Die Corona-Lage in Deutschland bleibt äußerst angespannt, am Donnerstag warnte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler: Die Maßnahmen des jetzigen Lockdowns reichten einfach nicht aus, es gebe weiter viel zu viele Ausnahmen – vor allem in der Wirtschaft. Das RKI meldete am Donnerstag mehr als 25.000 Neuinfektionen, und mit 1.244 Toten so viele wie noch nie an einem Tag in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie. Im Bereich Mainz allerdings gibt es vorsichtig-gute Nachrichten: Seit Mitte Dezember sinkt die Zahl der Corona-Neuinfektionen, die Sieben-Tages-Inzidenz beträgt derzeit in Mainz nur noch 109 Infektionen pro 100.000 Einwohner, im Kreis Mainz-Bingen sind es 120. Derweil wird in Berlin offenbar über weitere Verschärfungen nachgedacht.

RKI-Präsident Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz im November 2020 - auch da war Wieler schon sehr besorgt. - Screenshot: gik
RKI-Präsident Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz im November 2020 – auch da war Wieler schon sehr besorgt. – Screenshot: gik

Lothar Wieler sah ernsthaft besorgt aus: Der gerade erst im Januar verschärfte Corona-Lockdown reiche einfach nicht aus, um das Infektionsgeschehene einzudämmen, warnte der RKI-Chef am Donnerstag in Berlin. „Diese Maßnahmen, die wir jetzt machen – für mich ist das kein vollständiger Lockdown, es gibt immer noch zu viele Ausnahmen“, sagte Wieler. Die Schutzmaßnahmen würden einfach nicht konsequent genug umgesetzt, warnte der RKI-Präsident: Da säßen sich in den Firmen die Arbeitnehmer noch immer beim Mittagessen gegenüber, die Mobilität sei bei Weitem nicht genügend zurückgegangen – und immer noch gebe es nicht genug Homeoffice. „Ich sehe viele Arbeitgeber, die verantwortungsvolle Vorreiter sind, aber es gibt ebenso viele, die ihre Mitarbeiter noch ins Büro bitten oder persönliche Treffen mit mehreren Menschen einfordern“, sagte Wieler laut Spiegel Online. Es sei aber die Heimarbeit, die jetzt die Gesundheit von allen schütze.

Neue Virusmutation in Hessen nachgewiesen

Sorgen machen den Virologen inzwischen vor allem die neuen Mutationen des Coronavirus Sars-CoV2: Im September war in Großbritannien eine neue Mutation des Virus aufgetaucht, die B 1.1.7 genannt wird, das mutierte Coronavirus soll bis zu 70 mal ansteckender sein  als die bisher verbreitete Variante und sorgte im Dezember für einer wahren Explosion der Corona-Infektionen. Dazu kommt eine zweite Neu-Mutation, die in Südafrika entdeckt wurde, auch diese offenbar hoch-ansteckend. Bisher seien 16 dieser Mutationsfälle in Deutschland nachgewiesen, sagte Wieler: „Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Lage noch verschlimmert.“

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Mit der Impfspritze aus Mainz gegen das Coronavirus. - Copyright: RABE Cartoon
Mit der Impfspritze aus Mainz gegen das Coronavirus. – Copyright: RABE Cartoon

In Hessen wurde am Dienstag erstmals die mutierte Variante B.1.1.7 aus Großbritannien nachgewiesen, der mit ihr infizierte Mann werde derzeit in einer hessischen Klinik intensivmedizinisch behandelt, teilte das Hessische Gesundheitsministerium mit. Angesteckt habe sich der Mann durch den direkten Kontakt zu einer Person, die aus Großbritannien nach Deutschland eingereist war. Die Person sei bei der Einreise symptomfrei gewesen und zunächst negativ auf SARS-CoV-2 getestet worden, hieß es weiter. Wenige Tage später habe die Person aber Symptome gezeigt, in der Folge danach auch der Mann aus Hessen.

„Der Fall zeigt noch einmal, wie wichtig es ist, die Quarantänemaßnahmen einzuhalten“, sagte der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne). Die Tests nach der Einreise seien wichtig, den größten Schutz vor einer Infektion biete aber die Quarantäne. „Gerade in der jetzigen Situation ist es besonders wichtig, auf alle vermeidbaren Auslandsreisen zu verzichten“, betonte Klose. Auch Wieler mahnte eindringlich: „Reisen Sie nicht!“ Alle bisher in Deutschland nachgewiesenen Fälle kamen durch Reisende nach Deutschland, die Bundesregierung kündigte an, mehr Virenproben untersuchen zu wollen, um die Mutation auch nachverfolgen zu können. In Deutschland können das aber nur sehr wenige Labore, auch der hessische Fall wurde im Nationalen Konsiliarlabor für Coronaviren an der Charité Berlin untersucht und bestätigt.

Coronazahlen in Mainz sinken derzeit

Der Chef des Gesundheitsamtes Mainz-Bingen, Dietmar Hoffmann, mit FFP2-Masike vor dem Gesundheitsamt in Mainz. - Foto: gik
Der Chef des Gesundheitsamtes Mainz-Bingen, Dietmar Hoffmann, mit FFP2-Masike vor dem Gesundheitsamt in Mainz. – Foto: gik

Derweil aber meldet das Gesundheitsamt Mainz Bingen ganz gegen dem Bundestrend sinkende Coronazahlen: Die Ansteckungszahlen seien seit Mitte Dezember tendenziell leicht gesunken, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes Mainz-Bingen, Dietmar Hofmann. Besonders über die Weihnachtsfeiertage und das Jahresende gingen die Zahlen stark zurück, dabei ist aber weiter unklar, ob diese Zahlen belastbar sind, oder schlicht auf deutlich weniger Tests zurückzuführen sind. Anfang des neuen Jahres 2021 stiegen die Neuinfektionen dann zunächst wieder an, inzwischen aber stagnieren sie oder gehen sogar zurück: Am Donnerstag meldete das Gesundheitsamt lediglich 37 neue Corona-Infektionen in der Stadt Mainz und 42 im Landkreis Mainz-Bingen.

Die Sieben-Tages-Inzidenz sank so in der Stadt Mainz inzwischen auf 109 Infektionen pro 100.000 Einwohner, im Landkreis liegt sie bei 120 – das ist zwar immer noch die „Alarmstufe rot“, aber deutlich weniger als zuletzt. „Wir hoffen, jetzt den Höhepunkt überschritten zu haben und vertrauen auch ein Stück weit darauf, dass sich die einschneidenden Vorgaben des Lockdowns auch in den Fallzahlen niederschlagen“, sagte Hofmann. Gleichzeitig warnte der Gesundheitsamtschef aber auch: Die Pandemielage sei weiterhin ernst.

Manch einer hat am Jahreswechsel wohl doch eher "Diner for Corona" gespielt... - Karikatur: Ralf Böhme, Copyright: RABE Cartoon
Manch einer hat am Jahreswechsel wohl doch eher „Diner for Corona“ gespielt… – Karikatur: Ralf Böhme, Copyright: RABE Cartoon

„Bei den registrierten Fällen um Weihnachten und Silvester gibt es einige Infektionen in größeren Familienverbänden, die innerhalb einer Wohngemeinschaft leben“, berichtete Hofmann weiter. Es habe auch Familien gegeben, die sich über die Feiertage zwar gesetzeskonform in kleinen Gruppen gegenseitig besuchten, aber durch die Wechsel von Tag zu Tag leider auch viele Kontakte gepflegt hätten. „Die Ansteckungen konnten sich damit ausbreiten“, sagte Hofmann. Ein weiterer Grund seien aber auch weiter Infektionen in Pflegeheimen, diese seien für einen großen Teil der Infektionen verantwortlich – sowohl bei den Bewohnern als auch beim Personal. „Da in den Heimen derzeit allerdings zügig geimpft wird, ist auch hier eine baldige Entspannung zu erwarten“, hofft Hofmann.

In Rheinland-Pfalz legten die Impfungen nach schleppendem Start inzwischen deutlich zu, am Donnerstag wurden allein mehr als 8.100 Menschen geimpft, die Impfquote stieg auf 13,2 Impfungen pro 1.0000 Einwohner – Rheinland-Pfalz überholte damit das Nachbarland Hessen, das jetzt bei 9,9 liegt. In Hessen gibt es weiter Probleme bei der Impfanmeldung, das Hessische Gesundheitsministerium meldete inzwischen 42.000 Terminvergaben für die Corona-Schutzimpfung. Die Impfzentren Fulda und Gießen (Heuchelheim) seien bereits vollständig ausgebucht – mehr zum Impfstart in Hessen lest Ihr hier bei Mainz&.

Lockdown des ÖPNV und Verschiebung der Landtagswahl?

Unterdessen hat offenbar in Berlin das Nachdenken über weitere Verschärfungen des Corona-Lockdowns begonnen: Wie der „Tagesspiegel“ meldete, sollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehrere Ministerpräsidenten erwägen, den Öffentlichen Nahverkehr drastisch herunterzufahren, um die Infektionszahlen endlich in den Griff zu bekommen. Betroffen wären davon Busse, U-Bahnen, aber auch die Deutsche Bahn, im Gespräch sind offenbar zudem Ausgangssperren. Bayern schreibt ab kommenden Montag das Tragen von FFP2-Masken in Bussen und Bahnen sowie beim Einkauf in Geschäften vor, Virologen begrüßten diesen Schritt: Die FFP2-Filtermasken sorgten für einen deutlich größeren Schutz als Alltagsmasken – allerdings nur, wenn sie auch korrekt und dicht sitzend getragen würden.

Kommt der Shutdown im ÖPNV? In Berlin wird offenbar darüber diskutiert. - Foto: gik
Kommt der Shutdown im ÖPNV? In Berlin wird offenbar darüber diskutiert. – Foto: gik

Derweil sorgt die anhaltende Corona-Welle für eine bemerkenswerte Änderung: Das Land Thüringen kündigte am Donnerstagabend an, seine Landtagswahl von Ende April in den September hinein zu verschieben, die Thüringer würden dann wohl parallel mit der Bundestagswahl am 26. September einen neuen Landtag wählen. Das Pikante daran: Auch in Rheinland-Pfalz steht die Landtagswahl vor der Tür, und das schon am 14. März. Der Direktkandidat der Linken für Mainz, Daniel Holler, forderte am Donnerstag die Verschiebung auch der rheinland-pfälzischen Landtagswahl.

„Ich halte es für unverantwortlich, dass wir beim Thema Wahlen die Pandemie fast nahezu ausblenden“, sagte Holler. Wahlen seien für eine Verwaltung „eine sehr hohe
Arbeitsbelastung und vielfach nur durch massive Überstunden zu stemmen“, schon jetzt fehle es an Personal etwa bei der Kontaktverfolgung und bei der Bearbeitung der Corona-Soforthilfen. Und wie sollten die Verwaltungen genügend Wahlhelfer finden, wenn sich die Pandemie durch die neuen Virus-Mutationen noch einmal verschärfe? „Wir müssen in der Verwaltung alle Kräfte bündeln, um die Pandemie in den Griff zu bekommen“, betonte Holler: „Daher sollte man zwingend darüber nachdenken, die Landtagswahl auf 2022 zu verschieben.“

Info& auf Mainz&: Die ganze Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts vom 14. Januar 20231 könnt Ihr Euch selbst noch einmal ansehen – hier auf Youtube.

 

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Ehrlich gesagt wundert es mich, dass in Mainz die Zahlen langsam sinken, wird doch die Pflicht zum Tragen einer Mund & Nasenbedeckung in Fußgänerzonen noch immer nicht ernstgenommen, das beste Alibi ist zu Essen, zu Trinken oder zu Telefonieren, man bekommt noch immer den Zigarettenqualm ins Gesicht geblasen, in den Bankfilialen drängt man sich dicht an dicht an den Automaten und in der Malakoffpassage muss zwar der Bäcker sein Café schließen, aber dann setzt man sich halt dicht gedrängt zum gemütlichen Schwätzchen auf die Bänke in der Passage.
    Viele haben offenbar den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen und suchen sich ihre persönlichen Freiheiten – auf Kosten derer, die seit Monaten kein Einkommen mehr haben oder die auf Intensivstationen und Friedhöfen landen.
    Das ist nicht cool, das ist a-sozial!

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