Die Rheinhessenstraße im Süden von Mainz gehört zu den Stau-geplagten Nadelöhr-Zufahrten zur Landeshauptstadt, doch bislang hatte die alte Ampel-Koalition jeden Ausbau der zweispurigen Straße abgelehnt. Nun könnte es einen neuen Anlauf geben: Die Stadt Mainz und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) gaben nun eine neue Verkehrsstudie in Auftrag. Die soll einen möglichen Ausbau der Rheinhessenstraße mit Verkehrszählungen und Modellrechnungen ausloten, und auch Potenziale für Straßenbahn, Radrouten sowie Park & Ride-Plätze eruieren.

Mehr als 20.000 Fahrzeuge benutzen pro Tag die Rheinhessenstraße, um aus dem südlichen Rheinhessen nach Mainz zu kommen, oder vom Mainzer Stadtteil Ebersheim Richtung Hechtsheim zu pendeln. Seit Jahrzehnten ist die Straße jedoch lediglich mit zwei Spuren ausgestattet, regelmäßig bilden sich hier denn auch lange Staus, die auch Busse behindern. Das dürfte in Zukunft schlimmer werden: Die Stadt hatte mehrere Potenzial-Wohngebiete ausgewiesen, von denen einen Großteil in Mainz-Ebersheim liegt – mehr als 1500 Wohneinheiten könnten hier in Zukunft neu entstehen.
Über einen Ausbau der Rheinhessenstraße wurde in der Vergangenheit oft und lange gestritten – umgesetzt wurde nie etwas, vor allem auch, weil die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP samt Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) den Ausbau jahrelang ablehnte. 2023 hatten sich im Oberbürgermeister-Wahlkampf vor allem die FDP, aber auch die CDU für einen Ausbau stark gemacht, auch der Landesbetrieb Mobilität befürwortet einen Ausbau – bei SPD und Grünen heiß es hingegen, man setze auf den Ausbau des ÖPNV, eine ausgebaute Straße werde nur mehr Individualverkehr in die Stadt locken, und dort mehr Staus produzieren.
Umfassende Verkehrsuntersuchung mit Prognose bis 2040
Inzwischen regiert in Mainz ein parteiloser Oberbürgermeister, und im Stadtrat eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD – und nun soll es offenbar einen neuen Anlauf in Richtung Ausbau geben. Die Stadt Mainz habe gemeinsam mit dem Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) eine umfassende Verkehrsuntersuchung in Sachen Rheinhessenstraße in Auftrag gegeben, informierte OB Nino Haase (parteilos) am Mittwoch. In zwei Sitzungen des „Arbeitskreises Rheinhessenstraße“ sei unter seinem Vorsitz eine abgestimmte Leistungsbeschreibung erarbeitet worden, auf deren Grundlage im August eine Ausschreibung erfolgte.

Den Zuschlag habe nun das Planungsbüro Schlothauer & Wauer aus Wiesbaden erhalten, sagte Haase weiter, und betonte: Mit der Verkehrsuntersuchung werde nun „eine faktenbasierte Grundlage zur weiteren Entwicklung dieser stark frequentierten Achse geschaffen.“ Die Rheinhessenstraße stelle „eine wichtige verkehrliche Verbindung zwischen der Kernstadt, dem Stadtteil Ebersheim wie auch den angrenzenden südlichen Nachbargemeinden dar. „Den Start der gemeinsamen Verkehrsuntersuchung zur Rheinhessenstraße begrüße ich sehr“, unterstrich der OB.
Ziel der Untersuchung sei „die verkehrliche Bewertung eines möglichen Ausbaus der Landesstraße L425 zwischen Mainz-Hechtsheim Süd (Knotenpunkt L425/Ludwig-Erhard-Straße/Florenzallee) und Gau-Bischofsheim“, heißt es weiter. Betrachtet werden soll dabei sowohl die bestehende Verkehrssituation als auch eine künftige Verkehrsbelastung – mit einem Prognosehorizont bis 2040. Pendlerstudien hatten mehrfach aufgezeigt, dass Mainz die Pendlerhauptstadt von Rheinland-Pfalz ist, allein aus dem rheinhessischen Umland strömen pro Tag rund 16.000 Einpendler zur Arbeit nach Mainz – die Hälfte aller Pendler, wie der Pendleratlas für 2024 aufzeigt.
Potenziale für Park & Ride, Pendlerradroute und Straßenbahnausbau
Das neue Gutachten soll denn auch umfangreiche Verkehrszählungen enthalten, dazu auch Quell-Ziel-Analysen sowie Modellrechnungen. Bewertet werden sollen außerdem verschiedene Ausbauvarianten, vom drei- oder vierstreifigen Ausbau über kombinierte Lösungen mit separaten ÖPNV-Trassen bis hin zur möglichen Verlängerung der Straßenbahn ab Hechtsheim in Richtung Süden. „Ergänzend werden Potenziale für Park-and-Ride- (P+R) und Bike-and-Ride- (B+R) Anlagen sowie für eine neue Pendlerradroute entlang der L425 untersucht“, so die Pressemitteilung weiter. Die Expertise soll bis Ende des Jahres 2026 vorliegen.

Die erhobenen Daten und Modelle könnten künftig auch für andere verkehrsplanerische und infrastrukturelle Fragestellungen im Raum Mainz genutzt werden, betonte Hasse zudem. Mit dem Start dieser Verkehrsuntersuchung setze man „einen wichtigen Schritt für eine zukunftsorientierte und leistungsfähige Entwicklung der Rheinhessenstraße als zentrale Verkehrsachse der Region.“
Das sind neue Töne aus dem Mainzer Rathaus, bislang hatte gerade die SPD einen vierspurigen Ausbau vehement abgelehnt – sogar die Ebersheimer SPD. Eine Lösung für die Dauerstaus im Berufsverkehr hatte man hingegen nicht präsentiert, ein Ausbau würde zudem auch einen gefährlichen Unfallschwerpunkt entschärfen. Und ja, dieser Artikel enthält nur Fotos, auf denen die Straße gerade leer ist – bei dichtem Verkehr ist Fotografieren einfach zu gefährlich.
Info& auf Mainz&: Mehr zu den Pendlerströmen in und um Mainz lest Ihr hier bei Mainz&, aktuelle Daten gibt es hier im Pendleratlas im Internet.







