Um das Projekt Citybahn ist es ruhig geworden, in Wiesbaden streitet man sich noch über die Frage, ob ein Bürgerbegehren das Projekt entscheiden soll. Der neue Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) sagt: Ja. Er halte einen Bürgerentscheid im zweiten Quartal 2020 für sinnvoll, sagte Mende jetzt bei einer Veranstaltung der SPD in Mainz. Zugleich räumte er ein, die Wiesbadener seien in der Frage Citybahn stark gespalten. Auch in Mainz wächst die Skepsis: der parteilose OB-Kandidat Nino Haase (CDU/ÖDP/FW) sieht keinen rechten Bedarf für eine Citybahn.

Rollt die Citybahn tatsächlich 2020 über die Theodor-Heuss-Brücke oder kippt das Projekt doch noch? - Foto: gik
Rollt die Citybahn tatsächlich 2020 über die Theodor-Heuss-Brücke oder kippt das Projekt doch noch? – Foto: gik

Die Stadt Wiesbaden will eine Stadtbahn durch ihre Innenstadt vom Taunusrand über die Hochschule Rhein-Main bis nach Wiesbaden-Biebrich und weiter nach Mainz rollen. Das 300-Millionen-Euro-Projekt sollte eigentlich bis Ende 2019 baureif sein und schon 2022 die beiden Landeshauptstädte verbinden, das Großprojekt ist für die Stadt Wiesbaden ein wichtiger Baustein im Bestreben, den Verkehr in der Wiesbadener Innenstadt emissionsfrei zu machen.

Zuletzt stockte das Projekt aber, weil sich in Wiesbaden erheblicher Widerstand gegen die Straßenbahn regt – Wiesbaden besitzt bisher keine Schienenbahn. Mende räumte nun ein, die Citybahn werde in Wiesbaden “noch immer kontrovers diskutiert”, er selbst trete aber für die Bahn ein. “Ich möchte, dass die Bürger das entscheiden”, betonte Mende, der seit dem 1. Juli Oberbürgermeister der Nachbarstadt ist. Die Lager in Wiesbaden seien “so stark gespalten” in Befürworter und Gegner des Projektes, “nur so kann man wieder einen Konsens herstellen.”

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Er glaube auch, “man kann eine Mehrheit dafür bekommen, und ich werde dafür werben, dass wir eine Mehrheit bekommen”, betonte Mende. Habe Wiesbaden erst einmal eine Bahn, “dann wird der Wunsch nach diesem modernen und attraktiven Verkehrsmittel auch in anderen Stadtteilen wachsen.”

In Mainz wächst dagegen das Unbehagen mit dem Projekt. Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) betonte zwar, er glaube, dass in zehn Jahren die Citybahn über die Theodor-Heuss-Brücke fahre. Doch in der Mainzer Altstadt sind auch SPD-Mitglieder gegen die Bahn: Ihre Doppeltraktion-Züge seien viel zu lang für Mainz, die derzeit angedachten Haltestellen am Landesmuseum und am Hauptbahnhof brächten Mainz viel zu wenig, kritisierte noch im April der Ortsbeirat Altstadt.

Mögliche Streckenführungen der Citybahn in Mainz. - Grafik: Citybahn GmbH
Mögliche Streckenführungen der Citybahn in Mainz. Die Stadt Mainz favorisiert die mittlere Strecke durch die Große Bleiche, die hier sogar nur zwei Haltestellen in Mainz hat. – Grafik: Citybahn GmbH

“Die Citybahn mit der derzeitigen Planung bringt Mainz gar nichts”, sagte am Mittwoch auch der CDU-Verkehrsexperte Thomas Gerster. Für Mainz würde die Bahn praktisch keine Entlastung des Nahverkehrs bringen, dafür aber zusätzlichen Stau auf der ohnehin stark belasteten Theodor-Heuss-Brücke. Die Mainzer CDU fordert, eine Citybahn nur in Kombination mit einer neuen Rheinbrücke zu realisieren.

Ganz ähnlich äußerte sich auch ihr OB-Kandidat Nino Haase (parteilos): Der Bedarf für einen Citybahn sei in Mainz gar nicht da, sagte Haase, “man hat hier allein darauf geschaut: das ist förderfähig, das machen wir.” Mainz bekäme lediglich “zwei, drei Haltestellen, die weit weg von den Wohngebieten sind”, das klinge wenig sinnvoll, sagte Haase weiter. Eine Streckenführung durch die Ludwigsstraße halte er allerdings auch für wenig sinnvoll – die großen Festen wie Fastnacht oder Johannisnacht würden die Citybahn zu häufig lahmlegen. “Ich sage auch, die Brücke hält es nicht aus”, betonte Haase zugleich – Mainz brauche dringend eine zusätzliche Rheinbrücke, “auch um den Verkehr an der Innenstadt vorbei zu leiten.”

Info& auf Mainz&: Mehr zum Projekt Citybahn lest Ihr hier bei Mainz&, mehr zum Thema Verkehr im OB-Wahlkampf sowie den Positionen von Haase und Ebling dazu findet Ihr hier in unserem großen Dossier „OB-Wahl Mainz 2019“.

 

 

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