Heute entführen wir Euch mal in den Rheingau, als Wein- und Genusstipp zu Pfingsten 😉 In Winkel steht nämlich da ein besonderes Kleinod: Das Brentanohaus, Haus der Geschwister von Brentano, Geburtsort der Rheinromantik, Anlaufstelle für die Größen der damaligen Zeit: Beethoven, die Gebrüder Grimm – und Johann Wolfgang von Goethe. Der Frankfurter Dichterfürst, der ja bekanntlich auch bei der Belagerung von Mainz im Chausseehaus in Marienborn residierte, stattete dem Brentanohaus 1814 einen Besuch ab. Nun könnt Ihr dort zechen wie weiland Goethe: Das Weingut Allendorf eröffnete im April den Ausschank im altehrwürdigen Haus neu.

Brentanohaus mit Salon und Goethezimmern im 1. Stock
Der Salon im 1. Stock des Brentanohauses: So wie einst – Foto: gik

Das Brentanohaus ist ein wahres Kleinod, das Besondere: Seine Inneneinrichtung ist fast genauso erhalten, wie sie zu Goethes Zeiten dort stand. Das Schlafzimmer des Dichters, sein Schreibtisch mit Schreibfedern, der große Salon davor – alles sieht so aus, als würde der hohe Gast gleich um die Ecke biegen. Das ist das Verdienst der Nachfahren: Baron und Baronin von Brentano erhielten das Haus liebevoll und behutsam – und im Originalzustand. Doch irgendwann überstiegen die Reparaturen die finanziellen Möglichkeiten, 2014 verkauften die Brentanos das Anwesen an das Land Hessen.

Seitdem wird vorsichtig und behutsam renoviert und das wunderbare Anwesen aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Dazu gehört eben auch die Wiederbelebung des Restaurants in der alten Remise unten im Haus: Die Winzerfamilie Allendorf will das Anwesen, wo einst Goethe zechte, nun wieder zum Treffpunkt der Rhein-Main-Region machen.

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Goethezimmer im Brentanohaus
Das original Goethe-Zimmer im Brentanohaus – Foto: gik

Die Zeitreise beginnt, sobald man das Tor durchschritten hat. Das alte, holprige Pflaster, der verwunschene Garten, das vor sich hinträumende Haus – das Brentanohaus atmet einfach Geschichte. Das 260 Jahre alte Haus scheint seine eigene Zeitschleife zu besitzen, und wenn man über die Kieswege und den kleinen Laubengang direkt hinein in den alten Weinberg geht, meint man, Goethe könne jeden Moment um die Ecke biegen, in seinem alten Schlafrock, brummelnd, dichtend.

„Es ist ein Ort, an dem die Zeit keine Rolle spielt“, sagt Ulrich Allendorf, „Zeit verliert hier ihre Beschleunigung, das macht das Haus einzigartig.“ Allendorf ist VDP-Winzer, sein Georgshof gehört inzwischen mit knapp 80 Hektar Weinbergen zu den big Playern im Rheingau. 2015 übernahm Allendorf den Weinberg, der ums Brentanohaus herum wächst, am 23. April eröffnete er im Brentanohaus die Gastronomie neu.

Baronin Angela von Brentano im Goethezimmer im Brentanohaus
Baronin Angela von Brentano im Goethezimmer im Brentanohaus – Foto: gik

„Ich glaube, das Ensemble hat ein Riesenpotenzial“, sagt Allendorf. Natürlich habe ihn als Winzer der Weinberg gereizt, schließlich wachsen die Reben hier in der Lage WinkelerJesuitengarten, einer der besten des Rheingaus. Das Haus ist umgeben von Weinreben, Riesling wächst hier auf feinem Rheinauenboden – das Rheinufer war einst am Ende des Gartens gleich hinter der Ecke.

Das Törchen, durch das auch Goethe zum Rheinufer kam, es liegt noch versteckt in der Ecke. Der Rhein lud bei Überschwemmungen seine fruchtbaren Sedimente ab, der Boden des Weinbergs gehört zu den spannendsten. Die Allendorfs machten aus dem Riesling mit dem Jahrgang 2015 den ersten Goethewein, einen filigranen und dennoch fruchtig-fülligen, klaren Riesling, der so schmeckt, wie das Brentanohaus: voller dezenter Versprechungen.

Es war Anfang September 1814, als Goethe hier für drei Wochen zu Gast war – der 65-Jährige war eigentlich zur Kur in Wiesbaden, von dort nahm er die Einladung der Frankfurter Kaufmannsfamilie Brentano nach Winkel an. Der Gast benahm sich nicht immer einwandfrei: Brummelig sei er gewesen, morgens im Schlafrock durch den Garten gewandelt und dann bloß nicht anzusprechen gewesen. „Er häufte sich enorme Mengen Essen auf dem Teller auf und stocherte dann lustlos darin herum“, weiß Allendorf zu berichten – sehr zum Unmut von Hausherrin Antonia.

Brentanohaus mit Laubengang und Weinreben
Zechen wie weiland Goethe im Laubengang am Brentanohaus – Allendorf macht’s möglich – Foto: gik

Die Brentanos waren eine reiche Frankfurter Kaufmannsfamilie mit Wurzeln in Italien, 1806 kaufte die Familie das Haus im Rheingau – es wurde zum Treffpunkt von Dichtern, Denkern und zur Keimzelle der Rheinromantik. „Unbewusst fühlt man die Präsenz der Romantik, die hier ihren Startpunkt hatte“, sagt Allendorf: „Das Haus birgt einen Schatz in sich.“ Goethe schrieb hier „einen Teil des west-östlichen Diwans“, sagt Baronin Angela von Brentano. Die Baronin gibt noch heute persönlich Führungen durch das Brentanohaus, ein echtes Erlebnis.

1,2 Millionen Euro investierte das Land Hessen 2014 in den Kauf und rettete das Brentanohaus damit auch vor Privatinvestoren, die hier unter anderem ein Hotel planten – es wäre das Ende des Zaubers vom Brentanohaus gewesen. Die jetzigen Renovierungen gehen vorsichtig vonstatten, und ganz auf der Basis des Alten. „Es soll eben nicht aus dem Ei gepellt und ’schick‘ oder auf ‚Vintage‘ gemacht werden“, sagt Allendorf. Das Haus habe seine Identität behalten, und das solle bewahrt werden.

Ulrich Allendorf an der neuen Theke im Brentanohaus
Altes Haus, moderne Vinothek: Winzer Ulrich Allendorf im Brentanohaus – Foto: gik

So ist auch das Restaurant eine behutsame Mischung aus alt und neu. Theke, Stühle, sogar die Lampen sind selbstgebaut aus edler Eiche, auf der Terrasse die neuen Stühle ahmen die verspielten Formen von einst nach. Rheingauer Sonntagsküche servieren Allendorfs hier, von der Wisperforelle übers Rinderfilet bis hin zum Winzergulasch, der Bratwurst und der Frankfurter Grünen Soße. Dazu gibt es natürlich den Goethewein – der Dichter selbst war einer, der üppig trank. Im Brentanohaus kann man nun wieder auf seinen Spuren wandeln – mit einem Gläschen Wein im Weinberg zu Füßen des Brentanohauses.

Info& auf Mainz&: „Allendorf im Brentanohaus“ ist montags, donnerstags und freitags ab 17.00 Uhr und samstags, sonntags und feiertags ab 12.00 Uhr geöffnet. Die Führungen der Baronin durch das Brentanohaus finden immer samstags um 16.00 Uhr statt, die nächsten Termine: 21. Mai, 4. Juni, 18. Juni, 9. Juli, 30. Juli. Infos zu Restaurant und Führungen sowie zur Anfahrt unter www.brentano.de.

 

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