Es ist wahrlich ein ganz besonderes Jubiläum: Seit 30 Jahren bildet die Villa Musica begabte junge klassische Musiker in Rheinland-Pfalz aus und gibt ihnen die Möglichkeit, Seite an Seite mit internationalen Stars ihrer Szene wertvolle Erfahrungen fürs Berufsleben zu sammeln. Und gleichzeitig ist die Villa Musica Garant für landesweite Konzerte der Spitzenklasse – in Burgen, Museen, Synagogen und ganz normalen Konzertsälen. Am 4. September hieß es beim großen Festkonzert im Mainzer Schloss Happy Birthday, Villa Musica! Die Jubiläumssaison ist damit eröffnet.

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Aktuelle Villa Musica-Leute: Das Vision String Quartet – Foto: Tim Klöcker

Es war am 11. November 1986, als in Mainz etwas ganz besonderes aus der Taufe gehoben wurde: Eine Landesstiftung zur Förderung des musikalischen Nachwuchses, in Kooperation mit dem damaligen Südwestfunk. 30 Jahre später ist die Stiftung erfolgreicher denn je: Mehr als 3.000 Stipendiaten wurden in den 30 Jahren gefördert, viele von ihnen machten Karriere im schwierigen Feld der klassischen Musik.

Kaum ein Spitzenorchester ohne Villa Musica-Stipendiat

„Kaum ein Spitzenorchester, in dem nicht ehemalige Stipendiaten der Villa Musica spielen, kaum eine deutsche Musikhochschule ohne Villa Musica-Alumnen im Lehrkörper“, schwärmt der aktuelle rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf (parteilos). Damit sei die Villa Musica beispielhaft und beispiellos zugleich und verbinde einfach „in idealer Weise die gezielte Aus- und Weiterbildung des Musikernachwuchses mit Veranstaltungen in ganz Rheinland-Pfalz.“

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Tatsächlich veranstaltet wohl keine Musikereinrichtung so viele Konzerte in so vielen unterschiedlichen Orten: 125 Konzerte an 44 verschiedenen Aufführungsorten stehen im Jubiläumsjahr im Programm. Darunter sind Burgen und Schlösser ebenso wie Scheunen und Weingüter, Stadthallen, Konzertsäle und Synagogen. Villa Musica erfand die Reihe „Musik in Burgen und Schlössern“ und als neuestes Kind die Konzertreihe in Synagogen des Landes.

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Alexander Hülshoff, Künstlerischer Leiter der Villa Musica und selbst Professor für Violoncello und einstiger Stipendiat – Foto: Villas Musica

Das Prinzip: Junge, begabte Musiker üben und spielen Seite an Seite mit Koryphäen ihres Fachs, erarbeiten Konzertprogramme und bringen sie anschließend auch zur Aufführung. Rund 550 junge Musiker bewarben sich zuletzt für die Plätze, das zeigt wie begehrt die sind, etwa 80 Stipendiaten gibt es zurzeit. Das musikalische Spektrum ist weit, im Mittelpunkt steht aber die Kammermusik, also nicht das große Orchester.

„Euphorie für Kammermusik, Entdecken neuer Werke“

„Alles war geprägt von einer Aufbruchsstimmung, einer Euphorie für die Kammermusik, für das Entdecken neuer Werke, vor allem für das Konzept der Villa Musica: das gemeinsame Musizieren von erfahrenen und jungen Musikerinnen und Musikern aus aller Welt“, berichtet Alexander Hülshoff, Professor für Violoncello an der Essener Folkwang Universität der Künste und einst selbst Villa Musica-Stipendiat.

Seit fünf Jahren ist Hülshoff zudem künstlerischer Leiter der Landesstiftung und schwärmt vom „Kommen und Gehen von international tätigen Musik-Hochkarätern“ und von den jungen Musikern. Sich durchzusetzen gelinge nur den Bewerbern, „die vieles mitbringen: exzellentes instrumentales Niveau, starke eigene Gestaltungskraft, Offenheit gegenüber den verschiedenen Epochen, einschließlich der Musik von heute“ sowie „ein wirkliches Interesse an der Kammermusik.“ Kein Wunder, dass Hülshoff von einem hohen Rénommée der Villa Musica und einer „starken Verankerung in der Musikwelt“ spricht.

Zuhause auf dem Kästrich in Mainz und in Schloss Engers

Zuhause ist die Villa Musica in Mainz, in einer kleinen Villa auf dem Kästrich gleich neben dem Gästehaus der Landesregierung – und auf Schloss Engers in Neuwied. Das Barockschloss unmittelbar am rechten Rheinufer, um 1760 erbaut vom Trierischen Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff als Jagdschloss, ist seit 1995 Akademie für Kammermusik. Hier werden die Konzerte erarbeitet, die dann im ganzen Land gehalten werden – oder im berühmten Diana-Saal des Schlosses, ein wahres Kleinod aus der Barockzeit.

Schloss Engers Neuwied - Foto Villa Musica
Schloss Engers Neuwied – Foto: Villa Musica

Denn als einziges Lustschloss der Trierischen Kurfürsten im Umkreis von Koblenz blieb Schloss Engers von den Zeitläuften und von den Franzosen verschont. So blieb das Schloss in seiner gesamten barocken Anlage und im Dianasaal der Freskenzyklus des Malergenies Januarius Zick erhalten.

Jubiläumsjahr mit Spitzenmusikern und „Bang on a Can“

Das Jubiläumsjahr der Villa Musica steckt natürlich voller Musik, oder besser: ein Feuerwerk voller klassischer Musik, das von klassisch-romantischer Kammermusik mit Isabelle van Keulen, David Grimal und vielen anderen Klassik-Stars über Barockmusik und Kinderkonzerte bis hin zur Neuen Musik mit „Bang on a Can“ aus New York reicht. Erleben könnt ihr etwa die Geiger Augustin Dumay aus Belgien und Hagai Shaham aus Israel ebenso wie den Blockflötisten Stefan Temmingh aus Südafrika, den Pianisten Andrea Lucchesini aus Italien sowie Ragna Schirmer und Martin Stadtfeld.

Und natürlich verteilen sich auch die Konzertorte wieder quer durchs Land, von Herdorf im Norden bis Herxheim im Süden, Kaiserslautern, Koblenz und Landau. In Mainz finden 24 Konzerte statt, in Schloss Engers 29.

Festkonzert am 4. September im Mainzer Schloss

Los geht es am 4. September mit dem großen Jubiläumskonzert im Kurfürstlichen Schloss in Mainz, dann spielen die „Villa Musica All Stars“, eine Mischung aus aktuellen Stipendiaten und Dozenten mit Stars aus der Geschichte und der Gegenwart – darunter auch Hülshoff persönlich sowie der neue Star-Geiger Marc Bouchkov, selbst ein ehemaliger Villa Musica-Stipendiat. Zu hören werden sein Ludwig van Beethovens Septett Es-Dur, op. 20, Tschaikowskys Streichsextett d-Moll „Souvenir de Florence“ sowie in Kaleidoskop von Worten und Musik aus 30 Jahren Villa Musica.

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Highlight im Jubiläumsjahr: Der Besuch von Bang on a Can All Stars aus New York – Foto: Peter Serling

In weiteren Konzerten in Mainz könnt Ihr unter anderem den israelischen Geiger Hagai Shaham bei Musik in der Synagoge (13.11.) erleben, das Classic Clash I: Ugawa, das sich zwischen Klassik, Jazz Gipsy und modernem Popp bewegt (23.11. Frankfurter Hof), ein romantisches Flötenkonzert (4.12. Villa Musica) oder ein Gedenkkonzert für den verstorbenen Künstler Klaus Arp (6.12. Villa Musica).

Bang on a Can aus New York, Jahreswechsel und Barockmusik

Highlight ist aber natürlich der Besuch von „Bang on a Can“ aus New York im November in Mainz, dem führenden Ensemble für Neue Musik – am 20. November ist das Kick-Off-Konzert für deren Besuchswoche, am 26. November das Abschlusskonzert mit einem Konzertmarathon (Frankfurter Hof). Ganz stilvoll könnt Ihr natürlich auch den Jahreswechsel mit der Villa Musica begehen: Mit dem Neujahrskonzert in Mainz am 30. Dezember.

Und wenn Ihr solange nicht warten könnt: Heute Abend, am 12. August, bieten die Brüder Francesco und Stefano Cerrato Barock vom Feinsten – auf wundervollen Barockinstrumenten und mit Bach, Vivaldi und Plattli im Gepäck. Dabei erinnern die beiden in Iatlien gefeierten Streicher auch an den barocken Mainzer Rudolf Franz Erwein von Schönborn. Der Neffe des Mainzer Kurfürsten Lothar Franz wurde 1677 in Mainz geboren und war ein leidenschaftlicher Cellist und Sammler italienischer Musik – aus seiner Sammlung spielen die beiden Cerratos zwei Werke von Vivaldi und Plattli. Restkarten gibt es noch an der Abendkasse, also sputet Euch.

Info& auf Mainz&: Alle Infos zum Jubiläumsjahr und natürlich dem Konzert heute Abend gibt es auf www.villamusica.de, das Jubiläumsprogramm selbst könnt Ihr Euch unter diesem Link direkt downloaden (Achtung, es öffnet sich ein pdf ;-)).

 

1 KOMMENTAR

  1. Wie oben gesagt hatte die Villa Musica auf der Bastei Nr. 3 in Mainz eine wunderbare Bleibe gefunden.

    Aber ach, wohl in Zsammenhang mit Sparmaßnahmen des Landes wurde ihr vor einigen Jahren ein großer Teil der Räume wieder entzogen und anderen Verwendungen zugeführt.

    Welch ein Jammer. Zwar gibt es nach wie vor Konzerte dort.
    Aber dem Wohlfühlen ist ein Dänpfer aufgesetzt.
    Für Künstler und Publikum ist es arg eng geworden.

    Muß das für immer so bleiben ???

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