 9. November 2022 steht unter der Überschrift „Beten für den Höchsten – Iuppiter, Nero und zwei Bewohner des römischen Mainz“. Bislang sind von dem römischen Mogontiacum im Gegensatz zum mittelalterlichen und neuzeitlichen Mainz keine Vielzahl von Tempeln sichtbar ausgegraben und erhalten – doch dass es einen römischen Tempelbezirk gab, wissen die Forscher: Der Isis Tempel unter der Römerpassage ist sein sichtbarster Überrest, war aber sicher nicht der einzige Tempel im antiken Mogontiacum.

Die große Mainzer Jupitersäule, geschmückt mit zahlreichen Götterreliefs. - Foto: gik
Die große Mainzer Jupitersäule, geschmückt mit zahlreichen Götterreliefs. – Foto: gik

Dass es trotz fehlender heute sichtbarer Tempelbauten dennoch möglich ist, sich einen Eindruck vom reichen Kultgeschehen in Mainz zur Zeit der Römerherrschaft zu verschaffen, will Referent Dr. Patrick Schollmeyer in seinem Vortrag am 9. November zeigen. Anhand von Weihegaben für Iuppiter stellt er das religiöse Leben in der Stadt näher vor. Wie wichtig der höchste Gott der Römer war, zeigt schließlich auch ein anderes, herausragendes Denkmal: die große Mainzer Jupitersäule, errichtet zwischen 63 und 67 nach Christus zu Ehren des römischen Kaisers Nero – die größte und bedeutendste ihrer Art.

Dr. Patrick Schollmeyer ist Kurator der Sammlungen Klassische Archäologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, sowie seit 2022 Präsident des Deutschen Verbands für Archäologie (DVA). Er befasst sich insbesondere mit der Ikonographie der griechisch-römischen Kunst sowie mit der Integration klassisch-archäologischer Lehreinheiten in den altsprachlichen Unterricht.

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Vortragsreihe „Beten in Mainz“

Nachbildung einer Jupiterstatue, wie sie vielleicht einmal auf der Spitze der Mainzer Jupitersäule stand. - Foto: gik
Nachbildung einer Jupiterstatue, wie sie vielleicht einmal auf der Spitze der Mainzer Jupitersäule stand. – Foto: gik

Die Vortragsreihe „Beten in Mainz. Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt“ widmet sich im Wintersemester 2022/2023 in insgesamt 13 Vorträgen den religiösen Praktiken der vergangenen 2000 Jahre in Mainz – von der Antike bis in die Neuzeit. Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), Fachleute von Mainzer Institutionen sowie ausgewählte externe Experten stellen dabei neueste Ergebnisse der Forschung vor.

Die Reihe läuft von Anfang November 2022 bis Mitte Februar 2023, am 16. November berichtet dann die scheidende Landesarchäologin Marion Witteyer über „Rogotedomina – Gebete um Gerechtigkeit im Isis-und Mater Magna-Heiligtum von Mainz“. Am 23. November berichtet Andreas Hensen aus Heidelberg über „Mithras – Der Kult des Unbesiegten und sein Tempel in Mainz“ – der Gott Mithras war in der Römerzeit besonders bei den Soldaten des römischen Heeres sehr beliebt, ein Tempel für ihn stand mit Sicherheit auch im antiken Mogontiacum.

Diese antike Statue wurde im Oktober 2020 bei Ausgrabungen am Mainzer Zollhafen gefunden. - Foto: GDKE
Diese antike Statue wurde im Oktober 2020 bei Ausgrabungen am Mainzer Zollhafen gefunden. – Foto: GDKE

Um die „Venus von Mainz“ – die eigentlich wohl eine Skulptur der Heils-Göttin Salus war – geht es wohl am 30. November in dem Vortrag „Religiöse Praxis und urbaner Mehrwert im römischen Mainz: ein spektakulärer Skulpturfund im Zollhafen“ von Professor Johannes Lipps. Im Dezember widmet sich die Vortragsreihe dann dem frühen Christentum und dem Judentum in Mainz sowie den Klösterm und Stiften im Mittelalter. Im neuen Jahr geht es dann um Reformation und Protestantismus, und Muslime in der französischen Besatzungsarmee in Mainz nach dem Ersten Weltkrieg.

In der abschließenden Podiumsdiskussion am 15. Februar 2023 sprechen christliche, islamische und jüdische Vertreter über die religiöse Vielfalt der Stadt im 21. Jahrhundert. Die Ringvorlesung wird in Kooperation mit dem Erbacher Hof sowie mit dem Profilbereich „40.000 Years of Human Challenges“ der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt.

Info& auf Mainz&: Der Vortrag „Beten für den Höchsten – Iuppiter, Nero und zwei Bewohner des römischen Mainz“ beginnt am Mittwoch, 9. November 2022, um 18.15 Uhr im Hörsaal P 10 im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Vorträge finden aber auch im Haus am Dom am Mainzer Markt statt – alle Infos zu der Reihe sowie alle Termine und Infos findet Ihr hier im Internet.

 

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