Mit dem heutigen Montag fallen die Masken nun auch an den Schulen in Rheinland-Pfalz vollständig – sehr zum Ärger von Schülern, Lehrern und Gewerkschaften. „Mit dem Wegfall der Maske ebnet man einer faktischen ‚Durchseuchung‘ den Weg“, schimpft etwa Colin Haubrich von der Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz. Auch Lehrergewerkschaften warnen eindringlich vor den Folgen einer maskenlosen Zeit: Schon jetzt fielen landesweit 7 Prozent der Lehrkräfte wegen einer Corona-Infektion aus, warnt der Philologenverband – an manchen Schulen fehlten gar 20 Prozent der Lehrer. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) müsse mehr tun, als nur auf Freiwilligkeit setzen.

Seit diesem Montag entfällt die Maskenpflicht in den Schulen in Rheinland-Pfalz. - Foto: gik
Seit diesem Montag entfällt die Maskenpflicht in den Schulen in Rheinland-Pfalz. – Foto: gik

Die neue Ampel-Koalition im Bund hatte sich nicht auf eine Fortsetzung der bundesweiten Corona-Schutzregeln einigen können, weil die FDP eine Fortsetzung blockierte – in der Folge erlaubt das neue Infektionsschutzgesetz jetzt nur noch sehr niedrige Basis-Schutzmaßnahmen. Wollen die Bundesländer schärfere Maßnahmen ergreifen, müssen sie sich zu „Hotspots“ aufgrund hoher Krankenhausbelastungen erklären – bislang haben das nur Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg für möglich gehalten.

Das Vorgehen kritisierte nun der Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen Rheinland-Pfalz (VLW) scharf: „Wegen der Profilierungssucht eines Koalitionspartners wird jetzt so getan, als sei die Pandemie zu Ende“, schimpfte VLW-Landesvorsitzender Dirk Mettler: „Dabei hat man offensichtlich nur den Kalender im Blick gehabt, und lässt die Schulen in einer Hochphase der Pandemie im Regen stehen.“ Die so genannte „Hotspot-Regelung“ im Infektionsschutzgesetz sei derweil „so schwammig formuliert, dass sich kaum jemand traut sie anzuwenden“, kritisierte er weiter.

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Es gebe noch immer „schwindelerregend hohen Infektionszahlen und eine Hospitalisierungsinzidenz, die keinen Anlass zur Entwarnung gibt“, betonte Mettler weiter. Angesichts der Lage hätte sich der VLW „seitens der Bildungsministerin deutlichere Worte gewünscht“ als nur den Hinweis, dass es ja weiterhin erlaubt sei, Masken zu tragen. „Ein eindringlicher Appell an alle am Schulleben Beteiligten, sich ihre Verantwortung für sich selbst und für ihre Mitmenschen bewusst zu machen, wäre in dieser Situation hilfreich gewesen“, sagte Mettler.

Lehrerverbände befürchten leere Klassenzimmer wegen rasant steigender Infektionszahlen ohne Maskenpflicht. - Foto: gik
Lehrerverbände befürchten leere Klassenzimmer wegen rasant steigender Infektionszahlen ohne Maskenpflicht. – Foto: gik

Auch der Verband der Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden Schulen (VLBS) forderte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) auf, deutlicher zu machen, wie wichtig weiterhin das Tragen von medizinischen Schutzmasken im Unterricht und Schulgebäude für den Infektionsschutz sei. „Der Hinweis im Brief des Bildungsministeriums an Eltern und Schulen, dass jetzt wieder ein großes Stück Normalität in die Schulen zurückkommt, ist kontraproduktiv“, kritisierte VLBS-Landeschef Harry Wunschel: „Momentan sind viele Krankheitsfälle bei Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern zu verzeichnen, sodass man noch nicht von einem „normalen“ Schulbetrieb sprechen kann – daher sind solche Hinweise fehl am Platz und sorgen eher für einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen.“

Bei Inzidenzen von zum Teil über 2.000 und notwendiger Verschiebung von Operationen in einzelnen Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz wegen Personalausfällen, müsse das Land auch über Hotspot-Regelungen nachdenken, forderte Wunschel weiter. „Es kann nicht sein, dass den Schulleitungen ab dem kommenden Montag nur noch der Appell zum Tragen von Masken bleibt“, kritisierte er. Der VLBS hätte sich „zumindest bis zu den Osterferien das Beibehalten der Maskenpflicht gewünscht.“

 

Auch der Philologenverband Rheinland-Pfalz kritisierte den Wegfall der Maskenpflicht in Schulen deutlich – und warnte vor massiven Ausfällen von Lehrkräften. „Seit Wochen erleben wir an den rheinland-pfälzischen Schulen ein erhebliches Infektionsgeschehen“, warnte Landeschefin Cornelia Schwartz. Nach Berechnungen der Dienstaufsicht ADD fielen schon jetzt landesweit rund 7 Prozent der Belegschaft aufgrund einer Corona-Erkrankung aus. „Aus einigen Schulen werden dem Philologenverband Ausfälle von 20 Prozent der Belegschaft gemeldet“, betonte Schwartz. Schulen müssten teilweise bereits Klassen tageweise nach Hause schicken, andernorts erlebten Schüler fachfremd erteilten Vertretungsunterricht in vier von fünf Unterrichtsstunden am Tag

Schon jetzt melden Schulen zwischen 7 und 20 Prozent Ausfall an Lehrpersonal - wegen Corona-Infektionen. - Foto: gik
Schon jetzt melden Schulen zwischen 7 und 20 Prozent Ausfall an Lehrpersonal – wegen Corona-Infektionen. – Foto: gik

„Hier droht ein Domino-Effekt, wenn Lehrkräfte, die sowieso schon am Limit sind, noch in hohem Maße zusätzlichen Vertretungsunterricht übernehmen sollen“, warnte Schwartz. Die Politik dürfe jetzt gerade nicht das Signal senden, die Corona-Welle sei vorbei, vielmehr sei weiterhin Vorsicht angebracht. „Wir erwarten von der rheinland-pfälzischen Landesregierung, dass sie sich mit Blick auf die kritische Infrastruktur ‚Schule‘ im Bund dafür einsetzt, dass man umgehend wieder eine rechtliche Möglichkeit für eine Maskenpflicht an Schulen einführt“, forderte Schwartz weiter.

Gleichzeitig sei es „unbedingt geboten, dass die rheinland-pfälzische Landesregierung eindeutig Position bezieht, und zumindest eine dringende Empfehlung für das Maskentragen in Innenräumen ausspricht“, wie es etwa die bayerische Staatsregierung getan habe, betonte die Verbandschefin weiter. Dass das Bildungsministeriums formuliere, es könnten „selbstverständlich […] auf freiwilliger Basis weiterhin Maske getragen werden“, werde „der Brisanz der Situation in keiner Weise gerecht“, schimpfte sie.

 

Die Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz spricht gar von einer „faktischen Durchseuchung“ durch die wegfallende Maskenpflicht: „Es ist unbegreiflich, wie eine so einfache und dafür so wirksame Maßnahme wie die Maskenpflicht jetzt wegfällt“, kritisierte sich Stella McColgan, Landesvorstandsmitglied der LSV RLP, fassungslos. „Schule muss für alle Schüler, Lehrkräfte und Bedienstete ein sicherer Ort sein“, forderte auch LSV-Vorstandsmitglied Colin Haubrich – schließlich sei der Besuch der Schulen nicht freiwillig, sondern verpflichtend. Die Landesschülervertretung appelliere, auch nach dem Wegfall der Pflicht, die Maske zum Eigen- und Fremdschutz weiterhin zu tragen und sich weiterhin an den Testungen zu beteiligen.

Kostenlose Coronatests gibt es in den Schulen weiter zweimal pro Woche - gut so, sagen Lehrer und Schüler. - Foto: dpa
Kostenlose Coronatests gibt es in den Schulen weiter zweimal pro Woche – gut so, sagen Lehrer und Schüler. – Foto: dpa

Dass es in den Schulen in Rheinland-Pfalz weiterhin zwei Tests pro Woche gibt, wird weithin von allen Parteien begrüßt. Der VLW appellierte aber etwa an die Landesregierung, über das jetzige Enddatum, den 29. April, hinauszudenken: „Die Möglichkeit der kostenlosen Bürgertests wurde von der Bundesregierung gerade bis zum 29. Juni verlängert“, sagte Mattler: „In diese Richtung sollte sich nach Auffassung des VLW auch die Landesregierung bewegen und am Testangebot an den Schulen festhalten.“ Die Selbsttests seien „kein Allheilmittel“, eine Beibehaltung der Maskenpflicht wäre effektiver gewesen, betonte Mettler. „Aber sie sind leider die letzte verbliebene Schutzmaßnahme, es wäre fahrlässig, sich auch davon vorschnell zu verabschieden“, fügte er hinzu.

Info& auf Mainz&: Wie gut Masken vor dem Coronavirus schützen, haben Forscher mehrfach nachgewiesen – ein besonders eindrucksvolle Studie des Max-Planck-Instituts in Göttingen könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen. Mehr zum Wegfall der Coronaregeln seit dem 3. April 2022 lest Ihr hier bei Mainz&. Mehr zur Beibehaltung der kostenlosen Bürgertests findet Ihr hier bei Mainz&.